Hodentorsion: Symptome und Behandlung einer Hodendrehung

15. April 2019
12 Min.

Bei Männern mit einer Hodentorsion ist es dazu gekommen, dass sich der Hoden verdreht hat – und zwar um die Längsachse des Samenstrangs.1 Doch warum kommt es zu dieser seltenen2 Komplikation? Welche Symptome sind typisch? Wie erfolgt die Behandlung? Und warum sollte eine Therapie so schnell wie möglich erfolgen? All diese Fragen beantworten wie Ihnen hier.


Überblick:

Was genau ist eine Hodentorsion?

Eine Hodendrehung beziehungsweise Hodenverdrehung bezeichnen Mediziner auch als Hodentorsion. Es handelt sich dabei um ein – meist mehrfaches – Verdrehen des Samenstrangs und damit eines Hodens. Eine Erkrankung ist die Hodentorsion also nicht. Eine Verdrehung kann in beide Richtungen erfolgen – rechts und links herum.3

Hoden-Hintergrundwissen

Mann, der zwei Eier hält, die symbolisch eine Hodentorsion darstellen.

Die zwei inneren Geschlechtsorgane eines Mannes sind die Hoden. Sie liegen paarig im Hodensack. Zu ihren wichtigsten Aufgaben zählen die Spermienproduktion sowie die Herstellung von männlichen Geschlechtshormonen wie Testosteron.

Zur Hodenanatomie gehört darüber hinaus der Samenstrang (Funiculus spermaticus). Ein Bündel – es setz am inneren Leistenring an – das die Hoden etwa mit Blut versorgt und unter anderem aus Blutgefäßen sowie Nerven besteht. Zwei Bestandteile des Funiculus spermaticus sind die Vena testicularis (beinhaltet sauerstoffarmes Blut) als auch die Arteria testicularis (enthält sauerstoffreiches Blut). Bei einer Hodentorsion können diese Gefäße abgeklemmt werden.

Sie sollten wissen, dass eine Hodentorsion immer ein medizinischer Notfall ist.1 Denn durch die Verdrehung des Samenstrangs wird die Blutzufuhr zum Hoden unterbrochen. Zudem ist es nicht mehr möglich, dass Blut, das sich bereits im Hoden befindet, in Richtung Herz zurückfließt. Kurz: Die Blutzirkulation ist unterbrochen.

Verdrehter Hoden: Was tun? Gehen Sie zum Arzt!

Wenn Sie eine Hodentorsion vermuten und sich fragen „Wann sollte ich zum Arzt gehen?“, dann lautet die Antwort: „So schnell wie möglich“. Damit das betroffene Organ nicht abstirbt, gilt es, den verdrehten Hoden innerhalb von 4 bis 6 Stunden wieder in seine ursprüngliche Position zu bringen.1 Eine erste Anlaufstelle kann der Hausarzt sein. Urologen sind unter andrem Experten in Sachen Hodenbeschwerden. Einen Urologen in Ihrer Nähe finden Sie hier.

Die Formen einer Hodentorsion

Nicht jede Verdrehung gleicht der anderen. Mediziner unterscheiden beispielsweise folgende Varianten einer Hodentorsion:

  • Inkomplette: Experten sprechen von ihr, wenn durch die Drehung nur die Vena testicularis verschlossen ist. Die Folge: Sauerstoffarmes Blut kann nicht mehr aus dem Hoden in Richtung Körper fließen. Hinzu kommt in diesem Fall noch, dass die Arteria testicularis, durch die sauerstoffreiches Blut zum Hoden strömt, frei bleibt. Immer mehr Blut staut sich dadurch in der Region des Hodensacks und schnürt die Arteria testicularis ab. Das Hodengewebe läuft Gefahr, abzusterben.4
  • Komplette: Zu einer Hodengewebezerstörung kommt es auch im Falle einer kompletten Hodentorsion. Hier sind von Beginn an die Vena testicularis sowie die Arteria testicularis abgeschnürt.3
  • Intravaginale: Die Tunica vaginalis ist eine Haut, die das Innere des Hodensacks auskleidet. In der Regel ist der Hoden daran fixiert. Ist das nicht so – bei circa 12 Prozent der Männer –, kann sich der Hoden frei bewegen. Verdreht er sich, sprechen Experten von einer intravaginalen Hodentorsion.5
  • Extravaginale: Erfolgt die Hodenverdrehung zusammen mit der Tunica vaginalis, handelt es sich per Definition um eine extravaginale Hodentorsion.5

Theoretisch kann eine Hodendrehung bei Männern jeden Alters vorkommen. Oftmals tritt die Komplikation im ersten Lebensjahr auf. Die meisten Fälle – circa 65 Prozent – betreffen jedoch Patienten im Alter von 12 bis 18 Jahren.5


Aha!

Die typische Variante bei Jugendlichen ist die intravaginale Hodentorsion – während bei Säuglingen vor allem die extravaginal verdrehten Hoden auftreten.5

Wie lässt sich eine Hodentorsion erkennen? Die Symptome

Das charakteristische Symptom bei einer Verdrehung ist ein heftiger, stechender Schmerz am betroffenen Hoden – einen Tick mehr rechts oder endsprechend links im Hodensack.1

Gut zu wissen

Die Schmerzen, die vom betroffenen Hoden ausgehen, können in die Leistengegend als auch in den Unterbauch ausstrahlen.6

Die angesprochenen Schmerzen sind häufig so stark, dass der Organismus dadurch wie folgt reagiert:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Herzrasen
  • vermehrtes Schwitzen7

Darüber hinaus sind diese Krankheitszeichen an der Hodenregion denkbar:

  • Schwellung des Hodensacks
  • Rötung

Wie lange haben Männer mit einer Hodentorsion Schmerzen?

Für gewöhnlich tritt der Schmerz plötzlich, wie aus dem Nichts, in Erscheinung – also dann, wenn sich der Hoden verdreht. In der Regel bleibt der Schmerz auch bis zur Behandlung bestehen.8

Je nach Art der Therapie, oftmals ist es eine Operation, kann es aufgrund des kleinen Operationsschnitts und der anschließenden Naht zu Folgeschmerzen kommen. Wie lange diese Schmerzen dauern, lässt sich nicht pauschal beantworten. Unter anderem hat das individuelle Schmerzempfinden einen Einfluss darauf.

Mögliche Ursachen der schmerzhaften Komplikation

Denkbare Auslöser einer Hodentorsion sind untere anderem:

  • fehlende Hodenbefestigungsbänder
  • Sport
  • Spielen
  • äußere Gewalteinwirkung
  • Einflussnahme auf den Hoden zur sexuellen Stimulation9

Manche Männer haben von Geburt an keine Hodenbefestigungsbänder. Es gibt zwei davon: das Ligamentum testis proprium (verbindet Hoden und Nebenhoden) sowie das Ligamentum caudae epididymidis (zieht vom Nebenhoden zu den Hodenhüllen). Fehlen diese Bänder, ist die Hodenbeweglichkeit freier – und somit eine Hodenverdrehung leichter möglich.

Sport (beispielsweise ein Fußball, der den Genitalbereich trifft), eine äußere Gewalteinwirkung (etwa ein heftiger Aufprall, durch einen Unfall, auf den Fahrradsattel) oder Toben – vor allem bei Kindern – können eine Hodentorsion nach sich ziehen. Denn plötzliche Drehbewegungen des Körpers sind unter Umständen Auslöser. Auch ist es denkbar, dass sich der Muskel Musculus cremaster, der den Samenstrang umgibt, zu stark zusammenzieht.

Darüber hinaus besteht beim Herumspielen am Hodensack zur sexuellen Befriedigung ein gewisses Risiko für eine Hodenverdrehung. Letzteres führt jedoch eher seltener zur Hodenkomplikation.10

Diagnose: Untersuchungen bei Hodentorsion

Ein Arzt hat unter anderem diese Möglichkeiten, um eine Hodentorsion zu diagnostizieren:

Körperliche Inspektion

Beim Verdacht auf eine Hodenverdrehung kann der Mediziner den Hoden betrachten. Er achtet dabei beispielsweise auf

  • Rötungen,
  • Schwellungen,
  • Blutergüsse,
  • Ger-Zeichen (einwärts gedrehte Hodenhaut),
  • Tenkhoff-Zeichen (hörbares Knistern bei Hodensackberührung) oder
  • Größe des schmerzenden Hodens im Vergleich zum gesunden.3

Um eine Hoden- beziehungsweise Nebenhodenentzündung auszuschließen, heben Experten den Beschwerde verursachenden Hoden meistens an. Typisch für eine Hodentorsion ist es, wenn sich der Schmerz dabei verschlimmert (negatives Prehn-Zeichen). Wenn er hingegen nachlässt (positives Prehn-Zeichen), ist das eher ein Anzeichen für eine Hodenentzündung.11

Bildgebende Untersuchungen

Zu den möglichen bildgebenden Diagnosemöglichkeiten einer Hodentorsion gehören:

  • Ultraschall (Sonografie): Ein Fachmann gewinnt mit einem Ultraschallgerät einen Eindruck des Hodengewebes. Verschlossene Blutgefäße und Schwellungen werden besser erkennbar.
  • Hodenszintigrafie: Dabei handelt es sich um eine bestimmte Röntgenuntersuchung. Mit ihr lässt sich beurteilen, wie schnell sich ein zuvor verabreichtes Kontrastmittel im Gewebe des Hodens verteilt. Im Falle einer Hodentorsion bleibt eine Verteilung meist aus oder ist verzögert.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Mit den starken Magnetfeldern eines MRT-Geräts kann ein Spezialist ein gutes Bild des Hodens und seines Gewebes erhalten. Eine Verdrehung des Hodens ist in der Regel mit dieser Untersuchung erkennbar.

Laboruntersuchung – warum?

Hinter einem schmerzenden Hoden muss nicht immer eine Hodentorsion stecken. Auch sind etwa Harnwegsinfektionen oder Hodenentzündungen weitere mögliche Ursachen.

Zu den bewährten Methoden, um Entzündungsreaktionen im Körper zu erkennen, zählt die Blutuntersuchung. Im Labor können die Experten beispielsweise erkennen, ob sich eine größere Anzahl an Leukozyten (Weiße Blutkörperchen) im Blut eines Patienten befinden. Diese sind zahlreicher, wenn der Organismus gegen eine Entzündung vorgeht.

Wie wird die Hodentorsion behandelt?

Steht die Diagnose „Hodentorsion“ fest, so muss in den meisten Fällen schnellstmöglich – innerhalb von 4 bis 6 Stunden – eine Operation erfolgen. In manchen Fällen kann der Arzt auch eine nicht-operative Behandlung durchführen.3

Interessant

In 60 Prozent der Fälle lässt sich der verdrehte Hoden durch einen rechtzeitigen operativen Eingriff erhalten. Vergeht zu viel Zeit bis zur Behandlung, kann der Hoden absterben. Er muss dann mit einem medizinischen Eingriff entfernt werden.3

Hodenverdrehung: Operative Behandlung

Die Operation bei einer Hodentorsion erfolgt in etwa so:

  • Zuerst öffnet der Operateur mit einem kleinen Schnitt den Hodensack. Der Patient ist dabei unter Vollnarkose.
  • Jetzt kann der Arzt den verdrehten Hoden samt Samenstrang wieder in seine eigentliche Position zurückdrehen.
  • Im nächsten Schritt befestigt der Mediziner in der Regel beide Hoden mit einer Naht am Hodensack (prophylaktische Orchidopexie8), damit sie sich nicht erneut verdrehen können.
  • Abschließend vernäht der Arzt die Operationsöffnung12.

Hodentorsion: Wie lange ist man nach der OP krank?

Eine genaue Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Ganz einfach deswegen, weil kein Mann dem anderen gleicht. Zum Beispiel ist eine Vollnarkose für einen jugendlichen Patienten meist weniger belastend als für einen älteren Betroffenen. Für wie viele Tage ein Patient krankgeschrieben wird, liegt daher immer im Ermessen des behandelnden Mediziners.

Im Falle einer Operation sollten Sie darüber hinaus wissen, dass Sie nicht unmittelbar danach wieder mit dem Sport anfangen können. Etwas Geduld ist häufig nötig, damit Ihre Operationswunde gut verheilt. Wann Sie wieder Sport machen dürfen, beantwortet Ihnen Ihr Arzt am zuverlässigsten.

Behandlung ohne Operation

In seltenen Fällen ist es möglich, eine Hodentorsion nicht-operativ zu therapieren. Denn der Fachmann kann den verdrehten Hoden theoretisch auch ohne einen öffnenden Schnitt am Hodensack wieder in seine Ausgangsposition zurückdrehen. Ein erfahrener Mediziner schafft es unter Umständen also durch manuelles Schütteln und Schwingen des verdrehten Hodens, ihn in seine natürliche Stellung zurückzubefördern.13

Fazit: Wenn Sie mit einer Hodentorsion rechtzeitig zum Arzt gehen, lässt sich diese, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, erfolgreich behandeln.

Regina Lopes Bombinho Brandt
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin