Was sind Blasensteine? Ein Überblick

26. Juni 2018
7 Min.

Ein Stein in der Blase? Autsch, das hört sich schmerzhaft an! Das muss es aber nicht unbedingt sein. Denn auch hierbei kommt es wie so oft auf die Größe an. Wir verraten, wann Sie handeln sollten und geben einen Überblick über Blasensteine, Blasengrieß und deren Symptome.

Mann leidet an Blasensteinen

Die Blase und ihre Funktion

Bevor wir uns die Entstehung der Blasensteine und die dazugehörigen Symptome anschauen, lohnt sich zum besseren Verständnis ein Blick auf den Entstehungsort.

Die Blase ist ein Hohlorgan, das im unteren Teil der Bauchhöhle beziehungsweise im Becken liegt und zum Harntrakt gehört. Am oberen Teil ist sie durch den Harnleiter mit den beiden Nieren verbunden, welche den Urin bilden und ihn über diesen Transportweg in die Blase befördern. Im unteren Bereich der Harnblase befindet sich die Harnröhre, über die der Urin willentlich abgeleitet wird. Es kommt zur Entleerung der Blase. Sie dient somit als Zwischenspeicher für den Harn.

Wer schon mal dringend auf die Toilette musste, weiß: Die Blase kann überraschend viel Flüssigkeit speichern. Der Grund: Das Organ ist dehnbar. In der Regel fasst sie 300 bis 500 Milliliter Flüssigkeit.1 Ist sie etwa halb gefüllt, macht sie sich bemerkbar. Wie das funktioniert? In der Blasenwand liegen Dehnungsrezeptoren, die den Füllstand an das Gehirn melden. Der Harndrang wird stärker, je voller die Blase wird. Eine zweiteilige Schließmuskulatur, die am unteren Ende der Harnblase liegt, sorgt zusammen mit der Beckenbodenmuskulatur dafür, dass der Harn nicht unkontrolliert herausläuft.

Die Prostata

Sie liegt direkt unterhalb der Harnblase und um die Harnröhre herum. Die Prostata besteht aus rund 40 einzelnen Drüsen, die an der Produktion der Samenflüssigkeit beteiligt sind. Die Größe der Prostata entspricht in etwa der einer Kastanie. Vergrößert sich die Prostata krankheitsbedingt, drückt sie die Harnröhre zu, sodass der Urin nicht mehr abgeleitet werden kann. Die Bildung von Blasensteinen begünstigt sich dadurch.

Die Frage nach dem „Warum“ – Ursachen von Blasensteinen

Blasensteine (Urolithiasis) sind feste Ablagerungen (Konkremente) in der Blase, die sich aus Bestandteilen des Urins – zum Beispiel Calciumcarbonat oder Harnsäure – zusammensetzen. Sie gehören wie die Nierensteine und Harnleitersteine zur Gruppe der Harnsteine, unterscheiden sich von diesen aber im Ort der Bildung und auch den Ursachen.

Entstehung von Blasensteinen

Ist der Urin übersäuert, bei einm pH-Wert von mehr als 7, bilden sich durch Aufflockung von Urinsalzen zunächst kleine Kristalle – der Blasengrieß. Diese können weiterwachsen und sich zu Blasensteinen entwickeln. Sie treten besonders häufig bei Männern im Alter von 40 bis 60 Jahren auf sowie bei übergewichtigen Menschen.2

Mögliche Auslöser für die Bildung von Blasensteinen sind:

  • verengte Harnleiter (zum Beispiel durch vergrößerte Prostata)
  • Harnwegsinfekte (Bakterien verändern den Säuregehalt des Urins)
  • geringe Flüssigkeitszufuhr (hohe Konzentration bildungsfördernder Substanzen wie Harnsäure)
  • hohe Calciumzufuhr (etwa durch Milchprodukte)
  • übermäßige Oxalsäure-haltige Ernährung (zum Beispiel Spinat oder Kakao)
  • Erkrankungen der Nebenschilddrüsen (Über- oder Unterfunktion)
  • Enzymstörungen (durch chronisch entzündliche Darmerkrankungen)
  • Gicht (Stoffwechselerkrankung mit erhöhtem Harnsäurespiegel)

Wissenschaftler vermuten, dass auch eine familiäre Vorbelastung Schuld an der vermehrten Bildung von Blasensteinen sein kann. Bewiesen wurde diese Annahme allerdings noch nicht.

Blasensteine: Diese Symptome treten auf

Blasensteine müssen nicht zwangsweise mit auffälligen Symptomen einhergehen. Es kommt vielmehr auf die Größe der Steine an. Und diese variiert: Während viele Männer Blasengrieß – also kleinere, stecknadelkopfgroße Zusammensetzungen – meistens nicht bemerken, kann ein Blasenstein in der Größe einer Mandarine starke Beschwerden verursachen, so zum Beispiel folgende Symptome:

  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • häufiges Urinieren mit geringen Mengen Flüssigkeit
  • unterbrochener Harnfluss
  • Fremdkörpergefühl
  • Blut im Urin
  • Schmerzen im Unterbauch

Der Grund, warum Blasengrieß in der Regel unbemerkt bleibt, liegt darin, dass er häufig mit dem Urin hinausgespült wird. Aber: Wenn Sie bemerken, dass der Wasserstrahl beim Urinieren kurzzeitig unterbricht, könnte das ein Anzeichen für Blasengrieß sein. Er liegt normalerweise in der Blase und bewegt sich nur gelegentlich, kann aber dabei kurzzeitig den Blasenausgang versperren.

Wichtig!

Wenn Sie eines der Symptome für Blasensteine bemerken, zögern Sie nicht, einen Urologen aufzusuchen. Denn wenn die Konkremente nicht beseitigt werden, versperren sie den Harnausgang und können zu einer Entzündung der Harnblase führen. Außerdem: Je schneller sie zum Arzt gehen, desto zügiger wird auch die Ursache Ihrer Blasensteine behandelt, zum Beispiel eine vergrößerte Prostata.

Was tun, wenn es schmerzt – Behandlung von Blasensteinen

Blasengrieß und kleine Blasensteine werden in der Regel mit dem Urin hinausgespült. Bei größeren Exemplaren, die starke Beschwerden auslösen, muss der Fachmann ran. Der Urologe ist in diesem Fall der beste Ansprechpartner für Ihr Leiden. Er kann nach einer ausführlichen Anamnese (Patientenbefragung) sowie einer Blut- und Urinuntersuchung feststellen, ob Ihre Symptome tatsächlich auf Blasensteine hindeuten und die richtige Behandlung in die Wege leiten. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Medikamente: Spezielle Präparate unterstützen die Auflösung der Steine.
  • Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie: Mechanische Druckwellen zertrümmern die Steine von außen.
  • Laser-Lithotripsie: Die Lasersonde wird über die Harnröhre in die Blase geleitet und zerstört dort durch Energiestöße den Blasenstein.
  • Operation: Nur bei besonders großen Konkrementen lohnt sich ein operativer Eingriff, bei dem die vollständige Entfernung des Steins erfolgt.

Die aufgelösten oder zertrümmerten Reste der Blasensteine fließen anschließend über den Urin hinaus.

So beugen Sie vor:

Wenn Sie zur Bildung von Blasensteinen neigen, sollten Sie vorsorglich viel trinken. Experten raten, zweieinhalb bis drei Liter Wasser oder ungesüßten Tee täglich3 zu sich zu nehmen. Dadurch vermeiden Sie eine hohe Konzentration von Salzen und spülen Blasengrieß hinaus, bevor er sich vergrößert und Probleme bereitet. Vermeiden Sie zudem den übermäßigen Verzehr von Lebensmitteln, die viel Oxalsäure, Calcium oder auch Purin (in Fleisch) enthalten.

Monika Hortig
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Medizinredakteurin