Hodenkrebs – wenn die äußeren Geschlechtsorgane leiden

28. Januar 2019
9 Min.

Hodenkrebs ist keine Sache des Alters – rund 80 Prozent der Hodenkrebserkrankten sind weniger als 50 Jahre alt.1 Es kann also den 20-Jährigen genauso treffen wie den Senior. Durch eine regelmäßige Selbstuntersuchung lässt sich ein Hodentumor frühzeitig erkennen und in der Folge gut behandeln. Mehr erfahren Sie in unserem Überblick.

Mann mit Hodenkrebs erhält die Diagnose vom Arzt

Die Ursachen von Hodenkrebs

Hodenkrebs entsteht aus den sogenannten Keimzellen, aus denen sich auch die Spermien bilden (germinale Tumoren). Deswegen wird ein Hodentumor auch als „Keimzellentumor“, die bösartige Form auch fachsprachlich als Seminom bezeichnet. Nur sehr selten – genauer gesagt in rund zehn Prozent der Fälle – handelt es sich um andere Tumorarten wie beispielsweise ein Lymphom (Tumor des Lymphgewebes).2

Wieso entsteht Hodenkrebs?

Experten gehen davon aus, dass die Basis eines Seminoms bereits vor der Geburt des Mannes gelegt wird. In dieser embryonalen Entwicklungsphase können die falsch programmierten Keimzellen entstehen. Durch den Hormonschub der Pubertät werden die Keimzellen – die sich bis dato im Ruhezustand befanden – aktiviert und entwickeln sich zu Krebszellen. Sie lassen sich übrigens, bereits Jahre bevor der Hodenkrebs überhaupt entsteht, mikroskopisch nachweisen.

Die eigentlichen Ursachen von Hodenkrebs sind ungeklärt. Wissenschaftler kennen aber einige begünstigende Faktoren:

  • Hodenhochstand: Dabei befinden sich ein oder beide Hoden (Testes) nicht an der vorhergesehenen Stelle im Hodensack, sondern zum Beispiel im Inneren des Körpers. Männer mit einer solchen angeborenen Lageabweichung haben ein höheres Risiko für Hodenkrebs.
  • Vererbung: Leiden oder litten bereits Familienmitglieder sowie nahe Verwandte unter einem Seminom, mag das eigene Erkrankungsrisiko erhöht sein. Wissenschaftler haben auch herausgefunden, dass Hodenkrebs bei hellhäutigen, europäischen Männern deutlich häufiger vorkommt als bei afrikanisch-stämmigen Männern.
  • Hormone: Experten gehen davon aus, dass ein erhöhter Anteil an weiblichen Hormonen (Östrogene) in der Schwangerschaft womöglich die Hodenentwicklung beim ungeborenen Jungen stört.
  • Unfruchtbarkeit: Männer, die keine oder nur eine geringe Menge an Spermien in der Samenflüssigkeit aufweisen, leben ebenfalls mit einem erhöhten Hodenkrebsrisiko.

Da die Zahl der Erkrankungen in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist, liegt es nahe, dass auch Einflüsse wie etwa die Ernährung die Entstehung begünstigen. Diese Behauptung wurde allerdings noch nicht wissenschaftlich belegt.

Diagnose Hodenkrebs? Diese Symptome sind verdächtig

Es gibt gewisse Symptome, an denen Sie merken, dass es sich eventuell um Hodenkrebs handelt. Dazu zählen:

  • Veränderung der Größe eines oder beider Hoden
  • tastbare, schmerzlose Verhärtung oder Anschwellung der Testikel
  • Schwellung oder Schmerzen im gesamten Genitalbereich
  • Schweregefühl oder Ziehen in den Hoden oder der Leiste
  • Ansammlung von wässriger Flüssigkeit im Bereich des Hodensacks (Hydrozele)
  • angeschwollene Brustdrüsen durch weibliche Geschlechtshormone, die der Tumor produziert

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Anzeichen bemerken, gehen Sie umgehend zum Urologen. Er analysiert die Symptome. Um Hodenkrebs frühzeitig zu erkennen, scheuen Sie sich nicht davor, Ihre Geschlechtsorgane auch selbst regelmäßig abzutasten. Dies sollte – ähnlich wie das Kontrollieren der Brust bei der Frau – zur Routine eines jeden Mannes gehören.

Selbstuntersuchung – so geht’s

Am besten führen Sie diese unter der Dusche oder beim Baden durch, wenn die Haut weich und entspannt ist. Halten Sie den Hodensack mit beiden Handflächen und checken Sie zunächst Größe sowie Gewicht. Danach sollte jeder Testikel einzeln zwischen Daumen und Zeige- sowie Mittelfinger herumgerollt werden. Die Hoden müssten auf Druck nachlassen und sich weich anfühlen. Stellen Sie sich zum Schluss vor den Spiegel und achten Sie auf eine Veränderung der Größe durch eine Schwellung. Wenn Sie sich unsicher sind, ob es sich bei Ihren Symptomen um Hodenkrebs handeln könnte, suchen Sie einen Urologen auf. Wiederholen Sie das Abtasten einmal im Monat oder lassen Sie es bei einem Arzt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung durchführen.

Hodentumor: So läuft die Diagnose ab

Der Gang zum Urologen ist unumgänglich – je früher Sie hingehen, desto schneller kann er ein Seminom erkennen. Der Experte wird dazu eine Reihe von Untersuchungen durchführen.

Mögliche Methoden:

  • Anamnese: Der Urologe befragt Sie zunächst zu Ihren Symptomen, deren Dauer sowie Vorerkrankungen bei Ihnen und Ihrer Familie.
  • Tastuntersuchung: Der Arzt checkt beide Testikel auf Veränderungen. Hodentumoren fühlen sich hart und leicht höckerig an, sodass der Urologe nach der Tastkontrolle bereits Genaueres weiß.
  • Ultraschalluntersuchung: Um den Verdacht auf Hodenkrebs zu bestätigen (oder zu wiederlegen), steht dem Arzt die Sonografie (Ultraschall) zur Verfügung, bei der Gewebeveränderungen im Hoden sichtbar werden. Bei der Gelegenheit sucht der Arzt auch die inneren Organe wie Leber, Milz, Nieren und Nebennieren sowie die Lymphknoten nach Auffälligkeiten ab, da hier ebenfalls ein Hinweis auf ein Seminom liegen kann.
  • Computertomographie (CT): Bei diesem Röntgenverfahren werden Bilder der gewünschten Körperbereiche im Querschnitt gewonnen, um herauszufinden, ob und wo sich Metastasen (krankhafte Veränderungen von Gewebe) gebildet haben.
  • Kernspintomographie: Um weitere Details zu sammeln und die Therapiemöglichkeiten festzusetzen, ordnet der Urologe eine sogenannte Magnetresonanztomographie (MRT) an. Dieses Verfahren kommt zusammen mit dem CT aber erst dann zum Einsatz, wenn der Verdacht auf Hodenkrebs bereits bestätigt wurde.
  • Blutuntersuchung: Sie dient dem Arzt dazu, sogenannte Tumormarker ausfindig zu machen. Dabei handelt es sich um Stoffe, welche die Tumorzellen selbst bilden. Ein erhöhter Wert im Blut kann auf einen bösartigen Hodentumor hinweisen.
  • Gewebeentnahme: Den finalen Beweis, ob der Tumor gut- oder bösartig ist, gibt eine Gewebeprobe, die der Mediziner aus dem Geschwulst entnimmt und im Labor mikroskopisch untersucht.

Wenn ein Hodentumor vermutet oder gar bereits diagnostiziert wurde, kontrolliert der Spezialist in einer weiteren Blutuntersuchung den Lactatdehydrogenase-Wert (Enzym). Anhand dieser Auswertung untersucht er die Größe und Ausbreitung des Tumors. Ein stark erhöhter Wert weist auf eine fortgeschrittene Erkrankung hin.

Was passiert danach? Die Therapie eines Seminoms

Sie haben die Diagnose „bösartiger Hodenkrebs“ erhalten? Geraten Sie nicht in Panik. Die gute Nachricht: Der Hodentumor hat bei Früherkennung relativ gute Heilungschancen. Bei einem gutartigen Tumor belässt es der Arzt zunächst womöglich bei einer Beobachtung. Handelt es sich um einen bösartigen Tumor, entscheidet der Arzt je nach Aggressivität des Seminoms individuell über die Therapiemaßnahmen. Meist wird der erkrankte Hoden in einer Operation zusammen mit dem Nebenhoden und dem Samenstrang entfernt (Orchiektomie). Bei dieser Gelegenheit entnimmt der Arzt auch eine Gewebeprobe aus dem anderen Testikel, um sicherzugehen, dass dieser nicht ebenfalls befallen ist.

Nach der Entfernung muss der Patient weiterhin in Untersuchung bleiben. Es wird kontrolliert, ob sich Tochtergeschwülste – beispielsweise in den Lymphknoten im hinteren Bauchraum – gebildet haben. Gegebenenfalls kommt eine Chemotherapie zum Einsatz, bei der Medikamente (Zytostatika) das Wachstum der Krebszellen blockieren und somit die Zellteilung beeinflussen. Zusätzlich dazu wird häufig eine Strahlentherapie verordnet, bei der hochenergetische Strahlen das Erbgut der Zellen schädigen. Wie genau Ihre Behandlung aussieht, legt der Arzt mit Ihrer Zustimmung fest.

Folgen für Sexualität und Fruchtbarkeit

Viele Männer fürchten die Folgen von Hodenkrebs. Verliert der Mann durch eine Orchiektomie etwa seine „Männlichkeit“? Nein, denn mittlerweile gibt es auch danach zahlreiche Möglichkeiten. Der fehlende Hoden kann nach Abschluss der Behandlung durch eine Prothese aus Silikon ersetzt werden. Wenn Ihre Kinderplanung noch nicht abgeschlossen ist, besteht die Möglichkeit, Samenzellen vor der Therapie konservieren zu lassen, um sie später im Rahmen einer künstlichen Befruchtung wieder zu verwenden. Lassen Sie sich dazu ausführlich von Ihrem Arzt beraten.