Prostatabeschwerden – welche es gibt und warum sie auftauchen

25. Januar 2019
7 Min.

Sie ist für viele Männer immer noch die große Unbekannte – dabei sollte die Prostata nicht missachtet werden. Denn im Lauf des Lebens können Prostatabeschwerden auftreten, die manchmal harmlos, ab und zu aber auch schwerwiegend sind. Informieren Sie sich deswegen jetzt schon, was das überaus wichtige Organ so alles kann und warum es gelegentlich zu Problemen kommt.

Anatomische Grafik einer Prostata

Die Prostata: Was ist überhaupt ihre Funktion?

Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, bildet zusammen mit den Hoden, Nebenhoden und der Samenleiter die inneren Geschlechtsorgane des Mannes. Sie liegt direkt unterhalb der Harnblase und umschließt ringförmig den oberen Teil der Harnröhre – den Verbindungsweg des Urins von Blase bis zur Eichel. Sie befindet sich außerdem in der Nähe des Enddarms, weswegen sie durch den „Hintereingang“ gut ertastbar ist. Die Prostata misst nur vier Zentimeter1, was in etwa der Größe einer Kastanie entspricht. Sie entwickelt sich in der Pubertät und weist – vollständig ausgebildet – in etwa ein Gewicht von rund 20 Gramm auf.1 Verschiedene Prostatabeschwerden verändern Größe und Gewicht der Vorsteherdrüse aber stark. So erreicht das Organ zum Beispiel bei einer Prostatavergrößerung ein Gewicht von bis zu 100 Gramm.1

Die Prostata hat eine für den Mann wichtige Funktion: Die rund 40 Drüsen bilden ein milchiges Sekret, das Bestandteil der Samenflüssigkeit (Ejakulat) ist. Das wird benötigt, um Samenzellen (Spermien) zu transportieren. In dem Sekret befindet sich zudem ein Enzym namens PSA (Prostata-spezifisches Antigen), ohne das der Mann nicht zeugungsfähig wäre, da es die Flüssigkeit befruchtungsfähig macht. Bei einem Samenerguss ziehen sich die Muskeln der Prostata zusammen und pressen das Sekret in die Harnröhre, wo sich zusammen mit den anderen Bestandteilen wie Eiweiß und Spermien das finale Ejakulat bildet. Da Sie die Funktion der Prostata jetzt kennen, lohnt es sich doch durchaus, ihr etwas mehr Beachtung zu schenken, oder?

Auch interessant: Während der sexuellen Erregung und Ejakulation verschließt die Muskulatur des Harnblasenhalses den Weg zur Harnblase. Aus diesem Grund kann die Samenflüssigkeit nicht zurückfließen und die Beimischung von Urin zum Ejakulat wird verhindert.

Krankheiten der Prostata – die häufigsten Prostatabeschwerden

Die Prostata fristet trotz ihrer überaus wichtigen Funktion häufig ein unscheinbares Dasein, bis sie sich durch Prostatabeschwerden bemerkbar macht. Drei Erkrankungen treten im Zusammenhang mit dem Organ besonders oft auf.

Prostatitis

Bei dieser Prostatabeschwerde handelt es sich um eine Entzündung, die man grob in zwei Formen unterteilen kann. Häufig macht die bakterielle Prostatitis das Leben des Mannes schwer. Ursache dafür sind Bakterien, die ihren Weg meistens durch die eigentliche Einbahnstraße „Harnröhre“ in die Prostata finden. Die Ursachen der zweiten Form, der nicht-bakteriellen Prostatitis, sind nicht eindeutig; Stress oder eine Blasenentleerungsstörung gelten als mögliche Auslöser. Hier verordnet der Arzt meist eine Kombination aus Medikamenten, Ernährungsumstellung und gezielten Entspannungsübungen.

Benigne Prostatahyperplasie

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine gutartige Vergrößerung und eine Prostatabeschwerde, die spätestens im Alter sehr viele Männer betrifft. Die meisten Herren bemerken sie im Laufe ihres Lebens aber nicht, da sie symptomlos verläuft. Treten Probleme beim Urinieren auf, spricht man vom benignen Prostata-Syndrom (BPS). Diese Prostatabeschwerden behandelt der Urologe in der Regel medikamentös und verkleinert sie nur in einigen Fällen operativ. Der Grund für die Vergrößerung ist ein Stoffwechselvorgang, durch den die Zellen wachsen.

Prostatakrebs

Das Prostatakarzinom ist ein bösartiger Tumor in der Vorsteherdrüse und kann ebenfalls für eine Vergrößerung der Prostata verantwortlich sein sowie zunächst ähnliche Symptome hervorrufen. Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten bei Männern, rund 63.400 Neuerkrankungen werden jährlich diagnostiziert.2 Der Spezialist bestimmt die Behandlung je nach Alter des Patienten. Welche Erkrankung hinter Ihren Prostatabeschwerden steckt, findet der Urologe heraus. Wichtig ist, dass Sie bereits bei den ersten Symptomen bei ihm vorsprechen, um die dahintersteckende Ursache frühzeitig zu erkennen und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Ab zum Urologen: So wird die Vorsteherdrüse untersucht

Bei kleineren Wehwehchen fällt den meisten Männern der Gang zum Arzt leicht, nicht aber wenn es um Prostatabeschwerden geht. Warum ist der Besuch beim Urologen dann eine große Herausforderung für viele Männer? Meist ist es der Zeitmangel oder manchmal auch die Scham. Wir möchten aufklären und verraten, was beim „Männerarzt“ überhaupt passiert.


  • Anamnese: Eine systematische Patientenbefragung inklusive Ausfüllen eines speziellen Fragebogens gibt dem Arzt erste Anhaltspunkte. Mithilfe der Internationalen Prostata-Beschwerde-Skala kann er die Symtome einer Vergrößerung gut einordnen. Bei Prostatitis kommt der NIH-Chronic Prostatitis Symptom Index zum Einsatz, um Beschwerden richtig einzuschätzen.
  • Tastuntersuchung: Das Abtasten der Prostata dauert nur wenige Minuten – und ist der der Regel auch nicht so wild! Es gibt dem Urologen Aufschluss über die Größe und Beschaffenheit der Vorsteherdrüse. Durch diese Untersuchung geht der Arzt Prostatabeschwerden auf den Grund.
  • Blut-, Urin- oder Spermaproben: Verschiedene Laborwerte geben dem Mediziner Hinweise auf mögliche Entzündungen. Beispielsweise findet bei der Urinprobe meist die 4-Gläser-Probe beziehungsweise mittlerweile oft nur noch die 3-Gläser-Probe Anwendung. Bei einer Blutuntersuchung werden mögliche Veränderungen des PSA-Wertes erkannt.

Benötigt der Arzt genauere Bilder von Größe und Beschaffenheit der Prostata, ordnet er eine Ultraschalluntersuchung an. Auch diese Maßnahme ist in der Regel schmerzfrei und nach wenigen Minuten überstanden.

Vorsorgeuntersuchung:

Um ernsthafte Prostatabeschwerden, wie beispielsweise ein Karzinom, rechtzeitig zu erkennen, ist der regelmäßige Gang zum Arzt ratsam. Ab einem Alter von 45 Jahren werden die Vorsorgeuntersuchungen bei Männern im Rahmen des Programms zur Krebsfrüherkennung jährlich empfohlen und von den Krankenkassen übernommen. Nehmen Sie diese Möglichkeit also unbedingt wahr.