Eichelpilz: Symptome, Übertragung und Behandlung

25. April 2019
7 Min.

Es juckt, brennt und selbst der Geschlechtsverkehr macht aufgrund von Schmerzen keinen Spaß mehr — möglicherweise steckt hinter diesen Beschwerden ein Eichelpilz, auch Genital- oder Penispilz genannt. Arzneimittel zur Behandlung von Pilzinfektionen und die Beherzigung einiger Ratschläge in Sachen Hygiene können helfen. Ein kleiner Tipp vorweg: Verpacken sollten Sie Ihr bestes Stück bevorzugt in Baumwollunterwäsche.

Überblick


Mann, der an einem Eichelpilz leidet, hat brennende Schmerzen beim Wasserlassen.

Defintion von Eichelpilz

Ist der Eichelpilz vergleichbar mit einem Scheidenpilz? Tatsächlich ist sowohl bei Männern als auch Frauen meist der Hefepilz Candida albicans Ursache für die Infektion im Intimbereich. Nur selten zeigt sich der Erreger Candida glabrata – ebenfalls ein Hefepilz – für die Pilzerkrankung verantwortlich, bei der Eichel und gegebenenfalls die Vorhaut betroffen sind.

Welche Symptome können bei einem Eichelpilz auftreten?

  • Rötung
  • Schwellung der Vorhautinnenseite
  • Juckreiz
  • rote Papeln (Knötchen) oder Pusteln (kleine Bläschen) auf der Eichel
  • nässende Eichel, wenn Bläschen aufplatzen
  • teils übel riechende, weiß-gräuliche Beläge unter der Vorhaut

Ist der Penispilz fortgeschritten und bereits in die Harnröhre vorgedrungen, kann der Betroffene aufgrund des typischen, brennenden Schmerzes zudem Probleme beim Wasserlassen haben.

Der Genitalpilz – wenn der Sex ein Nachspiel hat

In den meisten Fällen übertragen sich Hefepilze beim Geschlechtsverkehr. Aber es gibt weitere Ursachen und Übertragungswege wie zum Beispiel gemeinsam genutzte Handtücher.

Generell haben sich Risikofaktoren herauskristallisiert, die die Entstehung eines Penispilzes begünstigen können:

  • Vorhautverengung
  • bestimmte Medikamente wie kortisonhaltige Präparate oder Antibiotika
  • zu viel oder zu wenig Intimhygiene
Was hat die Einnahme von Antibiotika mit Genitalpilz zu tun?

Anibiotika unterscheiden nicht zwischen Krankheitserregern und nützlichen Bakterien. Sie töten sowohl schädliche als auch “gute” Bakterien ab – auch die Flora im Intimbereich ist davon nicht gefeiht.

Wer es mit der Reinigung des Penis zu gut meint, riskiert, die natürliche Keimflora zu schädigen. Keime, auch Hefepilze, haben dann leichtes Spiel. Sich täglich ein- bis zweimal mit warmen Wasser im Intimbereich zu waschen, reicht aus.1 Am besten eignet sich dabei ein ph-neutrales Duschgel, damit der natürliche Säureschutzmantel im Intimbereich nicht angegriffen wird.

Ist der Mann nachlässig bei der Intimpflege, beispielsweise weil er die Vorhaut nicht regelmäßig zurückzieht und zudem die Furche zwischen Eichel und Vorhaut nicht reinigt, bildet sich ein Überschuss an Smegma. Das ist ein gelblich-weißes Sekret, welches von Talgdrüsen im Bereich der inneren Umschlagsfalte der Vorhaut produziert wird. Smegma ist zwar wichtig als Schutz- und Gleitschicht zwischen Eichel und Vorhaut. Ein Zuviel stellt jedoch schnell einen idealen Nährboden für Krankheitserreger dar.

Tipp zur Pflege bei bereits eingetretener Pilzinfektion

Achten Sie darauf, die betroffene Körperregion immer zuletzt zu waschen und abzutrocknen, damit die Krankheitserreger nicht mit dem Handtuch auch auf andere Stellen des Körpers übertragen werden. Waschen Sie Waschlappen und Handtuch nach dem Gebrauch, statt diese mehrfach zu verwenden.

So diagnostiziert der Arzt den Eichelpilz

Bei der Diagnose erfolgt nach der körperlichen Untersuchung in der Regel ein Abstrich, der anschließend im Labor untersucht wird. Häufig legt der Arzt eine Urinkultur an, mit der genau bestimmt wird, welcher Erreger die Beschwerden hervorruft. Nach der Keimidentifizierung verabreicht der Arzt Medikamente, die gezielt dagegen vorgehen. Geschlechtskrankheiten wie etwa Syphilis lassen sich durch Blutuntersuchungen im Labor ausschließen. Besteht der Verdacht, dass der Mann an Diabetes mellitus leidet, veranlasst der Arzt ein Blutzuckertagesprofil, in dem mehrmals über den Tag verteilt der Blutzuckerwert gemessen und dokumentiert wird.

Medizin-Exkurs: Urinkultur

Eine Urinprobe wird auf einen Eintauchnährboden auftragen. Anschließend wird dieser für 24 Stunden bei 37 Grad Celsius in einen Brutschrank gelegt.2 In dieser Zeit wachsen Bakterienkolonien auf dem Nährboden. Nach einer Schätzung der Keimanzahl mittels einer Vergleichstabelle folgt die bakteriologische Untersuchung im Labor.

Behandlung: So werden Sie den Penispilz wieder los

Meist verschreibt der Arzt Arzneimittel zur Behandlung von Pilzinfektionen, sogenannte Antimyotika. Es gibt verschiedene Darreichungsformen:

  • Tabletten oder
  • Cremes und Salben.

Letztere werden auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Die darin enthaltenen Wirkstoffe wie Povidon-Jod oder Imidazole hindern den Erreger daran, zu wachsen und töten ihn ab. Wichtig ist, sich genau an die vom Arzt kommunizierte Einnahmedauer des Medikaments zu halten – auch, wenn sich die Beschwerden in der Regel relativ zügig bessern. Nur so wird sichergestellt, dass die Pilzinfektion wirklich vollständig ausgeheilt ist.

Bei Eichelpilz besser sofort handeln

Ein Genitalpilz und seine Symptome verschwinden nicht von alleine, sondern bedürfen immer ärztlicher Abklärung. Von einer Behandlung in Eigenregie ist dringend abzuraten. Werden die Beschwerden ignoriert, breitet sich die Erkrankung möglicherweise bis in die Harnröhre aus. Da die Infektion ansteckend ist, besteht zudem die Gefahr, diese an seinen Sexualpartner weiterzugeben. Leidet der Mann an einem Penispilz, raten viele Ärzte, für die Zeit der Pilzinfektion auf Geschlechtsverkehr zu verzichten.

Keine Macht dem Ping-Pong-Effekt

Generell ist es sinnvoll, dass auch der Partner untersucht und gegebenenfalls behandelt wird.

Eichelpilz vermeiden: Tipps für den Alltag

Eine feuchte und warme Umgebung ist das bevorzugte Terrain von Hefepilzen. Es gibt einige Maßnahmen, die helfen, den unliebsamen Erregern den Nährboden zu entziehen, beispielsweise:

  • Eichel trocken halten (beispielsweise mit Mullstreifen, die in der Apotheke erhältlich sind)
  • Unterwäsche aus Baumwolle (saugt Schweiß besser auf als Synthetikfasern)
  • Boxershots und Slips täglich wechseln
  • Handtücher nicht mit anderen Personen teilen
  • milde Waschlotionen verwenden
  • auf angemessene Intimhygiene achten

Für den Fall, dass Sie eine Vorhautverengung haben und bereits zum wiederholten Male an einer Infektion am Penis leiden, könnten Sie überlegen, ob eine Beschneidung für Sie infrage kommt. Bei diesem Eingriff wird die Vorhaut entweder teilweise oder komplett entfernt. Lassen Sie sich hierzu umfassend von einem Urologen beraten.

Julia Lindert
Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!