PSA-Wert: Vorsorgeuntersuchung mit Vor- und Nachteilen

28. Januar 2019
6 Min.

Der PSA-Test misst die Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um einen Antikörper, sondern um ein Eiweiß, das die Vorsteherdrüse produziert. Es dient als Enzym, um die Samenflüssigkeit zu verflüssigen. Da die Prostata sehr stark durchblutet ist, gelangt regelmäßig ein Teil dieses Eiweißes in die Blutbahn, wo es als PSA-Wert in Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) nachgewiesen werden kann. Doch welche Aussagen lassen sich damit treffen?

PSA-Test wird im Labor ausgewertet

Keine Panik bei erhöhtem PSA-Wert

Der Normalwert des PSA liegt bei gesunden Männern zwischen null und maximal vier ng/ml.1 Die Produktion des Eiweißes unterliegt allerdings Schwankungen: Beispielsweise steigt der PSA-Wert durch Geschlechtsverkehr oder Druck auf die Prostata, zum Beispiel beim Abtasten im Rahmen einer digital-rektalen Untersuchung (DRU), weshalb der PSA-Test nicht direkt nach einer DRU durchgeführt werden sollte.

Aus medizinischer Sicht ist der PSA-Wert interessant, weil er Hinweise auf eine Erkrankung der Prostata liefern kann. Besonders im Fokus steht Prostatakrebs. Denn: Die aggressiven Krebszellen bilden ebenfalls PSA und zwar rund zehnmal mehr als gesunde Prostatazellen.2

Wissenswert

Nicht immer steckt jedoch Krebs hinter einem erhöhten PSA-Wert. Auch eine gutartige Prostatavergrößerung, eine Prostatitis oder eine Harnwegsentzündung führen unter Umständen zu auffälligen Ergebnissen im PSA-Test. Daher ist der Wert einzeln kein zuverlässiger Diagnosesteller – als Beobachter für die Gesundheit der Prostata bietet er dennoch wertvolle Informationen.

PSA-Wert-Tabelle: Testergebnisse und ihre Beurteilung

Für einen PSA-Test wird dem Patienten Blut entnommen und im Labor untersucht. Meist dauert es einige Tage, bis das Ergebnis vorliegt. Die folgende PSA-Wert-Tabelle gibt einen Überblick, wie das Resultat zu beurteilen ist3.

PSA-Wert (ng/ml) Beurteilung
0-1 unauffällig
1-2 auffällig, wenn tendenziell steigend
2-4 abklärungsbedürftig
>4 erhöht

Die PSA-Wert-Tabelle verdeutlicht: Es gilt der grundsätzliche Zusammenhang, dass das Risiko, einen bösartigen Tumor vorzufinden, mit einem steigenden PSA-Wert zunimmt. Da die Zahl durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird, ist ein einzelner PSA-Test jedoch nur begrenzt aussagefähig. Er sollte deshalb immer im Zeitablauf sowie im Zusammenhang mit anderen Diagnosemethoden betrachtet werden.

Grenzwertiger PSA-Wert – was nun?

Erscheint der PSA-Wert abklärungsbedürftig, führt der Urologe, der den Test veranlasst hat, weitere Untersuchungen durch, bevor er eine Diagnose erstellt. Im nächsten Schritt ist dahingehend eine Gewebeprobe (Biopsie) vorgesehen, um festzustellen, ob ein bösartiger Tumor vorliegt oder nicht.

Da eine Biopsie unangenehme Nebenwirkungen mit sich bringen kann, wird die invasive Untersuchungsmethode in der Regel nur eingesetzt, wenn andere Diagnoseverfahren einen Krebsverdacht aufwerfen oder der Anteil von PSA im Blut eine gewisse Grenze überschreitet. Da sich die Prostata bei vielen Männern mit zunehmendem Alter vergrößert, sind die Grenzwerte für eine Gewebeuntersuchung entsprechend gestaffelt4:

Lebensalter PSA-Schwellenwert für Biopsie (ng/ml)
40-49 Jahre 2,5 ng / ml
50-59 Jahre 3,5 ng / ml
60-69 Jahre 4,5 ng / ml
70-79 Jahre 6,5 ng / ml

Bestätigt sich der Krebs-Verdacht, können ergänzende Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen. Dazu gehören unter anderem bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT). Diese liefern weitere Informationen, welche für die Planung der Behandlung relevant sind.

Freiwilliger PSA-Test im Rahmen der Vorsorge – oder lieber nicht?

Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland bieten ihren Versicherten keinen kostenlosen PSA-Test als Vorsorgeuntersuchung an, da sein Nutzen für die Früherkennung nicht zweifelsfrei belegt ist. Bei Privatversicherten hängt der Umfang der Leistungen vom individuellen Vertrag ab.

Die Diskussion um die Vor- und Nachteile des PSA-Tests drehen sich vor allem darum, dass das Resultat alleine keine große Aussagekraft besitzt.

  • Studien haben gezeigt, dass viele Männer eine Krebsdiagnose erhielten, die sich im Nachhinein als falsch erwies.
  • Auch erkannten und behandelten manche Ärzte nicht selten Tumore, die aufgrund ihres langsamen Wachstums keine tatsächliche Lebensbedrohung dargestellt haben.

Angesichts der starken Nebenwirkungen, die fast alle Krebsbehandlungen mit sich bringen, wurde die körperliche und psychische Lebensqualität dieser Patienten durch die Fehl- beziehungsweise Überdiagnose unnötig beeinträchtigt.

Aber: Natürlich gibt es auch immer wieder Fälle, bei denen der PSA-Test dazu geführt hat, dass die Mediziner eine Krebserkrankung rechtzeitig entdecken und therapieren konnten, wodurch das Leben des Patienten gerettet wurde.

Da der PSA-Wert individuellen Schwankungen unterliegt, gewinnt er vorrangig dann Aussagekraft, wenn Männer ihn in regelmäßigen Abständen, zum Beispiel jährlich, überprüfen lassen. Wichtig ist, dass dabei immer die gleiche Testmethode angewandt wird, um keine unterschiedlichen Ergebnisse zu erhalten. Letztlich muss aber jeder Patient für sich selbst entscheiden, ob er einen kostenpflichtigen PSA-Test im Rahmen der Krebsvorsorge durchführen möchte oder es beim Abtasten der Prostata belässt.