Blasenspiegelung – einen Blick ins Innere der Blase werfen

28. Januar 2019
6 Min.

Probleme bei der Blasenentleerung, wiederholte Entzündungen der Harnblase – es gibt viele Symptome und Erkrankungen, aufgrund derer der Urologe eine Blasenspiegelung veranlasst. Bei dieser Untersuchung schiebt der Arzt ein optisches Untersuchungsinstrument (Zystoskop) über die Harnröhre bis zur Blase vor, um diese zu betrachten. Erfahren Sie mehr zum Ablauf und Nutzen des nur wenige Minuten dauernden Eingriffs.

Illustration einer Blasenspiegelung, bei der ein Zystoskop in die Harnröhre eingeführt wird.

Mehr als eine Diagnosemethode – die Blasenspiegelung

Eine Blasenspiegelung, auch Zystoskopie genannt, zählt zu den gängigen Diagnosemethoden, die dem Urologen zur Verfügung stehen, wenn beispielsweise der Verdacht auf eine Harnblasen- oder Harnröhrenerkrankung besteht.

Beispiele für Erkrankungen und Symptome, bei denen der behandelnde Arzt dazu rät, eine Blasenspiegelung durchzuführen, sind

  • Blasenentleerungsstörungen,
  • Blut im Urin,
  • Harnröhrenverengungen,
  • Polypen (Wucherungen),
  • Divertikel (Ausstülpungen der Harnblasenwand),
  • häufig wiederkehrende Entzündungen der Harnröhre oder –blase,
  • vergrößerte Prostata (die Zystoskopie zeigt in diesem Fall, dass sich die Prostata ins Innere der Blase vorwölbt),
  • Verdacht auf Blasentumor (bestätigt sich dieser, kann der Arzt mittels des Eingriffs abschätzen, wie weit der Tumor fortgeschritten ist)

Doch die Anwendungsgebiete der Blasenspiegelung gehen über die reine Betrachtung von innen hinaus. Sie ermöglicht es dem Urologen auch, beispielsweise Proben von tumorverdächtigem Gewebe zu entnehmen (Biopsie).

Mit entsprechenden Instrumenten, die der Arzt über die Arbeitskanäle im Zystoskop einführt, sind auch kleinere chirurgische Eingriffe möglich, unter anderem um

  • bestehende Verengungen, Harnleiter- und Blasensteine sowie oberflächliche Tumore zu entfernen,
  • Blutungen zu stillen (durch Verödung) oder
  • Harnleiterschienen einzulegen.

Eine Harnleiterschiene ist ein Plastikröhrchen, das der Arzt zystoskopisch einführt, wenn der Patient unter einer Harnstauung leidet, das heißt, der Urin nicht richtig abfließen kann. Verursacher sind beispielsweise Harnsteine, die sich im Harnleiter festgesetzt haben. Die eingesetzte Harnleiterschiene soll einen ungestörten Urinfluss von der Niere in die Blase gewährleisten.

Gewusst?

Der Urin sammelt sich in der Harnblase, deren Fassungsvermögen beim männlichen Geschlecht übrigens 400 bis 600 Milliliter beträgt. Von dort findet der Urin dann über die Harnröhre, die beim Mann circa 20 Zentimeter lang ist, seinen Weg aus dem Körper.1

Das passiert bei einer Blasenspiegelung

Zur Blasenspiegelung nutzt der Urologe ein Zystoskop, ein optisches Gerät, das die Form eines dünnen Rohrs oder Schlauchs hat. An dessen Spitze ist ein Kameraaufsatz angebracht. Die Bilder werden an einen Monitor übertragen.

Es gibt starre und flexible Zystoskope, die beide ihre Vor- und Nachteile haben:

  • Ein starres Gerät bietet größere Arbeitskanäle, über die Hilfsinstrumente eingeschoben werden können, um zum Beispiel Harnleitersteine zu entfernen.
  • Das Gute an einem flexiblen Zystoskop ist, dass es sich besser dem Harnleiterverlauf anpasst und der Patient bei dieser Variante auch auf dem Rücken oder der Seite liegen kann, während er sich bei der Blasenspiegelung mit einem starren Zystoskop in der sogenannten Steinschnittlagerung (SSL) befinden muss.

Steinschnittlagerung – wie sieht diese aus?

Der Patient befindet sich zwar auch auf dem Rücken, jedoch liegen sind die angewinkelten Beine dabei auf Stützen. Außerdem sind sie etwas gespreizt, sodass die Oberschenkel, wenn man am Fußende des Patienten sitzt, eine V-Form bilden.

Um die anatomischen Gegebenheiten genau sehen und beurteilen zu können, wird die Harnblase bei der Blasenspiegelung mit einer sterilen Spülflüssigkeit gefüllt, so dehnt sie sich aus.

Ist eine Zystoskopie mit Schmerzen verbunden?

In der Regel tut der Eingriff nicht weh, kann aber als unangenehm empfunden werden. Im Vorfeld wird die Harnröhre durch das Einspritzen eines örtlichen Betäubungsmittels lokal betäubt (bei gleichzeitigen chirurgischen Eingriffen erfolgt eine Vollnarkose). Da die Harnröhre nach der Zystoskopie gereizt ist, kann der Gang auf die Toilette von einem brennenden Gefühl begleitet sein. Auch ein vermehrter Harndrang ist möglich. Zu den seltenen Komplikationen gehören beispielsweise Verletzungen der Harnröhre und –blase durch die eingeführten Instrumente.

Ambulant oder stationär?

Die Zystoskopie wird in den meisten Fällen ambulant durchgeführt, das heißt der Patient muss nach dem Eingriff nicht in der urologischen Praxis oder Klinik bleiben.

Nach der Blasenspiegelung sollten Sie darauf achten, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen – sofern Ihr Arzt Ihnen nichts Gegenteiliges mitgeteilt hat oder individuelle medizinische Gründe dagegensprechen. Der Hintergrund: Die Blase sollte gründlich ausgespült werden, um möglicherweise bei der Zystoskopie eingedrungene Keime auszuscheiden.

Beachten: Keine Zystoskopie während einer Infektion

Leidet der Patient gerade an einem Harnwegsinfekt, sollte keine Blasenspiegelung gemacht und abgewartet werden, bis sich die Beschwerden gebessert haben. Aufgrund einer möglichen Keimverschleppung besteht sonst die Gefahr, die Infektion dadurch erheblich zu verschlimmern. Auch wenn eine akute Harnröhren-, Nebenhoden- oder Prostataentzündung besteht, sollte eine Zystoskopie – wenn überhaupt – nur dann erfolgen, wenn der Patient vorab eine vorsorgliche medikamentöse Therapie mit Antibiotika erhalten hat.