Ständiger Harndrang: Ursachen und Behandlung

Ständiger Harndrang ist mehr als lästig. Zwar geht dieser selten mit Schmerzen einher, jedoch hat Mann andauernd das Bedürfnis, auf die Toilette gehen zu müssen — beim Fußballschauen, Halten einer Präsentation oder nachts. Stress oder die Einnahme von Medikamenten sind zwei der möglichen Auslöser für die Beschwerden. Doch es gibt weitere Ursachen, die bei einem Mann einen häufigen Harndrang nach sich ziehen.


Kurz und knapp: Ständiger Harndrang

  1. Mögliche Ursachen: Es kommen eine gutartige Prostatavergrößerung, Harnwegsinfekte, psychische Leiden, Harnsteine oder die Einnahme bestimmter Medikamente infrage.
  2. Stress und Psyche: Auch das können Auslöser für ständigen Harndrang sein.
  3. Arztbesuch: Bei anhaltenden Beschwerden ist es ratsam, einen Urologen aufzusuchen.
  4. Behandlung: Sie ist abhängig von der Ursache (möglicherweise Gabe von Medikamenten, Psychotherapie, Ernährungsumstellung, Blasentraining).


Abbildung eines Pissoirs, das Männer bei ständigem Harndrang häufiger aufsuchen müssen.

Ständiger Harndrang – das steckt dahinter

Harnspeicherung und -entleerung sind zwei der wichtigsten Funktionen Ihrer Blase. Bei einem Mann mit häufigem beziehungsweise vermehrtem Harndrang erfüllt die Blase oft ihre Speicherfunktion nicht mehr richtig. Meist steigt der Druck während der Urinspeicherphase – die Zeit, in der neuer Harn in die Blase fließt – stark an. So sehr, dass aufgrund des ständigen Harndrangs ein besonders häufiges Entleeren der Blase erfolgt. Oftmals ist der Druck aber lediglich gefühlt erhöht. Denn nicht selten ist die Blase nur wenig gefüllt, obwohl der betroffene Mann einen häufigen Harndrang verspürt.

Aha!

Wenn Sie alle ein bis zwei Stunden – eventuell auch nachts –wasserlassen müssen, so können Sie sicher sein, an einem ständigen Harndrang zu leiden. Urinieren Sie hingegen nur ein bis zweimal pro Tag zählen Sie zu den Personen, die selten ihre Blase entleeren.1


Ursachen für einen ständigen Harndrang gibt es viele. Unter anderem:

  • Infektionen der Blase oder der Harnröhre (zum Beispiel eine Blasenentzündung)
  • neurologische Erkrankungen (wie etwa Parkinson oder ein Schlaganfall)
  • Fremdkörper in der Blase
  • Verengung des Blasenausgangs (beispielsweise durch eine vergrößerte Prostata)
  • übermäßiges Trinken (die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Gesamtflüssigkeitszufuhr von 1,5 Litern)2
  • die Einnahme von Diuretika (entwässernde Arzneimittel)
  • Tumore in der Blase oder im kleinen Becken
  • Veränderung der Blasenschleimhaut durch Bestrahlung

Weiterhin kann auch eine Reizblase Schuld daran haben, dass ein Mann häufiger zur Toilette muss. In gewisser Art und Weise lässt sich sagen, dass eine Reizblase eine überaktive Blase ist, welche ihre Eigenschaft der Harnspeicherung zu einem Teil verloren hat. Folglich ist sie in ihrer Funktion gestört. Oftmals weil der Blasenmuskel sich zu früh zusammenzieht oder schon eine geringe Blasenfüllung einen starken Harndrang auslöst. Von einer Reizblase ist im Übrigen nur dann die Rede, wenn keine anderen Auslöser für die aufgezählten Beschwerden infrage kommen. Aufschluss über den Grund der Symptome kann Ihnen nur eine ärztliche Untersuchung geben.

Ständiger Harndrang versus Inkontinenz

Ein ständiger Harndrang ist etwas anderes als eine Harninkontinenz. Wenn ein Mann seinem Arzt mitteilt: „Herr Doktor, mich plagt ein häufiger Harndrang.“, so sagt er damit aus, dass er öfter und stärker als gewohnt das Verlangen hat, Wasser lassen zu müssen. Dahingegen beschreiben Mediziner mit dem Begriff „Harninkontinenz“ die Unfähigkeit, den Urin bewusst zurückhalten zu können. Der Harnstrahl – so ungelegen er auch kommen mag – ist dann nicht aufzuhalten.

Wenn Stress und Psyche auf die Blase drücken

Vielleicht kennen Sie das Sprichwort „sich vor Angst in die Hose machen“? Sind wir panisch oder ängstlich, verspüren wir tatsächlich häufiger einen Harndrang. Doch warum führen psychische Ursachen wie Nervosität, Ängste, hohe Belastung und Co. dazu, dass seelische Auslöser auf die Blase schlagen?

Die Blase wird gleichermaßen vom zentralen und dem vegetativen Nervensystem gesteuert. Über Nervenbahnen und Neurotransmitter (Botenstoffe) werden Signale an Blasenmuskel und Beckenboden gesendet. Auch in der Blasenwand befinden sich Nerven, die (beispielsweise bei einem hohen Füllstand der Blase) Signale ans Gehirn übertragen. Das ist der Grund, weshalb Gehirn und Blase in der Lage sind, aufeinander reagieren. Experten sprechen dann auch von einer nervösen Blase.

Wann zum Arzt bei ständigem Harndrang?

Die Probleme beim Wasserlassen wirken sich vor allem auf die Lebensqualität aus (beispielsweise Schlafmangel durch nächtliches Wasserlassen). Bleiben die Beschwerden länger bestehen, ist ein Besuch beim Urologen ratsam.

Um den Auslöser für den plötzlichen, ständigen Harndrang ausfindig zu machen, stellt der Mediziner im persönlichen Patientengespräch (Anamnese) einige Fragen zu den bestehenden Problemen. Der Betroffene soll hierbei die Art und Dauer der Beschwerden so genau wie möglich beschreiben. Auch Fragen zu vorhergegangen Operationen und der Einnahme von Medikamenten sind Teil dieses Gesprächs.

Weiterhin stehen dem Mediziner folgende Untersuchungsmethoden zur Verfügung:

  • Urinuntersuchung (um Infektionen zu entdecken)
  • Ultraschall (zur Erkennung von Blasensteinen und Tumoren)
  • neurologische Untersuchungen, wie beispielsweise Ultraschall, Computertomografie (um Hindernisse zu sehen)

In den meisten Fällen reichen diese Verfahren aus, um die Ursache für den ständigen Harndrang zu finden. Ansonsten kann der Arzt auf weiterführende Untersuchungen wie die Uroflowmetrie (Ermittlung des Urinflusses), eine Blasenspiegelung oder eine Blasendruckmessung zurückgreifen.

Plötzlich ständig Harndrang? Die Behandlung

Eine einheitliche Therapie, um Beschwerden wie häufigen Harndrang beim Mann zu lindern, gibt es nicht. Ganz einfach deshalb, weil die Therapie immer in Abhängigkeit der Ursache erfolgen muss. Zudem können die Symptome des zugrundeliegenden Auslösers variieren: Beispielsweise hat nicht jeder Patient mit einer Blasenentzündung auch ständigen Harndrang.

Zu den denkbaren Therapiemethoden zählen zum Beispiel:

  • das Meiden harntreibender Getränke wie Kaffee oder grünen Tee (besonders vor dem Schlafen)
  • regelmäßiges Training des Beckenbodens (zur Stärkung der Blasenmuskulatur)
  • eine psychologische Beratung (falls Nervosität der Auslöser ist)

Am besten sind Sie – im Falle eines ständigen Harndrangs – beraten, wenn Sie sich bei Ihrem Urologen über die für Sie geeigneten Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Wie helfen Medikamente bei störendem Harndrang?

Ist beispielsweise eine gutartige Prostatavergrößerung der Grund für häufigen Harndrang, so entscheidet sich der Arzt eventuell auch für die Gabe von Medikamenten, die die Blasenentleerung erleichtern. Das gelingt dadurch, dass sich die Muskeln der Blase und der Prostata entspannen. Bei einer Blasenentzündung verschreibt der Arzt meist ein Antibiotikum.

Ständiger Harndrang: Hausmittel zur Vorbeugung

Da das häufige „Müssen“ oft lästig ist, fragen Sich viele Betroffene: Was kann ich tun bei ständigem Harndrang? Hier einige Maßnahmen, die jeder mit empfindlicher Blase selbst treffen sollte:

  1. Alkohol, Koffein, Zitrusfrüchte, Schokolade und Co. reizen die Blase, weil sie Einfluss auf den Säuregehalt im Urin haben. Deshalb sollten Sie diese Lebensmittel meiden, sodass Sie Ihre empfindliche Blase nicht noch zusätzlich belasten
  2. Führen Sie eine Woche lang ein Tagebuch. Dokumentieren Sie Ihre Ernährung und Ihre Toilettengänge. So lassen sich eventuelle Zusammenhänge leichter erkennen und Sie können Ihre Ernährungsgewohnheiten besser an die Blase anpassen.

Falls diese Möglichkeiten den häufigen Harndrang nicht eindämmen, kann auch ein Blasentraining von Vorteil sein.

Was ist ein Blasentraining?

Ein Blasentraining gilt ebenfalls als Mittel gegen ständigen Harndrang. Ziel dieses Trainings sind längere Pausen zwischen den Toilettengängen und das Wiedererlangen der Kontrolle über die Blase.

Wenn Sie Harndrang verspüren, versuchen Sie einfach, ihn noch für einige Zeit zurückzuhalten. So lässt sich verhindern, dass beim Toilettengang nur wenige Tröpfchen entweichen und der Harndrang nach kurzer Zeit wieder auftritt.

Regina Lopes Bombinho Brandt
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
Julia Hackbarth
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Medizinredakteurin