Schwacher Harnstrahl – wenn es irgendwie nicht mehr so läuft

28. März 2019
11 Min.

Ihnen fällt schon länger auf, dass Ihre Blase sich sehr prall anfühlt und Sie immer wieder zur Toilette drängt, aber auf dem stillen Örtchen nur wenig Urin kommt? – nein, das ist nicht normal. Und geht in den seltensten Fällen wieder von allein weg. Ab wann ein schwacher Harnstrahl bedenklich wird, was dahintersteckt und was Sie tun sollten, damit es bei Ihnen bald wieder besser läuft, lesen Sie hier.

Tröpfelndes Wasser aus einem Gartenschlauch gleicht schwachen Harnstrahl beim Mann.

Im Überblick:

Aber tröpfelnder Urin ist doch noch kein Grund zum Arzt zu gehen…

Doch, das ist es! Denn schwächerer Harndruck gehört zu den Miktionsstörungen (Einschränkungen, Schmerzen und Probleme beim Urinablassen). Und er kann auf Veränderungen oder sogar Erkrankungen im Bereich des Harntraktes, zum Beispiel eine Vergrößerung umliegender Organe oder Passierwiderstände innerhalb der Harnröhre, hindeuten.

Was hinter schwachem Harnstrahl und häufigem Harndrang steckt:

  • Erkrankungen der Prostata wie benigne Hyperplasie (Vergrößerung) und Karzinom (Krebs)
  • Harnwegsentzündung (Urethritis)
  • Harnsteine
  • krankhafte Veränderungen der Harnröhre (zum Beispiel eine Verengung)
  • psychische Belastung

Und sind wir mal ganz ehrlich: Kein Mann muss einen schwachen Harnstrahl und dadurch häufigeren Harndrang einfach hinnehmen oder als „Altherrenproblem“ abtun – die Beschwerden lassen sich meist, wenn Sie von einem Arzt abgeklärt wurden, gut behandeln.

Oft fängt es mit weniger Druck an, dann tröpfelt es nur noch – bis plötzlich gar nichts mehr kommt. Ein sogenannter Harnverhalt ist eine akute Situation und Sie sollten sofort einen Arzt aufsuchen. Ansonsten drohen Schäden zum Beispiel an den Nieren.

Und was nimmt dem Harnstrahl nun die Power?

Ein abgeschwächter Harnstrahl kann verschiedene Ursachen haben. Ab dem 50. Lebensjahr ist bei Männern häufig die benigne, also gutartige Prostatavergrößerung (BPH) für die Beschwerden verantwortlich.1 Die Prostata gehört zu den Geschlechtsorganen des Mannes und umschließt die Harnröhre unterhalb der Blase. Wenn das Organ nun im Alter bei Männern wächst, schnürt es die Röhre immer weiter zu und macht so den Urinabfluss schwieriger.

Leider kann aber auch etwas anderes auf die Harnröhre Druck ausüben: Die Rede ist von einem fortschreitenden Prostatakrebs. Deswegen ist es wichtig, auch diese scheinbar harmlos wirkende Beschwerde unbedingt von einem Arzt überprüfen zu lassen. Ihr Hausarzt ist der erste Ansprechpartner, er kann Sie bei Verdacht an einen Urologen, einen Facharzt für die männlichen Geschlechtsorgane und den Harntrakt, verweisen.

Eine Harnröhrenverengung (Striktur) zählt ebenfalls zu den Ursachen und entsteht oft durch Verletzungen und Entzündungen der Harnröhre, die zu narbigen Verdickungen führen. Auslöser ist hier zum Beispiel das mehrmalige Legen eines Blasenkatheters.

Auch Harnsteine stellen kleine Hindernisse im Harnwegstrakt dar. Sie bilden sich entweder direkt in der Blase oder in den anderen Bereichen wie den Nieren oder ableitenden Harnwegen. Die Niere filtert Stoffe aus dem Körper, welche dann mit dem Urin ausgeschieden werden. Kann die Blase nicht regelmäßig komplett geleert werden, bilden sich aus den zurückbleibenden Substanzen im Urin immer weiterwachsende Kristalle. Am Anfang werden die kleineren Steine noch mit ausgespült, irgendwann passen sie aber nicht mehr durch die Harnröhre, bleiben stecken, versperren den Weg und lösen starke Schmerzen beim Wasserlassen aus.

Beim Harnverhalt (Ischurie) ist die Blase zwar gut gefüllt, aber der Patient kann diese nicht willkürlich entleeren. Verantwortlich für den Verhalt sind unter anderem eine untrainierte Blasenmuskulatur, Blasensteine oder eine Verengung der Harnwege.

Mann möchte es sicher oft nicht glauben, aber genauso gut können psychische Faktoren bei Miktionsstörungen wie schwachem Harnstrahl eine Rolle spielen. Angst und Stress sind in der Lage, eine derartige Anspannung – auch im Bereich der Blase – hervorzurufen, sodass ein Harnverhalt hervorgerufen wird. Manchmal ist es auch die Scham, in öffentlichen Toiletten neben anderen zu urinieren.

Sie sehen, es gibt also verschiedene Auslöser, die einen geringen Druck des Harnstrahls bewirken. Und diese Gründe kann Mann nicht allein für sich ausmachen. Da braucht es spezielle, vom Arzt durchgeführte Verfahren, um die Symptomatik einzuordnen und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Schwacher Harnstrahl und häufiger Harndrang beim Mann – die Diagnose

Einige werden sich nun die Frage stellen, wie man denn bitte einen Harnstrahl untersuchen und als zu schwach bewerten kann. Ist das denn nicht subjektives Empfinden? – nein, denn der Druck hinter dem Strahl lässt sich messen und kann von Arzt dann analysiert werden.

Mithilfe der sogenannten Uroflowmetrie sind Urinmenge und Geschwindigkeit der Miktion bestimmbar. Der Patient uriniert in ein trichterförmiges Gerät, an dessen Spitze ein Sensor sitzt. Ein angeschlossener Schreiber wertet die Harnmenge pro Zeiteinheit um und visualisiert das Ganze in einer Flusskurve.

So viel zum schwächer gewordenen Harnstrahl. Dch Sie haben immer noch das Gefühl, dass Restharn in der Blase verblieben ist? Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob und wie viel Urin sich noch in der Blase befindet.

Behandlung von schwachem Harnstrahl

Ein schwacher Harnstrahl ist in der Regel sehr gut behandelbar. Je nach Auslöser und Schweregrad bedarf es unterschiedlicher Therapiemethoden, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.

Prostata verkleinern

Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass eine Vergrößerung der Prostata für die Beschwerden verantwortlich ist, wird er eine digital-rektale Untersuchung sowie einen Urin- und Bluttest durchführen. Die Behandlung einer gutartigen Prostatahyperplasie erfolgt zunächst mit Medikamenten, die abschwellend wirken und so die Symptome lindern.

Erst in einem letzten Schritt, wenn die konservative Therapie mit Medikamenten keinen Erfolg zeigt, oder aber ein Tumor vorliegt, wird eine (teilweise) entfernende Operation durchgeführt.

Harnröhrenstriktur: Narbiges Gewebe beseitigen

Harnröhrenverengung – oder auch Harnröhrenstriktur genannt – ist in den meisten Fällen durch narbiges Gewebe innerhalb der Harnröhre bedingt. In der Behandlung dieser Ursache gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Harnröhrenaufdehnung (Bougierung): Mit einem speziellen Harnröhrenkatheter, welcher von einem Urologen eingesetzt wird, kann der Harngang wieder für die Miktion geöffnet werden. Nach ärztlicher Anweisung kann diese Karthetermethode bei der Langszeitdilatation (langfristige Dehnung) vom Patienten übernommen werden.
  • Harnröhrenschlitzung (Urethrotomie): Bei einer kurzstreckigen Verengung der Harnröhre gibt es die Option, unter Allgemein- oder Rückenmarksnarkose den vernarbten Gewebeabschnitt „einzukerben” und damit zu spalten. In der ersten Zeit nach dem Eingriff wird die Harnröhre noch mit einem Blasenkartheter geschient, danach sollte der Durchmesser aber eine erfolgreiche Miktion zulassen.
  • Harnröhrenstent: Ein kleines Röhrchen, meist aus Kunststoffgeflecht, dient bei dieser Variante als dauerhafte Stütze. Unter endoskopischer Sicht wird es an der verengten Stelle angebracht.
  • Harnröhrenrekonstruktion: Kehrt eine Striktur immer wieder, betrifft mehrere Stellen oder zieht sich über einen längeren Abschnitt, ist eine Rekonstruktion der Harnröhre sinnvoll. Die Umgebung wird operativ freigelegt und die Engstellen beseitigt.
    • Müssen nur kurze Teile entfernt werden, nähen die Operateure die gesunden Harnröhrenabschnitte wieder aneinander.
    • Fehlt mehr, ist dies mit einem Harnröhrenersatz zu überbrücken. Das kann körpereigenes Gewebe sein, wie Teile der Penisschafthaut, Vorhaut oder Mundschleimhaut, aber auch körperfremdes Gewebe.

Nach dem Eingriff schient ein Blasenkatheter die neu konstruierte Röhre für etwa drei Wochen.1

Harnsteine loswerden

Klein, aber oft ganz schön fies – Harnsteine. Sind diese erst einmal ausgemacht, bleibt die Frage: Wie wird Mann sie wieder los? Normalerweise verlassen die kleinen kristallinen Ablagerungen den Körper über den Harnweg. Klappt das jedoch nicht, weil die Steine schon zu groß sind und den Urinabgang erschweren, werden zunächst Schmerzmittel verschrieben. Manchmal funktioniert die Ausscheidung dann mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und damit Urinmenge.

Ansonsten gibt es noch die Option, dass Medikamente die Harnsteine auflösen. Diese Behandlungsvariante wird Chemolitholyse genannt. Zeigt auch diese Therapiemöglichkeit keine Besserung der Beschwerden, kann von außen und ambulant eine Zertrümmerung der Kristalle mithilfe von Energiewellen erfolgen (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie).

Wenn der Arzt, zum Beispiel aufgrund der Steingröße, eine Operation empfiehlt, sind wieder unterschiedliche Varianten denkbar:

  • Eine Harnleiterschiene erleichtert durch Vergrößerung des Durchmessers das Abfließen der Steine.
  • Über die Harnröhre werden die Steine entfernt beziehungsweise erst mit einem Laser zerkleinert und dann abgetragen (Ureterorenoskopie).

In ganz seltenen Fällen kommt es zu einer offenen Operation. Dieses Verfahren ist aber weitestgehend von minimalinvasiven Methoden (ohne große Gewebeeinschnitte und möglichst über bestehende, natürliche Körperöffnungen) verdrängt worden.

Fitnessprogramm für die Blase

Eine weitere Maßnahme zur Behandlung von schwachem Harnstrahl, die Sie selbst direkt umsetzen können, ist das Blasentraining. Aber wie lässt sich die Blase stärken? Indem man versucht, der Blasenentleerung bei Harndrang – nach und nach – immer später nachzugeben. Ziel ist es, die Häufigkeit der Miktionen zu normalisieren und schrittweise die Kapazität der Blase zu erhöhen. Ein Miktionsprotokoll kann dabei sehr hilfreich sein. Es dient zur Dokumentation der Umsetzung, Trinkmenge, Unterdrückungszeiten und macht Erfolge sichtbar, welche dann für das weitere Training motivieren.

Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin