Ist Restharn in der Blase eine Einladung für Keime?

4. April 2019
6 Min.

Sie sitzen auf der Toilette, es plätschert leise und schließlich sind Sie erleichtert. Doch bereits nach kurzer Zeit ist der Druck zurück und Sie haben das Gefühl, schon wieder zur Toilette zu müssen? Schuld daran ist in vielen Fällen Restharn, der nach dem Urinieren in der Blase verbleibt. Das ist für viele Betroffene lästig. Manche Menschen hingegen spüren den zurückgebliebenen Urin kaum oder gar nicht. Er sollte aber trotzdem behandelt werden, da er einen optimalen Nährboden für Keime (die beispielsweise Harnwegsinfektionen auslösen) und Blasensteine


Auf den Punkt gebracht

Restharn erkennen – das sind die Anzeichen

Verbleibt nach dem Wasserlassen noch Harn in der Blase, merken Betroffene das zunächst an einem andauernden Druck- und Völlegefühl, hinzu kommt ständiger Harndrang sowie das Gefühl, die Blase beim Toilettengang nicht vollständig entleert zu haben. Generell gilt eine Restharnbildung als krankhaft, wenn sie mehr als 15 Prozent des Blasenvolumens beträgt.1

Während die Blase links normal funktioniert, stellt die Blase auf der rechten Seite den Verbleib von Restharn bildlich dar.

Woher kommt der Restharn überhaupt? Die Ursachen

Der Hauptgrund für Harn, der in der Blase zurückbleibt, ist meist eine Abflussbehinderung, die Teile der Harnwege blockiert. Folgende Faktoren begünstigen Restharn:

  • die Einengung der Harnröhre durch eine gutartige Prostatavergrößerung
  • Narbengewebe, das durch vorhergehende Operationen zu verengten Harnwegen führt
  • Harnleitersteine, die die Harnröhre verstopfen
  • Tumore, welche die Harnwege blockieren

Aber auch neurologische Erkrankungen kommen als Auslöser für Restharn infrage. Hier sind Schlaganfall, Bandscheibenvorfall, Multiple Sklerose oder eine Querschnittslähmung als mögliche Ursachen zu nennen.

Exkurs: Blasenentleerung – so läuft’s im Normalfall

Maßgeblich beteiligt an der Blasenentleerung sind die beiden ringförmigen Schließmuskeln (Sphinkter), die die Harnröhre umgeben, sowie der Blasenmuskel. Soll die Blase entleert werden, müssen diese Muskeln zusammenspielen. Die Schließmuskeln öffnen sich, während sich der Blasenmuskel zusammenzieht. So ist die Blase in der Lage, sich mit geringem Druckaufwand vollständig zu entleeren. Es bleibt kein Harn zurück.

Diagnose Restharn: Das passiert beim Arzt

Falls Sie den Verdacht haben, dass sich nach dem Wasserlassen noch Restharn in der Blase befindet, ist ein Besuch beim Urologen anzuraten. Wird der Urin nicht vollständig ausgeschieden, besteht durchaus ein erhöhtes Risiko für Infektionen in den Harnwegen (beispielsweise Blasenentzündungen). Doch wie stellt der Arzt die genaue Menge an verbleibendem Harn in der Blase fest?

Ihm stehen dafür zwei einfache Methoden zur Restharnbestimmung zur Verfügung.

  1. Ultraschall (Sonografie): Hier bittet Sie der Arzt, Ihre Blase normal zu entleeren. Anschließend liegen Sie in Rückenlage auf einer Liege und der Urologe bestimmt mit dem Ultraschallgerät (über der Bauchdecke) die verbleibende Restmenge an Harn. Diese Methode ist vollkommen schmerzlos.
  2. Katheterisierung: Die Restharnbestimmung mittels Katheter kommt in der Regel nur zum Einsatz, wenn der Ultraschall keine klaren Ergebnisse liefert. Dazu wird ein Katheter in die Harnröhre (die örtlich betäubt wird) geschoben, Harn abgelassen und so die Restwassermenge bestimmt.

Nach der Untersuchung berechnet der Urologe die Menge an Restharn. Anschließend geht er auf Ursachenforschung und findet heraus, warum Restharn in Ihrer Blase verbleibt.

Weg mit dem Restharn: Wie lässt sich die Problematik angehen?

Hat der Arzt den Grund für den Restharn herausgefunden, richtet sich die Therapie nach der Ursache. Da die Gründe für Restharn sehr unterschiedlich sein können, sind auch die Therapiemethoden verschieden. Hier ein paar Beispiele, wie die Behandlung bei den jeweiligen Auslösern aussehen könnte:

  • Prostatavergrößerung: Bei einer gutartig vergrößerten Prostata verschreibt der Arzt entweder pflanzliche Mittel oder Medikamente, die das Wachstum der Prostata eindämmen sollen. In seltenen Fällen wird die vergrößerte Prostata operiert.
  • Steine in den Harnwegen: Sind Nieren-, Blasen- oder Harnleitersteine der Grund für den Restharn, so entfernt der Arzt größere Steine, während er in der Regel zur Lösung kleinerer Steine auf Medikamente setzt.
  • Schwache Blasenmuskulatur: Hier ist ein Blasentraining empfehlenswert. Versuchen Sie, dem Harndrang zunächst nicht nachzugeben und halten den Urin länger in der Harnblase. Das Ziel des Trainings sind längere Pausen zwischen den Toilettenbesuchen.
  • Infektionen: Der Arzt verordnet die Einnahme von Medikamenten, beispielsweise Antibiotika bei einer bakteriellen Blasenentzündung.

Manchmal kann es jedoch passieren, dass Patienten trotz Therapie des Auslösers das Restharn-Problem nicht in den Griff bekommen. Da der in der Blase verbleibende Harn das Risiko für Infektionskrankheiten und Nierenprobleme erhöht, muss dieser künstlich abgelassen werden. Hierfür legt der Arzt einen Einmalkatheter über die Harnröhre zur Blase und der Urin kann anschließend abfließen. Da sich immer neuer Restharn bildet, sollte die Katheterisierung in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Das muss auch nicht immer der Arzt machen, Sie können sich auch selbst katheterisieren. Ihr Urologe hilft Ihnen dabei zu erlernen, wie Sie den Katheter anbringen. Ganz nach dem Motto: Selbst ist der Mann!

Julia Hackbarth
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Medizinredakteurin