Was macht der Männerarzt? Untersuchung beim Urologen und Andrologen

26. Juni 2018
7 Min.

Untersuchungen beim Männerarzt im Überblick:

  • Vorsorgeuntersuchung der Prostata: Gerade im Alter bereitet die Prostata oftmals Probleme. Um verschiedene Krankheiten (wie etwa Krebs) frühzeitig zu erkennen, sind Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig und jedem Mann zu empfehlen.
  • Tastuntersuchung: Das Abtasten der Prostata gehört zu den bewährten Methoden der Früherkennung von gutartigen Prostatavergrößerungen oder Prostatakrebs.
  • PSA-Test: Hierbei handelt es sich um eine Blutanalyse mit dem Ziel, das sogenannte prostataspezifische Antigen zu messen. Diese Untersuchung gibt Aufschluss über die Gesundheit der Prostata, gilt jedoch als umstritten.
  • Urintest: Mittels einer Untersuchung des Urins, kann der Urologe herausfinden, ob Bestandteile wie etwa Blut oder Eiweiß enthalten sind. Infektionen und andere Krankheiten sind so erkennbar.
  • 3-Gläser-Probe: Diese Probe ist ein spezieller Urintest, der einen potenziellen Krankheitsherd genauer eingrenzt. Genauer gesagt zeigt er an, wo sich die Krankheitskeime im Urolgenitaltrakt angesiedelt haben.
  • Spermiogramm: Über die Analyse der Samenflüssigkeit sind Aussagen über die Qualität der enthaltenen Spermien möglich. Diese ist entscheidend für die Furchtbarkeit des Mannes.
  • Uroflowmetrie: Eine Harnflussmessung dient dazu herauszufinden, was der Grund für Symptome wie Schmerzen beim Wasserlassen, Blasenentleerungsstörungen oder dem Gefühl von Restharn sind.
  • Blasenspiegelung: Der Blick ins Innere der Blase bringt oftmals Erkenntnisse im Hinblick auf Erkrankungen der Harnblase oder -röhre.

Frauen gehen regelmäßig zum Frauenarzt. Und Männer? Zwar ist die Bezeichnung Männerarzt nicht sehr verbreitet, dennoch gibt es Mediziner, die sich auf Männerleiden spezialisiert haben. Obwohl der Urologe auch vom weiblichen Bevölkerungsteil aufgesucht werden kann, untersucht er neben den Harnwegen beider Geschlechter ebenfalls die Prostata. Der Androloge fokussiert sich dagegen auf geschlechtsspezifische Erkrankungen des Mannes. Doch was passiert beim Männerarzt?

Ein Urologe oder Androloge bei der Arbeit

Urologe und Androloge: Männerärzte für jede Lebensphase

Heutzutage achten Männer verstärkt auf ihren Körper sowie die eigene Lebensweise – dazu gehören auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitschecks. Der Gang zum Urologen ist daher für die meisten Männer Pflichtprogramm, um beispielsweise Prostatakrebs frühzeitig diagnostizieren zu lassen. Die Erkrankung zählt nämlich zu den häufigsten Krebsformen bei Männern. Spätestens ab dem 45. Lebensjahr wird eine jährliche Untersuchung beim Urologen empfohlen, auch wenn ansonsten keinerlei Beschwerden bestehen.1

Es spricht allerdings vieles dafür, dass auch junge Männer hin und wieder für einen Gesundheitscheck zum Urologen oder Andrologen gehen sollten. Denn der Männerarzt überprüft neben Nieren, Blase und Prostata auch Hoden und Penis. Er ist ebenfalls Ansprechpartner in Sachen Familienplanung und Sexualität. So kann er selbst Teenager beispielsweise zu den Themen Verhütung und Vorbeugung von Geschlechtskrankheiten beraten.

Interessant:

Die Zusatzqualifikation Androloge (übersetzt „Männerkundler“), die ein Urologe erwerben kann, gibt Männern einen Hinweis darauf, dass der Arzt vor allem auf ihre Leiden spezialisiert ist. Wer also auf der Suche nach einem Männerarzt ist, sollte auf den Zusatz Androloge achten.


Männerproblem Prostatitis: Was ist das?>>

Was passiert beim Urologen?

Die Vorstellung, sich von einem Männerarzt untersuchen zu lassen, kann Gefühle der Scham oder Angst hervorrufen. Diese Reaktion ist durchaus natürlich, immerhin geht es um den Intimbereich – das sollte allerdings niemanden vom Arztbesuch abhalten.

Beim ersten Termin steht das persönliche Gespräch im Vordergrund. Dabei stellt der Urologe unter anderem Fragen zu folgenden Themen:

  • Grund des Besuchs (Vorsorge, Beschwerden)
  • Vorerkrankungen, Operationen, Medikamenteneinnahme
  • Erkrankungen innerhalb der Familie (zum Beispiel Krebs, Harnsteine)
  • Lebensstil (Ernährung, Alkohol- und Drogenkonsum)
  • psychosoziales Umfeld (Familie, Stress)
  • Sexualität (beispielsweise vorzeitiger Samenerguss, Erektionsstörungen)

Der Urologe, vor allem mit der Weiterbildung als Androloge, ist Experte für Männerprobleme aller Art und begegnet seinen Patienten daher mit angemessener Empathie. Dass Gespräche und Untersuchungsergebnisse vertraulich behandelt werden, ist selbstverständlich.

Bei einem weiterführenden Gesundheitscheck untersucht der Männerarzt die Genitalien und den Lendenbereich. Er achtet dabei auf Rötungen der Haut, Schwellungen sowie Ausfluss aus der Harnröhre. Beim Penis zieht er die Vorhaut behutsam zurück, um auch die darunter liegende Eichel nach Auffälligkeiten zu untersuchen. Der Hodensack wird abgetastet, um eventuelle Knoten festzustellen. Hodenkrebs kommt zwar seltener vor als Prostatakrebs, dafür tritt er oft schon bei jungen Männern auf. Vor allem betroffen ist die Altersgruppe zwischen 20 und 35 Jahren.2

Tipp zur Krebsvorsorge:

Es wird empfohlen, dass Männer ihre Hoden regelmäßig selbst abtasten, um Gewebeveränderungen (zum Beispiel Knoten) frühzeitig festzustellen. Wer sich unsicher ist, kann den Männerarzt um eine entsprechende Unterweisung bitten

.

Die Prostatauntersuchung

Bei Männern ab 45 Jahren wird der Urologe zusätzlich die Prostata abtasten.1 Diese Untersuchung ist auch als digital-rektale Untersuchung bekannt. Für die Früherkennung von Prostatakrebs und auch Darmkrebs kann sie erste Hinweise liefern.

Die Prostata (Vorsteherdrüse) liegt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre. Ihre Rückseite – die Stelle, an der die meisten Tumore entstehen – kann mit dem Finger vom Enddarm beziehungsweise After aus abgetastet werden. Dafür legt sich der Patient meist seitlich auf eine Liege und zieht die Knie an. Die Untersuchung dauert nicht lange und verursacht keine Schmerzen.

Gegebenenfalls ergänzt der Männerarzt das Abtasten von Hoden und Prostata durch eine Ultraschalluntersuchung, um einen noch genaueren Eindruck der Organe zu erhalten. Manche Urologen empfehlen im Rahmen der Krebsvorsorge zusätzlich einen PSA-Test. Dabei handelt es sich um einen Bluttest, der den Anteil des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blutkreislauf misst. Das Enzym gilt als Tumormarker für Prostatakrebs. Da die Sinnhaftigkeit des Tests unter Experten bislang noch umstritten ist, lassen Sie sich von Ihrem Arzt bestenfalls ausführlich über Kosten und Kostenübernahme der Krankenkassen informieren. Es besteht die Möglichkeit, dass hier — aufgrund der vorhandenen Uneinigkeit — keine oder nicht alle Kosten übernommen werden.

Zeigen die Untersuchungsergebnisse Auffälligkeiten oder bestehen Beschwerden, entscheidet der Arzt, welche weiteren Diagnosemethoden zum Einsatz kommen. Egal, ob es sich um die Krebsvorsorge handelt oder Probleme mit Nieren, Harnwegen und Co. auftreten – je eher eine Erkrankung diagnostiziert wird, desto erfolgreicher lässt sie sich in der Regel behandeln.

Peggy Richter
Mail schreiben
Autorin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!
Jan Zimmermann
Mail schreiben
Medizinredakteur und Medienwissenschaftler
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!