Harnröhrenabstrich: Wichtige Methode zur Diagnosesicherung

20. Mai 2019
5 Min.

Harnwegsinfekte – ein Problem, das ausschließlich Frauen betrifft? Nicht ganz. Zwar haben sie wesentlich häufiger damit zu kämpfen als Männer, was an der wesentlich kürzeren, weiblichen Harnröhre liegt. Denn sie begünstigt das Aufsteigen der Bakterien in die Blase. Was nicht ausschließt, dass auch Männer mit unangenehmen Symptomen wie Schmerzen, Brennen, Jucken und Stechen im Intimbereich Hilfe in einer urologischen Praxis suchen. Ein Abstrich der Harnröhre und die anschließende mikrobiologische Untersuchung des Sekrets im Labor zeigt, welche Erreger die Beschwerden auslösen.

Infos zum Harnröhrenabstrich zusammengefasst

  • Wann und warum? Diese Diagnosemethode wird bei Verdacht auf eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) angewendet, um das beim Abstrich gewonnene Harnröhrensekret im Labor untersuchen zu lassen.
  • Wie? Der Arzt führt einen dünnen Watteträger in die Harnröhre ein.
  • Tut's weh? Leider ja, vor allem bei einer akuten Urethritis.
  • Muss das wirklich sein? Ja. Bleibt die Entzündung unbehandelt, sind Komplikationen wie eine Harnröhrenenge möglich. Auch eine Infektion der Hoden, Nebenhoden oder Prostata ist nicht auszuschließen, sollte die Infektion von Chlamydien (sexuell übertragbare Bakterien) herrühren und diese nicht ärztlich behandelt werden.
  • Den Partner einweihen? Ja. Ist eine Geschlechtskrankheit der Grund für die Harnröhrenentzündung, muss auch der Partner gegebenenfalls behandelt werden, um eine Reinfektion zu vermeiden (Ping-Pong-Effekt).
Ein Abstrich der Harnröhre zeigt unter dem Mikroskop, welche Erreger Probleme verursachen

Symptome einer bakteriellen Infektion der Harnröhre

Sicher gibt es Angenehmeres, als einen Arztbesuch beim Urologen zu vereinbaren. Trotzdem sei Ihnen genau das ans Herz gelegt, wenn Sie Symptome wie

  • Brennen oder Jucken in der Harnröhre und/oder
  • Ausfluss aus der Harnröhre

feststellen. Meist sind sexuell übertragbare Erkrankungungen für eine Harnröhrenentzündung verantwortlich.1 Ist der Ausfluss gelblich-rahmig, vor allem morgens, kann das ein Hinweis auf Gonorrhö (im Volksmund Tripper) sein. Ein weißlich glasiger Ausfluss weist eher auf eine Infektion mit Chlamydien oder Mykoplasmen hin. Das sind Bakterien, die ebenfalls Geschlechtskrankheiten verursachen.

Chlamydien-Infektion

Häufigste Ursache für eine unangenehme Harnröhrenentzündung beim Mann ist der Erreger Chlamydia trachomatis.

Harnröhrenabstrich: Was kommt auf Sie zu?

Der behandelnde Urologe bittet Sie, am Abend vor dem Arzttermin möglichst wenig zu trinken und den morgendlichen Harndrang zurückzuhalten, damit der Harnröhrenabstrich noch vor dem ersten Wasserlassen stattfindet. Ist dies nicht möglich, sollten zwischen dem letzten Gang zur Toilette und der Untersuchung mindestens 3 bis 4 Stunden liegen,2 um ein zuverlässiges Ergebnis zu erhalten und sicherzustellen, dass die Mehrzahl der Bakterien nicht mit dem Urinstrahl ausgeschwemmt wurden. Um Harnröhrensekret zu entnehmen, führt der Arzt in der urologischen Praxis einen dünnen, sterilen Watteträger ein paar Zentimeter3 in die 20 bis 25 Zentimeter4 lange Harnröhre ein. Dabei geht er sehr behutsam vor. Um ein unverfälschtes Ergebnis zu erhalten und den Keimnachweis nicht zu gefährden, darf vor dem Eingriff weder ein Mittel zur Desinfektion der Körperpartie, noch ein Gleitgel Anwendung finden. Nachdem der Arzt den Watteträger in der Harnröhre gedreht hat, zieht er ihn wieder heraus. Leidet der Betroffene auch unter Ausfluss, nimmt der Arzt diesen mit einem Abstrichtupfer (Kunststoffstab mit Viskosekopf) auf.

Die gewonnen Proben werden bestenfalls sofort zur mikrobiologischen Untersuchung an ein Labor übergeben. Die maximal erlaubte Zeitspanne zwischen Abstrich und der Weiterleitung ins Labor beträgt sechs Stunden.2

Dem Harnröhrenabstrich schließt gegebenenfalls eine sogenannte “2-Becher-Probe” an, mithilfe derer bestimmt werden kann, wo genau sich die Infektion befindet. Der Patient uriniert dazu nacheinander in zwei verschiedene Probengefäße. Ist der Harn im ersten Glas getrübt (beispielsweise durch eiterbildende weiße Blutkörperchen), die zweite Harnportion hingegen klar, ist das ein Indiz für eine Entzündung der vorderen Harnröhre. Ist die Verfärbung des Urins in beiden Gläser gleich stark ausgeprägt, liegt die Ursache der Infektion höher. Das bedeutet, Niere oder Blase sind betroffen.

Den Befund bespricht der behandelnde Arzt zusammen mit dem Patienten. Anschließend leitet er die Behandlung – bei einer durch Bakterien verursachten Harnröhreninfektion mit Antibiotika – in die Wege.

Julia Lindert
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Medizinredakteurin
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