Welche Symptome sind bei der Hodenentzündung möglich?

  • Schwellung der Hoden
  • starke Rötungen
  • Druck- und Berührungsschmerzen
  • hohes Fieber (39,5 bis 40,5 Grad Celsius)1
  • brennender Schmerz beim Wasserlassen
  • Blut im Urin
  • häufiger, nächtlicher Harndrang
  • Inkontinenz

Die Ursachen einer Hodenentzündung


Bei einer Hodenentzündung (Orchitis) handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die für gewöhnlich durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird. Meist entwickelt sich eine Orchitis im Laufe oder in Folge anderer Krankheiten, wie etwa Malaria, Windpocken oder Mumps. Bei letzterer leiden in der Regel rund 15 bis 30 Prozent der männlichen Patienten zusätzlich an einer Hodenentzündung.2

Was ist Mumps?

Die Rede ist von einer Viruserkrankung, die meist mit einer Schwellung der Ohrspeicheldrüse einhergeht. Sie wird durch Tröpfcheninfektion (zum Beispiel beim Husten oder Niesen) und direkten Speichelkontakt (etwa beim Küssen) übertragen. Eine einmalige Erkrankung führt für gewöhnlich zu einer lebenslangen Immunität. Nur sehr selten ist eine erneute Infektion möglich. Als mögliche Komplikation von Mumps tritt in einigen Fällen eine Hodenentzündung auf, die mitunter zur Zeugungsunfähigkeit führen kann.

Während Kinder vor der Pubertät eher selten an einer Hodenentzündung leiden, tritt sie des Öfteren bei Männern auf, die an Mumps erkrankt sind. Bei Kindern ist es ratsam, sie aktiv gegen Mumps impfen zu lassen — allerdings ist selbst dann eine Erkrankung nicht komplett ausgeschlossen.

Weitere mögliche Ursachen einer Orchitis sind:

  • Tripper oder Chlamydien (durch Bakterien übertragene Geschlechtskrankheiten)
  • Urogenitaltuberkulose (chronische Infektion der Nieren, Harnwege oder Geschlechtsorgane)
  • Trauma (etwa aufgrund äußerer Verletzungen)
  • Autoimmunreaktion (Antikörper zerstören das Hodengewebe)
  • Darmbakterien wie Escherichia coli (Steigen meist über den Harnleiter auf)

Eine Hodenentzündung resultiert gelegentlich auch aus einer Infektion der Prostata oder der Harnwege, äußert sich aber dann meist zunächst als Nebenhodenentzündung (Epididymitis), bevor sie auf die Hoden selbst übergeht.

Doch warum gelangen die Bakterien und Viren bei einer Infektion überhaupt in diese Region? Der Grund: Die Hoden befinden sich zwar im Hodensack außerhalb des Körpers, sind aber mit den anderen Organen und Gefäßen eng verbunden. Deswegen können die Erreger über den Blutkreislauf, die Harnwege oder den Samenleiter in das Hodengewebe gelangen und auch dort eine Infektion auslösen.

Hodenentzündung: Werden Sie bei diesen Symptomen aufmerksam


Da die Hodenentzündung meist als Folgeerscheinung einer anderen Krankheit auftaucht, treten die Symptome erst nach einer bestimmten Zeit im Anschluss an die Haupterkrankung auf. Beispielsweise bei einer Orchitis als Folge von Mumps, machen sich die Symptome erst circa vier bis acht Tage nach Ausbruch der Erkrankung bemerkbar.1 Allgemein erkennen Sie die Hodenentzündung an folgenden Beschwerden:

  • Hodenschwellung
  • starke Rötungen der Hoden
  • Druck- und Berührungsschmerzen (in die Leiste ausstrahlend)
  • zusätzlich hohes Fieber (bei einer Mumps-Hodenentzündung)

Darüber hinaus gibt es eine weitere Form der Hodenentzündung: die granulomatöse Orchitis (meist gutartige, knötchenförmige und entzündungsbedingte Gewebeneubildung). Dabei gelten neben den genannten, zusätzlich folgende Anzeichen als typisch:

Bei einem oder mehreren dieser Symptome sollten Sie umgehend einen Urologen aufsuchen. Er behandelt Ihre Hodenentzündung und lindert die Schmerzen.

Was tun bei einer Hodenentzündung? — Diagnose & Behandlung


Bevor der Urologe eine Therapie einleitet, muss er die Diagnose „Hodenentzündung“ stellen. Dazu stehen ihm verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Nach einer ausführlichen Anamnese (Patientenbefragung) kann er einschätzen, ob es sich um eine Hodenentzündung handelt.
  • Außerdem ist das sogenannte Prehn-Zeichen ein wichtiger Faktor für die Diagnose. Dabei hebt der Arzt den Hoden leicht an. Wenn der Schmerz hierbei nachlässt, ist das ein Hinweis auf eine Hodenentzündung.
  • Er wird im Zuge der Diagnose eine Ultraschall-Untersuchung anordnen, um die Orchitis von einer Hodentorsion (Drehung von Hoden und Samenstrang) abzugrenzen.
  • Eine Urinuntersuchung gibt ihm Aufschluss darüber, ob eine Entzündung vorliegt.
  • Vor allem bei Verdacht auf sexuell übertragbare Krankheiten entnimmt der Arzt Erregerproben mit einem Harnröhrenabstrich, die anschließend im Labor bestimmt und für eine Behandlung mit Antibiotika auf mögliche Resistenzen überprüft werden.
  • Mithilfe einer Blutuntersuchung erkennt er Veränderungen des Blutbildes (wie etwa vermehrte weiße Blutkörperchen), die ebenfalls auf Entzündungen hinweisen.

Vorsicht bei einer Hodentorsion!

Dabei handelt es sich um eine Drehung von Hoden und Samenstrang um die Längsachse, wodurch die Blutzufuhr unterbrochen wird. Die Hodentorsion ist ein hoch akutes Krankheitsbild, das sofort behandelt werden muss, da es sonst zum Absterben von Gewebe kommt. Besonders betroffen sind Säuglinge, Jugendliche und junge Männer. Die Symptome ähneln denen einer Orchitis, allerdings ohne Fieber oder allgemeine Anzeichen eines Infekts.

Ist sich der Urologe sicher, dass es sich bei den Symptomen um eine Hodenentzündung handelt, beginnt er mit der entsprechenden Behandlung. Diese besteht mitunter aus:

  • Antibiotikapräparaten (außer bei einer Orchitis infolge von Mumps; hierbei werden ausschließlich die Symptome behandelt)
  • entzündungshemmenden Arzneimitteln
  • Schmerzmitteln

Ist die Hodenentzündung beispielsweise aus einer vorangegangenen Krankheit entstanden, muss in erster Linie jene auslösende Krankheit behandelt werden. Generell lässt sich jedoch sagen, dass eine Hodenentzündung gut zu therapieren ist. Nach etwa ein bis zwei Wochen (circa 10 Tage) sollte eine Hodenentzündung (auch infolge von Mumps) überstanden sein.1 Eine entsprechende Krankschreibung beziehungsweise Arbeitsunfähigkeit variiert je nachdem, welche individuelle Ursache der Orchitis zugrunde liegt.

Sind beide Hoden betroffen und werden sie nicht rechtzeitig behandelt, kann in seltenen Fällen eine Unfruchtbarkeit entstehen. Das Hodengewebe ist dabei so stark beschädigt, dass nur noch zu wenige oder zu langsame Spermien produziert werden können. Machen Sie deshalb frühzeitig einen Termin beim Urologen, um das Risiko dafür zu minimieren.

Die richtige Pflege einer Hodenentzündung


Damit die Hodenentzündung gut abheilt und der Betroffene möglichst wenig Schmerzen erleidet, sollten zeitgleich mit einer medikamentösen Behandlung verschiedene pflegende Maßnahmen zum Einsatz kommen. Dazu zählen:

  • Bettruhe
  • Kühlung (etwa mit feuchten Umschlägen)
  • Hochlagerung der Hoden auf Oberschenkelhöhe

Tipp zur Hochlagerung:

Sie vermindert die Schmerzen und verbessert den Lymphabfluss. Doch wie legt man(n) einen Hoden hoch? Zum Beispiel durch ein sogenanntes Hodenbänkchen. Dabei handelt es sich um einen Schlauchverband, der mit Watte gefüllt ist und in liegender Position unter dem Hoden platziert wird. Sind die größten Schmerzen vorbei und der Betroffene ist in der Lage aufzustehen, entlastet beispielsweise eine enge Unterhose oder ein Hodensuspensorium (eine Art Halterung für die Geschlechtsorgane) den empfindlichen Bereich.

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Jan Zimmermann Egal ob Video, Foto oder Text – Hauptsache die Kreativität kommt nicht zu kurz. Noch während seines Masterstudiums der Medienwissenschaften und der Arbeit als Multimedia Content Creator in München, entwickelte Jan Zimmermann eine Passion für das Schreiben. Seit 2018 lebt er diese als Medizinredakteur bei kanyo® aus. Jan Zimmermann Medizinredakteur und Medienwissenschaftler kanyo® mehr erfahren
Monika Hortig Die ersten Artikel schrieb Monika Hortig in ihrem Kinderzimmer und speicherte sie noch auf Diskette. Dass sie eines Tages Redakteurin werden möchte, wusste sie schon sehr lange. Deswegen zog es sie nach ihrem Studium in die Münchener Verlagswelt. Nach diversen Praktika in Online-Redaktionen absolvierte sie ihr Volontariat bei verschiedenen Lifestyle-Magazinen – unter anderem mit Schwerpunkt Sport und Ernährung. Das steigende Interesse für medizinische Themen führte sie letztendlich zu kanyo®. Als Medizinredakteurin konnte sie hier bis 2021 ihre beiden Vorlieben – Online-Journalismus und Gesundheit – vereinen. Monika Hortig Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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