Vasektomie – die Sterilisation des Mannes

25. April 2019
9 Min.

Die wichtigsten Fragen im Überblick:

  • Was passiert bei der Operation? – Samenleiter werden unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose durchtrennt, um das Austreten der Spermien zu verhindern
  • Wie lange dauert die Operation? – je nach Eingriff etwa 20 Minuten1
  • Ist die Operation rückgängig zu machen? – in den meisten Fällen ist das möglich, bedeutet jedoch einen erneuten Eingriff und eine Verminderung der Spermienqualität
  • Wird das Sexualleben beeinträchtigt? – die Versteifung des Gliedes und das Ejakulat bleiben (bis auf den Spermiengehalt) unverändert
  • Werden die Kosten übernommen? – die Beratung ist für alle Patienten kostenfrei, der Eingriff selbst muss aus eigener Tasche gezahlt werden

Für Männer, die keinen (zusätzlichen) Nachwuchs haben möchten, oder die beispielsweise ihrer Partnerin oder Frau die Verantwortung und Belastung des Verhütens abnehmen wollen, kommt eine Vasektomie infrage. Dieser vergleichsweise unkomplizierte und komplikationsarme Eingriff stellt die sicherste Form der Empfängnisverhütung auf Seiten des Mannes dar, bringt mitunter aber einige medizinische und psychische Folgen mit sich. Die Entscheidung sollte daher gut überlegt sein. Alles rund um Operation und mögliche Nebenwirkungen, lesen Sie hier.

Eine Vasektomie ist ein ca. 20 minütiger operativer Eingriff


Übersicht:

Wie wird bei einer Vasektomie operiert?

Die zugrunde liegende Absicht des etwa 20-minütigen Eingriffs besteht darin, die beiden vorhandenen Samenleiter im Hodensack des Mannes zu durchtrennen. Auf diese Weise werden die Spermien nachhaltig daran gehindert, über die Harnröhre aus dem Körper zu gelangen. Dem Arzt stehen dafür grundsätzlich zwei unterschiedliche Verfahren zur Verfügung:

  • Operation mit Skalpell: Bei der herkömmlichen Variante setzt der Mediziner – nach örtlicher Betäubung oder Vollnarkose – zwei Schnitte links und rechts am Hodensack. Durch die Öffnungen werden anschließend jeweils kleine Stücke der Samenleiter entfernt, wonach die losen Enden entweder vernäht oder beispielsweise mit Strom verödet werden. Die seitlichen Einschnitte müssen genäht werden.
  • Operation (fast) ohne Skalpell: Diese schonendere Variante besteht aus einer Punktierung der Haut des Hodensacks. Durch das dabei entstehende, kleine Loch führt der Arzt die Operationsinstrumente ein. Die Samenstranghüllen werden in der Folge lediglich angeritzt und gespreizt, um Zugang zu den Samenleitern zu erhalten. Nachdem der Arzt diese ein Stück aus der Hülle herausholt und durchtrennt, verödet er die entstehenden Enden mit Hitze und chemischen Substanzen (wie etwa Polidocanol) oder verschließt sie etwa durch eine spezielle Klemme, die im Körper verbleibt. Eine Naht am Hodensack ist bei diesem Eingriff nicht nötig. Es genügt, die Löcher mit Wundpflastern zu überkleben, bis sie von selbst wieder zuwachsen.

Der Hoden produziert nachdem der Eingriff durchgeführt wurde trotzdem weiterhin Spermien – diese werden jedoch vom Körper wieder aufgenommen (resorbiert). Somit enthält das Ejakulat des Mannes keine Spermien mehr, ist im Hinblick auf Konsistenz und Menge allerdings unverändert. Der Grund: Das männliche Ejakulat besteht zu weniger als einem Prozent aus Spermien – der Rest ist Samenflüssigkeit.2

Vasektomie rückgängig machen?

Grundsätzlich ist es möglich, die Sterilisation rückgängig zu machen. Es bedarf hierzu einer weiteren Operation, bei der die abgetrennten und verödeten Samenleiter wieder gelöst und erneut zusammengenäht werden. Die Wahrscheinlichkeit, die Fruchtbarkeit wiederherzustellen, liegt bei etwa 80 Prozent.3 Allerdings besteht ein hohes Risiko, dass im Anschluss nicht nur weniger Spermien vorhanden sind, sondern, dass diese auch an Mobilität verloren haben. Die Chance, nach der Wiederherstellung doch noch ein Kind zu zeugen, ist folglich etwas reduziert.

Was ist nach der Operation zu beachten?

Unmittelbar nach der Sterilisation ist Vorsicht geboten, denn die Zeugungsfähigkeit kann noch mehrere Monate vorhanden sein. Zur Sicherheit sollte der Geschlechtsverkehr hier – um keine ungewollte Schwangerschaft herbeizuführen – nicht ohne entsprechende Verhütung vollzogen werden. Grund sind in erster Linie die oberen Teile der Samenleiter, in denen sich noch sehr viele funktionierende Spermien befinden können. Als ein Bestandteil der Nachkontrolle, dient dem Arzt das sogenannte Spermiogramm. Dabei handelt es sich um das Ergebnis der Ejakulat-Analyse auf aktive Spermien, was in den Wochen und Monaten nach der Operation regelmäßig ermittelt wird. Erst wenn hierbei keine Spermien mehr vorgefunden werden, kann auf die herkömmlichen Verhütungsmittel wie etwa Kondome in der Regel verzichtet werden.

Für den Heilungsverlauf ist es zudem relevant, sich zumindest in der Woche nach der Operation körperlich zu schonen. Sehr leichte körperliche Betätigung ist meist schon am Folgetag möglich – schwere Arbeiten und Sport sollten aufgrund des Nachblutungsrisikos in dieser Woche jedoch gemieden werden. Zudem ist es zu empfehlen

  • sexuelle Handlungen jeder Art (Geschlechtsverkehr oder Masturbation) zu unterlassen, bis die Wunden ausreichend abgeheilt sind,
  • langes Sitzen in einer aufrechten Position zu vermeiden beziehungsweise sich so oft wie möglich hinzulegen, um Spannungen oder Druck an der Stelle des Eingriffs zu reduzieren und
  • bei vorhandenen Schmerzen den entsprechenden Bereich mit einer eingewickelten Kühlkompresse zu kühlen oder gegebenenfalls rezeptfreie Schmerzmittel (etwa Paracetamol oder Ibuprofen) einzunehmen.

Sollte es im Nachgang zu starken Blutungen, Schüttelfrost oder Fieber kommen, wenden Sie sich umgehend an den behandelnden Arzt.

Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen

Eins vorweg: die Potenz des Mannes bleibt auch nach der Vasektomie vollständig erhalten. Weder die Versteifung des Gliedes, noch der Samenerguss (Ejakulation) oder der männliche Hormonhaushalt ist von der Sterilisation betroffen. Dennoch kann mit einem solchen Eingriff für viele Männer eine nicht zu unterschätzende psychische Belastung einher gehen. Gerade das Selbstwertgefühl hinsichtlich der eigenen Fruchtbarkeit, mögliche Sorgen um das eigene sexuelle Verlangen oder Ängste in Bezug auf die aktuelle Liebesbeziehung können ein Grund dafür sein. Lassen Sie sich daher ausführlich von Ihrem Urologen beraten und besprechen Sie Ihre Bedenken mit dem Lebenspartner. Gegebenenfalls kann es auch hilfreich sein, sich Unterstützung von einem (Paar-) Therapeuten zu holen. Es ist sinnvoll, das Thema so offen wie möglich zu kommunizieren, um potenziellen Stress und damit verbundene Folgen (etwa eine reduzierte Libido), so gut es geht zu vermeiden.

Neben der seelischen Belastung sind zudem andere Komplikationen möglich, die sich beispielsweise durch Wundheilungsschmerzen in der Hodenregion äußern. Diese klingen für gewöhnlich jedoch schnell ab. Sollte dies nicht der Fall sein und die Schmerzen werden zu einer dauerhaften Beeinträchtigung, sprechen sie schnellstmöglich mit einem Arzt.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass es zu einem erneuten Zusammenwachsen der vorher unterbrochenen Samenleiter kommt. Dadurch können – trotz des Eingriffs – funktionstüchtige Spermien ins Ejakulat gelangen. Die Wahrscheinlichkeit einer sogenannten Rekanalisierung liegt jedoch für gewöhnlich nur zwischen 0,25 und 0,6 Prozent, weshalb sie als verhältnismäßig selten eingestuft wird.4

Was übernehmen die Krankenkassen?

Die Beratung im Vorfeld einer Vasektomie wird sowohl von den gesetzlichen als auch von den privaten Krankenkassen getragen. Sie ist demnach für jeden Patienten kostenfrei. Bezüglich der Operation sieht es anders aus: Weder für Kassen- noch für Privatpatienten werden die Kosten erstattet. Dieser Eingriff muss aus eigener Tasche gezahlt werden. In der Regel wird hier ein Betrag zwischen 300 und 400 Euro veranschlagt.5

Jan Zimmermann
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Medizinredakteur und Medienwissenschaftler
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