Ein Harnstau (obstruktive Uropathie) ist kein Pipifax

3. April 2019
2 Min.

Bei einem Harnstau kann der Urin nicht wie gewöhnlich abgegeben werden. Verantwortlich dafür sind zum Beispiel Hindernisse oder Entzündungen, die den Abfluss in den ableitenden Harnwegen stören. Als Folge daraus staut sich der Urin und es entstehen möglicherweise Infektionen, welche die Nieren angreifen können. Deswegen ist eine sorgfältige Abklärung und Therapie des Harnstaus unabdingbar.

Ein Mann, der sich den Rücken hält, symbolisiert Nierenschmerzen aufgrund von Harnstau.


Alles auf einen Blick

Daher kommt der Harnstau: Ursachen

Nicht immer sind die Harnwege bei einem Stau komplett blockiert. Ärzte unterscheiden hier zwischen einer vollständigen oder teilweisen Obstruktion (Verschluss). Zudem kann sie ein- oder beidseitig auftreten und akut (plötzlich) oder chronisch (schleichend) verlaufen. In der Folge kommt es unter Umständen zu einem Harnrückstau, der auch Refluxuropathie (Urin fließt in die Niere) genannt wird.

Zu den häufigsten Ursachen eines Harnstaus zählen:
  • Steine in den Harnwegen (zum Beispiel Nieren- oder Blasensteine)
  • Infekte, wie eine Blasenentzündung
  • eine gutartige Prostatahyperplasie oder Prostatakrebs
  • Polypen (gutartige Auswucherungen) oder Blutgerinnsel am Harnleiter
  • muskuläre Störungen des Blasen- oder Blasenschließmuskels (beispielsweise durch Medikamente wie Anticholinergika)
  • Entstehung von Narben nach vorherigen Operationen
  • Tumore, Zysten oder Abszesse in Beckenorganen (zum Beispiel Harnblase oder Prostata)
Aha!

Eine gutartige Prostatavergrößerung ist eine Erkrankung, die bei Männern weit verbreitet ist. Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum das starke Geschlecht öfter an einer Harntransportstörung wie dem Harnstau leidet.


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Hier zwickt’s bei einem Harnstau

Die Symptome eines Harnstaus hängen von den Ursachen ab. Da diese sehr unterschiedlich sind, variieren auch die Beschwerden bei jedem Patienten. Auftreten können beispielsweise:

  • Schmerzen oder Druckgefühl aufgrund einer Ausdehnung der Blase (bei Blockaden der Harnröhre)
  • häufiger Harndrang
  • periodisch auftretende Schmerzen im Bereich der Flanke (wenn sich der Urin bereits bis in die Nieren staut), die teilweise mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen
  • Fieber mit Eiter oder Blut im Urin (bei einer Harnwegsinfektion)
  • unspezifische Symptome wie Erbrechen, Übelkeit oder Unterleibsschmerzen (bei einer Erweiterung des Nierenbeckens)
Kurz erklärt— die Harnstauungsniere

Ist der Rückstau des Urins bis in die ableitenden Harnwege (von Harnröhre bis Nierenkelche) fortgeschritten, spricht der Arzt von einer Refluxuropathie. In der Folge der Harnabflussstörung entsteht Druck, wodurch sich Nierenbecken und – kelche erweitern – und die Niere ihre Funktion verlieren kann. Die Niere, in der sich der Harn staut, wird deswegen auch als Harnstauungsniere bezeichnet.

Übrigens lässt sich die Refluxuropathie in Grade von I – IV einteilen. Diese richten sich nach der jeweiligen Ausdehnung (Dilatation) der Harnwege. Bei Grad I staut sich der Urin noch nicht in den Nieren, Grad IV hingegen stellt ein stark ausgeweitetes Nierenbecken dar.

Wann muss ich mit einem Harnstau zum Arzt?

Bei Schmerzen und anhaltenden Beschwerden beim Wasserlassen sowie einem akuten allgemeinen Krankheitsgefühl, sollten Sie auf auf jeden Fall zum Arzt gehen. Bei einer frühen Diagnose lässt sich die Blockade der Harnwege nämlich in den meisten Fällen beheben. Andernfalls kann es zu einem akuten Harnverhalt kommen, der einen medizinischen Notfall darstellt. Dann besteht auch das Risiko, dass irreversible Nierenschäden entstehen.

Als Hilfsmittel für die Diagnose stehen dem Arzt folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • bildgebende Verfahren wie Sonografie (Ultraschall), Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Endoskopie (beispielsweise Blasen- oder Nierenspiegelung)
  • Blut- und Urintests
Harnstau – meist kein Grund zur Sorge

Normalerweise ist eine Obstruktion gut behandelbar. Wird sie früh erkannt, birgt sie in der Regel keine Risiken. Erfolgt die Diagnose zu spät (beispielsweise bei einer Blasenentzündung), besteht jedoch die Gefahr, dass die Nieren dauerhafte Schäden erleiden, weil sich die Infektion ausbreiten kann (beispielsweise Nierenbeckenentzündung). Deshalb ist ein Arztbesuch bei Verdacht auf einen Harnstau unbedingt empfehlenswert.

Was kann ich bei einem Harnstau tun? Die Behandlung

Die Behandlung der Obstruktion liegt in deren Beseitigung. Dabei richtet sie sich nach dem jeweiligen Auslöser. Hier einige Beispiele:

  • Einnahme von Medikamenten (zum Beispiel Antibiotikatherapie bei Infektionen)
  • Hormontherapie bei gutartiger Prostatavergrößerung

Zudem nimmt der Arzt bei Bedarf das Entfernen von Steinen in den Harnwegen vor. Bei einer Verengung der Harnröhre steht dem Urologen außerdem ein Harnröhrenstent zur Verfügung. Der Arzt setzt das dünne, dehnbare Röhrchen als Stütze in die Harnröhre ein, sodass eine verengte Stelle geweitet werden kann.

Da ein Harnstau häufig mit starken Beschwerden einhergeht, zählt auch die Blasenkatheterisierung zu den Behandlungsmitteln. Der Katheter beseitigt die Schmerzen sofort, da sich der gestaute Urin nun endlich entleeren kann und das Druckgefühl sowie der Harndrang nachlassen.

Helfen Hausmittel bei einem Harnstau?

Ergänzend zur Therapie wirken einige Hausmittel lindernd. Beispielsweise werden eine Wärmflasche oder warme Sitzbäder von Patienten mit Blasenentzündung als angenehm empfunden. Gut geeignet sind auch Nieren- und Blasentees, die in der Apotheke erhältlich sind. Durch die harntreibende Wirkung sorgt er dafür, dass die Keime schnell ausgespült werden. Zudem sind darin häufig Bärentraubenblätter enthalten, die eine antibakterielle Wirkung haben.

Generell ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu empfehlen, sodass keine Nieren- und Blasensteine entstehen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, circa 1,5 Liter pro Tag zu sich zu nehmen.1 Am besten in Form von Tee und Wasser.

Harnstau kann gefährlich werden: Die Folgen

Bleibt der Harnstau unbehandelt, zieht das oft negative Folgen nach sich. So steigt die generelle Infektanfälligkeit (beispielsweise für Blasenentzündungen) und es kann zu Nierenschäden kommen. Im schlimmsten Fall resultiert daraus ein akutes Nierenversagen (Niereninsuffizienz). Die Niere ist dann nur noch teilweise oder gar nicht mehr in der Lage, den Körper zu entgiften, wodurch Substanzen ins Blut gelangen, die normalerweise über den Urin augeschieden werden. Schreitet die Erkrankung fort, so besteht die Gefahr, dass sich Herzrhythmusstörungen, Lungenödem (Wasser in der Lunge) oder eine Sepsis (Blutvergiftung) entwickeln.

Regelmäßige Arztbesuche können Harntransportstörungen verhindern

Vor allem bei Männern ist oft eine gutartige Prostatavergrößerung die Ursache für den Harnstau. Um zu vermeiden, dass es überhaupt dazu kommt, sind regelmäßige Prostatauntersuchungen jedem Mann zu empfehlen. Neben der Prostata sollte der Arzt auch Tests auf Harnröhren, Harn- und Nierensteine durchführen, wenn es dadurch bereits zu Harntransportstörungen kam. Denn so lassen sich die Beschwerden weitestgehend vermeiden. Und die sind in jedem Fall unangenehmer, als der von vielen Männern so gefürchtete Gang zum Urologen.
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