Prostata: Was bringt die Vorsorge und wie läuft sie ab?

26. Juni 2018
6 Min.

Die Prostata (Vorsteherdrüse) kann Männern vor allem im Alter Probleme bereiten. Um das rechtzeitig zu verhindern, ist eine regelmäßige Vorsorge notwendig. Lesen Sie hier, warum genau eine Vorsorgeuntersuchung so wichtig ist und wie diese in der Regel abläuft.

Ein Vorsorgetermin beim Urologen wird in einem Kalender vermerkt

Darum sollte Mann die Prostata Vorsorgeuntersuchung ernst nehmen

Etwa ein Viertel aller Krebserkrankungen beim Mann betreffen die Prostata,1 weshalb Vorsorge ein Thema von großem Interesse ist. Das Risiko für Prostatakrebs steigt mit zunehmendem Alter. In Deutschland wird daher eine jährliche Vorsorgeuntersuchung der Prostata ab dem 45. Lebensjahr empfohlen, bei familiärer Vorbelastung sogar ab 40 Jahren.2

Gut zu wissen:

In der Vergangenheit ist die Prostatakrebsvorsorge allerdings in die Kritik geraten, weil die Früherkennung bei manchen Patienten zu einer Überdiagnose und Überbehandlung geführt hat. Das bedeutet: In einigen Fällen bekamen Männer eine Strahlen- beziehungsweise Chemotherapie oder wurden operiert, obwohl dies eigentlich nicht nötig gewesen wäre.

Viele Prostatakarzinome wachsen nur langsam und stellen nicht unbedingt eine Lebensbedrohung dar. Dennoch sollten Sie das Risiko einer Krebserkrankung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Studien beweisen, dass die Früherkennung die Heilungschancen von Prostatakrebs verbessert. Für die Vorsorge stehen verschiedene Diagnosemethoden zur Verfügung:

Mittels der genannten Methoden ist es möglich, Veränderungen der Prostata rechtzeitig zu erkennen und frühestmöglich eine Behandlung einleiten zu können.

Wichtigste Vorsorgeuntersuchung: Prostata abtasten

Die Prostata sollte im Rahmen der Vorsorge einmal jährlich abgetastet werden. Manche Hausärzte führen die Untersuchung selbst durch, andere überweisen den Patienten an einen Urologen.

Doch wie läuft das Abtasten eigentlich ab? Die Prostata sitzt unterhalb der Blase und lässt sich daher nicht von außen erfühlen. Sie grenzt allerdings mit der Rückseite direkt an den Enddarm, weshalb eine digital-rektale Untersuchung (DRU) möglich ist. Bei dieser Methode führt der Mediziner vorsichtig einen Finger rektal ein, um die Größe und Beschaffenheit der Prostata festzustellen. Dabei kann er Verhärtungen und Knoten erkennen. Darüber hinaus tastet der Arzt auch die Genitalien sowie die Lymphknoten in der Leistengegend ab. Die Vorsorgeuntersuchung der Prostata ist dabei weder schmerzhaft noch von langer Dauer.

Gut zu wissen:

Die Vorsorgeuntersuchung wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

PSA-Test für die Prostatavorsorge umstritten

Da die digital-rektale Untersuchung nur die Rückseite der Prostata abdeckt, empfehlen viele Ärzte, die Vorsorge um einen PSA-Test zu erweitern. Dabei handelt es sich um eine Blutuntersuchung, die die Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) misst. PSA ist ein Eiweiß, das ausschließlich von Prostatazellen produziert wird. Da die Vorsteherdrüse aber stark durchblutet ist, gelangen kleine Mengen des Eiweißes regelmäßig in die Blutbahn. Für die Messung heißt dies: Je höher der PSA-Wert, desto wahrscheinlicher liegt Prostatakrebs vor.

Was nach einer akkuraten Vorsorgeuntersuchung für die Prostata klingt, erweist sich in der Praxis jedoch als nicht ganz so zuverlässig. Wie viel PSA sich im Blut eines gesunden Mannes befindet, ist individuell und kann zwischen 0 und 4 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) schwanken.3 Bestimmte Faktoren können zudem den PSA-Wert erhöhen, beispielsweise Geschlechtsverkehr, aber auch Druck auf die Prostata beim Abtasten lässt die Eiweißmenge im Blut ansteigen.

Das bedeutet letztlich, dass ein einzelner PSA-Wert nur wenig aussagekräftig ist. Um tatsächlich Rückschlüsse auf die Gesundheit der Prostata zu ziehen, muss die Entwicklung des Wertes im Zeitablauf betrachtet werden. So kommt der PSA-Test vorrangig bei der Beurteilung des Krankheitsverlaufs nach einer Krebsdiagnose zum Einsatz.

Aber auch für die Früherkennung von Prostatakrebs kann ein PSA-Test sinnvoll sein. So wird im Rahmen der Vorsorge ein Basis-PSA-Wert gemessen, dessen Entwicklung der Urologe im weiteren Verlauf überwacht. Ein plötzlich starker Anstieg gibt dann Anlass zu weiteren Untersuchungen.

Untersuchungen der Prostata über die herkömmliche Vorsorge hinaus

Stellt der Arzt beim Abtasten der Prostata Auffälligkeiten oder bei der Blutuntersuchung einen erhöhten PSA-Wert fest, muss nicht unbedingt Prostatakrebs dahinterstecken. Auch andere Erkrankungen wie Prostatitis oder eine gutartige Prostatavergrößerung gehen mit einem erhöhten Wert einher. Um der Ursache auf die Spur zu kommen, sind weitere Tests angedacht. So kann der Arzt beispielsweise eine Gewebeprobe der Prostata entnehmen oder die Vorsorge um eine Ultraschalluntersuchung ergänzen, die die Beschaffenheit des Gewebes sichtbar macht. Erst nach eindeutiger Diagnose ist es möglich, eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Peggy Richter
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Freiberufliche Redakteurin
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