Uroflowmetrie – Wissenswertes über die Harnflussmessung

28. Januar 2019
6 Min.

Sie müssen auf die Toilette, aber es fällt Ihnen dennoch schwer, Ihre Blase vollständig zu entleeren? Oder verspüren Sie starke Schmerzen beim Wasserlassen? Mit einer Uroflowmetrie, also einer Harnflussmessung, kann der Arzt feststellen, was der Grund dafür ist. Lesen Sie hier, wie diese Untersuchungsmethode abläuft.

Auswertung einer Uroflowmetrie (Harnflussmessung)

Uroflowmetrie untersucht Störungen des Harnflusses

Die Uroflowmetrie oder Harnflussmessung ist ein häufig eingesetztes urologisches Diagnoseverfahren. Sie gehört in den Bereich der sogenannten Urodynamik, die sich mit dem physikalischen Vorgang des Wasserlassens (Miktion) beschäftigt. Mit Hilfe dieser Methode lassen sich verschiedene Probleme bei der Blasenentleerung untersuchen, wie zum Beispiel:

  • häufiges Wasserlassen
  • Schmerzen bei der Miktion
  • verstärkter Harndrang während der Nacht
  • Harnstrahlabschwächung
  • zeitweiliges Aussetzen des Harnstrahls beim Wasserlassen
  • Restharngefühl
  • Inkontinenz

Die Uroflowmetrie ist eine nicht-invasive Untersuchungsmethode, die mit keinerlei Nebenwirkungen oder Unannehmlichkeiten für den Patienten verbunden ist. Sie kann ambulant bei einem Urologen durchgeführt werden.

Harnflussmessung im Uroflowmeter – so läuft die Untersuchung ab

Der Arzt analysiert mithilfe der Uroflowmetrie Menge und Geschwindigkeit des Wasserlassens. Dafür uriniert der Patient in ein trichterförmiges Gerät, an dessen Spitze sich ein Sensor befindet. Dieser sogenannte Uroflowmeter zeichnet die Harnmenge pro Zeiteinheit auf. Ein angeschlossener Schreiber oder Computer stellt die Werte in einer Flusskurve dar. Direkt im Anschluss wird über Ultraschall die Restharnmenge, die in der Blase zurückgeblieben ist, festgestellt. Das Ergebnis der Harnflussmessung ist sofort verfügbar, um über Behandlungsmöglichkeiten oder weitere notwendige Diagnoseverfahren zu sprechen.

Patienten sollten vor der Uroflowmetrie eine volle Blase und einen entsprechend starken Harndrang haben. Eine weitere wichtige Voraussetzung für ein aussagekräftiges Ergebnis ist, dass der Patient nicht verkrampft, sondern ganz normal – wie auch zu Hause – Wasser lässt. Das gelingt am besten, wenn er unbeobachtet ist: Das Uroflowmeter muss während der Miktion nicht von medizinischem Personal bedient werden, sodass der Patient seine Privatsphäre behält.

Tipp:

Wenn Sie ungern mit voller Blase unterwegs sind, kommen Sie eine halbe Stunde oder Stunde vor dem geplanten Termin zum Urologen und bringen Sie eine große Flasche Wasser mit, die Sie vor Ort trinken.

Was wird bei der Uroflowmetrie gemessen?

Das Uroflowmeter analysiert, wie viel Harn in welcher Geschwindigkeit abgegeben wird. Der Urin wird dabei nicht aufgefangen und auf seine Zusammensetzung untersucht. Das erfolgt in einem gesonderten Urintest, sollte das für die Diagnose wichtig sein. Die Harnflussmessung zeichnet folgende Werte auf:

  • Miktionsvolumen in Millilitern (ml)
  • Blasenentleerungszeit (Miktionsdauer) in Sekunden (s)
  • (mittlere) Harnflussrate in Millilitern pro Sekunde (ml/s)
  • maximaler Harnfluss in Millilitern pro Sekunde (ml/s)
  • Miktionsverlauf in Kurvenform

Das Miktionsvolumen bezeichnet die Menge Urin, die während der Untersuchung durch das Uroflowmeter fließt. Die gesunde männliche Harnblase besitzt eine Kapazität von 350 bis 750 Millilitern.1 Wer sehr häufig Wasser lassen muss, leidet möglicherweise an sensiblen Blasensensoren, die einen Harndrang auslösen, obwohl die Blase noch gar nicht voll ist. Dies sollte während der Untersuchung berücksichtigt werden, denn für eine Uroflowmetrie muss das Miktionsvolumen mindestens 150 Milliliter betragen.1

Mithilfe der Blasenentleerungszeit wird die mittlere Harnflussrate ermittelt. Normalwerte liegen hier zwischen 15 und 50 Milliliter pro Sekunde.1 Ferner werden die Daten der Harnflussmessung in Kurvenform übertragen, deren Verlauf einen Hinweis auf die Beschwerdeursachen geben kann.

Harnflussmessung hilft bei der Diagnose zahlreicher Erkrankungen

Die meisten Blasenentleerungsstörungen reduzieren die Harnmenge oder die Geschwindigkeit des Harnflusses. Zeigt das Ergebnis der Uroflowmetrie eine Harnflussrate unter zehn Millilitern pro Sekunde, steckt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Hindernis, wie beispielsweise ein Harnstein, dahinter.

Harnsteine sind Ablagerungen, die sich in den Nieren bilden. Lösen sie sich, können sie durch die Harnwege wandern und diese als Blasenstein oder Harnleiterstein verstopfen oder zumindest in ihrer Funktion beeinträchtigen. Manchmal sind Blasenentleerungsstörungen auch Symptome für ganz andere Krankheiten. So führt Diabetes mellitus bei manchen Patienten zu einer erhöhten Blasenkapazität. Und auch Erkrankungen der Prostata können sich direkt auf den Harnfluss auswirken.

Wie sich Prostataerkrankungen in der Uroflowmetrie zeigen

Die Prostata, eine ungefähr kastaniengroße Drüse, liegt direkt unterhalb der Blase und hat einen Einfluss auf die Schließmuskelfunktion. Etwa ab dem 45. Lebensjahr beginnt die Prostata, sich zu vergrößern. Drückt die wachsende Prostata auf die Blase, kann es zu einem erhöhten Harndrang oder zu Inkontinenz kommen. Oftmals verengt sich auch die Harnröhre, da diese mitten durch die Prostata verläuft.

Eine Prostatavergrößerung äußert sich in der Uroflowmetrie durch einen verzögerten Anstieg der Miktionskurve in Verbindung mit einem abgeflachten Kurvengipfel. Meistens ist die Prostatavergrößerung gutartiger Natur und lässt sich mit Medikamenten oder, bei fortgeschrittener Krankheit, einem operativen Eingriff gut behandeln. Die Harnflussmessung allein lässt jedoch keine Aussage über die Gutartigkeit einer Prostatavergrößerung zu und ist daher keine Vorsorgeuntersuchung für Prostatakrebs.