Hodenentzündung – das sind Anzeichen für die Erkrankung

28. Januar 2019
7 Min.

Sie haben noch nie etwas von einer Hodenentzündung gehört? Keine Sorge, wir klären auf, was es mit der Krankheit auf sich hat, und nennen potentielle Symptome. Ein Tipp vorweg: Checken Sie Ihre Mumps-Impfung!

Eine Hodenentzündung verursacht bei einem Mann Schmerzen

Die Ursachen einer Hodenentzündung

Bei einer Hodenentzündung (Orchitis) handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die in der Regel durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird. Meist entwickelt sich eine Orchitis während oder als Folge einer anderen Krankheit – wie etwa Malaria, Windpocken oder Mumps. Bei letzterer Erkrankung leiden sogar rund 15 bis 30 Prozent der männlichen Patienten zusätzlich an einer Hodenentzündung.1

Was ist Mumps?

Die Rede ist von einer Viruserkrankung, die meist mit einer Schwellung der Ohrspeicheldrüse einhergeht. Sie wird durch Tröpfcheninfektion (zum Beispiel beim Husten oder Niesen) und direkten Speichelkontakt übertragen. Eine Erkrankung führt in der Regel zu einer lebenslangen Immunität; nur sehr selten ist eine erneute Infektion möglich. Als daraus resultierende Komplikation tritt in einigen Fällen die Hodenentzündung auf. Während Kinder vor der Pubertät eher selten an einer Hodenentzündung leiden, tritt sie bei rund 15 bis 30 Prozent der an Mumps erkrankten erwachsenen Männer auf.1

Es ist ratsam, Kinder aktiv gegen Mumpf impfen zu lassen – doch selbst dann ist eine Erkrankung nicht komplett ausgeschlossen.

Weitere mögliche Ursachen einer Orchitis sind:

  • Tripper oder Chlamydien (durch Bakterien übertragene Geschlechtskrankheiten)
  • Urogenitaltuberkulose (chronische Infektion der Nieren, Harnwege oder Geschlechtsorgane)
  • Trauma (durch Verletzung von außen)
  • Autoimmunreaktion (Antikörper zerstören das Hodengewebe)
  • Darmbakterien wie Escherichia coli (vor allem bei älteren Männern)
  • Prostatavergrößerung mit Restharnbildung

Eine Hodenentzündung resultiert gelegentlich auch aus einer Infektion der Prostata und der Harnwege, äußert sich aber dann meist zunächst als Nebenhodenentzündung (Epididymitis), bevor sie auf die Hoden selbst übergeht.

Doch warum gelangen die Bakterien und Viren bei einer Infektion überhaupt in diese Region? Der Grund: Die Hoden befinden sich zwar im Hodensack außerhalb des Körpers, sind aber mit den anderen Organen und Gefäßen eng verbunden. Deswegen können die Erreger über den Blutkreislauf oder die Harnwege sowie den Samenleiter in das Hodengewebe gelangen und auch dort eine Infektion auslösen.

Hodenentzündung: Werden Sie bei diesen Symptomen aufmerksam

Da die Hodenentzündung meist als Folgeinfektion einer anderen Krankheit auftaucht, treten die Symptome erst nach einer bestimmten Zeit im Anschluss an die Haupterkrankung auf. Bei einer Orchitis als Folge von Mumps beispielsweise machen sich die Symptome rund vier bis acht Tage nach Ausbruch der Erkrankung bemerkbar.1 Allgemein erkennen Sie die Hodenentzündung an folgenden Beschwerden:

  • Hodenschwellung
  • starke Rötungen
  • Druck- und Berührungsschmerzen (in die Leiste ausstrahlend)
  • zusätzlich hohes Fieber (bei einer Mumps-Hodenentzündung)

Des Weiteren gibt es eine weitere Form der Hodenentzündung: die granulomatöse Orchitis (meist gutartige, knötchenförmige und entzündungsbedingte Gewebeneubildung). Dabei gelten folgende Anzeichen als typisch:

Bei einem oder mehreren dieser Symptome sollten Sie umgehend einen Urologen aufsuchen. Er behandelt Ihre Hodenentzündung und lindert die Schmerzen.

Eine Orchitis behandeln

Bevor der Urologe eine Therapie einleitet, muss er die Diagnose „Hodenentzündung“ stellen. Dazu stehen ihm verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Nach einer ausführlichen Anamnese (Patientenbefragung) ist er in der Lage, einzuschätzen, ob es sich um eine Hodenentzündung handeln könnte.
  • Er wird im Zuge der Diagnose eine Ultraschall-Untersuchung anordnen, um die Orchitis von einer Hodentorsion abzugrenzen.
  • Eine Urinuntersuchung gibt ihm Aufschluss darüber, ob eine Entzündung besteht.
  • Mit einem Harnröhrenabstrich entnimmt er Erregerproben, die anschließend im Labor bestimmt und auf Resistenzen überprüft werden.
  • Durch eine Blutuntersuchung weist er eine Veränderung des Blutbildes auf.
Vorsicht bei einer Hodentorsion! Dabei handelt es sich um eine Drehung von Hoden und Samenstrang um die Längsachse. Die Hodentorsion ist ein hoch akutes Krankheitsbild, das sofort behandelt werden muss, da es sonst zum Absterben von Gewebe führen kann. Besonders betroffen sind Säuglinge, Jugendliche und junge Männer. Die Symptome ähneln denen einer Orchitis – allerdings ohne Fieber oder allgemeine Anzeichen eines Infekts.

Ist sich der Urologe sicher, dass es sich bei Ihren Symptomen um eine Hodenentzündung handelt, beginnt er mit der entsprechenden Behandlung. Diese kann wie folgt aussehen:

  • Antibiotikabehandlung (außer bei einer Orchitis infolge von Mumps; hierbei werden ausschließlich die Symptome behandelt)
  • Gabe von antientzündlichen Arzneimitteln
  • Infiltration des Samenstranges (Betäubung unter Lokalanästhesie, um starke Schmerzen zu lindern)

Ist die Hodenentzündung beispielsweise aus einer Prostatavergrößerung mit Restharnbildung entstanden, muss in erster Linie die Erkrankung selbst behandelt werden.

Alles in allem lässt sich eine Hodenentzündung gut therapieren. Nach rund ein bis zwei Wochen sollte zum Beispiel eine Hodenentzündung infolge von Mumps überstanden sein.i Wenn jedoch beide Hoden betroffen sind und sie nicht rechtzeitig behandelt werden, kann das als Folge Unfruchtbarkeit mit sich führen. Machen Sie deswegen frühzeitig einen Termin beim Urologen.

Die richtige Pflege einer Hodenentzündung

Damit die Hodenentzündung gut abheilt und der Patient möglichst wenig Schmerzen erleidet, sollten zeitgleich mit einer medikamentösen Behandlung pflegende Maßnahmen zum Einsatz kommen. Dazu zählen:

  • Bettruhe
  • Kühlung
  • Hochlagerung der Hoden auf Oberschenkelhöhe
Tipp zur Hochlagerung:

Sie vermindert die Schmerzen und verbessert den Lymphabfluss. Doch wie legt Mann einen Hoden hoch? Zum Beispiel durch ein sogenanntes Hodenbänkchen. Dabei handelt es sich um einen Schlauchverband, der mit Watte gefüllt ist. Sollten Sie zwischenzeitlich kurz aufstehen müssen, entlastet beispielsweise eine enge Unterhose oder ein Hodensuspensorium (eine Art Halterung für die Geschlechtsorgane) Ihren empfindlichen Bereich.