Spermiogramm: Samenflüssigkeit auf dem Prüfstand

17. September 2018
7 Min.

In Deutschland bleibt jede siebte Partnerschaft aufgrund von biologisch-medizinischen Gründen ungewollt kinderlos.1 In 40 Prozent der Fälle ist die Frau in ihrer Fruchtbarkeit beeinträchtigt oder unfruchtbar, zu je einem Drittel sind die Ursachen in der Zeugungsunfähigkeit des Mannes oder auf beiden Seiten der Partnerschaft zu suchen.2 Beim Mann ist die Qualität der Spermien entscheidend. Diese wird mit Hilfe eines Spermiogramms analysiert.

Bei einem Spermiogramm analysiert der Urologe das in einen Laborbehälter abgegebene Sperma und notiert daraufhin die Ergebnisse.

Der erste Schritt zum Spermiogramm: Die Ejakulatsabgabe

Wenn Sie ein Spermiogramm anfertigen lassen möchten, ist der Facharzt für Urologie oder Reproduktionsmedizin der richtige Ansprechpartner. Für diese Diagnosemethode wird das Sperma (Ejakulat) des Mannes benötigt, das er durch Masturbation gewinnt. Um bei der Probengewinnung ungestört zu sein, kann er sich in einen separaten Raum der Praxis zurückziehen. Männer, denen das unangenehm ist und die ihre Samenprobe lieber zuhause abgeben möchten, können sich vorab ein geeignetes Transportgefäß von der Praxis beziehungsweise dem Labor aushändigen lassen.

Nach dem Samenerguss läuft die Zeit – innerhalb einer Stunde muss mit dem Spermiogramm, der mikroskopischen Untersuchung und Beurteilung des Spermas, begonnen werden.3 Vor dem Termin zur Spermienabgabe gilt es, eine Karenzzeit (Zeit ohne Samenerguss) von mindestens zwei Tagen einzuhalten.4 Wird diese Voraussetzung nicht erfüllt, ist eine geringere Spermiendichte die Folge.

Spermagewinnung: So lieber nicht

Um gute Voraussetzungen für die Erstellung des Spermiogramms zu schaffen, sollten Sie auf Folgendes verzichten:

  • Kondome zum Transport des Ejakulats: Aufgrund ihrer häufig spermienabtötenden Beschichtung sind Kondome ungeeignet.
  • Gleitgel: Verzichten Sie auf Gleitgele bei der Masturbation – sie beeinflussen die Beweglichkeit der Spermien negativ.
  • Koitus interruptus (unterbrochener Geschlechtsverkehr): Das saure Scheidensekret führt dazu, dass Spermien schnell absterben.

Übrigens: Im Gegensatz zu einer ärztlich veranlassten Urinprobe, bei der eine kleine Menge ausreichend ist, sollte das Sperma komplett aufgefangen werden, da auch das Volumen der Probe bewertet wird.

Sperma unter dem Mikroskop: Was ist drin?

Bei einem Spermiogramm findet im Labor sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Analyse der Samenzellen statt. Das Sperma wird auf zahlreiche Faktoren untersucht, beispielsweise:

  • Volumen: Normal ist ein Volumen von mindestens 1,5 Millilitern.
  • Geruch: Sperma ähnelt dem Geruch von Kastanienblüten, bei vorliegenden Infektionen beispielsweise riecht es faulig, übelriechend.
  • Farbe: Überprüft wird, ob das Sperma gräulich-weiß und durchscheinend ist. Eine rötlich-bräunliche Verfärbung kann auf eine Blutbeimengung hinweisen, eine gelbliche auf eine Infektion.
  • pH-Wert: Daran lässt sich zum Beispiel ablesen, ob ein Verschluss der ableitenden Samenwege vorliegt. Ein pH-Wert von 7,2 bis 8,0 liegt im Normalbereich.5 Während ein einseitiger Verschluss noch durch die Gegenseite ausgeglichen wird, sind bei einem beidseitigen keine Spermien mehr im Ejakulat nachweisbar.
  • Fruktosegehalt (Fruchtzucker): Liegt der Wert unter 13 Mikromol, deutet das auf einen Verschluss der ableitenden Samenwege hin.4
  • Spermienanzahl gesamt: Die Masse macht´s – mindestens 40 Millionen Spermien pro Samenerguss sollten es sein.5
  • Beweglichkeit (Motilität): Mindestens 50 Prozent der Spermien sollten sich vorwärtsbewegen.4
  • Vitalität: Bei der Prüfung dieses Parameters kommt der Farbstoff Eosin zum Einsatz. Nur avitale (tote) Spermien nehmen diesen auf. Es müssen mindestens 58 Prozent vital sein.6
  • Morphologie: Im Rahmen des Spermiogramms wird auf ein normales Aussehen der Spermien mit Kopf, Hals und Schwanz geachtet. Normalgeformt sollten mindestens vier Prozent der Spermien sein.7
  • Leukozytenzahl (weiße Blutkörperchen): Dieser Parameter gibt beispielsweise Hinweise auf Entzündungen im Bereich der Samenwege.

Die Ergebnisse der mikroskopischen Untersuchung fasst der Urologe auf einem Übersichtsbogen zusammen und bespricht den Befund des Spermiogramms im Anschluss mit dem Patienten.

Die zwei Einsatzgebiete eines Spermiogramms

Nicht nur bei unerfülltem Kinderwunsch findet das Spermiogramm Anwendung, sondern auch nach einer Vasektomie (Sterilisation), wenn Männer keine Kinder (mehr) zeugen möchten. Das Spermiogramm zeigt, ob der operative Eingriff erfolgreich war und keine Spermien mehr im Ejakulat enthalten sind.

Das Ergebnis des Spermiogramms ist da

Ein Spermiogramm ist immer eine Momentaufnahme. Die Qualität der Spermien unterliegt natürlichen Schwankungen, daher gibt der Mann zwei Proben im Abstand von einer Woche bis drei Monaten ab, damit der Urologe eine sichere Diagnose stellen kann.8 Ein einmaliges Spermiogramm unterhalb der Normwerte bedeutet also nicht automatisch, dass der Mann zeugungsunfähig ist. Es zeigt erst einmal nur, dass die Notwendigkeit besteht, eine weitere Probe abzugeben und der Ursache zusammen mit dem behandelnden Arzt auf den Grund zu gehen.

Gründe, warum es mit dem Nachwuchs nicht klappt, sind zahlreich. Neben krankheitsbedingten Ursachen wie bakteriellen Entzündungen im Bereich der ableitenden Samenwege, gibt es genitale Fehlbildungen, die die Spermienreifung behindern, beispielsweise den Hodenhochstand. Dabei befinden sich die Hoden außerhalb des Hodensacks. Aber auch Faktoren wie Medikamenteneinnahme (beispielsweise Chemotherapeutika), Schadstoffe in der Umwelt, Stress sowie Alkohol- und Nikotinmissbrauch wirken sich negativ auf die Fruchtbarkeit aus.

Was Man(n) für eine bessere Spermienqualität tun kann

Zeigt das Spermiogramm, dass die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigt ist, heißt das noch nicht, dass Sie den Kinderwunsch sofort begraben müssen. Ihr Urologe berät Sie ausführlich zu Therapiemöglichkeiten sowie zur weiteren Vorgehensweise.

Generell kann ein gesunder Lebensstil dazu beitragen, die Fruchtbarkeit des Mannes zu erhöhen, beispielsweise durch den Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie das Vermeiden von Stress. Eine gesunde Ernährung spielt ebenfalls eine Rolle – auch wenn die Studienlage noch etwas dünn ist, scheint es einen positiven Zusammenhang zwischen der Gesamtzahl der beweglichen Spermien und der Ernährung mit Vitamin C (beispielsweise in Schwarzen Johannisbeeren und Paprika), Beta-Carotin (enthalten zum Beispiel in Möhren und Süßkartoffeln) und Lycopin (reichlich zu finden in Tomaten) zu geben.9

Darüber hinaus gibt es hormonelle Stimulationstherapien, die die Samenbildung anregen. Dabei wird beispielsweise das körpereigene Hormon FSH (follikelstimulierendes Hormon), das für die Reifung der Spermien verantwortlich ist, medikamentös erhöht. Möglich ist auch eine Therapie mit motilitätsbeeinflussenden Medikamenten. Selbstverständlich gibt es je nach Ursache weitere Möglichkeiten der Behandlung. Unter Berücksichtigung Ihrer individuellen Situation wird der Urologe passende Therapievorschläge mit Ihnen besprechen.

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