Wenn der Eichel der Platz fehlt – die Vorhautverengung

28. Juni 2018
7 Min.

Da stimmt doch etwas nicht: Sieht der Penis „merkwürdig“ aus und kommen Schmerzen hinzu, machen sich Männer verständlicherweise Sorgen. Eine Vorhautverengung (Phimose) könnte schuld an dem Unbehagen sein. Worum es sich dabei handelt, woran Sie diese erkennen und wie die Behandlung beim Urologen aussieht, lesen Sie hier.

Mann untersucht seinen Penis mit einer Lupe, um eine Vorhautverengung feststellen zu können


Im Überblick:


Was ist eine Vorhautverengung?

Die Vorhautverengung wird auch als Phimose bezeichnet. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um eine Verengung der Vorhaut. Sie kann angeboren sein oder erst im Laufe des Lebens auftreten. Grundsätzlich besteht die Vorhaut aus zwei Teilen: einem sogenannten äußeren Blatt (von außen sichtbar) und einem inneren Blatt (an der Eichel anliegend). Normalerweise lässt sich die Vorhaut problemlos und schmerzfrei vor- und zurückschieben – nicht jedoch bei einer Vorhautverengung. Eine Phimose zeichnet sich dadurch aus, dass die Vorhaut nicht oder nur sehr schwer über die Eichel zurückgestrichen werden kann. Außerdem gibt es noch die relative Phimose. Bei dieser ist es zwar möglich, die Vorhaut beim erschlafften Penis vor- und zurückzubewegen, selbiges ist im erigierten Zustand aber nicht durchführbar.

Die Frage nach dem „Warum“: Ursachen einer Phimose

Je nachdem, um welche Form von Vorhautverengung es sich handelt, liegen dem Problem verschiedene Auslöser zugrunde:

  • Angeborene Phimose: In rund 96 Prozent der Fälle haben Jungen zum Zeitpunkt der Geburt eine Vorhautverengung beziehungsweise Vorhautverklebung – hiervon ist das innere Blatt betroffen. Dabei handelt es sich um eine Art Schutzmechanismus, der den Urin von der Eichel fernhält. Bei dieser Form geht die natürliche Phimose bis zu einem Alter von drei bis fünf Jahren von selbst zurück.1 Verschwindet die Vorhautverengung nach dem fünften Lebensjahr nicht, spricht man von einer angeborenen Phimose. Bis zum Alter von fünf Jahren ist also keine Unterscheidung zwischen angeborener oder erworbener Phimose möglich.
  • Erworbene Phimose: Bei Erwachsenen tritt sie meist infolge von Verletzungen oder widerkehrenden Infektionen der Vorhaut auf. Schuld an solchen Entzündungen können beispielsweise eine unerkannte Zuckerkrankheit (Diabetes) oder Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus sein. Die Vorhaut verengt sich dann meist durch Vernarbung und lässt sich nicht mehr richtig zurückziehen.

Vorsicht!

Eine zunächst angeborene Phimose kann sich auch zu einer erworbenen Form (sekundäre Phimose) entwickeln, wenn die Vorhaut im Baby- oder Kleinkindalter gewaltsam zurückgeschoben wird. Dadurch entstehen Schleimhautrisse und Vernarbungen, welche die Vorhaut wieder verengen.

Symptome der Vorhautverengung – woran erkennt man die Phimose?

Eine Vorhautverengung macht sich meist durch eindeutige Beschwerden und eine charakteristische Optik (rüsselartige Verlängerung) der Vorhaut bemerkbar. Folgende Symptome sind mit einer Phimose in Verbindung zu bringen:

  • vollständiges Zurückziehen der Vorhaut ist nicht möglich (im nicht erigierten, aber auch im erigierten Zustand)
  • Behinderung der Erektion oder Ejakulation
  • Schmerzen während Erektion und Geschlechtsverkehr
  • Probleme beim Wasserlassen (sehr selten treten als Folge Harnentleerungsstörungen auf)
  • Entzündung der Eichel und Vorhaut

Eine Phimose an sich muss also nicht zwingend behandelt werden. Verursacht sie aber Schmerzen oder Beschwerden beim Wasserlassen, ist ein Arztbesuch dringend anzuraten.

Sonderfall:

Eine besondere Form der Vorhautverengung ist die Paraphimose. Dabei lässt sich die zu enge Vorhaut nicht mehr über die Eichel zurückziehen und es entsteht ein regelrechter Schnürring — der sogenannte „Spanische Kragen“. Eichel und Vorhaut schwellen schmerzhaft an und werden, bedingt durch die Einschnürung, schlechter durchblutet. Die Paraphimose gilt als urologischer Notfall, da im schlimmsten Fall Gewebe absterben kann.

Muss es gleich eine OP sein? So wird die Phimose behandelt

Die Diagnose „Phimose“ stellt bereits der Kinderarzt oder ein Urologe (Facharzt für harnbildende- und ableitende Organe sowie männliche Geschlechtsorgane). Er entscheidet auch, ob die Verengung therapiert werden muss beziehungsweise welche der folgenden Behandlungen am besten geeignet ist:

  • Konservativ: Die Anwendung kortisonhaltiger Salben gilt bei der Therapie einer Phimose als Erfolg versprechend. Alternativ verwenden Ärzte auch testosteronhaltige Cremes. In beiden Fällen wird die Salbe behutsam (meist zweimal täglich) auf die Spitze der Eichel aufgetragen.2 Nach rund zwei Wochen kann der Patient (oder dessen Eltern) die Vorhaut selbst wieder vorsichtig zurückschieben.3 Die Heilungschancen liegen bei rund 90 Prozent, wobei jedoch die Gefahr eines wiederholten Auftretens relativ hoch ist.4
  • Operativ: Bei der sogenannten Zirkumzision (Beschneidung) wird die Vorhaut entweder nur teilweise (vorhauterhaltende Operation) oder vollständig entfernt (Komplettbeschneidung). Letztere Methode findet Anwendung, wenn das Wiederauftreten einer Phimose, beispielsweise durch Narbenbildung, verhindert werden soll. Dabei entfernt der Arzt die Vorhaut soweit, dass die Eichel gänzlich frei liegt. Während die Operation bei Erwachsenen unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird, erfolgt bei Kindern üblicherweise eine Vollnarkose. Die Operation gilt als kleiner Eingriff und dauert in der Regel nicht länger als 15 bis 20 Minuten.5

Neben dem Vorteil, dass nach der Beschneidung keine krankhafte Phimose mehr auftreten kann, sinkt mit ihr auch das Risiko von Krebs am männlichen Geschlechtsorgan. Grund dafür ist, dass sich das sogenannte Smegma — ein gelblich-weißes Sekret aus den Talgdrüsen unter der Vorhaut, das als Mitverursacher für Krebs gilt — nicht mehr so leicht bilden und ansammeln kann. Generell nimmt mit einer Beschneidung ebenso das Infektionsrisiko ab, beispielsweise durch das humane Papillomavirus, das als Auslöser für Feigwarzen gilt.

Zu den Nachteilen zählen die typischen Risiken von Operationen, wie Nachblutungen oder Wundinfektionen. Gleichzeitig kann durch eine solche Operation auch das Lust- oder Orgasmusempfinden beeinträchtigt werden. Es empfiehlt sich also, eine Beschneidung nicht ohne triftige medizinische Begründung durchführen zu lassen.

Jan Zimmermann
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Medizinredakteur und Medienwissenschaftler
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