Mit etwas Hilfe seinen Mann stehen – die Penisprothese

2. Mai 2019
8 Min.

Die allerletzte Lösung bei erektiler Dysfunktion (Erektionsstörung) oder Impotenz – wenn Medikamente, Penisvakuumpumpe und Psychotherapie keine Wirkung (mehr) zeigen – ist die Implantation einer sogenannten Schwellkörperprothese. Mit dieser hydraulischen Vorrichtung ist es dem betroffenen Mann wieder möglich, eine Erektion zu bekommen. Hier erfahren Sie alles zur Funktionsweise, über die Operation und die Konsequenzen, die der Eingriff mit sich bringt.

Die Darstellung zeigt, wo sich die implantierte Penisprothese im Körper zur Behandlung von Erektionsstörungen befindet.


Alles in Kürze:

Eine Penisprothese ist ein vom Facharzt eingesetztes Implantat, das die Schwellkörper im Glied ersetzt und bei starker erektiler Dysfunktion eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion ermöglicht. Je nach Modell ist diese dauerhauft oder manuell hervorrufbar.

Die Operation ist ein unumkehrbarer Eingriff (irreversibel), da große Teile des Gewebes entfernt werden. Der Patient sollte über diesen Sachverhalt umfassend vom Arzt informiert werden.

Nach dem Eingriff braucht es noch etwa drei bis vier Wochen an Zeit, damit alle Wunden verheilt sind.2 Außerdem wird der Patient von ärztlichem Fachpersonal in der Handhabung der Prothese geschult, um ein übermäßiges Aufpumpen und damit verbundene Verletzungen zu verhindern.

Penisprothese: Was genau ist das und wie funktioniert sie?

Eine Schwellkörperprothese ist eine operativ eingesetzte Apparatur, die das schwammartige Gewebe im Penis ersetzt und es dem Mann wieder ermöglicht, eine Erektion zu bekommen. Sie hat den Vorteil, dass keine Medikamente mit Vorlaufzeit genommen oder äußerlich anwendbare Geräte hinzugezogen werden müssen.

Es gibt verschiedene Varianten der Prothese:

  • Rigid (dauerhaft hartes Implantat)
  • Semirigid (biegbare Apparatur)
  • Hydraulisch (mit Flüssigkeit gefülltes Schwellkörperimplantat)

Die rigide Prothese wird heutzutage eigentlich nicht mehr verwendet, denn einen ständig erigierten Penis an sich zu haben, empfinden viele als sehr unangenehm und unpraktisch. Mittlerweile haben sich die anderen beiden Arten etabliert.

Das semirigide Modell besteht aus Silikon und hat einen Kern aus Metallgeflecht. Für den Geschlechtsverkehr wird das Glied dann einfach mit der Hand nach oben zurechtgebogen. Auch hier ist der Penis in einem dauererigierten Zustand, lässt sich aber besser „verstauen“.

Bei der dritten Variante zur Behandlung einer Impotenz, der hydraulisch gelösten Schwellkörperprothese, kann der betroffene Mann die Erektion manuell steuern, was einen enormen Vorteil gegenüber den anderen Varianten darstellt. Im Normalzustand bleibt das Glied weich. Über ein kleines Reservoir neben der Harnblase wird dann bei Bedarf eine Flüssigkeit in den Penis gepumpt. Die Handpumpe befindet sich dafür im Hodensack. Über die Betätigung dieser (Druckausübung) kommt es zu einer Erektion. Das Reservoir ist mit Kochsalzlösung oder reinem Wasser befüllt.

Vor dem Eingriff sollte abgeklärt sein, ob die Krankenkasse Kosten für die Operation übernimmt. Gesetzlich Versicherte müssen in der Regel den gesamten Betrag bezahlen, privat Versicherte sind mit 50 Prozent an den Kosten beteiligt. Insgesamt kostet die Operation rund 11.000 Euro.1

Wie wird die Penisprothese implantiert?

Zu allererst erfolgt – falls nicht bereits vorher geschehen – die Aufklärung des zu Operierenden über den Ablauf des Eingriffs. Danach versetzt der Operateur den Patienten in Rückenlagerung mit leicht gespreizten Beinen in Narkose. Nachdem ein Katheter gelegt und der Intimbereich des Patienten rasiert, gereinigt, desinfiziert und mit sterilen Tüchern abgedeckt wurde, kann der eigentliche Eingriff erfolgen.

Der Mediziner schneidet in den Bereich der Peniswurzel (Übergang zum Unterleib) und entfernt Gewebeteile des Schwellkörpers. Dadurch schafft er Platz für das Implantat. Für das rigide beziehungsweise semirigide Modell ist kein weiterer Gewebeeingriff nötig. Da bei der hydraulischen Lösung weitere Vorrichtungen im inneren Genitalbereich implantiert werden müssen, ist die OP etwas aufwändiger. Neben den Silikonprothesen braucht es noch die Handpumpe, die in den Hodensack, und das Flüssigkeitsreservoir, das neben die Harnblase gesetzt wird. Dünne Schläuche verbinden die einzelnen Komponenten. Diese gilt es störungsfrei (Schläuche knicken beispielweise nicht ab) in den Urogenitalbereich einzubetten, damit die Flüssigkeit ohne Hindernis oder Beschwerden auslösend aus dem Speicher in das Glied fließen kann. Am Ende überprüft der Operateur die Apparatur auf die Funktion hin – die Prothese wird dabei zu etwa 90 Prozent aufgepumpt – und vernäht letztendlich die Wunde wieder.2

Das folgt nach dem Eingriff

Am Tag nach der OP wird der Katheter entfernt und die hydraulische Prothese auf die Hälfte abgelassen. Erst am zweiten Tag danach lässt der Arzt das Implantat komplett runter.

Der Patient hat zwei Tage lang Bettruhe zu halten.2 Medikamentös wird darauf geachtet, eine Thrombose während der Bewegungslosigkeit zu verhindern. Insgesamt ist im Krankhaus mit einer Gesamtaufenthaltsdauer von ungefähr fünf Tagen zu rechnen.3

Erst nach drei bis vier Wochen – nach umfassender urologischer Kontrolle – weist das medizinische Personal den Patienten ambulant in die Funktionsweise und Handhabung der Prothese (Betätigung der Pumpe) ein.2 Der erste Geschlechtsverkehr sollte erst nach etwa fünf Wochen erfolgen.2

Konsequenzen und Risiken einer Penisprothese

Bei der Operation entfernt der Arzt Gewebe des schwammartigen Schwellkörpers. Dieser ist dann unumkehrbar verletzt. Ein Umschwenken auf eine andere Behandlungsvariante, wie zum Beispiel mit Medikamenten, ist dann nicht mehr möglich. Über diese Tatsache sollten Patienten von ihrem behandelnden Urologen umfassend informiert werden.

Ein operativer Eingriff birgt auch immer die Gefahr vor Komplikationen. Zu den Risiken gehören:

  • Verletzungen von Harnröhre und Nervenbahnen
  • Krümmung zu einer Seite hin aufgrund von zu langen Prothesen und einer ungünstigen Narbenbildung
  • Infektion der Wunde

Letzteres äußert sich vor allem durch Schmerzen, Rötungen, Funktionsstörungen und Schwellungen. Behandelt wird eine Entzündung über eine konservativ-medikamentöse Therapie. Sind Bakterien die Auslöser, dann erfolgt die Verabreichung von Antibiotika.

Auch wenn der Penis nach einer Schwellkörperimplantation erigierbar ist – die Eichel bleibt weich. Das kann mitunter dazu führen, dass Schwierigkeiten und womöglich Schmerzen beim Eindringen in die Scheide vorkommen. Bei einem übermäßigen Druck durch eigenes Pumpen können Gewebeschädigungen und innere Blutung – zu erkennen an Blutergüssen (Hämatome) – entstehen.

Eine Penisprothese bringt ein ganzes Stück Lebensqualität zurück

Eine durch eine Prothese hervorgerufene Erektion ist optisch nicht mit der natürlichen zu vergleichen. Das ist damit zu erklären, dass das Glied nicht an Masse zunimmt, sondern vor allem Härte und Standfähigkeit dazugewinnt. Häufig ist der erigierte Penis kürzer oder schmäler als früher. Zudem ist die Eichel nicht hart, was auch zu Abweichung führen kann, denn die Spitze des Penis zeigt dann leicht nach unten.

Auch jeder natürlich erigierte Penis gleicht nicht dem anderen. Diese Tatsache mag den Männern die Gewöhnung an das neue Erscheinungsbild ihres besten Stücks erleichtern. Mit einer Schwellkörperprothese haben sie außerdem den Vorteil, das Thema erektile Dysfunktion der Vergangenheit angehören zu lassen und wieder ein erfülltes Liebesleben genießen zu können.

Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin
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