PSA-Test: Umstrittene Früherkennung für Prostatakrebs

8. April 2019
10 Min.

Alles auf einen Blick:

Der PSA-Test ist eine Blutuntersuchung zur Messung der Konzentration des prostataspezifischen Antigens (PSA). Dieses Enzym kann Aufschluss über die Gesundheit der Prostata geben und auf ein mögliches Prostatakarzinom hinweisen. Die Notwendigkeit der Untersuchung gilt als umstritten, weshalb sich Patienten umfassend informieren und ihre Entscheidung individuell abwägen sollten. Von der Krankenkasse werden die Kosten normalerweise nicht übernommen.


Wünscht Mann beim Urologen eine Früherkennung von Prostatakrebs, so wird dieser ihm vermutlich einen PSA-Test und eine Tastuntersuchung vorschlagen. Ersterer misst die Konzentration des sogenannten prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut. Aber was ist das genau, für wen ist die Untersuchung geeignet und welche Aussagen lassen sich mit dem Testergebnis treffen?

PSA-Test wird im Labor ausgewertet

Ab welchem Alter ist ein PSA-Test sinnvoll?

Die Ermittlung der Konzentration von PSA im Blut sollen Ärzte bei Wunsch einer Früherkennung gemäß der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. und des Berufsverbandes der Deutschen Urologie e. V. ab einem Alter von 45 Jahren anbieten. Bei erhöhtem Prostatakrebsrisiko kann diese Grenze auf 40 Jahre verschoben werden.1 Auch die individuelle Situation des Patienten ist bei der Entscheidung für eine solche Untersuchung zu berücksichtigen. Dazu zählen zum Beispiel das Lebensalter und der allgemeine Gesundheitszustand.

Wie wird der PSA-Test durchgeführt?

Die Ermittlung des PSA-Wertes erfolgt im Rahmen einer Blutuntersuchung. Hierzu wird dem Patienten Blut abgenommen, welches anschließend in einem Labor analysiert wird. Es dauert in der Regel einige Tage, bis das Ergebnis vorliegt.

Was sollte Mann vor dem PSA-Test beachten?

Sport, Geschlechtsverkehr oder die Prostata-Tastuntersuchung können Druck auf die Vorsteherdrüse ausüben, welcher möglicherweise einen Einfluss auf die Ausschüttung von PSA nimmt und so die Messwerte verfälscht. Fragen Sie zur Sicherheit Ihren Arzt, ob Sie vor der Untersuchung etwas beachten müssen.

Um eine Aussage über die Gesundheit der Prostata zu treffen, sieht sich der Urologe den Wert des prostataspezifischen Antigens an. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um einen Antikörper, sondern um ein Enzym, das die Samenflüssigkeit verdünnt. Da die Vorsteherdrüse sehr stark durchblutet ist, gelangt es regelmäßig in die Blutbahn, wo es als PSA-Wert in Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) nachweisbar ist. Eine erhöhte Konzentration des PSA im Blut kann ein Hinweis für eine mögliche Erkrankung der Prostata sein.

Wie oft sollte der PSA-Test durchgeführt werden?

Da der PSA-Wert individuellen Schwankungen unterliegt, gewinnt er vorrangig dann Aussagekraft, wenn Männer ihn in regelmäßigen Abständen, zum Beispiel jährlich, überprüfen lassen. Wichtig ist, dass dabei immer die gleiche Testmethode angewandt wird, um keine unterschiedlichen Ergebnisse zu erhalten.

Erhöhter PSA-Wert: Welche Ursachen gibt es?

Der normale Wert des PSA liegt bei gesunden Männern zwischen null und maximal vier Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml).2 Die Produktion des Enzyms ist allerdings nicht immer gleichbleibend: Beispielsweise steigt der PSA-Wert durch Geschlechtsverkehr oder Druck auf die Prostata, zum Beispiel beim Abtasten im Rahmen einer digital-rektalen Untersuchung (DRU). Daher sollte der PSA-Test nicht direkt nach einer DRU durchgeführt werden.

Aus medizinischer Sicht ist der PSA-Wert interessant, weil er Hinweise auf eine Erkrankung der Prostata liefern kann. Besonders im Fokus steht Prostatakrebs. Denn: Im Falle eines Prostatakarzinoms bilden die aggressiven Krebszellen ebenfalls PSA – und zwar rund zehnmal mehr als gesunde Prostatazellen.3

Wissenswert

Nicht immer steckt jedoch ein bösartiger Tumor hinter einem hohen PSA-Wert. Auch eine gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie), eine Prostatitis oder eine Harnwegsentzündung führen unter Umständen zu auffälligen Ergebnissen im PSA-Test. Daher ist der Wert einzeln kein zuverlässiger Diagnosesteller – als Beobachtungsmethode für die Gesundheit der Prostata bietet er dennoch wertvolle Informationen.

Testergebnisse und ihre Beurteilung: Welcher PSA-Wert ist normal?

Die folgende PSA-Wert-Tabelle gibt einen Überblick, wie das Resultat zu beurteilen ist4:

PSA-Wert (ng/ml) Beurteilung
0-1 unauffällig
1-2 auffällig, wenn tendenziell steigend
2-4 abklärungsbedürftig
>4 erhöht und abklärungsbedürftig

Es gilt der grundsätzliche Zusammenhang, dass das Risiko, einen bösartigen Tumor vorzufinden, mit einem steigenden PSA-Wert zunimmt. Allerdings bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass dann mit Sicherheit Prostatakrebs vorliegt! Es können andere Ursachen, wie eine gutartige Prostatavergrößerung, dafür verantwortlich sein. Genauso kann aber auch trotz eines niedrigen PSA-Wertes ein bösartiger Tumor vorliegen.

Da die Zahl durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird, ist ein einzelner PSA-Test nur begrenzt aussagefähig. Er sollte deshalb immer im Zeitablauf sowie im Zusammenhang mit anderen Diagnosemethoden betrachtet werden.

Prostatavergrößerung, PSA-Wert & Co.

Im Interview mit Prof. Dr. med. Thomas Ebert (Facharzt für Urologie) dreht sich alles um die Prostatavergrößerung. Was es damit auf sich hat? Welche Rolle der PSA-Wert spielt? Jetzt reinhören und mehr wissen.

PSA-Wert zu hoch – was tun?

Erscheint der PSA-Wert abklärungsbedürftig, führt der behandelnde Urologe weitere Untersuchungen durch, bevor eine Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) erfolgt. Mit dieser kann der Arzt herausfinden, ob ein bösartiger Tumor in Form eines Prostatakarzinoms vorliegt und so eine Diagnose stellen.

Da eine Biopsie unangenehme Nebenwirkungen wie Schmerzen mit sich bringen kann, wird die invasive Untersuchungsmethode in der Regel nur eingesetzt, wenn auch andere Diagnoseverfahren einen Verdacht auf Prostatakrebs aufwerfen. Die Entnahme erfolgt in der Regel transrektal unter Ultraschallkontrolle. Dabei werden Gewebeproben in Zylinderform mithilfe einer Nadel aus bestimmten Stellen der Prostata vom Mastdarm ausgehend ausgestanzt. Zusätzlich können Proben an den Punkten entnommen werden, die bei anderen Diagnoseuntersuchungen auffällig erschienen.

Bestätigt sich der Verdacht auf Prostatakrebs durch die Analyse des Gewebes, können ergänzende Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen. Dazu gehören unter anderem bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT). Diese liefern weitere Informationen, welche für die Planung der Behandlung relevant sind.

Überdiagnose oder aktive Überwachung?

Die Sinnhaftigkeit des PSA-Tests gilt seit einigen Jahren als umstritten. Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland bieten ihren Versicherten daher in der Regel nur bei konkretem Verdacht auf Prostatakrebs – zum Beispiel nach dem Feststellen von Veränderungen bei einer Tastuntersuchung – die Kostenübernahme für eine PSA-Untersuchung an. Liegt dieser nicht vor, müssen Patienten meist aus eigener Tasche bezahlen. Der PSA-Test kostet etwa 20 Euro, zusätzlich fallen noch die Behandlungskosten an.5 Bei Privatversicherten hängt der Umfang der Leistungen vom individuellen Vertrag ab.

Risiko Überdiagnose

Die Diskussion um die Vor- und Nachteile des PSA-Tests dreht sich vor allem darum, dass das Resultat allein keine große Aussagekraft besitzt. Denn durch die Ermittlung dieses Wertes werden oft auch kleinere Prostatakrebse entdeckt, die keine tatsächliche Lebensbedrohung darstellten und daher eigentlich nicht behandelt werden müssten. Das liegt daran, dass manche Prostatatumore langsam oder gelegentlich auch gar nicht mehr wachsen.

Diese sogenannte „Überdiagnose“ oder „Übertherapie“ führt unter Umständen dazu, dass die körperliche und psychische Lebensqualität der Patienten unnötig durch die starken Nebenwirkungen, die fast alle Krebsbehandlungen mit sich bringen, beeinträchtigt wird. Zudem bedeutet ein erhöhter PSA-Wert noch nicht zwingend Prostatakrebs – die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher vorliegt, ist allerdings erhöht.

Aktive Überwachung und frühes Erkennen

Auf der anderen Seite zeigten Studien, dass die Sterblichkeitsrate an Prostatakrebs durch die PSA-Untersuchung um rund 30 Prozent gesunken sei.6 Auch die „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ sieht vor, Männer ab 45 Jahren mit mehr als zehn Jahren weiterer Lebenserwartung über die Früherkennung aufzuklären und, falls diese gewünscht wird, den PSA-Test zu anzubieten.7

Damit bei Feststellung eines Prostatakrebs dennoch nicht „überbehandelt“ wird, gibt es das Prinzip der „aktiven Überwachung“. Es bedeutet, dass Tumore, die nicht lebensbedrohlich sind, nicht unbedingt behandelt werden müssen, aber regelmäßig kontrolliert werden sollten.

Die individuelle Entscheidung erfordert eine umfassende Aufklärung

Die Entscheidung für oder gegen einen Test liegt am Ende jedoch beim Patienten selbst. Damit diese leichter fällt, ist eine umfassende Aufklärung über Risiken und Vorteile durch den Urologen unabdingbar. Patienten können sich auch von Daheim aus informieren: Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. und der Berufsverband der Deutschen Urologen e. V. bieten zu diesem Zweck online eine Broschüre an.

Peggy Richter
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Lisa Küffner
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