Keine reine Frauensache – die männlichen Wechseljahre

3. Mai 2019
8 Min.

Experten stimmen überein: Nicht nur Frauen sind von den Wechseljahren betroffen – sondern auch Männer. Sie leiden möglicherweise ebenfalls unter Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme. Das ist ein Teil des natürlichen Alterungsprozesses. Trotzdem muss Mann sich nicht mit den Beschwerden abfinden. Lesen Sie hier, wie Sie gegen die Symptome der Wechseljahre vorgehen können.


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Wechseljahre beim Mann: Ab wann und wie lange treten sie auf?

Mann, der im Spiegel seinen Haarausfall betrachtet, der durch die Wechseljahre entstanden ist.

Lange Zeit galt es als umstritten, ob es die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, beim Mann gibt. Denn obwohl Männer etwa ab der Lebensmitte ähnliche Leiden zeigen, so sind sie doch nicht mit denen der Frau vergleichbar.

Die Wechseljahre beim Mann sind ein fließender Prozess (es gibt keinen festen Start- und Endzeitraum) und meist nicht so stark ausgeprägt, wie bei der Frau. Ein weiterer Unterschied: Während Frauen nach den Wechseljahren (und dem Einsetzten der letzten Regelblutung) nicht mehr in der Lage sind, sich fortzupflanzen, ist das bei Männern prinzipiell noch bis zum Lebensende möglich.

Andropause – das Gegenstück zur Menopause

Die männlichen Wechseljahre werden oft als Andropause bezeichnet. Der Begriff wurde von der weiblichen Menopause („Tod der Periode“) abgeleitet, ist aber etwas unglücklich, da er aus dem Griechischen übersetzt „Tod des Mannes“ bedeutet.

Ab wann und ob Mann im Klimakterium Beschwerden verspürt, ist individuell stark verschieden. Während manche Betroffene bereits mit 40 Jahren über Leiden klagen, nehmen andere mit 60 Jahren noch keinerlei Probleme wahr. Auch die Dauer der männlichen Wechseljahre lässt sich nicht pauschal festlegen.

Welche Symptome treten auf?

Als typische Anzeichen der männlichen Wechseljahre gelten unter anderem:

  • Muskelabbau
  • Zunahme des Körperfettanteils (und damit verbundene Gewichtszunahme)
  • Konzentrationsschwäche
  • depressive Verstimmungen
  • Schlafstörungen
  • Stress
  • Hitzewallungen
  • Haarausfall
  • geringere sexuelle Lust (Libidoverlust)
  • Erektionsstörungen (zum Beispiel nachlassende morgendliche Erektionen)
  • allgemeiner Leistungsabbau

Die genannten Symptome kommen in den verschiedensten Kombinationen und Ausprägungen vor. Häufig denken Männer beim Auftreten der Probleme zunächst nicht an die Andropause. Denn Stimmungsschwankungen und Hitzewallungen können beispielsweise auch durch hormonelle Veränderungen aufgrund einer Schilddrüsenfunktionsstörung entstehen.

Midlife Crisis

Im mittleren Alter beginnen viele Männer ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Sie stellen fest, dass sie älter werden und versuchen möglicherweise dies auszugleichen — zum Beispiel mit einem neuen Job oder einer neuen, jüngeren Partnerin, um sich selbst vermeidlich besser zu fühlen. Umgangssprachlich wird solche ein Verhalten als Midlife Crisis (aus dem Englischen „Lebensmitte-Krise“) bezeichnet. Im Gegensatz zu den Wechseljahren, bringt die Midlife Crisis jedoch keine körperlichen Symptome mit sich.

Andropause – welche Gründe gibt es?

Etwa ab dem 30. Lebensjahr nimmt der Testosteronspiegel beim Mann stetig ab.1 Das ist ein Teil des natürlichen Alterungsprozesses und ganz normal. Da das Sexualhormon im Körper jedoch an einer Reihe von Vorgängen (beispielsweise an Eiweißstoffwechsel und sexueller Erregung) beteiligt ist, kann ein veränderter Testosteronwert unter anderem Muskelabbau oder mangelnde sexuelle Aktivität auslösen.

Wie sehr die Testosteronproduktion beim Mann zurückfährt, ist unter anderem abhängig von seinem Alter und der genetischen Veranlagung. Einen festen Richtwert gibt es nicht. Der Wert sollte jedoch etwa zwischen 10 bis 40 nmol/l (Nanomol pro Liter) liegen.1

Allerdings kann Mann beruhigt sein – nur in seltenen Fällen liegt ein tatsächlicher, behandlungsbedürftiger Testosteronmangel vor. Dieser entsteht zum Beispiel, wenn der Hoden bei einem Unfall verletzt wurde und anschließend nicht mehr in der Lage ist, das Hormon herzustellen.

Was tun bei männlichen Wechseljahren?

Ob und in welchem Maß Sie bei Beschwerden tätig werden müssen, hängt von deren Art und Schweregrad ab. Wenn Sie hauptsächlich von psychischen Problemen, wie Stimmungsschwankungen, inneren Unruhen und Stress betroffen sind, ist es ratsam, für mehr Entspannung zu sorgen. Dabei kann Folgendes hilfreich sein:

  • Nehmen Sie sich bewusste Auszeiten im Alltag. Lesen Sie ein Buch oder gehen Sie eine Runde spazieren.
  • Wenn Sie gerade sowieso schon sehr angespannt sind, ist es empfehlenswert, dass Sie im Job etwas zurücktreten. Gehen Sie pünktlich zum Feierabend nach Hause und versuchen Sie abzuschalten.
  • Probieren Sie Entspannungstechniken. Yoga, Autogenes Training oder Mediation fördern das bewusste Innehalten im Moment und können dabei helfen, zur Ruhe zu kommen.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus und stehen Sie ständig unter Strom, sollten Sie überlegen, zur Behandlung einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Dieser kann Ihnen dabei helfen, mit Druck und Stress besser umzugehen.

Wirken Sie dem Muskelabbau entgegen!

Aufgrund des zurückgehenden Testosteronspiegels klagen viele Männer im mittleren Alter darüber, dass Sie an Gewicht zunehmen und Muskelmasse verlieren. Jedoch können Sie diesem Prozess bewusst entgegensteuern. Achten Sie auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung und verzichten Sie möglichst auf Alkohol sowie Zigaretten.

Bewegen Sie sich viel. Lassen Sie zum Beispiel das Auto stehen und fahren Sie mit dem Rad zur Arbeit oder gehen Sie zu Fuß einkaufen. Krafttraining stärkt zusätzlich einzelne Muskelpartien. Mit ausreichend körperlicher Aktivität sorgen Sie dafür, dass die hormonelle Umstellung keine größeren Auswirkungen auf Ihren Körperbau hat.

Wann ist der Gang zum Arzt zu empfehlen?

Männer im Klimakterium mit sexuellen Beschwerden, wie Erektionsstörungen oder einem vorzeitigen Samenerguss, sollten sich an einen Mediziner wenden. Ansprechpartner hierfür ist der Androloge (Spezialist für Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane) oder der Urologe (Facharzt für Erkrankungen des Harntrakts und der männlichen Geschlechtsteile).

Ein Experte kann andere Gründe für die Sexualstörungen ausschließen und einen Mangel an Testosteron mittels einer Blutuntersuchung feststellen. Falls der Testosteronanteil tatsächlich zu gering ist, leitet der Mediziner eine Hormonersatztherapie (künstlicher Ausgleich eines Hormonmangels durch Medikamente), beispielsweise mit Gels, Pflastern oder Kapseln, ein.

Vorsicht bei diesen Medikamenten

Bei Mitteln, die Verjüngung oder körperliche Fitness versprechen, sollten Sie hellhörig werden. Denn Hormonpräparate sind keine Wundermittel! Sie sollten diese daher zur Therapie immer nur nach der Absprache mit dem Arzt anwenden und keinesfalls auf eigene Faust. Besonders auch deshalb, weil sich Nebenwirkungen, wie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht vollständig ausschließen lassen. Außerdem kann bereits die Umstellung auf eine gesunde Lebensweise die Symptome der Wechseljahre lindern. Daher sollte dies immer der erste Schritt sein.

Pauline Zäh
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