3-Gläser-Probe: Den Krankheitserregern auf der Spur

26. Juni 2018
9 Min.

Wenn es für den Arzt nicht direkt erkennbar ist, welche Ursache hinter Schmerzen beim Wasserlassen steckt, führt er möglicherweise eine 3-Gläser-Probe durch. Mit deren Hilfe lässt sich bestimmen, ob beispielsweise eine Harnwegsinfektion, eine Prostataentzündung oder doch eine andere Erkrankung vorliegt. Lesen Sie hier, wie genau die Untersuchung funktioniert und was es für Patienten dabei zu beachten gibt.

Im Überblick: Die 3-Gläser-Probe...

  • ...ist eine spezielle Art der Urinauswertung, bei der der Arzt drei verschiedene Proben nimmt.
  • ...kommt beispielsweise bei Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen und ständigem Harndrang zum Einsatz.
  • ...kann Hinweise darauf geben, ob zum Beispiel eine Prostataentzündung oder eine Harnwegsinfektion vorliegt.
  • ...ist für den Patienten in der Regel nicht mit Schmerzen verbunden.
3-Gläser-Probe zur Untersuchung des Urins


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3-Gläser-Probe – wann ist sie notwendig?

Die 3-Gläser-Probe ist eine besondere Urinuntersuchung, die dazu dient, den Krankheitsherd genauer zu bestimmen, wenn Probleme beim Urinieren vorliegen. Sie ermöglicht dem Arzt festzustellen, in welchem Abschnitt der männlichen Harnwege eine Entzündung besteht. Oft lässt sich nämlich anhand der Beschwerden allein nicht feststellen, ob die Ursache in Nieren und Blase oder in der Prostata zu suchen ist.

Die 3-Gläser-Urinprobe kommt beispielsweise bei folgenden Symptomen zum Einsatz:

Der richtige Ansprechpartner bei Problemen mit der Harnausscheidung ist der Urologe – ein Speziallist für Erkrankungen des Urogenitaltrakts (umfasst Harnwege, Harnblase, Prostata, Penis und Hoden). Sie sollten ihn bei entsprechenden Symptomen möglichst frühzeitig aufsuchen, damit er die zugrundeliegende Ursache herausfinden, eine Behandlung in die Wege leiten und langfristigen Komplikationen (beispielsweise einer chronischen Prostatitis) vorbeugen kann.

Die 3-Gläser-Probe gibt dem Mediziner beispielsweise Rückschlüsse auf Folgendes:

Der Unterschied zwischen 3-Gläser-Probe und 4-Gläser-Probe

Bei der 3-Gläser-Probe wird Harn aus drei verschiedenen Stadien des Wasserlassens separat aufgefangen und analysiert. Sie umfasst:

  • Erststrahlurin
  • Mittelstrahlurin
  • Urin nach Prostatamassage

Die 4-Gläser-Probe unterscheidet sich dadurch, dass vier Proben entnommen werden:

  • Erststrahlurin
  • Mittelstrahlurin
  • Prostatasekret nach Prostatamassage
  • Resturin

3-Gläser-Probe und 4-Gläser-Probe: Der Ablauf

Im Rahmen der 3- beziehungsweise 4-Gläser-Analyse sammelt der Fachmediziner verschiedene Harnproben. Die Erste enthält etwa zehn Milliliter Anfangsurin.1 Der Patient muss den Harnfluss nach dieser kurz unterbrechen, während der Arzt den Becher gegen einen neuen austauscht. Anschließend folgt das Auffangen des sogenannten Mittelstrahlurins – eine vollständige Entleerung der Blase ist auch hier nicht vorgesehen. Nachdem der Urologe die zweite Probe verschlossen hat, führt er eine Prostatamassage über den After durch.

Wissenswert:
Damit die 3-Gläser-Analyse akkurate Ergebnisse liefert, muss eine Verunreinigung mit anderen Bakterien (außerhalb des Harnstrahls) unter allen Umständen vermieden werden. Deshalb ist es notwendig, dass der Patient vor der Untersuchung den Penis, insbesondere den Harnröhrenausgang und die Eichel, gründlich mit Seife oder einem antibakteriellen Waschmittel reinigt. Zudem sollte der Betroffene vor der Diagnose reichlich trinken, sodass die Blase gut gefüllt ist.

Das bei der Massage durch die Harnröhre abgegebene Sekret wird in einem dritten Becher gesammelt. Allerdings ist es in der Praxis nicht immer möglich, das Prostatasekret einzeln zu erfassen – oft passiert es, dass sich Urin und Sekret vermengen. In diesem Fall liegt eine 3-Gläser-Probe vor, während bei einer erfolgreichen Trennung von einer 4-Gläser-Probe die Rede ist. Bei der 4-Gläser-Probe werden also Sekret der Prostata und Resturin getrennt voneinander aufgefangen und untersucht. Jedoch gelingt die Methode mit vier Proben nur sehr selten, weswegen die 3-Gläser-Probe die gängigere Form ist.

Was ist eine Prostatamassage?
Bei der Prostatamassage stimuliert der Urologe das Organ mit den Fingern, damit dieses das für die Untersuchung benötigte Sekret abgibt. Dafür liegt der Patient mit angezogenen Beinen auf der Seite – der Arzt kann nun über den Enddarm vorsichtig die Prostata ertasten. Oft dauert dieser Vorgang nur wenige Sekunden. Selbst wenn sich die Massage für den Untersuchten vielleicht unangenehm anfühlt, so verursacht sie meistens keine Schmerzen.

Anfangsurin und Mittelstrahlurin geben Auskunft über den Gesundheitszustand der Harnwege

Die 3-Gläser-Analyse ermöglicht dem Mediziner herauszufinden, in welchem Abschnitt der männlichen Harnwege eine Entzündung und somit die Ursache für die Symptome liegt. Jede Urin-Art kann dabei einem Organ zugeordnet werden.

Art der Probe: Ermittlung der Keimbelastung in:
Erststrahlurin Harnröhre
Mittelstrahlurin Blase
Urin nach Prostatamassage beziehungsweise Prostatasekret Prostata

Der Erststrahlurin wird zu Beginn der Miktion (Harnausscheidung) aus der Harnröhre abgelassen. Der Arzt zieht die erste Urinprobe beispielsweise heran, um Chlamydien-Bakterien oder Enteroviren nachzuweisen.

Der Mittelstrahlurin kommt dagegen aus der Harnblase und wird aus dem bereits laufenden Harnstrahl gewonnen. Er dient in erster Linie der Feststellung bakterieller Erkrankungen der Blase, beispielsweise einer Blasenentzündung.

Der Mediziner zieht die mittlere Urinausscheidung aber auch für die allgemeine Überprüfung der Blasen- und Nierenfunktion heran, denn hier können neben Krankheitserregern ebenfalls Stoffwechselprodukte wie Eiweiß und Zucker sowie rote (Erythrozyten) oder weiße Blutkörperchen (Leukozyten) nachgewiesen werden. Die Konzentration dieser Stoffe im Urin gibt Anhaltspunkte auf Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Harnwegstumore oder Infektionen der Blase und Nieren.

Prostatitis-Erreger lassen sich im Sekret nachweisen

Die Prostata (Vorsteherdrüse) befindet sich unterhalb der Harnblase. Das etwa kastaniengroße Organ umschließt die Harnröhre des Mannes. Auf gleicher Höhe mündet der Spritzkanal des Samenleiters in die Harnwege, die bei Männern neben der Ausscheidung von Urin auch dem Transport der Samenflüssigkeit dienen.

Die Prostata produziert ein Sekret, das sich mit den Samenzellen vermischt, das Ejakulat dünnflüssiger und die Spermien damit beweglicher macht. Massiert der Arzt nach den ersten beiden Schritten der 3-Gläser-Probe die Prostata, gibt diese etwas von dem Sekret ab, das entweder separat oder gemeinsam mit dem Urin in einen Becher gelangt und analysiert wird.

 Entdeckt der Mediziner in dieser Flüssigkeit Krankheitserreger, deutet das darauf hin, dass der Grund für die Beschwerden ein Leiden der Prostata, zum Beispiel eine bakterielle Prostatitis (Prostataentzündung), ist. Ähnlich wie bei einer Blasenentzündung kann dies die Folge einer verschleppten Harnröhreninfektion sein. Aber auch Erreger im Blut gelangen gelegentlich in die Prostata und lösen dort eine entzündliche Reaktion aus.

Gut zu wissen
Es handelt sich nur bei etwa zehn Prozent aller Fälle um eine bakterielle Prostatitis.2 Die meisten Entzündungen sind abakteriell (nicht-bakteriell) und beispielsweise durch Stressbelastung oder chronische Blasenentleerungsstörungen ausgelöst.

Zur genauen Diagnostik der Prostataentzündung genügt daher die 3-Gläser-Analyse, die nur bakterielle Ursachen aufzeigt, nicht. Sie muss durch weitere Untersuchungen, wie einen Bluttest oder eine Ultraschalluntersuchung, ergänzt werden. Nur so kann der Arzt eine genau Diagnose stellen und eine passende Therapie, zum Beispiel mit einem Antibiotikum (bei einer bakteriellen Entzündung) oder in Form von stressreduzierenden Medikamenten, einleiten.

Peggy Richter
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