Ständiger Harndrang: Ursachen und Behandlung

28. Januar 2019
7 Min.

Ein ständiger Harndrang ist mehr als lästig. Andauernd hat man das Bedürfnis, auf die Toilette gehen zu müssen – beim Fußballschauen, Halten einer Präsentation oder nachts. Eine Reizblase ist einer der möglichen Auslöser für die Beschwerde. Doch es gibt weitere Ursachen, die bei einem Mann einen häufigen Harndrang nach sich ziehen.

Urinal als Symbolbild für ständiges Wasserlassen

Ständiger Harndrang – das steckt dahinter

Harnspeicherung und -entleerung sind zwei der wichtigsten Funktionen Ihrer Blase. Bei einem Mann mit häufigem beziehungsweise vermehrtem nächtlichen Harndrang erfüllt die Blase oft ihre Speicherfunktion nicht mehr richtig. Meist steigt der Druck während der Urinspeicherphase – die Zeit, in der neuer Harn in die Blase fließt – stark an. So sehr, dass aufgrund des ständigen Harndrangs ein besonders häufiges Entleeren der Blase erfolgt. Wissenswert: Oftmals ist der Druck auch gefühlt erhöht. Denn nicht selten ist die Blase nur wenig gefüllt, obwohl ein betroffener Mann einen häufigen Harndrang verspürt.

Aha!

Wenn Sie alle ein bis zwei Stunden – eventuell auch nachts – Wasserlassen müssen, so können Sie sicher sein, an einem ständigen Harndrang zu leiden. Urinieren Sie hingegen nur ein bis zweimal pro Tag zählen Sie zu den Personen, die selten ihre Blase entleeren.1

Ursachen für einen nächtlichen beziehungsweise ständigen Harndrang gibt es viele. Unter anderem:

  • eine Blasenentzündung
  • neurologische Erkrankungen (wie etwa Parkinson oder ein Schlaganfall)
  • Verkleinerung des Blasenausgangs (beispielsweise durch eine vergrößerte Prostata)
  • Übermäßiges Trinken (die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Gesamtflüssigkeitszufuhr von 2,5 Liter)2
  • die Einnahme von Diuretika (entwässernde Arzneimittel)

Doch neben Gründen wie zu viel Flüssigkeit im Körper, kann auch eine Reizblase Schuld daran haben, dass ein Mann häufiger einen Harndrang bei sich bemerkt.

Ständiger Harndrang versus Inkontinenz

Ein ständiger Harndrang ist etwas anderes als eine Harninkontinenz. Wenn ein Mann seinem Arzt mitteilt: „Herr Doktor, mich plagt ein häufiger Harndrang.“, so sagt er damit aus, dass er öfter und stärker als gewohnt das Verlangen hat, Wasserlassen zu müssen. Dahingegen beschreiben Mediziner mit dem Begriff „Harninkontinenz“ die Unfähigkeit, den Urin bewusst zurückhalten zu können. Der Harnstrahl – so ungelegen er auch kommen mag – ist dann nicht aufzuhalten.

Was ist eine Reizblase?

Es ist möglich, dass Sie mit einer Reizblase leben, wenn Sie es mit einem ständigen Harndrang zu tun haben. Natürlich kann das nur ein Arzt beziehungsweise Urologe zweifelsfrei feststellen. Doch was ist eine Reizblase überhaupt?

In gewisser Art und Weise lässt sich sagen, dass eine Reizblase eine überaktive Blase ist, welche ihre Eigenschaft der Harnspeicherung zu einem Teil verloren hat. Folglich ist sie in ihrer Funktion gestört. Oftmals, weil der Blasenmuskel sich zu früh zusammenzieht oder schon eine geringe Blasenfüllung einen starken Harndrang auslöst.

Die Vermutung, dass Sie eine Reizblase haben könnten, liegt für Mediziner unter anderem dann nahe, wenn Sie von einem oder mehreren dieser Anzeichen berichten:

  • vermehrter nächtlicher Harndrang
  • ständiger Harndrang
  • geringe Urinmengen beim Wasserlassen

Von einer Reizblase ist im Übrigen nur dann die Rede, wenn keine anderen Auslöser für die aufgezählten Beschwerden infrage kommen. Aufschluss darüber kann Ihnen nur eine ärztliche Untersuchung geben.

So funktioniert eine normale Blase

Man könnte sagen, dass eine Blase, bei der alles in Ordnung ist, einem Luftballon ähnelt. Jedoch besteht ihre Wand nicht aus Gummi, sondern aus glatter Muskulatur. Über speziell ausgebildete Nerven an der Innenwand wird stets der Füllungszustand im Auge behalten. Sobald die Nerven bemerken, dass die Blase voll ist, senden sie dem Hirn über das Rückenmark ein Zeichen, damit dieses ein zeitnahes Urinieren plant. Stimmen Ort und Zeitpunkt, erfolgt ein willentlicher Impuls an den Blasenschließmuskel, damit dieser sich öffnet. Die Muskulatur der Blase zieht sich zusammen und Urin fließt.

Haben Sie einen ständigen Harndrang aufgrund einer Reizblase, sollten Sie wissen, dass es mehrere Ursachen dafür gibt. Vermutet werden unter anderem diese:

  • psychische Faktoren wie Nervosität
  • Veränderungen an den Nerven der Blasenwand
  • Umformung der Blasenrezeptoren

Rezeptoren sind die Bereiche der Blase, über die Informationen mittels Botenstoffe empfangen werden. Zudem sind Nachrichten von dort aus an das Gehirn übermittelbar.

Reizblase, ständiger Harndrang, nächtlicher Harndrang – die Behandlung

Einen allgemeingültigen Leitfaden zur Behandlung von Beschwerden wie häufigem Harndrang beim Mann oder gar einer Reizblase gibt es nicht. Ganz einfach deshalb, weil die Therapie immer individuell erfolgen muss. Beispielsweise hat nicht jeder Patient mit einer Reizblase auch einen nächtlichen Harndrang. Zudem können die zugrundeliegenden Ursachen von Mensch zu Mensch variieren.

Zu den denkbaren Therapiemethoden zählen zum Beispiel:

  • die Gabe von Antibiotika (bei einer Blasenentzündung)
  • das Meiden harntreibender Getränke wie Kaffee oder grünen Tee (besonders vor dem Schlafen)
  • regelmäßiges Training des Beckenbodens (zur Stärkung der Blasenmuskulatur)
  • eine psychologische Beratung (falls Nervosität der Auslöser ist)

Am besten sind Sie – im Falle eines ständigen Harndrangs – beraten, wenn Sie sich bei Ihrem Urologen über die für Sie geeigneten Behandlungsmöglichkeiten informieren.