Hydrozele – das steckt hinter einem Wasserbruch am Hoden

29. März 2019
9 Min.

Unter dem Begriff Hydrozele – auch Wasserbruch genannt – verstehen Mediziner eine meist schmerzlose Ansammlung von Flüssigkeit im Hodensack.1 Dabei führt mehr als eine Ursache zu dieser Komplikation. Manche Kinder kommen sogar mit einer Hydrozele zur Welt. Jedoch können sie Männer auch im Laufe ihres Lebens erwerben. Lesen Sie hier mehr über Symptome, Diagnosemöglichkeiten und Behandlung.


Übersicht:

Wasserbruch am Hoden: Was genau ist das?

Im Allgemeinen handelt es sich bei einer Hydrozele um eine Flüssigkeitsansammlung im Hoden. Dieses „Wasser“ – serumähnliche Flüssigkeit – befindet sich dabei im Hodensack zwischen den zwei Blättern der Hodenhaut (Tunica vaginalis testis).2 Darüber hinaus unterscheiden Ärzte angeborene Hydrozelen (primäre) und erworbene Hydrozelen (sekundäre).3

Ein Arzt kann herausfinden, ob Mann an einer Hydrozele leidet

Die Entstehung der angeborenen Hydrozele

Manchmal zeigt sich ein Wasserbruch am Hoden von Geburt an beziehungsweise im ersten Lebensjahr eines Menschen. Doch was führt dazu, dass einige Kinder mit dieser Diagnose geboren werden?

Spannend!

1 bis 2 Prozent der männlichen Neugeborenen haben eine angeborene Hydrozele.4

Noch im Körper der Mutter beginnt die Hodenentwicklung. Ihren Anfang nimmt sie in der Bauchhöhle (Cavitas abdominalis) eines noch ungeborenen Jungen. Das Bauchfell (Peritoneum) des Kindes umhüllt dort den noch unfertigen Hoden. Im weiteren Schwangerschaftsverlauf bildet sich der Hoden immer mehr aus. Aber nicht nur das: Er wandert über den Leistenkanal (Canalis inguinalis) immer weiter in Richtung Hodensack (Skrotum). Dadurch kommt es dazu, dass sich das Bauchfell trichterartig in den Hodensack stülpt.

Am Ende dieses Prozesses – der bis zum Beginn des 2. Lebensjahres abgeschlossen sein sollte5 – verschließt sich in der Regel das neu entstandene Bauchfellgebilde – die innere Hodenhülle ist damit gebildet. Bei manchen Kindern ist es jedoch so, dass es zu keinem Verschluss – Verwachsen im Leistenbereich – kommt. Die Folge: Flüssigkeit aus der Bauchregion gelangt nach und nach in den Hoden. Eine primäre Hydrozele entsteht.1

Flüssigkeit im Bauch?

Im Organismus gibt es Bereiche, die mit einer sogenannten Tunica serosa versehen sind. Das ist eine glatte Auskleidung, mit der neben dem Herzbeutel beispielsweise auch die Bauchfellhöhle ausgestattet ist. Ein klarer, durchsichtiger Flüssigkeitsfilm ist Teil einer jeden Tunica serosa. Er sorgt dafür, dass bestimmte Organe und Eingeweide gegeneinander verschiebbar sind.

Erworbene Hydrozele – welche Ursachen kann sie haben?

Denkbare Ursachen für einen nicht von Geburt an erworbenen Wasserbruch sind:

  • Trauma (Verletzung durch beispielsweise einen Aufprall)
  • Hodenentzündung (Orchitis)
  • Nebenhodenentzündung (Epididymitis)
  • Hodentumor
  • Leistenbruch (über den Leistenkanal durchgetretene Baucheingeweide)6

Darüber hinaus lässt sich nicht immer eine Ursache feststellen. Wenn das der Fall ist, so sprechen Mediziner von einer idiopathischen Hydrozele.

Zu welchen Beschwerden kann es bei einem Wasserbruch kommen?

Vielleicht fragen Sie sich ja: „Woran erkenne ich einen Wasserbruch?“ Die Flüssigkeitsansammlung führt unter anderem zu diesen charakteristischen Symptomen am Hoden:

  • Schwellung
  • Druckgefühl
  • Schweregefühl6

Weitere Erkrankungen, die eine Schwellung der Hoden bewirken können:


Gut zu wissen: In der Regel werden bei einer Hydrozele keine Schmerzen empfunden. Darüber hinaus nimmt sie meist nur langsam an Größe zu. Die Volumenzunahme bringt ein Druck- beziehungsweise Schwereempfinden am Hodensack mit sich. Zudem fühlt sich diese mit „Wasser“ gefüllte Stelle im männlichen Intimbereich oftmals prall und elastisch an.

Aha!

Ein Wasserbruch ist einer der häufigsten Gründe für eine Schwellung am Hoden.6

Wasserbruch: Wie wird er diagnostiziert?

Zu den Möglichkeiten für eine Diagnose zählen:

  • Patientenbefragung (Anamnese)
  • Abtasten des Hodens
  • Durchleuchten des Hodens mit einer Lampe
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
  • Magnetresonanztomografie (MRT)

Durch eine Befragung seines Patienten kann der Arzt beispielsweise herausfinden, ob in letzter Zeit ein Schlag auf den Hoden erfolgt ist – zum Beispiel durch Fußball.

Bei Kleinkindern achten die Mediziner darauf, ob sich das „Wasser“ im Hoden vermehrt, wenn sich das Kind in einer aufrechten Position befindet. Besteht, wie bei einer angeborenen Hydrozele, eine Verbindung zum Bauchraum, bewirkt die Schwerkraft, dass bei einer aufgerichteten Haltung mehr Flüssigkeit als beim Liegen im Hodensack vorhanden ist.

Über ein Abtasten der Schwellung am Hoden erkennt ein Fachmann, ob sich darin „Wasser“ befindet. Sollte er hingegen eher eine Verhärtung spüren, könnte auch eine andere Ursache wie eine Hodenkrampfader (Varikozele) hinter der Vergrößerung stecken.

Eine weitere Untersuchungsmethode ist das Anstrahlen mit einer Lampe. Die Lichtquelle wird dabei direkt auf die Veränderung am Hoden aufgesetzt. Leuchtet die Vergrößerung flächig rötlich, so ist das ein Zeichen für eine Hydrozele. Bei einem Tumor wäre das beispielsweise nicht der Fall. Auf der roten Fläche würden sich dunklere Stellen vorfinden lassen.7

Oftmals untersucht der Mediziner den Hodensack zusätzlich mit dem Ultraschallgerät. Damit erkennt er, ob sich hauptsächlich seröse Flüssigkeit in der Schwellung befindet. Darüber hinaus lässt sich ein angeborener von einem erworbenen Wasserbruch unterscheiden. Letzterer zeigt sich durch Eiweißniederschläge (Eiweißpräzipitate), die einem Experten im Ultraschallbild auffallen.6

Wasserbruch: Dieser Arzt ist der richtige

Wenn Sie eine Veränderung am Hoden feststellen, ist Ihr Hausarzt ein guter erster Ansprechpartner – der Kinderarzt empfiehlt sich für kleine Patienten. Bei Bedarf erfolgt eine Überweisung an einen Urologen (spezialisiert auf die Harnwege sowie die Prostata) oder Andrologen (Facharzt für geschlechtsspezifische Erkrankungen beim Mann).

Wie sieht die übliche Behandlung bei einem Wasserbruch aus?

Bei Kindern erfolgt in der Regel keine große Therapie. Denn meist geht die angeborene Hydrozele bis zum ersten Geburtstag von alleine wieder zurück. Das liegt daran, dass der Körper mit der Zeit die Verbindung zwischen Hoden und Bauchraum verschließt.5 Bleibt der Wasserbruch jedoch bestehen, empfiehlt sich bei Kindern wie auch bei Erwachsenen eine Operation.

Warum sollte die Flüssigkeit operativ entfernt werden?

Theoretisch könnte ein Spezialist einfach mit einer Nadel in die Hydrozele stechen und die darin enthaltene Flüssigkeit ablaufen lassen. Früher hat man das sogar gemacht. Heutzutage wissen die Fachmänner jedoch, dass es dabei ein erhöhtes Risiko für Entzündungen gibt. Es entsteht eine Eintrittspforte für Keime aus der Umwelt. Zudem behebt ein Einstechen nicht die Ursache. „Wasser“ wird sich immer wieder aufs Neue ansammeln, denn es besteht noch immer eine Verbindung zum Bauchraum.5

Eine Wasserbruch-Operation können Sie sich in etwa so vorstellen:

  • Im ersten Schritt erhält der Patient eine Vollnarkose.
  • Anschließend legt der Arzt über einen Schnitt in der Leiste den Hoden beziehungsweise seine ihn umgebenden Hüllen frei.
  • Jetzt eröffnet der Mediziner die Flüssigkeitsansammlung mit einem speziellen Operationsgerät – oft eine Art Messer.
  • Auch kann nun, mit bestimmten Raffnähten, die bestehende Öffnung zum Bauchraum verschlossen werden.
  • Abschließend vernäht der Operateur die entstandene Operationswunde mit sich selbst auflösenden Fäden.1

Das beschriebene Verfahren dauert für gewöhnlich etwa eine halbe Stunde.5 Die Bildung eines Hämatoms – besser bekannt als Bluterguss – ist die häufigste Komplikation dieser Operation.1

Falls Sie sich fragen „Wie lange bin ich nach einer Wasserbruch-Operation krank?“, dann sollten Sie wissen, dass Patienten meist 4 Stunden nach dem Eingriff das Krankenhaus wieder verlassen dürfen. Auf eigenen Wunsch hin bleiben allerdings viele Personen zur Beobachtung noch eine Nacht lang in der Klinik.1

Wasserbruch-OP: Wie lange dürfen Sie keinen Sport machen?

Die Operation zählt nicht zu den großen. Stellen Sie Ihre Gesundheit dennoch nicht auf die Probe – eine Wunde ist definitiv vorhanden. Es empfiehlt sich daher – solange Ihnen der Experte nichts anderes mitteilt – für mindestens 6 Wochen auf Sport und körperlich anstrengende Arbeit zu verzichten.1 Wie lange und ob Sie auf Sex verzichten sollten, ist immer vom jeweiligen Fall abhängig. Erkundigen Sie sich daher am besten direkt bei Ihrem Arzt zu diesem Thema.

Regina Lopes Bombinho Brandt
Mail schreiben
Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin