Prostatakrebs – Ursachen, Symptome & Behandlung

10. April 2019
15 Min.

Kleine Drüse, große Probleme: Auch wenn es sich bei der Prostata um ein relativ kleines Organ handelt – immerhin ist sie nur etwa so groß wie eine Kastanie – kann sie einige Probleme verursachen. Eines davon ist Prostatakrebs.

Welche Symptome sind möglich?

  • Schmerzen in der Prostata
  • Probleme bei der Blasen- und Darmentleerung
  • Blut im Urin
  • häufiges Wasserlassen (vor allem nachts)
  • Harntröpfeln
  • Impotenz

Beim männlichen Geschlecht ist Prostatakrebs das häufigste Krebsleiden. Von 100.000 Männern erkranken pro Jahr immerhin rund 167 daran.1 Dabei ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend für den Erfolg der Heilung. Doch wie macht sich ein Prostatakarzinom bemerkbar? Und welche Ursachen und Therapiemöglichkeiten gibt es? Verschaffen Sie sich einen Überblick.

Ärztin stellt Prostatakrebs bei einem Mann fest


Übersicht:

Prostatakrebs: Ursachen und Risikofaktoren

Allgemein versteht die Medizin unter Krebs eine Gruppe von Erkrankungen, die eine Gemeinsamkeit haben: Die Zellen eines Organs oder Gewebes beginnen, sich krankhaft zu verändern, und teilen sich unkontrolliert. In der Folge wird gesundes Gewebe verdrängt oder sogar zerstört. Im Falle von Prostatakrebs vermehren und teilen sich die Zellen der Vorsteherdrüse.

Früher nahm man an, dass Testosteron dafür verantwortlich ist – die These ist heute jedoch nicht mehr haltbar. Nach neueren Untersuchungen hat das Testosteron keinen Einfluss auf das Krebsrisiko. Aber: Erkrankt ein Mann an Prostatakrebs, wächst der Tumor abhängig vom Hormon. Testosteron fördert nämlich das Wachstum und die Teilung der Tumorzellen. Aus diesem Grund ist die Blockierung der Testosteronwirkung in der Behandlung des Karzinoms ein möglicher Ansatz, um sein Wachstum zu bremsen. Eine eindeutige Aussage über das Wachstum eines Prostatakarzinoms ist jedoch nicht zu treffen. In manchen Fällen wächst es über einen großen Zeitraum vergleichsweise langsam, in anderen geschieht dies sehr schnell und aggressiv.

Ist Prostatakrebs vererbbar?

Wie auch bei anderen Krebsarten, besteht beim Prostatakarzinom die Möglichkeit, dass familiäre Vorerkrankungen Einfluss auf das Krebsrisiko haben. Das heißt, sind männliche Blutsverwandte daran erkrankt, erhöht sich das eigene Risiko. Doch nicht nur Vater, Onkel oder Bruder, auch die weibliche Seite kann Einfluss nehmen: Liegt ein gehäuftes Auftreten von Brustkrebs vor, steigt für männliche Nachkommen das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Er ist somit durchaus vererbbar – allerdings ist eine familiäre Häufung nur selten anzutreffen.

Auch wenn die Ursachen von Prostatakrebs noch nicht eindeutig geklärt sind, gibt es dennoch Risikofaktoren, die im Fokus der Wissenschaft stehen. Dazu zählen in erster Linie

  • zu wenig Bewegung und
  • eine ungesunde Ernährung.
DNA-Stränge zur Versinnbildlichung der genetischen Ursachen von Prostatakrebs

Die beiden Faktoren spielen eine große Rolle für die Höhe des eigenen Körpergewichts – und Übergewicht steht im Verdacht, das Krebsrisiko zu steigern. Eine gesunde sowie ausgewogene Ernährung und regelmäßige sportliche Aktivitäten sind daher als Vorsorgemaßnahmen zu empfehlen.

Auch andere Faktoren wie Alkohol und Rauchen werden von Experten immer öfter als mögliche Risiken genannt. Der Einfluss von sexuell übertragbaren Erkrankungen steht noch zur Diskussion. Widerlegt ist hingegen, dass ein sexuell sehr aktives Leben Einfluss auf die Entstehung nimmt.

Was macht eigentlich die Prostata?

Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist ein wichtiger Teil der inneren Geschlechtsorgane des Mannes. Anatomisch gesehen liegt sie unterhalb der Harnblase, zum Rücken grenzt sie an den Enddarm. Erst mit der Pubertät und der vermehrten Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron, beginnt das männliche Geschlechtsorgan zu wachsen und seine Funktion aufzunehmen. Seine Aufgabe ist es, beim männlichen Orgasmus die Prostataflüssigkeit in die Harnröhre zu entleeren – zusammen mit den Samenzellen und dem Sekret der Samenbläschen bildet sie das Ejakulat (Samenflüssigkeit). Durch die Wirkung von Testosteron als Wachstumsreiz kann sich mit zunehmendem Alter eine gutartige Vergrößerung des Organsentwickeln, die benigne Prostatahyperplasie (BPH) genannt wird.

Welche Symptome gibt es beim Prostatakrebs?

Während sich viele Erkrankungen durch eindeutige Symptome bemerkbar machen, zeigt Prostatakrebs – aufgrund seiner meist schleichenden Entwicklung – zu Beginn keine typischen Anzeichen. Erst, wenn sich die kranken Zellen weiter ausbreiten und wachsen, treten Probleme auf. Der Grund: Auch andere Bereiche des Körpers — etwa die Harnröhre — können nun betroffen sein. Dies wird zum Beispiel durch Probleme beim Wasserlassen deutlich. Ein anderes Symptom, das sich im späteren Stadium zeigt, sind beispielsweise Knochenschmerzen, die bei der Bildung von Metastasen (Tochtergeschwüre) außerhalb der Prostata auftreten. Weitere mögliche Anzeichen sind:

  • Schmerzen in der Prostata
  • erschwerte Darmentleerung (Verengung oder Verstopfung des Darms)
  • Blut im Urin
  • häufiges Wasserlassen (vor allem nachts)
  • Harntröpfeln
  • Impotenz
Männer, aufgepasst! Nicht immer sind Probleme beim Wasserlassen ein Hinweis auf Prostatakrebs. Die Symptome können auch bei anderen Erkrankungen wie einer Prostatavergrößerung oder einer Harnwegsentzündung auftreten. Daher ist es in jedem Fall ratsam, zur Abklärung der Beschwerden einen Arzt aufzusuchen, um eine eindeutige Diagnose zu erhalten.


Prostatakrebs-Symptome zeigen sich bei einem Mann durch Probleme beim Wasserlassen

Das Problem aufgrund der späten Beschwerden: Der Prostatakrebs befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und das verringert die Heilungschancen. Eine frühzeitige Diagnose ist daher erstrebenswert. Männern steht ab dem 45. Lebensjahr einmal pro Jahr eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung beim Urologen zu. In diesem Rahmen tastet der Arzt die Prostata ab. Bei Auffälligkeiten, zum Beispiel einer veränderten Form, oder beim Auftreten von Schmerzen folgen weitere Untersuchungen wie der PSA-Test (Messung des Prostata-spezifischen Antigens) oder ein Ultraschall. Ziel ist es, den Verdacht auf ein Prostatakarzinom auszuräumen oder zu bestätigen und im letzteren Fall anschließend eine geeignete Therapie anzugehen.

Informationen und Hilfe:

Möchten Sie sich über das Thema Prostatakrebs genauer informieren? Sind Sie auf der Suche nach einer professionellen Beratungsstelle? Wenden Sie sich hierfür an den Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. [https://www.prostatakrebs-bps.de/] oder an die Deutsche Krebshilfe. Dort finden Sie nicht nur ein Beratungstelefon, sondern auch Adressen für Selbsthilfe-Gruppen. Für weitere Informationen und aktuelle Entwicklungen besuchen Sie die Prostata-Hilfe-Deutschland.

Dem Prostatakarzinom auf der Spur – Diagnose durch Anamnese, Biopsie und Co.

Die Diagnose Prostatakrebs zu erhalten, ist wohl für alle Männer schwer. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn sich Angst breit macht und der Gang zum Arzt gemieden wird. Allerdings gilt: Je früher das Prostatakarzinom entdeckt wird, desto besser stehen die Heilungschancen. Zögern Sie daher nicht, bei Verdacht oder Symptomen einen Urologen aufzusuchen.

Seine Ziele sind

  • herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Krebs handelt oder ob möglicherweise eine andere, weniger schwerwiegende Erkrankung der Prostata hinter den Beschwerden steckt, und
  • bei Bestätigung des Verdachts zu klären, um welche Art von Krebs es sich handelt, wie groß der Tumor ist, wo genau er sitzt und ob sich bereits Metastasen gebildet haben.

Um Antworten auf diese und andere Fragen zu erhalten, greift der Arzt auf verschiedene Untersuchungsmethoden zurück:

Anamnese

Um dem Prostatakrebs auf die Spur zu kommen, steht am Anfang die Anamnese, also die ausführliche Befragung des Patienten zu seiner Krankengeschichte. Sie beinhaltet nicht nur die Feststellung aktueller Symptome und ihre bisherige Entwicklung, sondern auch Vor- und Begleiterkrankungen sowie Risikofaktoren (etwa das familiäre Krebsvorkommen). Schildern Sie Ihrem Arzt genau Ihre Probleme und nennen Sie so viele Details wie möglich – beispielsweise auch vermeintlich unwichtige Dinge, wie verschreibungspflichtige Medikamente, die Sie einnehmen. Der Arzt wird nach weiteren Informationen fragen, um ein umfassendes Bild zu erhalten.

Tastuntersuchung

Diese Methode beinhaltet in erster Linie das Abtasten der Prostata vom Enddarm aus – die anatomische Lage der Vorsteherdrüse nahe des Afters ermöglicht es. Aber keine Angst, das ist weder kompliziert noch schmerzhaft. In der Regel liegt der Patient mit leicht angewinkelten Beinen auf der Seite und versucht, sich zu entspannen. Dies erleichtert die Behandlung. Mit dem Finger ertastet der Arzt schließlich die Prostata und achtet dabei auf folgende Faktoren:

  • Druck- und Schmerzempfindlichkeit
  • Veränderung der Größe
  • Knoten oder Verhärtungen
  • Schwellungen

Da die Tastuntersuchung als alleinige Diagnosemethode nicht ausreichend Informationen liefert, ordnet der Arzt meist weitere Verfahren an.

Blutuntersuchung

Erhärtet sich der Verdacht auf Prostatakrebs, muss der Arzt weiterforschen. Der nächste Schritt: Mithilfe des PSA-Bluttests wird die Menge des sogenannten Prostata-spezifischen Antigens (PSA-Wert) bestimmt. Dabei handelt es sich um einen Eiweißstoff, der allein im Gewebe der Vorsteherdrüse zu finden und unter normalen Umständen nur geringfügig im Blut nachweisbar ist. Ein erhöhter Wert kann ein Hinweis auf Prostatakrebs sein. Allerdings: Auch andere Erkrankungen wie eine Prostataentzündung oder -vergrößerung sind mitunter dafür verantwortlich. Ist das Ergebnis auffällig und der Verdacht auf ein Karzinom noch nicht ausgeschlossen, müssen zusätzliche Untersuchungen folgen.

Biopsie

Die Entnahme einer Gewebeprobe eignet sich dafür, noch genauere Informationen zu erhalten und dadurch den Verdacht auf Krebs zu widerlegen oder zu bestätigen. Da die Prostata über den After gut zugänglich ist, erfolgt die Biopsie auf diesem Weg. Dabei handelt es sich um einen vergleichsweise harmlosen Eingriff, bei dem der Arzt mithilfe einer dünnen Hohlnadel in die verschiedenen Abschnitte der Prostata sticht, um mehrere kleine Gewebeproben zu entnehmen. Was im ersten Moment schmerzhaft klingt, geschieht jedoch tatsächlich sehr schnell und ist durch eine lokale Betäubung der Prostata völlig schmerzfrei. In seltenen Fällen wird eine Narkose eingesetzt.

Gut zu wissen:

Auch wenn die Biopsie zu den Routineuntersuchungen bei Prostatakrebs-Verdacht zählt, ist es dennoch möglich, dass Komplikationen auftreten. Ein Symptom, das Männer relativ häufig im Anschluss verspüren, ist ein leichtes Druckgefühl. Sollten Sie nach der Untersuchung allerdings plötzlich Schüttelfrost oder Fieber bekommen, suchen Sie bitte umgehend einen Arzt auf. Möglicherweise hat sich eine Prostataentzündung entwickelt.

Das gewonnene Gewebe wird zur weiteren Untersuchung ins Labor geschickt, wo nicht nur der Nachweis von Prostatakrebs erbracht, sondern auch der Schweregrad der bösartigen Gewebeveränderung festgestellt werden kann. In einigen Fällen, beispielsweise wenn sich im Rahmen der Biopsie Krebszellen trotz niedrigem PSA-Wert finden lassen, kann der Arzt zusätzlich bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CRT) oder Kernspintomografie (MRT) anordnen. Diese sind vor allem zur Vorbereitung auf operative Eingriffe oder die Strahlentherapie von Nutzen, da auf diesem Weg die genaue Lokalisation der Geschwüre möglich ist.

Behandlung eines Prostatakarzinoms

Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs – das zeigt sich spätestens bei der Behandlung. Denn je nachdem in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet und ob sich bereits Metastasen gebildet haben, kommen verschiedene Therapieansätze zum Einsatz. Zur Auswahl stehen unter anderem:

  • Prostatektomie: Die operative Entfernung eines Teils oder der gesamten Prostata sowie des befallenen Gewebes (beispielsweise der Harnröhre und Samenbläschen) gilt als sicherste Behandlungsmethode bei einem Prostatakarzinom. Im Anschluss kann es zu Nebenwirkungen wie Harnwegsinfektionen, Inkontinenz und auch Impotenz kommen. Je mehr von der Prostata entfernt wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, zeugungsunfähig zu werden.
  • Strahlentherapie: Bei dieser Form bleibt die Vorsteherdrüse erhalten, stattdessen werden die entarteten Zellen mittels ionisierender oder radioaktiver Strahlen zerstört. Für die Therapie sind über einen Zeitraum von bis zu neun Wochen mehrere Sitzungen notwendig.3 Auch hier lassen sich Nebenwirkungen wie Inkontinenz nicht ausschließen.
  • Hormontherapie: Im Rahmen einer hormonellen Behandlung sind unterschiedliche Verfahren möglich, beispielsweise die Gabe von Antiandrogenen oder die Entfernung des hormonproduzierenden Hodengewebes. Der Fokus liegt darauf, dem Prostatakarzinom das Testosteron zu entziehen und so das Wachstum zu bremsen.

Ziel aller Behandlungsmethoden ist es, eine dauerhafte Heilung zu erreichen, indem der Prostatakrebs und eventuelle Metastasen vollständig entfernt werden. Da sich das nicht immer realisieren lässt, ist die Alternative, die Ausbreitung des erkrankten Gewebes zu verringern.

Wann ist eine Chemotherapie angedacht?

Manchmal kann es sein, dass sich die Krebszellen in ein sogenanntes hormontaubes Stadium begeben. Das heißt, sie breiten sich trotz Hormontherapie weiter aus. In einem solchen Fall rät der Arzt möglicherweise zusätzlich oder im Anschluss an die hormonelle Therapie zu einer Chemotherapie. Die dabei zum Einsatz kommenden Medikamente sollen das Wachstum der Zellen aufhalten. Allerdings: Die Chemotherapie lässt sich nicht lokal begrenzen – die Medikamente verteilen sich im gesamten Organismus und greifen auch gesundes Gewebe an. Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Haarausfall sind nicht auszuschließen.

Fazit: Männer, geht zum Arzt!

Der Gang zum Urologen mag dem einen oder anderen Mann unangenehm oder gar peinlich sein – doch er kann Leben retten. Deshalb ist es wichtig, sich regelmäßig durchchecken zu lassen, auch wenn keine Beschwerden vorliegen. Nur so kann eine Diagnose rechtzeitig gestellt und die Behandlung begonnen werden. Je früher Sie sich darum kümmern, desto besser stehen die Chancen für den Heilungserfolg.

Tanja Albert
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Medizinredakteur und Medienwissenschaftler