Peniskrebs: Symptome, Behandlung und Co.

20. Mai 2019
11 Min.

Peniskrebs – vermutlich fürchten auch Sie sich als Mann vor dieser Diagnose. Doch wie häufig ist ein Peniskrebs, den Experten auch Peniskarzinom nennen, überhaupt? Welche Symptome gehören zu den typischen? Und gibt es Behandlungsmöglichkeiten? Die Antworten auf diese Fragen lesen Sie hier.

Kurz und knapp: Das Peniskarzinom

  • Häufigkeit: selten1
  • Wer: Männer ab 60 Jahren1
  • Symptome: uncharakteristisch – möglich sind Hautveränderungen wie Schwellungen oder Verhärtungen an der Eichel
  • Behandlung: operative Entfernung des erkrankten Gewebes – manchmal erfolgt auch eine Chemotherapie
Mann, der sich in den Schritt fasst, weil sich sein Peniskrebs bemerkbar macht.


Überblick:


Peniskrebs: Charakteristika

Unter einem Peniskrebs verstehen Ärzte eine Erkrankung, die sich durch die Bildung von bösartigen Tumoren am Penis auszeichnet. Charakteristischerweise geht die Veränderung von der Vorhaut sowie der Eichel aus.

Bei 95 Prozent der Betroffenen ist das Peniskarzinom ein Plattenepithelkarzinom.2 Dabei handelt es sich um einen ganz speziellen Hautkrebs. Er entwickelt sich, wenn es zu einer Entartung (Veränderung) von Zellen der äußeren Hautschicht kommt. Gelegentlich klassifizieren Experten einen Penistumor auch als andere Hautkrebsart – denkbar ist ein Basalkarzinom (weißer Hautkrebs) oder Malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs).

Gut zu wissen!

Wie häufig ist der Peniskrebs? Das Peniskarzinom zählt zu den seltenen Erkrankungen.1 Von 100.000 Männern ist Schätzungen zufolge lediglich einer betroffen.3

Ein Peniskarzinom gehört zu den gefährlichen Krankheitsbildern. Denn ein Tumor am Penis kann sich weiter im Organismus ausbreiten. Zum Beispiel ist ein Befall über die Penisschwellkörper (dienen im Sinne der Fortpflanzung der Penisverhärtung), Harnröhre, Prostata, bis hin zum Bauchdeckenbereich vorstellbar.

Zudem ist es möglich, dass sogenannte Metastasen – gleichartige Tochtergeschwülste des Ausgangstumors – entstehen. Oftmals in den Lymphknoten (Filterstationen für die Lymphe, wässrige Substanz der Lymphgefäße) des Beckens oder der Leiste. Vom Penis aus bahnt sich der Tumor genauer gesagt dessen Zellen manchmal auch seinen weiteren Weg über die Blutbahnen. Daher ist beispielsweise ein Tumorbefall des Skeletts, der Haut oder der Lunge denkbar.

Ein Peniskarzinom lässt sich in Stadien einteilen

Mediziner können den Krebs am Penis im Rahmen der TNM-Klassifikation einstufen, um zu definieren, ob die Erkrankung noch im Anfangsstadium oder bereits weiter fortgeschritten ist. Dabei stehen die Buchstaben „T“, „N“ und „M“ für: Tumor, Lymphknotenbefall (vom englischen Node – Knoten) sowie Metastasen.

Der Primärtumor (T) …

  • T1: …befindet sich an der Hautoberfläche und ist bis zum Bindegewebe eingedrungen.
  • T2: …durchdringt die Penisschwellkörper.
  • T3: … sucht auch die Harnröhre heim.
  • T4: …befällt weitere Nachbarorgane wie die Prostata.

Lymphknoten (N)

  • N0: Kein Lymphknoten hat Metastasen.
  • N1: Nur ein Lymphknoten hat Metastasen.
  • N2: Mehrere Lymphknoten haben Metastasen.
  • N3: Die Beckenlymphknoten haben Metastasen oder der Krebs wächst schon direkt aus einem befallenen Lymphknoten.

Metastasen (M) …

  • M0: …. sind in keinem weiteren Organ außer dem Penis vorzufinden.
  • M1: … befinden sich auch in anderen Körperorganen.1

Peniskrebs: Welche Symptome sind denkbar?

Mögliche Krankheitszeichen im Penisbereich – in der Regel an der Eichel oder Vorhaut – sind etwa:

  • Hautschwellung
  • Hautrötung
  • Knötchen
  • Verhärtungen
  • schlecht heilende, leicht blutende Hautstellen
  • Beläge
  • Wucherungen (blumenkohlartig, Warzen ähnlich)4

Meist wächst ein Tumor am Penis relativ langsam, sodass Betroffene – zumindest am Anfang einer Erkrankung – oftmals keine Schmerzen wahrnehmen. In der Regel treten sie erst in Erscheinung, wenn der Krebs schon etwas größer ist beziehungsweise in Lymphknoten und Co. metastasiert ist.

Peniskrebs – wie entsteht er?

Wie genau es zur Bildung eines Tumors am Penis kommt, konnte bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Jedoch gehören zu einer der häufigsten Ursachen für ein Peniskarzinom immer wieder auftretende Infektionen an der Vorhaut oder Eichel.4

Nicht selten sind sie aufgrund einer mangelnden Hygiene entstanden. Denn an einem nur mäßig, von Zeit zu Zeit gereinigtem Penis, können sich entzündungsauslösende Keime gut vermehren. Einen besonders günstigen Nährboden für Infektionsverursacher bildet das sogenannte Smegma. Diesen Vorhauttalg gilt es daher regelmäßig – am besten mit Wasser – zu entfernen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Das Thema Hygiene scheint beim Penistumor eine Rolle zu spielen – doch es gibt weitere Risikofaktoren wie etwa:

  • höheres Lebensalter
  • HPV-Infektion (Humane Papillomaviren ;Erreger von Geschlechtskrankheiten)
  • Phimose (nicht zurückschiebbare Vorhaut)
  • Penisschleimhautveränderungen
  • Rauchen4

Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen ist über 60 Jahre alt. Daher ist es für einen Mann, im höheren Lebensalter, etwas wahrscheinlicher, Krebs am Penis zu bekommen.1

Darüber hinaus ist bei 30 bis 50 Prozent der Patienten mit einem Peniskrebs eine HPV-Infektion nachweißbar – Humane Papillomaviren (vor allem die Unterarten 16 und 18) sind dazu in der Lage, Haut- oder Schleimhautzellen zu befallen und in der Folge Erkrankungen wie Peniskrebs hervorzurufen.4

Lässt sich bei einer Person die Penisvorhaut aufgrund einer Phimose (Vorhautverengung) nur schwer zurückschieben, sammelt sich dort Smegma wesentlich leichter an. Die Gefahr für immer wieder aufkommende Infektionen der Eichel und Vorhaut ist dann erhöht.4

Des Weiteren gibt es auch Schleimhautveränderungen wie die Leukoplakien (weißliche, nicht entfernbare Schleimhautverfärbungen), die vermutlich Vorstufen von Plattenepithelkarzinomen sind. Zur Bildung von Leukoplakien kommt es unter anderen durch Hautreizungen – ausgelöst etwa aufgrund von wiederkehrenden Infektionen.5

Aha!

Männer, die rauchen – natürlich abhängig von der Menge – haben ein fünffach höheres Risiko für die Entstehung eines Penistumors.1

Wie wird die Peniskrebsdiagnose gestellt?

Keine Therapie sollte ohne eine entsprechende Diagnose begonnen werden. Um herauszufinden, ob ein Patient an einem Peniskarzinom leidet, stehen dem Arzt unter anderem diese Möglichkeiten zur Verfügung:

Zu Beginn der Diagnosestellung erfolgt für gewöhnlich die körperliche Untersuchung des Penis. Ein Mediziner erkennt unter Umständen (wenn charakteristische, warzenförmige Wucherungen vorhanden sein sollten) dabei bereits mit dem bloßen Auge Plattenepithelkarzinome an der Eichel oder Vorhaut.

Um jeden Zweifel auszuschließen, sendet der Arzt Gewebeproben, die er mit einem scharfen Gegenstand wie einem Skalpell entnimmt, ins Labor zur mikroskopischen Untersuchung ein. Gerade, wenn keine Wucherungen vorhanden sind, ist diese Methode von Vorteil. Außerdem finden die Labormitarbeiter schnell heraus, von welcher Art der Penistumor ist oder, ob eine Infektion mit Humane Papillomaviren zugrunde liegt.

Möchte der Fachmann herausfinden, ob Tochtergeschwülste im Organismus vorhanden oder vielmehr die Lymphknoten befallen sind, kommen bildgebende Verfahren ins Spiel. Zu letzteren zählen beispielsweise Sonographie (Ultraschalluntersuchung), CT (Computertomographie), MRT (Magnetresonanztomographie) oder PET-CT (Kombination aus Positronen-Emissions-Tomographie und Computertomographie).

Welcher Arzt ist der richtige?

Eine gute erste Anlaufstelle ist immer der Hausarzt. Zudem können Sie sich auch an einen Urologen (Experte in Sachen harnbildende sowie -ableitende Systeme wie dem Penis) oder Andrologen (spezialisiert für geschlechtsspezifische Beschwerden des Mannes) wenden.

Die Behandlungsmöglichkeiten eines Peniskrebskarzinoms

Wenn der Peniskrebs sich noch in einem Frühstadium befindet – er also rechtzeitig erkannt wird – kann eine operative Tumorentfernung ausreichend sein. Im Übrigen ist eine Operation fast immer empfehlenswert, weil sich Tumorzellen sonst vermehren oder besser gesagt weiter im Organismus ausbreiten. Unter Umständen erfolgt manchmal unterstützend zur operativen Behandlung eine Laserbestrahlung, die die Krebszellen vollständig zu zerstören versucht.4

Ist es bei einem Mann dazu gekommen, dass sich der Tumor im Penisbereich etwas fortgeschrittener verbreitet hat, kann eine teilweise Entfernung des Glieds nötig sein. Und wann muss der Penis amputiert werden? In der Regel dann, wenn sehr viele Gewebsschichten der Penishaut erkrankt sind. Denn in diesem Fall besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor in die Lymphknoten metastasiert. Natürlich wägt der Experte diese Entscheidung zusammen mit dem Patienten vorher gründlich ab.4

Sollte ein Tumorbefall der Lymphknoten festgestellt worden sein, gilt es diese durch eine Operation vom Körper abzutrennen. Oftmals empfehlen Mediziner im Rahmen der Behandlung auch eine Chemotherapie oder Strahlentherapie. Gerade, wenn Metastasen bestehen, sind diese Methoden bewährt.4

So stehen die Heilungschancen

Die beste Aussicht auf eine Heilung besteht, wenn sich das Peniskarzinom in einem Frühstadium befindet. Es also ein nur auf den Penis begrenzter Krebs, der noch keine Metastasen gebildet hat. Fünf Jahre nach der Diagnose leben in diesem Fall noch 90 Prozent der Patienten.

Etwas anders schaut es bei Patienten mit Lymphknotenmetastasen aus. Hier liegt die Überlebensrate bei 80 Prozent. Und etwa 20 Prozent der Betroffenen überleben, wenn bei ihnen der Tumor weitere Organe befallen hat.4

Peniskrebs: Die Vorsorge

Um einen Peniskrebs zu vermeiden, hat sich unter anderem folgendes bewährt:

  • Gute Hygiene: Der Penis sollte regelmäßig gewaschen werden – am besten mit klarem Wasser. Zudem gilt es dabei die Vorhaut zurückzuschieben, um das Smegma zu entfernen. Am Ende des Waschvorgangs empfiehlt es sich die Vorhaut wieder zurückzuschieben, damit sie das Glied nicht unangenehm einengt.
  • Zirkumzision: Eine Beschneidung, bei der ein Fachmann die Penisvorhaut abtrennt, zählt – vor allem bei Personen mit einer Vorhautverengung – zu den bewährten Vorsorgemaßnahmen. Zudem erkranken Männer, denen direkt nach der Geburt die Vorhaut entfernt wurde, seltener an einem Peniskarzinom.1
  • Krebsvorsorgeuntersuchung: Ab dem 45. Lebensjahr raten viele Ärzte ihren Patienten zu einer jährlichen Krebsvorsorgeuntersuchung beim Urologen. Unter anderem begutachtet der Experte dabei die äußeren Geschlechtsorgane und tastet diese ab. Wissenswert: In der Regel übernimmt die Krankenkasse hier die Kosten.4
Regina Lopes Bombinho Brandt
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin