Blut im Urin — Ursachen, Diagnose & Behandlung

28. März 2019
10 Min.

Die Ursachen für Blut im Urin auf einen Blick:

  • Nierenentzündung
  • Nierenzysten
  • Niereninfarkt
  • Harnwegsinfektion
  • Harnstein
  • Krebsgeschwür
  • Blasenbilharziose
  • Prostataerkrankungen
  • Medikamente

Bei einer Beimengung von Blut im Urin (Hämaturie) ist Vorsicht geboten. Schwerwiegende Harnwegs- und Nierenerkrankungen oder sogar Blasenkrebs sind möglich. Zwar gibt es auch harmlose Gründe für eine rötliche Färbung des Harns (etwa der Verzehr gewisser Lebensmittel wie rote Bete) — um kein Risiko einzugehen, sollte Man(n) jedoch in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Wie es zu Blut im Urin kommt, welche Arten von Diagnoseverfahren und Behandlungen möglich sind, lesen Sie hier.

Frau untersucht Urinprobe im Labor


Übersicht:

Ursachen für Blut im Urin

Im Normalfall wird kein Blut im Harn mitgeführt. Findet dies doch statt, liegen oftmals Krankheiten oder Verletzungen in der Region des Urogenitalsystems (Harn- und Geschlechtsorgane) vor. Bis auf wenige Ausnahmen nehmen diese jedoch keinen bösartigen Verlauf und sind entsprechend gut zu behandeln.

Die häufigsten Ursachen für Blut im Urin sind in Nieren oder Harnwegen zu finden:

  • Nierenentzündungen: Sowohl die Nierenbecken-, als auch die Nierenkörperchenentzündung und die sogenannte interstitielle Nephritis (Entzündung von Harn- und Nierenkanälchen und des umliegenden Gewebes) können für Blut im Urin sorgen.
  • Nierenzysten: Auch sogenannte Zysten in der Niere können eine Ursache sein. Dabei handelt es sich um Hohlräume mit angesammelter Flüssigkeit, die sich in verschiedenen Organen bilden können. Häufig treten sie nur vereinzelt auf und verursachen keinerlei Beschwerden. Bei einer Vielzahl von Zysten kann Blut in den Urin gelangen.
  • Niereninfarkt: Bei einem Niereninfarkt löst ein Blutgerinnsel die Verstopfung einer Nierenarterie aus. Schmerzen in der seitlichen Bauchregion (Flanke) sind die Folge. Ist ein großer Teil der Niere von dem Gefäßverschluss betroffen und wird sie somit von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten, klagen Betroffene über Übelkeit, starke Bauchschmerzen und müssen erbrechen. Ein daraus resultierendes Nierenversagen führt dann oftmals zu Blut im Urin.
  • Harnwegsinfektionen: Hierzu zählen unter anderem Blasen- oder Harnröhrenentzündungen. Betroffene leiden dabei oft unter weiteren Beschwerden wie etwa Problemen beim Wasserlassen.
  • Harnsteine: Je größer Harnleiter-, Harnröhren- oder Blasensteine ausfallen, desto stärker reizen und verletzen sie die Schleimhaut des Harntraktes. Eine Hämaturie wird so begünstigt. Zusätzlich sind hier sehr starke Unterleibsschmerzen beziehungsweise Schmerzen in Rücken oder seitlichem Bauch möglich.
  • Karzinome: In manchen Fällen wird Blut im Urin von Krebsgeschwüren im Urogenitalsystem ausgelöst. Zum Beispiel Nieren-, Blasen-, Harnröhren- oder Harnleiterkrebs gelten als Ursache.
  • Blasenbilharziose: Hierbei handelt es sich um eine von Würmern beziehungsweise Pärchenegeln ausgelöste infektiöse Tropenkrankheit (auch Schistosomiasis genannt). Vor allem in tropischen und subtropischen Ländern (etwa in Südamerika oder Südostasien) und beim Bad in ruhigen, süßwasserhaltigen Gewässern ist die Infektionsgefahr besonders groß. Bevorzugt legen die Würmer ihre Eier in den Venen der Harnblase ab, wodurch es zu häufigem Harndrang, Inkontinenz und Blut im Urin kommen kann.
  • Weitere Infektionen: Andere (bakterielle) Infektionen spielen bei Blut im Urin ebenfalls eine potenzielle Rolle. Beispielsweise ist hier die Urogenitaltuberkulose zu nennen, die sich in Harntrakt und Geschlechtsorganen festsetzt und von sogenannten Tuberkel-Bakterien (wie Mycobacterium tuberculosis oder Mycobacterium bovis) verursacht wird.

Vergleichsweise leicht ist beigemengtes Blut im Harn auf äußere Einflüsse zurückzuführen, die von körperlichen Verletzungen herbeigeführt wurden. Haben Betroffene etwa einen Verkehrsunfall oder Sturz erlebt beziehungsweise einen Schlag in die entsprechende Körperregion abbekommen, ist es durchaus möglich, dass Blase, Harnwege oder Nieren verletzt worden sind. Auch hier kann Blut in den Harn gelangen.

Unsichtbares Blut?

Bei einer sogenannten Makrohämaturie ist das Blut im Harn mit bloßem Auge zu erkennen. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Liegt eine Mikrohämaturie vor, ist die enthaltene Blutmenge so gering, dass sie nur durch verschiedene Testverfahren des Arztes (beispielsweise Urinprobe) nachgewiesen werden kann.

Neben den Ursachen im Bereich der Harnwege oder Nieren, sind weitere Faktoren möglich, die zu Blut im Urin führen können:

  • Erkrankungen der Prostata: Egal, ob Prostataentzündung (Prostatitis), Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie), blutende Krampfadern der Prostata oder Prostatakrebs — all diese Krankheiten können sich beim Mann durch Blut im Urin bemerkbar machen.
  • Medikamente: Als Nebenwirkung von unterschiedlichen Arzneimitteln kann Blut im Urin zu finden sein. Vorrangig gilt das für spezielle Antibiotika, blutverdünnende Präparate und Krebsmedikamente.

Auch eine Erkrankung wie Morbus Wegener (auch Wegener-Granulomatose genannt), bei der Blutgefäße chronisch entzündet sind und sich kleine Hautknötchen (Granulome) bilden, können eine weitere Ursache sein. Sobald die Krankheit die Gefäße der Niere betrifft, werden Spuren von Blut im Urin sichtbar.

Ärztliche Diagnose bei Blut im Urin

Sobald Blut im Urin festgestellt wird, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Dies gilt auch, wenn keine konkreten Symptome vorliegen oder keine Schmerzen spürbar sind. Wichtig ist, dass die genaue Ursache für die Färbung des Urins festgestellt wird, um so möglicherweise schwerwiegenden Erkrankungen auf die Spur zu kommen.

Die Diagnose des Hausarztes oder Urologen beginnt in aller Regel mit der Anamnese (systematische Patientenbefragung), bevor er eine körperliche Untersuchung vornimmt. Diese beinhaltet das Messen von Blutdruck und Körpertemperatur sowie das Abtasten beziehungsweise Abklopfen von Bauch und Flanken. Hinzu kommt eine Urinprobe des Betroffenen, die auf rote Blutkörperchen untersucht wird, um zu ermitteln, ob tatsächlich Blut im Harn vorhanden ist. Zur weiteren Analyse kann der behandelnde Arzt die Probe auch in ein Labor schicken, wo beispielsweise Hinweise auf mögliche Nieren- und Harnwegserkrankungen oder andere Infektionen gefunden werden können.

Komische Urinfarbe?

Wenn der Urin eine andere Farbe als sonst hat, muss nicht immer eine Hämaturie vorliegen. Auch eine starke körperliche Belastung, eine Vergiftung oder eine erblich bedingte Erkrankung kann dahinterstecken. Zudem färben Lebensmittel (wie etwa Blaubeeren oder Rhabarber) den Harn um.

Darüber hinaus stehen verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung, mit denen der Arzt unter anderem Nierenbecken, Harnleiter oder Blase untersucht. Hierzu gehören zum Beispiel Untersuchungen mittels Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT). Harnröhre und Blase können zudem mithilfe einer Blasenspiegelung (Urethrozystoskopie) genauer beleuchtet werden. Bei Verdacht auf eine Krebserkrankung ist im Rahmen einer Biopsie auch die Entnahme von Gewebeproben möglich.

Blut im Urin: Die Behandlungsmöglichkeiten

Da für beigemischtes Blut im Harnstoff eine sehr große Anzahl verschiedener Ursachen existiert, gibt es keine universelle Methode zur Behandlung von Blut im Urin. Vielmehr richtet sie sich nach der jeweiligen Ursache und wird vom Arzt anhand des individuellen Befunds angeordnet. Zu den häufigsten Behandlungsmaßnahmen gehören:

  • Antibiotika: Sie kommen vor allem bei bakteriellen Harnwegsinfektionen und beispielsweise einer Nierenbeckenentzündung zum Einsatz.
  • Immunsuppressiva: Diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem und finden mitunter bei einer Nierenkörperchenentzündung oder Autoimmunerkrankung Anwendung. Beide Krankheiten können Blut im Urin verursachen.
  • Operative Eingriffe: Wenn es keine medikamentöse Lösung gibt, finden insbesondere bei Harnsteinen (etwa Blasen-, Nieren- oder Harnleitersteinen) Operationen statt. Diese werden entweder während einer Blasenspiegelung oder zum Beispiel durch einen Laser zerkleinert und entfernt. Auch bösartige Tumore werden mitunter operativ entnommen.
  • Wurmmittel (Anthelminthika): Sind parasitäre Saugwürmer (wie Pärchenegel) für Blut im Urin verantwortlich, verabreicht der Arzt diese Art von Medikamenten.
  • Strahlen- oder Chemotherapie: Bei einem Karzinom im Bereich des Urogenitaltrakts finden diese Behandlungsmethoden, in Abhängigkeit von Art und Stadium des Geschwürs, Anwendung. Während eine Strahlentherapie (auch Radiotherapie) eher lokal wirkt, handelt es sich bei der Chemotherapie um eine sogenannte systemische Maßnahme, die den gesamten Organismus betrifft.
  • Absetzen und Austauschen von Medikamenten: Stellt der Arzt fest, dass regelmäßig eingenommene Medikamente beim Betroffenen zu Blut im Urin führen, wird versucht, eine schonendere Alternative zu finden oder das Präparat wird (sofern möglich) vollständig abgesetzt.

Um Blut im Urin vorzubeugen, gilt es vor allem, Rücksicht auf den eigenen Körper zu nehmen. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und möglichst geringem Konsum von Genussmitteln (Nikotin oder Alkohol), sind genauso wichtig wie regelmäßige Bewegung. Auf diese Weise kann nicht nur das Risiko für Krebserkrankungen, sondern auch jenes für zu hohen Blutdruck, Nierenerkrankungen oder Krankheiten wie Diabetes mellitus deutlich verringert werden.

Jan Zimmermann
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Medizinredakteur und Medienwissenschaftler
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