Vasovasostomie – die Refertilisierung des Mannes

25. April 2019
7 Min.

Die wichtigsten Fragen:

  • Was geschieht bei der Vasovasostomie? – die bei der Sterilisation durchtrennten Samenleiter werden wieder verbunden
  • Ist der Eingriff schmerzhaft? – es wird immer unter Vollnarkose operiert, weshalb keine Schmerzen zu spüren sind
  • Wie hoch sind die Chancen, wieder fruchtbar zu werden? – die Wahrscheinlichkeit, wieder Kinder zeugen zu können, ist mit 70 bis 95 Prozent relativ hoch
  • Was kostest die Operation? – aufgrund ihrer Komplexität, kann sie mehrere Tausend Euro kosten

Männer, die sich für eine Sterilisation (Vasektomie) entscheiden, möchten in ihrer aktuellen Lebenssituation beispielsweise keinen (weiteren) Nachwuchs oder ihnen ist es wichtig, die Partnerin bei der Verhütung durch die Pille zu entlasten. Nicht selten ändern sich die Lebensumstände jedoch – etwa durch eine neue Lebenspartnerin – und der Kinderwunsch kehrt möglicherweise zurück. In einem solchen Fall kommt die sogenannte Refertilisierung (Vasovasostomie) infrage. Wie dieser Eingriff abläuft, wie hoch die Erfolgschancen sind und was vor und nach der Operation zu beachten ist, lesen Sie hier.

Urologe führt eine Vasovasostomie durch.

Voruntersuchungen und Vorbereitungen für die Refertilisierung

Nach einem aufklärenden Gespräch mit dem Patienten über die Erfolgsrate der Operation und die Wahrscheinlichkeit einer eintretenden Schwangerschaft der Partnerin, untersucht der Urologe den Hoden im Vorfeld per Ultraschall. So erhält er einen ersten Eindruck der individuellen körperlichen Gegebenheiten und kann gegebenenfalls Risiken (etwa Infektionen der Samenwege) einschätzen und diesen vorbeugen. Des Weiteren ist eine Blutuntersuchung notwendig, die Aufschluss darüber gibt, ob unter anderem das follikelstimulierende Hormon (FSH) nachzuweisen ist. Dieses ist am Prozess der Spermienproduktion im Hoden beteiligt und zeigt je nach Vorkommen an, ob dort noch Spermien produziert werden und ob die Vasovasostomie demnach überhaupt erfolgversprechend ist.

Gut zu wissen:

Neben Alkohol und Zigaretten sollten, in Vorbereitung auf den Eingriff, auch keine blutverdünnenden Medikamente eingenommen werden. Letztere können zu einem erhöhten Risiko für Blutungen nach dem Eingriff sorgen. Ihr behandelnder Arzt informiert Sie im Detail, für wie lange die Medikamente abgesetzt werden können.

Wie läuft die Operation bei der Vasovasostomie ab?

Die Vasovasostomie ist die operative Verbindung der Samenleiter im Hodensack, die bei einer Sterilisation durchtrennt werden. Auf diese Weise wird versucht, die Zeugungsfähigkeit des Mannes wieder in Gang zu setzen. Die Erfolgchancen – also die Wahrscheinlichkeit, dass die Samenleiter wieder durchlässig werden und den Samen aus den Hoden führen können – liegen zwischen 70 und 95 Prozent.1 Sie sind demnach als vergleichsweise hoch einzustufen. Zu bedenken ist dabei: Je länger die Vasektomie zurück liegt, desto geringer sind die Chancen einer erfolgreichen Refertilisierung.

Beim operativen Eingriff, der der vorangegangenen Vasektomie nicht unähnlich ist, setzt der behandelnde Arzt kleine Schnitte seitlich am Hodensack. Für gewöhnlich findet die Operation unter Vollnarkose statt und ist daher völlig schmerzfrei. Die Samenleiter werden freigelegt und die vernarbten Enden, die durch das Durchtrennen entstanden sind, werden entfernt. In der Folge tritt aus den offenen Stellen Flüssigkeit aus, die der behandelnde Arzt umgehend mikroskopisch untersucht. Beinhaltet sie eine ausreichende Anzahl befruchtungsfähiger Spermien, können die Samenleiter direkt miteinander verbunden werden. Dies geschieht durch das vernähen der Gewebsschichten der Samenleiter mit sehr feinen Stichen unter Zuhilfenahme eines speziellen Mikroskops.

Schon gewusst?

Der innere Durchmesser der Samenleiter (auch Lumen genannt) beträgt lediglich 0,3 bis 0,4 Millimeter.2 Aus diesem Grund ist die Operation der Refertilisierung beim Mann schwierig und nur mit filigranen mikrochirurgischen Instrumenten möglich. Anders als die verhältnismäßig günstige Vasektomie, kann der Preis für eine Vasovasostomie stark variieren und bis zu mehreren Tausend Euro kosten. Informieren Sie sich daher im Vorfeld ausführlich, da die Kosten von den Krankenkassen nicht übernommen werden.

Befindet sich in der Flüssigkeit eine zu geringe Anzahl funktionstüchtiger Spermien – etwa, weil kleine Wucherungen in den Nebenhoden (Nebenhoden-Granulom) die kleinen Samenkanälchen verschließen – wird der Samenleiter direkt an das noch feinere Nebenhodenkanälchen angeschlossen, wo sich mit höherer Wahrscheinlichkeit noch intakte Spermien befinden. Diese sogenannte Tubulovasostomie ist jedoch in der technischen Umsetzung sehr anspruchsvoll und mit einem höheren Risiko des Scheiterns verbunden. Die beiden hier genannten Operationsverfahren können ambulant, also ohne anschließenden Aufenthalt im Krankenhaus durchgeführt werden. Gegebenenfalls empfehlen manche Krankenhäuser dennoch eine Nacht zur Überwachung dort zu bleiben.

Was ist nach der Refertilisierung zu beachten?

Komplikationen nach der Vasovasostomie sind in der Regel selten. Trotzdem kann es nach dem Eingriff zu folgenden Beschwerden kommen:

  • Nachblutung
  • Bluterguss am Hoden
  • Schwellung der Hoden
  • Infektion der Nebenhoden

Vor allem im Falle starker Nachblutungen und bei Schmerzen, die auf eine Infektion hindeuten können, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen. Blutergüsse klingen von selbst ab und Schwellungen lassen sich etwa durch das Kühlen mit Kühlkompressen gut lindern.

Wichtig ist zudem, dass Sie sich in der Woche nach der Operation schonen. Es hilft zusätzlich, eine engere Unterhose zu tragen, die den Hodensack besser stützt. Auf diese Weise können mögliche Schmerzen (durch übermäßige Bewegung) vermieden und der Heilungsverlauf verbessert werden. Gehen Sie in dieser Woche ebenfalls keinen schweren körperlichen Arbeiten (wie etwa Umzügen oder Gartenarbeiten) nach. Auch Sport und langes Sitzen ist nicht zu empfehlen. Mit dem Geschlechtsverkehr und der Masturbation sollte mindestens drei Wochen gewartet werden. So vermeiden sie potenzielle Risiken bei der Heilung und mögliche Folgebeschwerden wie etwa Verengungen (Strikturen) oder Geschwülste (Granulome) im Bereich der Hoden und Samenleiter.3 Nach der Refertilisierung kann es zudem bis zu 15 Monate dauern, bis die Fruchtbarkeit vollständig wiederhergestellt ist.3 Die Qualität der Spermien wird vom Arzt mittels eines speziellen Analyseverfahrens (Spermiogramm) im Anschluss an die Operation immer wieder geprüft.

Jan Zimmermann
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Medizinredakteur und Medienwissenschaftler