Selten, aber bedenklich: Die Blasenentzündung beim Mann

26. Juni 2018
11 Min.

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Blasenentzündung (Zystitis) zu erkranken, ist bei Männern wesentlich geringer als bei Frauen.1 Der Grund dafür: Die unterschiedliche Anatomie. Wenn Mann dann doch einmal an einer Blasenentzündung erkrankt, ist das meist ein Fall für den Arzt. Lesen Sie hier, welche Symptome auftreten und wie die Behandlung verläuft.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Typische Beschwerden sind Schmerzen beim häufigen Wasserlassen sowie eine Veränderung des Geruchs oder der Farbe des Urins.
  • Die Infektion kann sich beispielsweise auf die Harnröhre und Prostata ausbreiten.
  • Mangelnde Hygiene, ein Katheter oder ein schwaches Immunsystem begünstigen die Entzündung
  • Mit einer Antibiotikatherapie ist die Blasenentzündung beim Mann in der Regel gut behandelbar


Zu den Themen:

So entsteht eine Blasenentzündung beim Mann

Mann mit schmerzhafter Blasenentzündung

Für eine Blasenentzündung sind oft Darmbakterien (wie Escherichia coli) verantwortlich, die über die Harnröhre in die Blase gelangen. Meist tötet die Immunabwehr Keime bereits beim Eindringen ab. Finden Krankheitserreger dennoch den Weg in die Harnwege, werden sie normalerweise durch das Urinieren wieder nach außen befördert.

Probleme treten erst auf, wenn der Urinabfluss (beispielsweise durch Blasensteine oder Blasengeschwüre) gestört ist. Die Bakterien bleiben dann länger in der Blase und vermehren sich dort – eine Infektion entsteht.

Die Keime können anschließend auch auf die umliegenden Organe der Blase übergreifen. Sehr oft ist daher zusätzlich noch die Prostata entzündet. Die Gefahr, dass Bakterien in Hoden, Samenleiter und Nieren gelangen, ist ebenfalls gegeben. Aus diesem Grund wird eine Blasenentzündung, wenn sie den Mann betrifft, in medizinischen Kreisen als kompliziertes Krankheitsbild bezeichnet.1

Gut zu wissen:

Dass Frauen öfter an Entzündungen der Blase leiden, liegt vor allem an ihrer Anatomie begründet:

  • Die Harnröhrenöffnung befindet sich bei der Frau näher am Anus als beim Mann. Daher ist die Gefahr, dass Darmbakterien hineingelangen, deshalb größer.
  • Die Harnröhre der Frau ist zudem um einiges kürzer als die des Mannes - Bakterien gelangen daher schneller in die Blase.

Das begünstigt die Zystitis beim Mann

Blasenentzündungen bei Männern sind selten und betreffen vor allem fortgeschrittene Altersgruppen.2 Das liegt daran, dass ältere Männer oft von einer Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie) betroffen sind. Die Prostata befindet sich unterhalb der Blase und umschließt die Harnröhre. Ist sie vergrößert, kann sie auf das Organ drücken, den Abfluss verengen und so verhindern, dass der Urin vollständig abläuft – der Restharn bildet den optimalen Nährboden für die Vermehrung von Bakterien, die eine Blasenentzündung auslösen können.

Es gibt aber noch weitere Faktoren, die eine Blaseninfektion begünstigen. Dazu zählen:

  • Urinkatheter: Ist es Menschen aufgrund von Operationen oder anderen Gründen nicht möglich, selbstständig zu urinieren, legen Mediziner oft einen Katheter (einen dünnen Schlauch, der direkt durch die Harnröhre in die Blase führt), um den Harn abzuleiten. Durch den Schlauch können jedoch auch Bakterien von außerhalb auf direktem Wege in die Blase gelangen und dort eine Entzündung auslösen.
  • Blasensteine: Blasensteine sind kleine aus Blasengrieß bestehende Verhärtungen, die eventuell die Harnblase reizen und das Urinieren erschweren. Sie sind in der Lage, die Harnwege zu verstopfen, wodurch der Urin nicht vollständig ausgeschieden wird, sodass sich Erreger leichter ansiedeln.
  • Neurologische Ursachen: Bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder einer Querschnittslähmung kann der Blasenauslass ebenfalls gestört sein. Die Folge: Keime, die sich im Resturin befinden, vermehren sich.
  • Schwache Immunabwehr: Ein geschwächtes Immunsystem führt möglicherweise dazu, dass eintretende Bakterien nicht ausreichend bekämpft werden.
  • Mangelnde Hygiene: Auch unzureichende Körperpflege, zum Beispiel nach dem Geschlechtsverkehr, bietet Krankheitserregern die Möglichkeit, den Weg durch den Harnleiter in die Blase zu finden.

Die Ursachen für die Entstehung einer Infektion sind sehr vielfältig, müssen allerdings keinen Anlass zur Sorge geben: In der Regel lässt sich die Entzündung – frühzeitig erkannt – gut behandeln.

Blasenentzündung: Welche Symptome treten auf?

Es brennt, drückt und sticht – eine entzündete Blase kann bei Männern oft noch schmerzhaftere Beschwerden hervorrufen als bei Frauen.

Das liegt daran, dass ihre Harnröhre wesentlich länger ist. Was also einerseits vor dem Eindringen von Keimen schützt (da diese einen längeren Weg bis zur Blase zurücklegen müssen), wird andererseits – wenn es doch passiert – zum Verhängnis: Die Entzündung breitet sich schlimmstenfalls auf die ganze Länge der Harnröhre (Harnröhrenentzündung) aus und verursacht starke Schmerzen im gesamten Penis.

Unglücklicherweise kommen bei einer Zystitis oft noch weitere Symptome hinzu. Dazu zählen:

Einige der genannten Symptome spielen auch bei folgenden Erkrankungen eine Rolle:


Hat sich die Entzündung bereits auf andere Organe ausgebreitet, treten unter Umständen die folgenden akuten Beschwerden auf:

  • starkes Krankheitsgefühl (zum Beispiel mit Abgeschlagenheit oder Müdigkeit)
  • Schüttelfrost
  • Fieber

Erkennt man eines oder mehrere dieser Symptome in Kombination mit Beschwerden beim Urinieren, sollte der Betroffene unbedingt baldmöglichst einen Arzt aufsuchen. Dieser ist in der Lage, die Krankheit zu diagnostizieren und fachgerecht zu behandeln, damit keine Komplikationen daraus entstehen. Ansprechpartner bei Harnwegsinfektionen ist der Hausarzt. Er kann bei komplizierteren Krankheitsverläufen an einen Urologen – ein Spezialist für Erkrankungen des Urogenitaltraktes (Harn- und Geschlechtsorgane) – verweisen.

Ein Fall für den Arzt: Die Behandlung der Blasenentzündung

Mittels einer Urinprobe stellt der Mediziner fest, ob im Harn des Patienten Bakterien vorhanden sind, die auf eine Entzündung hinweisen. Darüber hinaus kann er sich bei einer Ultraschalluntersuchung ein Bild vom Zustand der Blase machen und Veränderungen (wie eine Einlagerung von Blasensteinen) erkennen.

Wichtig:

Während Harnwegsinfekte bei Frauen häufig durch die Unterstützung einfacher Hausmittel vergehen, sind Blasenentzündungen bei Männern deutlich ernster zu nehmen. Meist sind sie ein Fall für den Arzt - und benötigen eine Antibiotikatherapie. Denn viel häufiger als bei Frauen sind bei Männern gleich mehrere Organe betroffen.

Je nach Schweregrad wird

  • eine Kurzzeittherapie mit Antibiotikum (einmalige Einnahme bis drei Tage) oder
  • eine länger dauernde Behandlung mit Antibiotikum (sieben Tage oder mehr) verordnet.2

Grundsätzlich versuchen Mediziner, Antibiotika nur über einen möglichst kurzen Zeitraum anzuwenden. Der Grund dafür: Der Körper soll keine Resistenz (geringere Wirkung aufgrund eines Gewöhnungseffekts) gegen das Mittel entwickeln.

Unterstützend empfiehlt es sich für den Patienten, viel zu trinken, damit Erreger durch das Urinieren ausgespült werden. Wichtig zudem: Wenden Sie das verschriebene Medikament immer über den kompletten vom Arzt empfohlenen Zeitraum an, auch wenn Sie bereits keine Beschwerden mehr verspüren. Ansonsten besteht die Möglichkeit, dass sich noch vorhandene Bakterien schnell wieder vermehren und die Entzündung der Blase zurückkehrt.

Die Dauer eines Harnweginfekts kann nicht vorausgesagt werden. Bei einer unkomplizierten Krankheitsform, wie sie bei Frauen häufig vorkommt, schwächen die Symptome oft schon zwei Tage nach dem Behandlungsbeginn wieder ab.3 Eine komplizierte oder chronische Blasenentzündung, zum Beispiel in Kombination mit einer Prostatitis oder einer Harnröhrenentzündung, kann nach Beginn der Antibiotikatherapie noch über mehrere Wochen hinweg unangenehme Probleme bereiten.4

Hausmittel zur Ergänzung der Therapie

Auch wenn natürliche Mittel die Antibiotikabehandlung einer Blaseninfektion beim Mann nicht ersetzen, so können sie doch zusätzlich angewandt werden. Folgendes trägt möglicherweise zur schnellen Abheilung der Entzündung beim Patienten bei:

  • Nieren- und Blasentees (beispielsweise aus Brennnessel oder Birkenblättern) haben eine entwässernde Wirkung und sorgen so für häufiges Urinieren und ein Durchspülen der Harnwege.
  • Cranberry- und Preiselbeersaft sollen das Anheften von Bakterien an die Harnwegsschleimhaut verhindern und dadurch die Keimvermehrung stoppen. Wissenschaftlich belegt ist das jedoch bisher noch nicht.
  • Wärmflaschen – auf den Unterleib aufgelegt – können dazu beitragen, die durch die Entzündung verkrampfte Blasenmuskulatur zu entspannen und Schmerzen zu lindern.

Wenn Sie häufiger unter Harnwegsentzündungen leiden, sollten Sie versuchen, diese vorzubeugen. Das regelmäßige Trinken der genannten Tees und Säfte soll dabei hilfreich sein.

Prävention:

Wer durch Risikofaktoren (wie höheres Alter oder Blasensteine) für eine Zystitis prädestiniert ist, kann mithilfe einfacher Maßnahmen zur Verhinderung einer Infektion beitragen:

  • Sitzen auf kalten Flächen vermeiden (durch die schlechtere Durchblutung wird das Immunsystem geschwächt, Bakterien können sich leichter vermehren)
  • Harndrang nicht zu lange unterdrücken (damit sich keine zu großen Mengen anstauen und möglichst wenig Nährboden für Keime besteht)
  • regelmäßige und gründliche Intimhygiene (um das Eindringen von Bakterien zu vermeiden)
  • ausreichendes Trinken, circa zwei Liter Flüssigkeit am Tag4 (um die Harnproduktion anzuregen und die Harnwege durchzuspülen)
  • Immunsystem stärken (damit dieses besser gegen Krankheitserreger vorgehen kann)
Lisa Küffner
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