Inkontinenz beim Mann

28. Januar 2019
7 Min.

Auch die Tatsache, dass Sie dem „starken Geschlecht“ angehören, schützt Sie nicht. Egal ob jung oder alt, Frau oder Mann, treffen kann sie jeden – die Inkontinenz. Ursachen, die zur Harninkontinenz führen, gibt es viele. Doch welche?

Mann verdeckt seinen Schritt, da er an Inkontinenz leidet

Was ist eine Inkontinenz beim Mann?

Wenn ein Arzt Ihnen sagt, dass Sie eine Inkontinenz haben, genauer gesagt eine Harninkontinenz, so fasst er Ihren unfreiwilligen Urinverlust mit einem Fachwort zusammen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist die Inkontinenz auch unter dem Namen Blasenschwäche bekannt. Sie reiht sich in die Liste der Erkrankungen ein, die sehr häufig in Erscheinung treten. Da allein in Deutschland etwa acht Millionen Personen mit einer Inkontinenz leben, ist sie in gewisser Art und Weise eine Volkskrankheit.1 Von der großen Anzahl an Betroffenen bekommt man dennoch kaum etwas mit. Das liegt daran, dass es oftmals sehr schwerfällt, offen über eine Inkontinenz zu sprechen. Mehr als ein Mann schämt sich unnötigerweise dafür. Vermutlich ein Grund, weshalb sich nur jeder fünfte Erkrankte an seinen Arzt wendet.1

Video mit Markus Maria Profitlich: „Packen Sie Männerprobleme an!“

Unfreiwilliger Urinverlust – kein Thema, worüber das „starke Geschlecht“ gerne offen spricht. Keine falsche Scheu ist das Credo des Schauspielers Markus Maria Profitlich und empfiehlt: Ab zum Männerarzt!


Prostatitis im Überblick>>

Wissenswert

Wenn Sie an einer Inkontinenz leiden, müssen Sie nicht verzweifeln. Denn in 80 Prozent der Fälle ist eine Inkontinenz heilbar. Und auch wenn Sie zu den übrigen 20 Prozent gehören sollten, gibt es Hilfsmittel wie Einlagen, die Ihnen den Alltag erleichtern können. Mit einer Inkontinenz geht Mann am besten zum Urologen. Eine Untersuchung bringt Klarheit über die zugrundeliegende Ursache und die weiteren Behandlungsschritte.

Diese Formen der Inkontinenz kann ein Mann bekommen

Bei einem Mann ist Inkontinenz nicht gleich Inkontinenz. Denn die Krankheit kann unterschiedliche Ursachen haben. Daher unterscheiden Mediziner unter anderem die folgenden Formen:

  • Überlaufinkontinenz: Kommt es bei Ihnen zu einem unaufhaltbaren Urinfluss, sobald Sie spüren, dass Ihre Blase voll ist, deutet vieles darauf hin, dass Sie eine Überlaufinkontinenz haben. Natürlich kann Ihnen das nur ein Arzt mit absoluter Sicherheit bestätigen. Das charakteristische bei dieser Variante der Inkontinenz ist, dass relativ viel Restharn nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt. Folglich füllt sich die Blase schneller, wenn neuer Urin hineinfließt. Der Druck steigt und der Harn strömt unaufhaltbar. Sie als Mann haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, an einer solchen Inkontinenz zu erkranken.1 Denn zu den häufigsten Ursachen, die den Urin auf seinem Weg nach außen behindern, zählt eine gutartige Prostatavergrößerung. Diese verengt mitunter die Harnröhre, ist aber mit Medikamenten gut behandelbar. Im Übrigen besitzen nur Männer eine Prostata.
  • Belastungsinkontinenz: Wenn es Ihnen oftmals passiert, dass Sie unbeabsichtigt Wasser lassen, beispielsweise beim Husten, Niesen, Heben von Gegenständen oder Lachen, liegt die Vermutung für diese Variante der Inkontinenz nahe. Denn sie wird typischerweise durch alltägliche Belastungen hervorgerufen. Ein Mann hat seltener als eine Frau diese Form der Inkontinenz. Der Harn geht meist ab, weil der Schließmechanismus der Harnröhre defekt ist. Bei Frauen rufen dies mitunter hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren hervor, die einen Einfluss auf die Beckenbodenmuskulatur und damit auf das Schließsystem der Harnröhre haben. Ein Mann kann eine Belastungsinkontinenz durch eine Prostatakrebs-Operation bekommen. Behandelbar ist diese Variante einer Inkontinenz beispielsweise mittels Beckenbodentraining und operativer Wiederherstellung der Beckenbodenmuskulatur.
  • Dranginkontinenz: Haben Sie einen Harndrang, der wie aus dem Nichts zu kommen scheint? Und der es für Sie so gut wie unmöglich macht, die Toilette noch rechtzeitig zu erreichen? Dann sollten Sie wissen, dass dies typische Kennzeichen einer Dranginkontinenz sind, bei welcher der Harn ungehindert durch die Harnröhre läuft. Unter anderem zählen Tumore, ein instabiler Blasenmuskel, Blasenentzündungen sowie neurologische Erkrankungen (beispielsweise Parkinson oder Multiple Sklerose) zu den möglichen Auslösern. Die Behandlung dieser Inkontinenz erfolgt je nach Ursache zum Beispiel mittels Medikamenten gegen Parkinson.

Vielleicht interessiert es Sie an dieser Stelle noch, dass auch eine sogenannte Mischinkontinenz denkbar ist. Denn die Belastungs- und die Dranginkontinenz können auch in Kombination miteinander auftreten.

Enuresis – eine besondere Variante der Inkontinenz

Nicht nur ein großer, auch ein kleiner Mann kann eine Inkontinenz haben. Unter dem Begriff „Enuresis“ verstehen Mediziner ausschließlich das nächtliche Wasserlassen bei Kindern. Natürlich nur dann, wenn es ungewollt war.

Inkontinenz beim Mann: Bewährte Vorsorgemöglichkeiten

Sie sind ein Mann, der aktiv dazu beitragen möchte, eine Inkontinenz zu vermeiden? Falls ja, sollten Sie Vorsorgemaßnahmen in Erwägung ziehen. Bewährt haben sich unter anderem diese:

  • Ballaststoffreiche Ernährung: Zum Beispiel zählen Erbsen, Bohnen und Linsen zu den ballaststoffreichen Lebensmitteln. Sie können für einen regelmäßigen Stuhlgang – ohne Pressen – sorgen, der Ihr Schließmuskelsystem weniger belastet.

  • Blasentraining: Auch das Trainieren Ihrer Blase eignet sich zur Vorbeugung einer Inkontinenz. Das Training ist kinderleicht. Geben Sie einfach nur dem ersten Harndrang nicht nach. Zögern Sie ihn so lange hinaus, bis er nachlässt. Gehen Sie erst dann auf die Toilette. Wohl gemerkt: Ein Blasentraining bedeutet keinesfalls, dass Sie sich stundenlang den Gang zum Pissoir verkneifen müssen. Ein kurzes Zurückhalten ist vollkommen ausreichend.

  • Viel Trinken: Achten Sie immer darauf genügend Flüssigkeit – am besten Wasser oder ungesüßten Tee – zu sich zu nehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Gesamtzufuhr von 2,5 Liter.2 Denn wenn Sie zu wenig Flüssigkeit im Organismus haben, konzentriert sich Ihr Harn – enthaltene Substanzen wie Harnsäure und -stoff sind weniger verdünnt. Die mögliche Folge: Eine Reizung Ihres Blasenmuskels.
  • Falls Sie weitere Fragen zum Thema Vorsorgemöglichkeiten gegen Inkontinenz haben, so ist Ihr Hausarzt ein geeigneter Ansprechpartner.