Mit der 3-Gläser-Probe Krankheitserregern auf der Spur

28. Januar 2019
6 Min.

Wenn es für den Arzt nicht direkt erkennbar ist, welche Ursache hinter den Schmerzen beim Wasserlassen steckt, führt er eine 3-Gläser-Probe durch. Mit deren Hilfe lässt sich bestimmen, ob beispielsweise eine Harninfektion vorliegt oder doch eine andere Erkrankung. Lesen Sie hier, wie genau die Diagnose funktioniert.

3-Gläser-Probe zur Untersuchung des Urins

3-Gläser-Probe – wofür ist sie notwendig?

Die 3-Gläser-Probe ist eine spezielle Urinprobe, die dazu dient, den Krankheitsherd genauer zu bestimmen, wenn Probleme beim Wasserlassen vorliegen. Oft lässt sich anhand der Beschwerden allein nicht feststellen, ob die Ursache in Nieren und Blase oder in der Prostata zu suchen ist.

Die Diagnosemethode, die in Form einer 3-Gläser-Probe oder 4-Gläser-Probe durchgeführt werden kann, gibt Aufschluss darüber, wo die Krankheitskeime angesiedelt sind. Eingesetzt wird sie bei folgenden Symptomen:

Wissenswert:

Damit die 3-Gläser-Probe akkurate Ergebnisse liefert, muss eine Verunreinigung mit anderen Bakterien unter allen Umständen vermieden werden. Deshalb ist es zwingend notwendig, dass der Patient vor der Untersuchung den Penis, insbesondere den Harnröhrenausgang und die Eichel, gründlich mit Seife oder einem antibakteriellen Waschmittel reinigt.

Der Unterschied zwischen 3-Gläser-Probe und 4-Gläser-Probe

Bei der 3-Gläser-Probe wird der Urin aus drei verschiedenen Stadien des Wasserlassens separat aufgefangen und analysiert:

  • Erststrahlurin
  • Mittelstrahlurin
  • Urin nach Prostatamassage

Die 4-Gläser-Probe unterscheidet sich hierzu folgendermaßen:

  • Erststrahlurin
  • Mittelstrahlurin
  • Mittelstrahlurin
  • Resturin

Die erste Probe enthält nur etwa zehn Milliliter Anfangsurin. Der Patient muss den Harnfluss kurz unterbrechen, während der Arzt das Glas gegen ein neues austauscht. Anschließend folgt das Auffangen des sogenannten Mittelstrahlurins – eine vollständige Entleerung der Blase ist auch hier nicht vorgesehen. Nachdem der Urologe die zweite Probe verschlossen hat, führt er eine Prostatamassage über den After durch. Dabei sondert die Prostata ein Sekret (Prostataexprimat) durch die Harnröhre ab, das in einem dritten Glas aufgefangen wird. Allerdings ist es in der Praxis nicht immer möglich, das Prostatasekret einzeln zu sammeln – es kann sein, dass sich Urin und Sekret vermengen. In diesem Fall liegt eine 3-Gläser-Probe vor, während bei einer erfolgreichen Trennung von einer 4-Gläser-Probe die Rede ist.

Anfangsurin und Mittelstrahlurin geben Auskunft über die Harnwege

Aufgrund der Komplexität der Harnwege kann mithilfe der 3-Gläser-Probe oder 4-Gläser-Probe nachgewiesen werden, ob sich die Krankheitserreger, welche die Beschwerden beim Wasserlassen verursachen, in der Harnröhre, der Blase oder der Prostata befinden.

Der Erststrahlurin wird zu Beginn der Miktion (Wasserlassen) abgelassen. Hier befindet sich eine große Erregerdichte, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, sie zu identifizieren Der Erststrahlurin wird beispielsweise herangezogen, um Chlamydien-Bakterien oder Enteroviren nachzuweisen.

Der Mittelstrahlurin kommt dagegen aus der Harnblase und wird aus dem bereits laufenden Harnstrahl gewonnen. Er dient in erster Linie der Diagnose bakterieller Erkrankungen, beispielsweise einer Blasenentzündung. Der Mediziner zieht den Mittelstrahlurin aber auch für die allgemeine Überprüfung der Blasen- und Nierenfunktion heran, denn hier können neben Krankheitserregern ebenfalls Stoffwechselprodukte wie Eiweiß, Zucker, Nitrit, Ketone sowie rote oder weiße Blutkörperchen nachgewiesen werden. Die Konzentration dieser Stoffe im Urin gibt Hinweise auf Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Krebs in den Harnwegen oder Infektionen der Blase und Nieren.

Prostatitis-Erreger lassen sich im Exprimaturin nachweisen

Die Prostata (Vorsteherdrüse) befindet sich unterhalb der Harnblase. Das etwa kastaniengroße Organ umschließt die Harnröhre des Mannes. Auf gleicher Höhe mündet auch der Spritzkanal des Samenleiters in die Harnröhre, die beim Mann neben der Ausscheidung von Urin auch dem Transport der Samenflüssigkeit dient. Die Prostata produziert ein Sekret, das sich mit den Samenzellen vermischt, das Ejakulat dünnflüssiger und die Spermien damit beweglicher macht. Massiert der Arzt nach den ersten beiden Schritten der 3-Gläser-Probe die Prostata, gibt diese etwas von dem Sekret ab, das entweder separat oder gemeinsam mit dem Urin aufgefangen und analysiert wird.

Entdeckt der Urologe hier Krankheitserreger, ist es möglich, dass es sich bei den Beschwerden um eine bakterielle Prostatitis (Prostataentzündung) handelt. Ähnlich wie bei einer Blasenentzündung kann dies die Folge einer verschleppten Harnröhreninfektion sein. Aber auch Erreger im Blut gelangen gelegentlich in die Prostata und lösen dort eine entzündliche Reaktion aus.

Allerdings handelt es sich nur bei etwa zehn Prozent aller Prostatitisfälle um die bakterielle Form.1 Die meisten Prostataentzündungen sind abakteriell und lassen sich beispielsweise auf Stressbelastung oder zurückliegende Krankheiten (zum Beispiel Rückfluss von Harn) zurückführen. Für eine genaue Diagnose genügt daher die 3-Gläser-Probe nicht. Sie muss durch weitere Untersuchungen wie einen Bluttest oder eine Ultraschalluntersuchung ergänzt werden.