Urintest: Harn im Check

25. September 2018
11 Min.

Wer wissen will, wie es um seine Gesundheit bestellt ist, muss Harn lassen. Der Urintest ist eine wichtige Methode der Diagnose, wenn sich Patienten mit akuten Beschwerden beim Urologen vorstellen. Sind Bestandteile wie Blut oder Eiweiß im Urin, kann das dem Facharzt Hinweise auf eine zugrundeliegende Erkrankung geben. Wie läuft eine Urinuntersuchung ab? Liefern auch Urinstreifen aus der Apotheke zuverlässige Ergebnisse? All das erfahren Sie hier.


Urin – Indikator für den Gesundheitszustand

Beim Urintest gleicht der Urologe die Verfärbungen auf den typischen Streifen mit einer Farbskala ab.

Normalerweise ist der Toilettengang etwas, über das wir uns wenig Gedanken machen. Und das obwohl Urin so etwas wie ein Indikator für unseren Gesundheitszustand ist. So gibt es Parameter, die auch Nicht-Mediziner stutzig werden lassen, wenn sie anders sind als gewohnt, beispielsweise

Normalerweise ist der Geruch neutral. Lässt er sich eher als stechend und ammoniak-ähnlich beschreiben, könnte dies unter anderem durch Bakterien hervorgerufen werden. Erinnert er dagegen mehr an acetonhaltigen Nagellackentferner, ist abzuklären, ob Sie an Diabetes mellitus leiden.


Auch die Farbe sagt einiges über unsere Gesundheit aus. Ist sie dunkler als üblich, muss das aber nicht zwangsläufig krankheitsbedingt sein. Dies kann auch von harmlosen Auslösern wie einer zu geringen Trinkmenge oder dem Verzehr größerer Mengen an Vitamin B oder Beta-Carotin-haltigen Lebensmitteln wie Rote Beete oder Karotten herrühren. Ist jedoch mit bloßem Auge Blut im Urin erkennbar (Makrohämaturie), steht das Finden der Blutungsquelle im Fokus.

Was ist drin im Urin?

Mit dem von den Nieren produzierten Harn wird nicht nur Wasser ausgeschieden. Auch Elektrolyte (beispielsweise Kalium und Natrium), Stoffwechselendprodukte, zum Beispiel Harnstoff und Kreatinin (Abbauprodukt des für die Muskulatur wichtigen Kreatin), sowie Fremdsubstanzen werden aus dem Körper geschwemmt. Ein Beispiel für Fremdsubstanzen sind Medikamente. Täglich scheiden wir circa 1.500 Milliliter Urin – ausgegangen von einer Trinkmenge von 2.000 Millilitern – aus.1 Durch Bilirubin, das ist das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, erhält Urin seine typische bernsteinfarbene Optik.

Wann wird der Harn getestet und was gibt es zu beachten?

Eine Untersuchung des Harns mittels Teststreifen wird in der Regel bei bestimmten Symptomen oder Erkrankungen notwendig. Darunter fallen beispielsweise

deren Ursache nicht bekannt ist. Vor der Urinabgabe sollten Sie nach Möglichkeit den Genitalbereich mit etwas Wasser reinigen, um eine Verunreinigung der Ausscheidung zu vermeiden. Auch die Einnahme eines Antibiotikums kann die Messwerte des Urintests verfälschen.

Wie funktioniert der Urintest?

Es kommt in der Regel der sogenannte Urinstix, ein Urinteststreifen, zum Einsatz, der in den Urin getaucht und dann abgestreift oder auf den einige Tropfen Harn geträufelt werden. Verwendet wird entweder

  • Mittelstrahlurin (ersten Strahl Harn ablassen, folgenden Strahl in einem sterilen Gefäß auffangen, restliche Blasenentleerung wieder in die Toilette),
  • aus einem Blasenkatheter abgenommener Urin (zum Beispiel bei immobilisierten Patienten) oder
  • Punktionsurin (wird bei gefüllter Blase mit einer sterilen Spritze entnommen; bei nicht eindeutigen Befunden).

Auf dem Urinstix gibt es Testfelder, die sich ¬– nachdem der Teststreifen mit dem Urin in Kontakt gekommen ist – je nach Konzentration der darin enthaltenen Substanzen durch eine chemische Reaktion verfärben.

Mehr wissen: Warum sollte Mittelstrahlurin verwendet werden?

Was unterscheidet den mittleren vom ersten Urinstrahl? Ganz einfach: Am Harnröhrenausgang befinden sich naturgemäß bestimmte Keime, die die Urinuntersuchung verfälschen können. In der Regel wird ein Teil von ihnen vor allem zu Beginn des Urinlassens mit hinausbefördert – und kontaminiert damit den ersten Strahl. Für ein unverfälschtes Ergebnis bietet sich daher vor allem der sogenannte „Mittelstrahlurin“ an.

Was wird beim Urintest überprüft?

Bei der Testung einer Urinprobe können verschiedene Werte Aufschluss über Gesundheit oder Krankheit liefern. Zu diesen zählen unter anderem:

  • pH-Wert: Ein pH-Wert zwischen 4,5 und 6 entspricht der Norm.2 Ob der Harn eher sauer (geringere pH-Werte) oder basisch (höhere pH-Werte) ist, soll zum Beispiel durch die Ernährung beeinflusst werden. Aber auch eine Harnwegsinfektion kann für hohe pH-Werte verantwortlich sein.
  • Eiweiß (Proteine): Zu viel Eiweiß (Proteinurie) ist für den Urologen ein Hinweis auf eine Entzündung, Schädigung oder Funktionsstörung der Nieren.
  • Zucker (Glukose): Ist der Glukosewert im Harn erhöht (Glukosurie), ist dies möglicherweise ein Symptom einer Nierenerkrankung oder eines Diabetes mellitus. Für einen eindeutigen Nachweis wird der Arzt weitere Untersuchungen vornehmen.
  • Nitrit: Eine bakterielle Harnwegsinfektion, eine Nierenbecken- oder Blasenentzündung kann die Ursache dafür sein, dass sich Nitrit, ein Abbauprodukt von Bakterien, in der Urinprobe befindet.
  • Rote Blutkörperchen: Kommen vermehrt rote Blutkörperchen vor (Hämaturie), wird der Arzt abklären, ob eine Blasenentzündung, Nierensteine oder in selteneren Fällen Tumore oder Fehlbildungen des Harntraktes dazu geführt haben.
  • Weiße Blutkörperchen: In erhöhter Menge liegen weiße Blutkörperchen bei einem bakteriellen Harnwegsinfekt (Leukozyturie) vor. Sie können aber auch auf eine entzündliche Erkrankung der Nieren oder der Prostata hindeuten.

Nach einer Wartezeit von üblicherweise 60 Sekunden — beim Testfeld für Leukozyten (weiße Blutkörperchen) sind es 60 bis 120 Sekunden — werden die Verfärbungen der Testfelder mit einer Farbskala verglichen.3 Diese Untersuchung der Urinprobe ist relativ zuverlässig, jedoch können zum Beispiel verfärbter Harn oder ein spezifisches Uringewicht (Dichte) von mehr als 1.020 Gramm pro Liter die Ergebnisse verfälschen.4

Bei letzterem ist die Menge an Wasser geringer, der Anteil an anderen enthaltenen Substanzen wie Eiweiß oder Zucker hingegen höher. Primär sollte der Facharzt in diesem Fall abklären, ob eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme dazu geführt haben könnte oder aber der Patient zu viel Flüssigkeit verloren hat, weil er beispielsweise erbrochen hat oder Durchfall hatte. Kann dies ausgeschlossen werden, muss er prüfen, ob eine Erkrankung wie eine Nebennieren- oder Herzinsuffizienz vorliegt.

Wo kann man Teststreifen kaufen?

Teststreifen zur Selbstanwendung werden auch in Apotheken rezeptfrei verkauft. Allerdings sind die Ergebnisse eher als Anhaltspunkt und keinesfalls als sichere Diagnose für eine Erkrankung wie beispielsweise Diabetes mellitus zu werten. Denn nicht selten kommt es zu verfälschten Ergebnissen, beispielsweise aufgrund von Medikamenteneinnahme. Der Gang zum Urologen ist also notwendig, um die Ursache der Beschwerden zu finden und zugrundeliegende Erkrankungen professionell zu behandeln.

Urinsediment: Mikroskopische Untersuchung des Harns

Falls die Ergebnisse der Urinuntersuchung mittels Teststreifen auffällig sind oder die Diagnostik abgesichert werden soll, kann eine mikroskopische Untersuchung folgen. Im Fokus dieser stehen beispielsweise

  • dysmorphe Erythrozyten (verformte rote Blutkörperchen),
  • Zylinder (verklumpte Strukturen, die in den Nierenkanälchen gebildet werden) und
  • Kristalle (zum Beispiel Cholesterin-Kristalle).

Vor dem Test muss die Ausscheidung jedoch aufbereitet werden, damit das Urinsediment, das heißt die festen Urinbestandteile, vorliegt. Um die flüssigen von den festen Bestandteilen zu trennen, kommt ein spezielles technisches Gerät zum Einsatz, das die Urinprobe schleudert (zentrifugiert). Unter dem Mikroskop wird dann das Urinsediment stark vergrößert und analysiert.

Harnwegsinfekt durch Bakterien? Die Urinkultur schafft Klarheit

Der Urologe legt eine Urinkultur an, wenn er den Verdacht hat, die Beschwerden könnten von einer Infektion im Bereich der Harnleiter, Blase oder Nieren herrühren. Hierfür taucht der Untersuchende einen Nährboden in eine Urinprobe. Idealerweise findet dabei Morgenurin – der Harn der ersten morgendlichen Blasenentleerung – Anwendung, da dieser höher konzentriert ist.

Der getränkte Nährboden wird dann in ein Behältnis gegeben und zur Anzucht der Keime für circa drei Tage in einen Brutschrank (Inkubator) gelegt und anschließend ausgewertet.4 Die Kultur liefert Nachweise

  • über die Menge der Erreger (Keimzahlbestimmung),
  • um welche Erreger es sich handelt (Keimidentifizierung) und
  • welches Antibiotikum eingesetzt werden kann (Resistenztestung).

Denn: Es gibt Bakterien, die gegen ein bestimmtes oder mehrere Antibiotika widerstandsfähig sind, das heißt, bei denen Antibiotika nur noch abgeschwächt oder nicht mehr wirken. Eine Urinkultur kann dem Arzt also weitere Hinweise geben und dabei helfen, eine genauere Diagnose zu stellen.

Spezieller Urintest: 24-Stunden-Sammelurin

Äußert der Urologe den Verdacht auf eine Hormonerkrankung oder wiederkehrende Nierensteine, bittet er Sie möglicherweise darum, einen 24-Stunden-Sammelurin abzugeben. Mit dem Sammeln beginnt man nach dem ersten morgendlichen Entleeren der Blase, das heißt, die erste Urinprobe wird ganz regulär in die Toilette gelassen. Ab diesem Zeitpunkt, den sich der Patient notiert, fängt er sämtlichen Harn beim Wasserlassen für die nächsten 24 Stunden in einem Sammelgefäß auf. Wichtig ist, während dieser Zeit 1,5 bis 2 Liter zu trinken.5 Je nach Literaturquelle soll das Gefäß bei Raumtemperatur unter Lichtabschluss oder im Kühlschrank gelagert werden. Fragen Sie diesbezüglich am besten Ihren Urologen beziehungsweise bei dem Labor nach, das den 24-Stunden-Sammelurin auswertet.

Julia Lindert
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