Prostata abtasten: Wann die Untersuchung sinnvoll ist und wie sie abläuft

28. Januar 2019
6 Min.

Die digital-rektale Untersuchung, auch kurz DRU genannt, ist eine bewährte Methode, Veränderungen in der Prostata (Vorsteherdrüse) zu erkennen. Vorrangig wird Männern ab dem 45. Lebensjahr im Rahmen der Krebsvorsorge empfohlen, einmal jährlich die Prostata abtasten zu lassen. Was genau Mann dabei erwartet, lesen Sie hier.

Mann entkleidet sich vor dem Abtasten beim Urologen

Wofür dient die digital-rektale Untersuchung?

Die digital-rektale Untersuchung (DRU) wird von einem Urologen oder Andrologen durchgeführt, in einigen Fällen auch vom Hausarzt. Sie ist Teil der Krebsvorsorge und dient bei männlichen Patienten in erster Linie der Beurteilung der Prostata – Form, Lage und Konsistenz werden überprüft und können erste Hinweise auf eine Erkrankung liefern. Darüber hinaus gibt die Untersuchung Aufschluss über Hämorrhoiden, Fissuren, Abszesse und Fisteln im Analbereich.

Gewusst?

Viele Männer fürchten sich davor, die Prostata abtasten zu lassen, weil sie die Untersuchung als unangenehm oder gar peinlich empfinden. Schmerzhaft ist eine digital-rektale Untersuchung in der Regel nicht – es sei denn, es bestehen Verletzungen im Analbereich oder Entzündungen der Prostata.

Wie läuft eine digital-rektale Untersuchung ab?

Das Wort „digital“ im Namen der Untersuchungsmethode hat ausnahmsweise nichts mit einer Computeranalyse zu tun. Sie leitet sich von der lateinischen Bezeichnung für Finger (digitus) ab. Bei der digital-rektalen Untersuchung handelt es sich demnach um ein Abtasten mit dem Finger über den After.

Besteht Verdacht auf eine Erkrankung in den harnbildenden oder harnableitenden Organen (Niere, Harnblase, Harnleiter, Harnröhre) oder der Prostata, wird der Urologe besonders vorsichtig vorgehen, um die Unannehmlichkeiten möglichst gering zu halten. Die Untersuchung dauert im Regelfall nicht lange und kann in drei verschiedenen Positionen durchgeführt werden:

  • Meistens liegt der Patient auf einer Liege, zur linken Seite gedreht, die Beine angewinkelt und an den Körper gezogen.
  • Die DRU lässt sich aber auch in Knie-Ellenbogen-Lage oder
  • auf einem gynäkologischen Stuhl durchführen.

Der Arzt trägt Gummihandschuhe und führt unter Verwendung eines Gleitmittels einen Finger behutsam in den After ein. Unter vorsichtigem Drehen seines Fingers kann er nun die Schleimhaut des Mastdarms und die zwischen Darm und Blase liegende Prostata abtasten. Sofern sie erreichbar sind, untersucht der Arzt im gleichen Schritt auch die Samenblasen (paarige Drüse, die zum Großteil für die Produktion der Samenflüssigkeit verantwortlich sind), die der Prostata anliegen.

Tipp:

Eine digital-rektale Untersuchung verursacht umso weniger Unbehagen, je entspannter der Patient ist. Es hat sich als hilfreich erwiesen, kurz zuvor den Schließmuskel des Afters zu lockern. Das erreichen Sie, indem Sie den Schließmuskel mehrmals hintereinander kräftig zusammenziehen – als wollten Sie den Stuhlgang unterdrücken – und wieder lösen.

Was lässt sich beim Abtasten der Prostata erkennen?

Durch das Abtasten stellt der Arzt unter anderem fest, wie groß die Prostata ist, welche Form und Konsistenz sie hat. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich die Prostata mit zunehmendem Alter vergrößert. Meist handelt es sich dabei um eine gutartige Prostatavergrößerung, die nichtsdestotrotz Probleme, insbesondere beim Wasserlassen, verursachen kann. Ein Druckschmerz dagegen kann ein Hinweis auf eine Prostatitis, eine Entzündung der Vorsteherdrüse, sein. Im Rahmen der Krebsfrüherkennung achtet der Arzt vor allem auf Verhärtungen und Unregelmäßigkeiten.

Die digital-rektale Untersuchung gilt als einfach und effizient. Sie wird oft als Erstes eingesetzt, damit sich der Urologe ein Bild von Art und Ausmaß der Beschwerden machen kann. Als Vorsorgeuntersuchung kommt ihr eine zentrale Bedeutung zu, da sich viele Prostataerkrankungen durch fühlbare Gewebeveränderungen manifestieren. Für eine endgültige Beurteilung sind jedoch meistens weitere Diagnosemethoden heranzuziehen.

Prostata abtasten im Rahmen der Krebsvorsorge

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen bei Männern. Frühzeitig erkannt, sind die Behandlungsaussichten durchaus positiv. Im Anfangsstadium verursacht der Krebs jedoch bis auf eventuell tastbare Gewebeveränderungen keine Symptome. Deshalb spielt die digital-rektale Untersuchung bei der Früherkennung von Prostatakrebs eine wichtige Rolle. Sie gewährt zwar nur Zugang zu dem Teil der Prostata, der dem Enddarm zugewandt ist. Da sich aber die meisten Tumore in dieser sogenannten peripheren Zone entwickeln, ist die Aussagekraft dennoch relevant.

Für eine umfassende Vorsorge wird der Arzt jedoch nicht nur die Prostata abtasten, sondern auch die äußeren Genitalien und die Lymphknoten in der Leistengegend. Stellt der Urologe Unregelmäßigkeiten fest, veranlasst er weitere Untersuchungen, so zum Beispiel:

  • PSA-Test
  • Gewebeentnahme (Biopsie)
  • Ultraschalluntersuchungen
  • Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Magnetresonanzspektroskopie (MRS)

Bestätigt sich der Verdacht einer bösartigen Veränderung der Prostata, entscheidet der Arzt, welche Form der Behandlung, beispielsweise Strahlen- oder Chemotherapie, sich anbietet. Oftmals erfolgt auch die Kombination verschiedener Methoden. Bei frühzeitiger Diagnose lässt sich der Krebs in der Regel gut behandeln.