Hodenerkrankungen und Co. – die Leiden der Männer

26. Juni 2018
8 Min.

Wenn das beste Stück nicht mehr voll funktionsfähig ist oder die Kronjuwelen schmerzen, macht sich wohl selbst der härteste Mann Sorgen. Wir zeigen auf, welche Penis- und Hodenerkrankungen es gibt, und machen Sie zudem mit dem Urogenitaltrakt vertraut.

Symbolbild für Penis- und Hodenerkrankungen

Der Urogenitaltrakt: Mehr als nur ein Penis

Bei den Geschlechtsorganen des Mannes denken die meisten Menschen sofort an Penis und Hoden. Doch der männliche Urogenitaltrakt hat noch einiges mehr zu bieten. Er besteht sogar aus einer Vielzahl einzelner Komponenten:

Harntrakt:

  • Niere
  • Harnleiter
  • Blase
  • Harnröhre

innere Geschlechtsorgane:

äußere Geschlechtsorgane:

  • Penis
  • Hodensack

Wofür Mann die vielen Einzelteile benötigt? Jedem davon ist eine wichtige Funktion zugewiesen: Die Hoden produzieren die Geschlechtszellen (Spermien) sowie männliche Geschlechtshormone. Von dort aus gelangen die Spermien in die Nebenhoden, wo sie aufbewahrt werden. Danach geht es für die Zellen weiter – über den Samenleiter auf Höhe der Prostata in die Harnröhre. Im Samenleiter befinden sich Ausgänge der Samenbläschen und Vorsteherdrüse. Die dort entstandenen Sekrete mischen sich unter die Spermien und verleihen ihnen ihre Beweglichkeit. Die verschiedenen „Zutaten“ bilden zusammen die Samenflüssigkeit, die ihren Weg durch die Harnröhre findet und bei einer Ejakulation nach außen befördert wird.

Doppelt hält besser: Die Hoden

Sie werden meist stiefmütterlich behandelt und sind doch so wichtig: die Hoden (Testes). Männer besitzen zwei Stück davon. Sie liegen in einem Hodensack (Skrotum) und sind pflaumengroße sowie eiförmige Drüsen, die Spermien und Hormone produzieren. Der Grund für ihre Lage außerhalb des Körpers ist der, dass sie dadurch der inneren Körpertemperatur entzogen sind. Denn diese ist zu hoch und würde die Heranreifung der Spermien behindern. Um die Testes herum befindet sich Gewebe inklusive Hodenkanälchen, die eine Gesamtlänge von 350 Metern erreichen1. Darin erfolgt die Samenzellbildung. Möglichkeiten für Probleme in diesem System gibt es einige: So können Hodenerkrankungen sowohl die Testes selbst als auch zum Beispiel das umliegende Gewebe betreffen.

Schon gewusst?

Das weibliche Pendant zu den Hoden sind die Eierstöcke. Doch während diese ihre Eizellen in einem Zyklus produzieren, stellen Männer Spermien kontinuierlich während ihres gesamten Lebens her. Hodenerkrankungen und äußere Einflüsse wie Alkoholkonsum beeinflussen aber die Menge und Beweglichkeit der Spermien.

Hodenerkrankungen – mögliche Probleme mit den Kronjuwelen

Die Testes bieten Potenzial für verschiedene Krankheiten. Einige der möglichen Hodenerkrankungen sind folgende:

  • Hodenentzündung: Die Infektionskrankheit wird durch Viren oder Bakterien ausgelöst und tritt in der Regel zusammen mit einer anderen Erkrankung auf – besonders häufig in Verbindung mit Mumps.
  • Wasserbruch des Hodens: Bei dieser Hodenerkrankung kommt es zu einer Wasseransammlung im Hodensack, die zu einer schmerzhaften Vergrößerung führt. Auslöser kann eine Zyste in den Nebenhoden oder im Samenstrang sein.
  • Krampfadern im Hodensack (Varikozele): Die Hodenerkrankung entsteht, wenn der Blutfluss in die Nierenvene verstopft ist. Das löst eine Druckerhöhung im Hodensack aus und fördert somit die Bildung von Krampfadern. Mögliche Symptome sind Schwellungen und Schmerzen, eine ernstzunehmende Folge die Unfruchtbarkeit.
  • Hodentorsion: Die plötzliche Drehung eines oder beider Hoden um die Längsachse ist ein akuter Fall für den Urologen. Die Hodenerkrankung äußert sich durch starke Schmerzen, Übelkeit sowie Erbrechen und verursacht bei zu später Behandlung Gewebsschädigungen. Eine Hodentorsion passiert oft bei Sportaktivitäten.
  • Hodenkrebs: Er macht sich als erstes durch eine schmerzlose Verhärtung bemerkbar, mit der Sie umgehend einen Urologen aufsuchen sollten. Der Arzt stellt fest, ob es sich um gut- oder bösartigen Hodenkrebs handelt oder ob der Veränderung eine andere Ursache zugrunde liegt. Anschließend leitet er die entsprechende Therapie gegen die Hodenerkrankung ein.


Vorsorgeuntersuchungen

Um Hodenerkrankungen und Erkrankungen des Penis frühzeitig zu erkennen, sollten Sie die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen in Anspruch nehmen. Außerdem empfiehlt sich eine monatliche Selbstuntersuchung des Urogenitaltrakts – zum Beispiel in Form von Abtasten der Hoden, um Veränderungen zu kennen.

Der Penis: Wie funktioniert er

Dieser Teil des Mannes besteht aus einer Peniswurzel, die fest am Beckenboden verankert ist, und aus dem frei beweglichen Penisschaft samt Eichel (Glans penis) an der Spitze. Um den Penis herum ist eine verschiebbare Haut angelegt, die über der Eichel die sogenannte Vorhaut (Präputium) bildet. Durch den Penis verläuft unter anderem die Harnröhre, welche sowohl vom Harn- als auch vom Reproduktionssystem genutzt wird. Über diese Einbahnstraße werden Urin und die Samenflüssigkeit aus dem Körper befördert. Doch keine Sorge: Auch wenn sich die beiden Flüssigkeiten den Weg teilen, gelangt kein Urin ins Sperma. Bei der Ejakulation schließt die Muskulatur den Blasenausgang, sodass eine Mischung nicht möglich ist.


Was passiert, wenn Mann erregt ist?

Dann dürfen die Schwellkörper ran. Der Penis besitzt drei Stück davon: zwei paarig angelegte Penisschwellkörper (Corpus cavernosum penis) und einen Harnröhrenschwellkörper (Corpus spongiosum penis). Bei sexueller Stimulation sendet das männliche Gehirn Nervenimpulse durch das parasympathische Nervensystem (unwillkürliche Steuerung), wodurch sich die Arterien im Penis erweitern und die Venen gleichzeitig verengen. Als Folge fließt innerhalb sehr kurzer Zeit überaus viel Blut in den Penis, das aber nur sehr langsam wieder hinausgerät. Es baut sich ein Druck auf, der das Blut in die Schwellkörper presst. Der Penis richtet sich auf (Erektion). Verschiedene Penis- oder Hodenerkrankungen können dieses System allerdings ins Wanken bringen.

Armer Penis! Wenn ihn Erkrankungen plagen

Er gilt als Aushängeschild des Mannes – zumindest was seine Geschlechtsorgane angeht. Umso schlimmer, wenn etwas mit dem Penis nicht stimmt. Folgende Erkrankungen können das beste Stück in Mitleidenschaft ziehen:

  • Vorhautverengung: Bei einer angeborenen oder erworbenen Phimose lässt sich das Präputium nicht zurückschieben und bereitet Schmerzen sowie Probleme, zum Beispiel beim Urinieren. Beschnittene Männer, bei denen die Vorhaut komplett entfernt wurde, bleiben dagegen von der Krankheit verschont.
  • Priapismus: Bei dieser Erkrankung des Penis handelt es sich um eine schmerzhafte Dauererektion, die nicht selten in einer Impotenz endet. Zu den Ursachen zählen zum Beispiel Drogenkonsum oder auch eine Gerinnungsstörung.
  • Penisfraktur: Der Name hegt fälschlicherweise die Annahme, dass der Penis aus Knochen besteht. Stattdessen beschreibt der Ausdruck das Einreißen der Schwellkörper oder des Gewebes. Meist ist aktives Einwirken von außen (wie etwa ein Schlag) oder – öfter der Fall – etwas zu wilder Sex schuld an einem Penisbruch.
  • Penisverkrümmung: Bei diesem Problem ist der Penis im erigierten Zustand beispielsweise aufgrund von Bindegewebswucherungen im Schwellköper schräg, sodass der Geschlechtsverkehr erschwert oder gar unmöglich ist.
  • Eichelentzündung (Balanitis): Ausschläge, Juckreiz, Rötungen und Schmerzen – das sind die Symptome einer Entzündung der Eichel und meist auch der Vorhaut. Mangelnde Hygiene oder eine allergische Reaktion rufen diese Erkrankung des Penis hervor.

Grundsätzlich gilt: Um eine Infektion zu verhindern, sollte auf eine gute Hygiene geachtet werden. Dazu gehört, die Vorhaut beim Reinigen vollständig zurückzuziehen, um darunterliegenden Keime gänzlich zu beseitigen.

Monika Hortig
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Medizinredakteurin
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