Blasenkrebs – Risikofaktoren, Symptome und Diagnose

6. Mai 2019
10 Min.

Bei Blasenkrebs handelt es sich um einen oder mehrere bösartige Tumore in der Harnblase. Bestimmte Risikofaktoren wie Rauchen begünstigen diese Krankheit. Oft bleibt der Tumor zunächst unerkannt, da er keine oder nur sehr allgemeine Beschwerden verursacht. Harnblasenkrebs zählt zu den häufigsten Krebsneuerkrankungen bei Männern.1 Frühzeitig erkannt und behandelt stehen die Prognosen gut.2

Im Jahr 2014 waren in Deutschland etwa 22.400 Männer und rund 7.100 Frauen von einem Harnblasenkarzinom (bösartiger Tumor in der Blase) betroffen.1 Diese Krebsart rangiert auf der Liste der am häufigsten auftretenden Krebsarten, vor allem bei männlichen Patienten, relativ weit oben – im Jahr 2013 war er hinter Prostatakrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs die vierthäufigste Krebsneuerkrankung in dieser Bevölkerungsgruppe.3 Eine solche Diagnose weist bei Betroffenen, aber auch bei ihren Angehörigen, oft Fragen auf. Hier finden Sie einige Antworten, die jedoch nicht den Besuch bei einem Arzt ersetzen können.

Urologe klärt männlichen Patienten über Risikofaktoren, Symptome und Diagnose von Blasenkrebs auf.


Auf einen Blick:

Diese Faktoren erhöhen das Risiko, an Harnblasenkrebs zu erkranken

Mögliche Risikofaktoren für Blasenkrebs:

  • Rauchen
  • chronische Harnblaseninfektionen
  • Chemikalien
  • Bilharziose (parasitärer Befall)
  • Medikamente

Eine klare Ursache, warum sich in der Blase Tumore bilden, haben Wissenschaftler bisher noch nicht gefunden. Allerdings gibt es verschiedene Faktoren, die die Entstehung eines Blasenkarzinoms begünstigen.

Allen voran: das Rauchen. Nicht nur für Lungenkrebs sollen Zigaretten verantwortlich sein, auch auf die Blase haben die schädlichen Inhaltsstoffe – die über den Urin aus dem Körper transportiert werden – wohl einen schlechten Einfluss.

Weiterhin scheinen auch chronische Entzündungen und Schädigungen der Blasenschleimhaut in Verbindung mit der Entstehung von Tumoren in der Blase zu stehen. Diese werden zum Beispiel durch

verursacht.

Auch der Kontakt mit bestimmten chemischen Stoffen steht im Verdacht, das Blasenkrebs-Risiko zu erhöhen. Das betrifft vor allem Substanzen – sogenannte aromatische Amine -, die zum Beispiel in Gummifabriken Einsatz fanden. Bei vielen Arbeitern, die aufgrund des Kontakts mit diesen Chemikalien Blasenkrebs bekamen, wurde dieser sogar als Berufskrankheit anerkannt und entsprechend von der gesetzlichen Unfallversicherung unterstützt.4 Heute erfolgt die Arbeit mit diesen Substanzen – wenn überhaupt – nur noch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Die Infektionskrankheit Bilharziose wird durch den parasitären Befall mit Würmerlarven ausgelöst, die sich unter anderem in der Blase einnisten können. Dies soll ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs bewirken und ist vor allem in den Tropen verbreitet.

Auch bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel Zytostatika (hemmen Zellwachstum, werden vor allem im Rahmen der Chemotherapie bei Krebs eingesetzt) auf Basis des Wirkstoffes Cyclophosphamid, können die Entstehung von Krebs in der Blase begünstigen. Das liegt an ihren unerwünschten Nebenwirkungen. Oft sind Patienten allerdings auf die Einnahme dieser Medikamente angewiesen. Risiko und Nutzen sollten daher stets gut abgewogen werden.

Mögliche Anzeichen von Blasenkrebs

Sicher fragen Sie sich auch: Wie kann ich Blasenkrebs erkennen? Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach. Denn oft verursacht das Karzinom im frühen Stadium keine oder nur allgemeine Beschwerden, die viele Männer zunächst eher mit Symptomen eines Prostataleidens verwechseln. Dazu zählen

Eindeutigere Symptome lassen sich meist erst erkennen, wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist. Dann macht sich der Tumor in der Blase zum Beispiel durch folgende Anzeichen bemerkbar:

  • Schmerzen in den Flanken (Nierengegend)
  • Knochenschmerzen
  • vergrößerte, gestaute oder geschwollene Lymphknoten
Wichtig:

Nicht immer bedeuten die aufgeführten Symptome, dass ein Karzinom in der Blase vorliegt. Um jedoch Schlimmeres abzuklären und eine geeignete Therapie zu beginnen, sollten Sie sich zeitnah von einem Arzt untersuchen lassen, falls Sie derartige Beschwerden bei sich entdecken.

Diagnose: Das macht der Arzt

Ein erster Ansprechpartner ist zunächst der Hausarzt. Er überweist den Patienten – sofern er keine akute Infektion oder andere Ursachen feststellen kann – an einen Urologen

Im Anamnese-Gespräch wird Sie der Arzt nach Beschwerden und Lebensumständen befragen, um sich ein erstes Bild zu machen. Danach stehen ihm unter anderem die folgenden Methoden zur Verfügung:

Sollte ein Tumor in der Blasenregion festgestellt worden sein, können noch weitere Diagnosemethoden zum Einsatz kommen. Diese dienen zum Beispiel dazu, mögliche Metastasen (Streuung in andere Areale) zu erkennen.

Behandlung muskelinvasiver und nicht muskelinvasiver Blasenkarzinome

Eine Tumortherapie lässt sich nicht pauschalisieren und kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich gut geeignet sein. Wir haben zum groben Überblick einige Möglichkeiten zusammengefasst. Um eine Behandlung zu finden, die zum individuellen Fall des Patienten passt, sollte allerdings immer eine enge Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Die Therapie von Blasenkrebs sollte so früh wie möglich nach der Erstdiagnose beginnen und hängt insbesondere davon ab, ob er in die Blasenmuskulatur eingewachsen ist. Hierzu unterscheidet der Fachmann zwischen dem muskelinvasiven und dem nicht muskelinvasiven Karzinom.

Therapie des nicht muskelinvasiven Karzinoms

Das nicht muskelinvasive Karzinom zeichnet sich dadurch aus, dass der Tumor bei der Erstdiagnose noch nicht in die Muskulatur der Blase eingewachsen ist. Oft können kleinere, oberflächliche Geschwüre bereits im Rahmen der transurethralen Resektion (TUR) – die als Methode der Diagnostik eingesetzt wird – vollständig entfernt werden.

War das vollständige Abtragen des Tumors durch dieses Verfahren nicht möglich, wiederholt der Arzt den Vorgang im Rahmen einer sogenannten „Nachresektion“. Anschließend erfolgt eine Spülung der Blase mit Medikamenten (zum Beispiel zellwachstumshemmende Mittel zur Chemotherapie und/oder immunstimulierende Substanzen), die als Instillationstherapie bezeichnet wird. In Ausnahmefällen – wie einem sehr hohen Rückfallrisiko oder vielen kleineren Krebsherden in der Blase – ist auch eine Entfernung der Blase in Betracht zu ziehen.

Weitere Informationen über die Behandlung nicht muskelinvasiver Blasentumore finden Sie auf der Website des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Behandlung des muskelinvasiven Karzinoms

Bei der Behandlung muskelinvasiver – also in die Blasenmuskulatur eingewachsene – Karzinome muss zunächst abgeklärt werden, in welchem Stadium der Krebs sich befindet und ob er möglicherweise bereits Metastasen ausgebildet hat. Daher führt der Arzt weitere Untersuchungen wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) sowie – bei Verdacht auf Knochenmetastasen – eine Knochenszintigrafie durch.

Hat der Krebs nicht gestreut, beinhaltet die Therapie meist eine vollständige Entfernung der Harnblase und eine Chemotherapie vor beziehungsweise nach dem Eingriff. Der Patient erhält dann eine künstliche Harnableitung. In manchen Fällen schlägt der Arzt auch eine Chemo- und Strahlentherapie in Kombination mit der Entfernung des Tumors im Rahmen einer Blasenspiegelung vor. Kommt eine derartig umfangreiche Behandlung aufgrund der individuellen Umstände des Betroffenen nicht infrage, kann auch nur eine Bestrahlung erfolgen.

Sind bereits Metastasen – zum Beispiel im Beckenraum oder auch an anderen Stellen im Körper – vorhanden, verzichten viele Ärzte auf die Entfernung der Harnblase und schlagen stattdessen eine Strahlen- oder Chemotherapie vor. Ausnahmen gelten beispielsweise, wenn der Blasentumor sehr schmerzhaft oder der Abfluss des Urins stark beeinträchtigt ist – in diesem Fall kann die Entfernung der Blase möglicherweise Linderung schaffen.

Mehr Informationen zur Therapie muskelinvasiver Harnblasenkarzinome finden Sie auf der Website des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Verlauf und Prognose

Wie so oft, gilt auch hier: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser stehen die Chancen. Bei etwa drei von vier Patienten wird der Blasentumor in einem frühen Stadium entdeckt – die Prognosen sind dann noch recht gut. Einer von vier Betroffenen hat einen Blasentumor in einem fortgeschrittenen Stadium, der meist die Entfernung der Harnblase nach sich zieht. In diesem Fall liegt die 5-Jahres-Überlebensrate (Anteil der Patienten, die fünf Jahre nach der Diagnosestellung oder nach einem therapeutischen Eingriff noch leben) je nach genauem Stadium zwischen 20 und 80 Prozent.2

Wichtig:

Von Heilung zu sprechen gestaltet sich aufgrund des Rückfallrisikos eher schwierig. Wer jedoch regelmäßig die Nachsorgeuntersuchungen wahrnimmt, trägt bereits viel dazu bei, dass ein möglicher Rückfall frühzeitig erkannt und behandelt werden kann.

Sie sind selbst betroffen oder haben einen Angehörigen, der an dieser Krebsform leidet? Weitere Informationen zum Thema Blasenkrebs finden Sie beispielsweise in der Patientenleitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe.

Lisa Küffner
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Medizinredakteurin und Medienwissenschaftlerin
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