Zeugungsunfähigkeit — die Unfruchtbarkeit des Mannes

14. Mai 2019
8 Min.

Bleibt die Schwangerschaft der Partnerin aus und damit auch der Kinderwunsch unerfüllt, kann neben der Sterilität (Unfruchtbarkeit) der Frau ebenso eine Zeugungsunfähigkeit des Mannes verantwortlich sein. In erster Linie liegen hier Störungen in der Qualität, Menge und dem Transport der Spermien zugrunde, die oft durch äußere Einflüsse oder aufgrund körperlicher Gegebenheiten verursacht werden. Wie erkennt Mann eine Unfruchtbarkeit? Welche genauen Ursachen gibt es dafür? Und wie behandelt der Arzt eine bestehende männliche Sterilität? Hier erhalten Sie alle Informationen.

Mann mit Verdacht auf Unfruchtbarkeit beim Urologen


Übersicht:

Was kann zur Unfruchtbarkeit führen?

Kann ein Mann keine Kinder zeugen, sind vor allem die Spermien als Hauptursache anzuführen. Ihre Qualität spielt hierbei eine bedeutende Rolle. Zu den essenziellen Faktoren diesbezüglich zählen:

  • Mobilität der Spermien
  • Anzahl der Spermien (gemessen pro Milliliter)
  • Überlebensdauer der Spermien

Auch ihre Form beziehungsweise die Art und Weise ihrer Beschaffenheit, kann aufschlussreich sein. Bildet der männliche Körper etwa keine oder zu wenige gesunde (missgebildete) Samenzellen, führt dies höchstwahrscheinlich zur Unfruchtbarkeit.

Darüber hinaus ist eine Sterilität auch bei sehr guter Spermienqualität möglich. Grund dafür ist in vielen Fällen eine Störung im Transportweg der Spermien. Dieser verläuft für gewöhnlich von den Hoden über die Nebenhoden, Samenleiter und Harnröhre bis nach außen. Verkleben die Samenwege oder sind sie aufgrund anderer Einflüsse blockiert beziehungsweise durchtrennt, können keine Spermien aus dem Körper geleitet werden. Zu den Auslösern dieser Art der männlichen Zeugungsunfähigkeit gehören:

  • Entzündungen der Hoden, Nebenhoden oder der Prostata
  • Harnröhrenverengungen
  • Infektionen (etwa durch Chlamydien)
  • Stoffwechselerkrankungen wie Mukoviszidose

Ebenso kann eine angeborene Fehlbildung dazu führen, dass beispielsweise die Samenleiter von Geburt an durchtrennt oder blockiert sind und somit die Sterilität bedingen.

Was verringert die Qualität und die Produktion der Spermien?

Einen großen Einfluss auf die Spermien nimmt der eigene Lebenswandel. Ist beispielsweise der Konsum von Nikotin, Alkohol oder anderen Drogen sehr hoch, macht sich das unweigerlich in einer Verminderung der Spermienqualität und somit der Fruchtbarkeit bemerkbar. Auch ein Übermaß an Stress oder Übergewicht kann sich negativ auswirken. Darüber hinaus gelten die hier genannten Faktoren — genauso wie Umwelteinflüsse (zum Beispiel Schadstoffe) — auch bei Frauen als fruchtbarkeitsmindernd.

Oftmals liegt bei Männern die Ursache jedoch auch in einer reduzierten Spermienproduktion. Diese ist in der Regel auf eine Schädigung des Hodengewebes zurückzuführen, die in manchen Fällen bereits seit Geburt oder dem Kleinkindalter besteht. Folgende Faktoren können unter anderem Einfluss auf die Produktion der Spermien nehmen:

  • Erkrankungen wie Hodenhochstand
  • Testosteronmangel durch Hodenunterfunktion
  • genetische Fehlbildungen (etwa zwei vorhandene X-Chromosomen)
  • Tumorerkrankungen (beispielsweise Hodenkrebs)
  • Chemotherapie
  • Prostataoperationen
  • Verletzungen am Hoden

Die Temperatur der Hoden ist darüber hinaus ein ebenso elementarer Bestandteil für die Produktion der Spermien. Besonders eine regelmäßige oder langanhaltende Überhitzung über die üblichen 33 bis 34 Grad Celsius, reduziert die Produktion und somit auch die Menge der Spermien. Verantwortlich dafür können beispielsweise spezifische Umweltbedingungen (etwa ein Arbeitsplatz in einer besonders heißen Umgebung) sein.

Schon gewusst? Die optimale Temperatur für die Spermienproduktion liegt wenige Grad unterhalb der normalen Körpertemperatur. Aus diesem Grund befinden sich die Hoden auch außerhalb des Körpers.

Wie erkennt man eine Unfruchtbarkeit beim Mann?

Generell lässt sich eine Zeugungsunfähigkeit körperlich nicht, beziehungsweise nur sehr bedingt selbst feststellen. Sofern sich keine funktionellen Störungen beim Geschlechtsverkehr oder im Hinblick auf die Erektionsfähigkeit zeigen, gibt es dennoch eine Reihe von Anzeichen, die zumindest darauf hindeuten können. Entwickelt sich eine Unfruchtbarkeit, kann beispielsweise eine merkliche Zu- oder Abnahme im Gewicht der Hoden oder etwa eine Schwellung ein erster Hinweis sein. Gleiches gilt für einen Ausfluss aus dem Penis, Schmerzen beim Wasserlassen oder in den Hoden. Beschwerden wie diese sind häufige Erscheinungen bei Infektionen im Urogenitalbereich, die sich negativ auf die männliche Fruchtbarkeit auswirken können.

Was tun gegen Zeugungsunfähigkeit: Diagnose & Behandlung

Haben Sie den Verdacht einer Unfruchtbarkeit, zögern Sie nicht damit, einen Arzt aufzusuchen. Sowohl Urologen als auch Andrologen sind hierbei die besten Ansprechpartner. Beiden steht eine Reihe verschiedener Hilfsmittel zur Verfügung, die dazu dienen, den Ursachen einer potenziellen Unfruchtbarkeit auf den Grund zu gehen. Die anfängliche Diagnose besteht dabei mitunter aus:

  • Analyse des Ejakulats (Spermiogramm)
  • Untersuchung der Geschlechtsorgane
  • Messung des Hormonspiegels (durch Blutuntersuchung)
  • Ultraschalluntersuchung der Hoden

Stellt der behandelnde Arzt eine Sterilität fest, gilt es, die jeweiligen Ursachen mit einer entsprechenden Therapie zu bekämpfen.

Aufgrund der möglichen psychischen Belastung für Sie und Ihre Partnerin, ist es empfehlenswert, eine psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Ihr Arzt kann Ihnen einige Experten an die Hand geben, die Ihnen mit Rat und Tat zu Seite stehen. Sind körperliche Ursachen (etwa Fehlbildungen) verantwortlich für die Unfruchtbarkeit, können operative Eingriffe dazu dienen, diese zu entfernen und zu korrigieren, um den Samen wieder ungehindert aus dem Körper zu leiten. Bei vorhandenen Infektionen ist der Gebrauch von Kondomen ratsam. Außerdem verschreibt der Arzt im Falle bakterieller Infektionen oftmals Antibiotika, die bestenfalls ebenso von der Partnerin eingenommen werden sollten. Auf diese Weise wird eine Übertragung der Keime verhindert. Gegen einen Testosteronmangel besteht die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung, die für einen gesunden Hormonhaushalt sorgt. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt über die möglichen Risiken und Nebenwirkungen der jeweiligen Behandlungsmethode informieren.

Außerdem sollten Sie zudem die eigene Lebensweise und Ihre Gewohnheiten hinterfragen. Der übermäßige Konsum von Genussmitteln (wie Alkohol und Nikotin) oder auch Drogen, kann sich genau wie etwa Stress oder Übergewicht in einem schlechten Spermiogramm zeigen. Eine gesunde Ernährung sowie ein weitgehend stressfreies Leben nehmen somit positiven Einfluss auf die eigene Fruchtbarkeit.

Zusätzlich zur Therapie kann eine Schwangerschaft auch mittels künstlicher Befruchtung herbeigeführt werden. Vor allem ist dies möglich, wenn zwar gesunde Spermien produziert werden, diese ihren Weg jedoch nicht nach draußen finden. Hier kann eine sogenannte Samenextraktion aus dem Hodengewebe (mithilfe einer Biopsie) den gewünschten Erfolg bringen.

Jan Zimmermann
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Medizinredakteur und Medienwissenschaftler
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