Selten, aber bedenklich: Die Blasenentzündung beim Mann

26. Juni 2018
7 Min.

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Blasenentzündung (Zystitis) zu erkranken, ist beim Mann wesentlich geringer als bei der Frau. Der Grund dafür ist vor allem die unterschiedliche Anatomie. Wenn Mann dann doch einmal an einer Blasenentzündung erkrankt, ist das meist ein Fall für den Arzt. Lesen Sie hier, welche Ursachen die Krankheit auslösen, welche Symptome auftreten und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Mann mit schmerzhafter Blasenentzündung

So entsteht eine Blasenentzündung beim Mann

Für eine Blasenentzündung beim Mann sind – wie auch bei der Frau – oft Darmbakterien verantwortlich, die über die Harnröhre in die Blase gelangen. Die Immunabwehr tötet eindringende Keime meist bereits auf dem Weg dorthin ab. Finden Krankheitserreger dennoch den Weg in die Blase, werden sie normalerweise durch das Urinieren wieder nach außen befördert. Probleme treten erst auf, wenn der Urinabfluss gestört ist. Die Bakterien bleiben dann längere Zeit in der Blase und können sich dort vermehren – eine Infektion entsteht.

Die Keime können anschließend auch auf die umliegenden Organe des Mannes übergreifen. Sehr oft ist daher zusätzlich noch die Prostata entzündet. Die Gefahr, dass Bakterien in Nebenhoden, Samenleiter und Nieren gelangen, ist allerdings ebenfalls gegeben. Aus diesem Grund wird eine Blasenentzündung, wenn sie den Mann betrifft, in medizinischen Kreisen als kompliziertes Krankheitsbild bezeichnet.

Gut zu wissen:

Dass Frauen häufiger an Blasenentzündungen leiden, liegt vor allem in ihrer Anatomie begründet:

  • Die Harnröhrenöffnung befindet sich bei der Frau näher am Anus als beim Mann. Die Gefahr, dass Darmbakterien hineingelangen, ist deshalb größer.
  • Die Harnröhre der Frau ist zudem um einiges kürzer als die des Mannes – Bakterien gelangen daher schneller in die Blase.

Das begünstigt die Blasenentzündung beim Mann

Blasenentzündungen bei Männern sind selten und betreffen vor allem fortgeschrittene Altersgruppen.1 Das liegt daran, dass ältere Männer oft von einer Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie) betroffen sind. Die Prostata befindet sich unterhalb der Blase und umschließt die Harnröhre. Ist sie vergrößert, kann sie auf das Organ drücken, den Abfluss verengen und so verhindern, dass der Urin vollständig abläuft. Es gibt aber noch weitere Faktoren, die eine Blasenentzündung beim Mann begünstigen. Dazu zählen:

  • Urinkatheter: Ist es Menschen aufgrund von Operationen oder anderen Gründen nicht möglich, selbstständig zu urinieren, wird oft ein Katheter (eine Röhre, die in Körperorgane eingeführt wird) genutzt, um den Urin zu sammeln. Der Schlauch des Katheters wird durch die Harnröhre direkt in der Blase platziert und bietet Bakterien die Möglichkeit, ebenfalls einzudringen.
  • Blasensteine: Sie reizen die Harnblase und erschweren das Wasserlassen. Oft wird der Urin durch Blasensteine nicht vollständig entleert, sodass sich Keime ansiedeln können.
  • Neurologische Ursachen: Bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder einer Querschnittslähmung kann der Blasenauslass ebenfalls gestört sein. Die Folge: Keime, die sich im Resturin befinden, vermehren sich in der Blase.
  • Schwache Immunabwehr: Ein geschwächtes Immunsystem kann dazu führen, dass eintretende Keime nicht ausreichend abgewehrt werden.
  • Mangelnde Hygiene: Auch mangelnde Hygiene, zum Beispiel nach dem Geschlechtsverkehr, bietet Bakterien die Möglichkeit, den Weg durch den Harnleiter in die Blase zu finden.

Die Ursachen für die Entstehung einer Infektion sind sehr vielfältig, müssen allerdings keinen Anlass zur Sorge geben: Eine Blasenentzündung beim Mann tritt statistisch gesehen relativ selten und fast ausschließlich im fortgeschrittenen Alter auf.

Prävention:

Wer durch Risikofaktoren für eine Blasenentzündung prädestiniert ist, kann mithilfe einfacher Maßnahmen einer Infektion vorbeugen:

  • Kälte vermeiden
  • Harndrang nicht zu lange unterdrücken
  • regelmäßige und gründliche Intimhygiene
  • ausreichendes Trinken
  • Immunsystem stärken

Blasenentzündung beim Mann: Diese Symptome deuten darauf hin

Es brennt, drückt und sticht – eine Blasenentzündung kann bei Männern oft noch schmerzhaftere Symptome hervorrufen als bei Frauen. Das liegt daran, dass ihre Harnröhre wesentlich länger ist. Was also einerseits vor dem Eindringen von Keimen schützt, wird – wenn es doch passiert – zum Verhängnis: Die Entzündung breitet sich schlimmstenfalls auf die ganze Länge der Harnröhre aus und verursacht starke Schmerzen im gesamten Penis.

Unglücklicherweise kommen bei einer Blasenentzündung, die den Mann betrifft, oft noch weitere Symptome hinzu. Dazu zählen

Hat sich die Blasenentzündung beim Mann bereits auf weitere Organe ausgebreitet, kommen unter Umständen die folgenden Symptome hinzu:

  • Krankheitsgefühl (zum Beispiel Abgeschlagenheit oder Müdigkeit)
  • Schüttelfrost
  • Fieber

Erkennt man eines oder mehrere dieser Symptome, sollte der Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen, der die Infektion diagnostiziert und fachgerecht behandelt.

Ein Fall für den Arzt: Die Behandlung der Blasenentzündung bei Männern

Während Harnwegsinfekte bei Frauen oft durch einfache Hausmittel vergehen, sind Blasenentzündungen beim Mann deutlich ernster zu nehmen. Meist sind sie ein Fall für den Arzt – und benötigen eine Antibiotika-Therapie. Denn viel häufiger als bei Frauen sind bei Männern oft gleich mehrere Organe von der Infektion betroffen.

Je nach Schweregrad wird beim Mann

  • eine Kurzzeittherapie mit Antibiotikum (einmalige Einnahme bis drei Tage) oder
  • eine länger dauernde Behandlung mit Antibiotikum (sieben Tage oder mehr) verordnet.2

Unterstützend empfiehlt es sich, viel zu trinken, damit Erreger durch das Wasserlassen „ausgespült“ werden.

Lisa Küffner
Mail schreiben
Medizinredakteurin und Medienwissenschaftlerin