Wann Nierensteine gefährlich werden

28. Januar 2019
8 Min.

Die Niere – ein Organ, dem nicht besonders viel Beachtung geschenkt wird. Erst wenn sie Schwierigkeiten bereiten, schenkt auch Mann ihr etwas Aufmerksamkeit. Möglicher Störenfried: der Nierenstein. Erfahren Sie, wie er entsteht und wie die Behandlung aussieht.

Nierensteine verursachen Schmerzen bei einem Mann

Die Niere: Das Organ und seine Funktion

Bevor Sie mehr über Nierensteine (Nephroliten) erfahren, macht es Sinn, sich das dazugehörige Organ genauer anzusehen. Die bohnenförmigen Nieren – der Mensch besitzt zwei davon – liegen ungefähr auf Höhe der unteren Rippen, genauer gesagt unterhalb des Zwerchfells auf beiden Seiten der Wirbelsäule. Dabei befindet sich die rechte Niere aufgrund der ebenso dort angelegten Leber etwas weiter unten als ihr linker Gegenpart. Im Inneren ist jeweils das Nierenbecken, ein Hohlraum mit dem Ausgang zum Harnleiter – der Verbindung von Niere und Harnblase. Auf den oberen Enden der Nieren dockt jeweils eine Nebenniere an, die für die Hormonproduktion verantwortlich ist. So weit, so gut: Aber wofür brauchen wir die Nieren überhaupt?

Sie gelten als Hauptorgan des Harnsystems. Das komplette Blutvolumen (Gesamtblutmenge des Körpers) wird durch die Nieren gespült. Das Organ reguliert zum Beispiel den Blutdruck und das Ausscheiden von Stoffwechselprodukten sowie toxischen Substanzen. Es filtert sozusagen das Blut.

Die Entstehung von Nierensteinen

Wie bei so vielen anderen Organsystemen kann es auch in den Nieren zu Problemen kommen – zum Beispiel in Form von Nierensteinen. Diese entstehen, wenn bestimmte Substanzen in einer zu hohen Konzentration im Urin vorliegen. Dazu zählen:

  • Calcium
  • Phosphat
  • Oxalat (Salze)
  • Zystin (Aminosäure)
  • Harnsäure

Diese Bestandteile können sich zunächst zu kleinen Kristallen zusammenschließen – dem Nierengrieß. Im Lauf der Zeit wachsen diese Kristalle unter Umständen immer weiter und entwickeln im schlimmsten Fall sogar so eine Größe, dass sie das gesamte Nierenbecken füllen. Die Bildung der Nierensteine wird durch den pH-Wert des Urins beeinflusst. Dieser kann grundsätzlich zwischen 1 und 14 liegen, sollte sich aber im Idealfall im Bereich von 5 bis 6 einpendeln.1 Liegt der pH-Wert darunter, ist der Harn sauer, darüber basisch. Einige Nierensteine bevorzugen eine saure Umgebung, andere bilden sich dagegen vermehrt in basischer Flüssigkeit.

Schon gewusst?

Es gibt je nach chemischer Zusammensetzung unterschiedliche Formen von Nierensteinen. Die häufigste Art besteht aus Calciumsalzen. Genauer gesagt sind 80 bis 85 Prozent aller Nierensteine Calciumsteine.4

Die Ursachen von Nierensteinen

Auch wenn die Ursachen der Bildung von Nierensteinen nicht vollständig aufgeklärt ist, wissen Experten, dass einige Umstände die Entstehung begünstigen. Dazu zählen:

  • Erkrankungen: Zum Beispiel Krankheiten der Nebenschilddrüse führen zu einer gesteigerten Ausscheidung von Calcium über den Urin. Außerdem können Infektionen den pH-Wert des Harns verändern und somit die Entstehung von Nierensteinen begünstigen.
  • Einseitige Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel wie etwa Spinat, Rote Beete oder Kakao enthalten sehr viel Oxalsäure. Diese bildet gerne zusammen mit Calcium Nierensteine. Außerdem begünstigt eine stark eiweißhaltige Ernährung in Form von beispielweise übermäßigem Konsum Fleisch oder Milchprodukten die Bildung von Nierensteinen. Schuld ist der Stoff Purin, der besonders in tierischen Produkten vorkommt und bei übermäßiger Anreicherung Nierengrieß fördert.
  • Flüssigkeitsmangel: Eine zu geringe Trinkmenge sowie starkes Schwitzen, vor allem in den heißen Sommermonaten, führen zum Heranwachsen der Nierensteine. Da der Wasseranteil im Urin dann stark schwindet, ist die Konzentration der bildungsfördernden Substanzen überaus groß – weil sie nicht hinausgespült werden. Die Folge: Nierensteine bilden sich jetzt besonders einfach. Empfohlen wird eine Flüssigkeitsmenge von 1,5 Litern täglich.2 Schwitzen erfordert eine höhere Trinkmenge.
  • Fehlende Bewegung: Bei einer langen Bettlägerigkeit baut der Körper vermehrt Calcium aus den Knochen ab, welches über das Blut in die Nieren gelangt. Daraus entwickeln sich schließlich die Steine.
  • Familiäre Vorbelastung: Es ist nicht bewiesen, ob Nierensteine erblich bedingt sind. Häufig tritt aber die Bildung vermehrt innerhalb der Familie auf, was einen Hinweis auf diese Annahme gibt. Ebenso können falsche Essgewohnheiten, die ebenfalls in der Familie weitergegeben werden, die Ursache sein.

Nierensteine sind zwar keine Frage des Alters, dennoch sind besonders Menschen zwischen 40 und 60 Jahren und allen voran Männer betroffen. Bei ihnen treten Nierensteine sogar doppelt so häufig auf wie bei Frauen.3

Von Nierengrieß bis hin zu Steinen: Mögliche Symptome

Nierensteine variieren in ihrer Größe: von Nierengrieß (Größe eines Reiskorns) bis hin zu Nierenbeckenausgussteinen – also Exemplaren, die das komplette Nierenbecken ausfüllen und somit mehrere Zentimeter umfassen.4 Doch wie merken Sie überhaupt, dass Sie Nierensteine haben?

Nierengrieß ist meist unproblematisch und wird mithilfe einer gesteigerten Trinkmenge mit dem Harn herausgespült. Auch wenn die Steine etwas größer sind, aber ruhig im Nierenbecken liegen, bleiben Sie in der Regel unbemerkt und werden erst bei einer Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung entdeckt. Ist der Stein allerdings sehr groß, verursacht er bei Bewegung oder beim Abführen starke Schmerzen. Im schlimmsten Fall passt er nicht mehr durch die Harnröhre und verstopft diese. Eine Kolik (krampfartige Schmerzen) ist die Folge. Grundsätzlich können Nierensteine an folgenden Symptomen erkannt werden:

Als Folge der Nierensteine können Komplikationen in Form von Nierenbeckenentzündungen, Harnwegsinfektionen oder im schlimmsten Fall Nierenversagen auftreten. Deswegen ist die Behandlung von vor allem größeren Nephroliten dringend angeraten.

Bye, Bye Nierensteine – so sieht die Behandlung aus

Wenn Sie den Verdacht auf Nephroliten hegen, zögern Sie nicht zum Hausarzt oder Urologen zu gehen. Auch wenn dieser Schritt den meisten Männern sehr schwerfällt, sollten Sie in dem Fall nicht nachlässig sein, um Schlimmeres zu vermeiden. Der Mediziner geht durch ein Anamnesegespräch (systematische Befragung zur Krankengeschichte) den Ursachen der Beschwerden auf den Grund und macht mithilfe einer Blut- und Urinuntersuchung potentielle Nierensteine ausfindig. Eine folgende Ultraschall- und Röntgenuntersuchung gibt Aufschluss über die Größe, Menge und Lage der Steine.

Während Nierengrieß und kleinere Steine meist mit viel Wasser selbst ausgeschieden werden, muss bei größeren Kalibern der Experte ran. Folgende Maßnahmen zur Behandlung von Nierensteinen stehen ihm zur Verfügung:

  • medikamentöse Therapie (Auflösung der Steine durch Arzneistoffe)
  • extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (Zertrümmerung der Steine durch fokussierte mechanische Druckwellen unter Röntgen- oder Ultraschallkontrolle)
  • perkutane Nephrolitholapaxie (Zerkleinerung des Steins in der Niere durch einen Zugangskanal von außen)
  • operative Steinextraktion (Entfernung durch Operation oder Bauchspeichelspiegelung)
Vorbeugung: Wenn Sie zur Bildung von Nierensteinen neigen, sollten Sie in erster Linie viel trinken. Die Flüssigkeitszufuhr muss auf zweieinhalb bis drei Liter Wasser oder ungesüßten Tee täglich erhöht werden.5 Verzichten Sie auf tierisches Eiweiß und setzen Sie dafür auf eine salz- und fettarme sowie ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

Welche Behandlung Ihrer Nierensteine die beste für Sie ist, werden Sie nur erfahren, wenn Sie zum Arzt gehen. Also zögern Sie nicht und vereinbaren Sie am besten noch heute Ihren Termin.