Biopsie der Prostata – sind Krebszellen vorhanden?

15. Mai 2019
7 Min.

 

Die wichtigsten Fragen im Überblick

Wie läuft die Prostatabiopsie ab?
Der behandelnde Arzt sticht unter Ultraschallsicht eine dünne Hohlnadel in definierte Areale der Prostata. Anschließend untersucht ein Pathologe die Gewebeproben im Labor.

Warum das Ganze?
Der Verdacht auf Prostatakrebs soll bestätigt oder ausgeräumt werden.

Wie lange dauert sie?
Die Biopsiedauer ist davon abhängig, wie viele Proben entnommen werden, in der Regel sind es etwa 10 Minuten.1

Muss ich ein paar Tage im Krankenhaus bleiben?
Nein, die Prostatabiopsie verläuft in den allermeisten Fällen ambulant.

Ist das Verfahren schmerzvoll?
Der Eingriff erfolgt nach lokaler Betäubung und wird als schmerzarm bis nahezu schmerzfrei beschrieben.

Liegt ein Prostatakarzinom vor? Pathologin untersucht Gewebeproben, die bei einer Biopsie entnommen wurden.

Stellt der Arzt beim Abtasten der Prostata Knoten oder Verhärtungen fest, rät der behandelnde Arzt zu einer Biopsie. Anlass zu diesem Schritt kann auch ein auffallend erhöhter PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen) sein, da dieser womöglich auf einen Tumor in der Prostata hinweist. Wie die Untersuchung abläuft, erfahren Sie hier.

Wie funktioniert eine Prostatabiopsie?

Um dem Verdacht auf einen Tumor nachzugehen, veranlasst der Arzt eine sogenannte transrektale (durch das Rektum) Prostatastanzbiopsie. Bei dieser Prozedur wird Prostatagewebe zur weiteren Untersuchung gewonnen.

Vorbereitung auf den Eingriff

Der behandelnde Arzt klärt den Patienten ausführlich über Nutzen, Nebenwirkungen und mögliche Komplikationen des Verfahrens auf. Auch wenn das Risiko sehr gering ist, dass schwere postoperative Verläufe mit Blutungen oder Entzündungen sowie allergische Reaktionen (beispielsweise auf verwendete lokale Betäubungsmittel) auftreten, sind diese nicht vollständig auszuschließen. Des Weiteren ist es wichtig, im Vorgespräch zu klären, ob der Betroffene auf Arzneimittel angewiesen ist. Blutverdünnende Medikamente beispielsweise müssen nach ärztlicher Rücksprache ein paar Tage vor der Biopsie abgesetzt werden. Um Infektionen vorzubeugen, nimmt der Patient am Vorabend und Morgen der Biopsie Antibiotika ein. Da die Ultraschallsonde mit der Biopsienadel in den Enddarm eingeführt wird, muss dieser vorher entleert werden. Dafür sorgt ein Abführzäpfchen (Suppositorium).

Ablauf der Biopsie

Bevor der Arzt mit der Biopsie beginnt, spritzt er lokal ein schmerzstillendes Medikament, um die Umgebung der Prostata zu betäuben. Während der Patient auf der Seite oder dem Rücken liegt, führt der Mediziner ein fingerdickes Ultraschallgerät in den Enddarm ein. Am Kopf des Geräts ist eine Biopsienadel angebracht, die mithilfe einer Vorrichtung ausgelöst wird. In der Regel werden bis zu 12 Proben herausgestanzt.2

Beim standardisierten Entnahmeschema stehen verschiedene Bereiche der Prostata im Fokus:

  •  Basis (Übergang in die Harnblase)
  •  Mitte
  •  Spitze (zum Steißbein hin)

Falls der Urologe im Vorfeld eine Verhärtung oder Knoten ertastet hat, wird der verdächtige Bereich gesondert biopsiert.

Generell werden die exakten Entnahmestellen dokumentiert, die Proben entsprechend zugeordnet und anschließend separat ins Labor eingesandt. Ein paar Tage später liegt der Befund vor.

Biopsie nicht immer über den Enddarm
Wurde der Patient beispielsweise schon einmal am Enddarm operiert oder trat nach einer vorangegangenen transrektalen Biopsie eine fieberhafte Infektion auf, können sich die behandelnden Ärzte auch zu einer sogenannten perinealen Biopsie entscheiden. Dabei wird stationär und unter Vollnarkose die Prostata über den Damm (Bereich zwischen Penis und After) biopsiert. Das Risiko einer Infektion mit Darmkeimen wird so deutlich verringert.

Ist die Biopsie abgeschlossen, werden die Proben zur Untersuchung an Speziallabors geschickt. Pathologen, also Experten für Gewebe- und Zelluntersuchungen, sehen sich die Gewebeentnahmen unter dem Mikroskop an und beurteilen das Ausmaß sowie den Grad der Gewebeveränderung. Für die Charakterisierung des Prostatakarzinoms nutzen Fachärzte den Gleason Score.

Liegt der Befund vor, bespricht der behandelnde Arzt das Ergebnis mit dem Patienten und erläutert, welche Behandlung er für sinnvoll erachtet.

Nach der Behandlung

Nach der Prostatabiopsie sollte sich der Patient schonen sowie sportliche Aktivitäten wie Radfahren 1 bis 2 Tage pausieren.3 Gegen Geschlechtsverkehr ist nichts einzuwenden.4 In den ersten Tagen nach der Biopsie ist ein leichtes Druckgefühl nicht unüblich. Auch können sich bis zu sechs Wochen nach dem Eingriff leichte Blutbeimengungen im Urin finden, wenn bei der Biopsie Blutgefäße verletzt wurden.5 Die Ursache für Blutklümpchen im Urin oder eine dunkelrote Farbe jedoch sollte ein Arzt abklären. Auch wenn Beschwerden wie Probleme beim Wasserlassen oder im Dammbereich auftreten, Fieber über 38 Grad Celsius oder Schüttelfrost, zögern Sie nicht, zeitnah ärztliche Hilfe aufzusuchen.6

PSA erhöht, doch Biopsie negativ – was nun?

Es muss darauf hingewiesen werden, dass sich innerhalb der Prostata ein Tumorherd befinden kann, der bei der durchgeführten Biopsie nicht getroffen wurde. Ärzte empfehlen, die Untersuchung zu wiederholen, wenn beispielsweise

  •  der PSA-Wert trotz Antibiotikagabe gegen eine mögliche Entzündung anhaltend erhöht oder
  •  der Tastbefund weiterhin auffällig ist.

Die Ungewissheit und das Warten auf ein endgültiges Ergebnis stellt für Betroffene häufig eine große emotionale Belastung dar. Viele sind zudem verunsichert und in Sorge, durch die Biopsie(n) womöglich das Ausbreiten von Krebszellen im Stichkanal oder Metastasen (Tumorabsiedlungen) zu begünstigen. Dies kann nach heutigem Wissenstand jedoch verneint werden.7

Sie sind nicht allein!

Das Team vom Infonetz Krebs berät Betroffene und Angehörige umfassend zu Methoden der Diagnose sowie Behandlungsverfahren. Auch seelische und soziale Belastungen sind kein Tabuthema.

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Julia Lindert
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Medizinredakteurin