Prostatektomie, Hormone und Co.: Die Therapieansätze bei Prostatakrebs

25. Januar 2019
10 Min.

Je früher, desto besser – wer frühzeitig die Diagnose „Prostatakrebs“ erhält, hat höhere Heilungschancen. Deshalb ist es wichtig, dass Männer regelmäßig die Vorsorgeuntersuchung beim Urologen wahrnehmen oder bei Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Bestätigt sich dann der Verdacht, kann der Arzt aus einer Reihe von Methoden wählen, wie der Prostatakrebs therapiert werden soll. Doch in welchem Fall bietet sich eine Operation (Prostatektomie) an? Und wann ist eine Hormontherapie bei Prostatakrebs sinnvoller?

Chemotherapie-Infusion zur Behandlung von Prostatakrebs

Die Behandlungsmethoden auf einen Blick:

  • operativer Eingriff – die Prostatektomie
  • Strahlentherapie
  • Hormontherapie

Wenn sich der Verdacht bestätigt…

Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen, ist gar nicht so einfach, denn die Erkrankung verläuft zu Beginn meist unbemerktSymptome treten erst dann auf, wenn der Krebs weiter fortgeschritten ist und Einfluss auf andere Bereiche des Körpers nimmt. So kann es beispielsweise zu Problemen beim Wasserlassen kommen, wenn eine vergrößerte Prostata die Harnröhre einengt.

Um dennoch eine rechtzeitige Diagnose stellen zu können, ist die einmal im Jahr vorgesehene Vorsorgeuntersuchung wichtig. Diese steht Männern ab 45 Jahren kostenlos zur Verfügung. Im Fokus steht zunächst das Abtasten der Prostata – stellt der Urologe hier Auffälligkeiten fest, folgen weitere Untersuchungsmethoden wie ein PSA-Test (Messung des Prostata-spezifischen Antigens im Blut) oder eine Biopsie (Gewebeentnahme), die den Verdacht entweder entkräften oder bestätigen.

Tritt letzteres ein, stellt sich die Frage nach der Therapie – und hier ist es die Aufgabe des Arztes, Sie genauestens über die Möglichkeiten aufzuklären: Was sind die Vor- und Nachteile einer Prostatektomie? Wann ist eine Strahlentherapie sinnvoll? Holen Sie sich bei Bedarf auch eine Zweitmeinung von einem Strahlenexperten ein. Es empfiehlt sich zudem, einen Familienangehörigen oder Freund mit zum Gespräch zu nehmen. Bedingt durch die eigene Aufregung kann es passieren, dass man etwas Wichtiges überhört oder vergisst – ein zweites Paar Ohren ist dann hilfreich.

Tipp: Machen Sie sich während des Arztgespräches Notizen. So können Sie die wichtigsten Informationen in Ruhe zu Hause nachlesen.

Bei der Therapie gibt es im Wesentlichen zwei Unterschiede: Das Ziel ist es entweder, die dauerhafte Heilung durch das Entfernen des Karzinoms und – falls vorliegend – dessen Tochtergeschwülsten (Metastasen) zu erreichen, oder den Prostatakrebs so gut es geht aufzuhalten und ein weiteres Streuen zu vermeiden.

Die Prostatektomie: Mithilfe einer Operation den Prostatakrebs entfernen

Das vollständige Beseitigen des kranken Gewebes gilt als sicherste Behandlungsmethode. Für Prostatakrebs-Patienten bedeutet das, die Entfernung der Prostata sowie der dadurch verlaufenden Harnröhre, der Samenbläschen und der Samenleiter. Zudem werden ein Teil des Blasenhalses und wenn nötig auch die benachbarten Lymphknoten abgetragen. Angrenzendes Gewebe und Lymphknoten werden meist deshalb beseitigt, um dieses auf Tumorzellen zu überprüfen – und so das Risiko eines Rückfalls zu senken.

Der Erfolg der Operation hängt davon ab, ob sich der Prostatakrebs schon ausgebreitet hat oder nicht – beschränkt er sich lediglich auf die Prostata, ist der Eingriff am erfolgversprechendsten.

Prostatektomie: Drei mögliche Operationswege

Entscheidet sich der Patient für den operativen Eingriff, gibt es drei Zugangswege, um die Prostata zu beseitigen:

  • retropubische radikale Prostatektomie: Unterbauchschnitt zwischen Schambein und Bauchnabel
  • laparoskopische/roboterunterstützte laparoskopische Prostatektomie: Entfernung über Bauchspiegelung
  • perineale radikale Prostatektomie: Operation mittels Dammschnitt

Welches Operationsverfahren zum Einsatz kommt, hängt individuell von Ihrem Prostatakrebs ab. So ist beispielsweise in einem späteren Stadium, in dem auch die regionalen Lymphknoten entfernt werden müssten, die perineale radikale Prostatektomie eher ungeeignet; die Entnahme über den Dammschnitt ist hier erschwert.

Gewusst?

Nach der Entfernung der Prostata muss eine neue Verbindung zwischen Blase und Harnröhre geschaffen werden – und zwar durch eine Naht. Ein Dauerkatheter, der über einige Tage verbleibt, soll die problemlose Heilung der Verbindung sichern. Im Anschluss an seine Entnahme überprüft der Arzt mittels Ultraschall oder Röntgen die Dichte der neuen Verbindung.

Das ist vor einer Entscheidung zu bedenken

Bei der Operation des Prostatakrebses sollte bedacht werden, dass im Anschluss Nebenwirkungen möglich sind. Zum Beispiel:

  • Inkontinenz: Durch die Prostatektomie kann der innere Schließmuskel am Blasenausgang in Mitleidenschaft gezogen werden, was ein Harnträufeln zur Folge hat. Muskeltraining, aber auch spezielle Therapien wie das Einsetzen eines künstlichen Schließmuskels, können dem entgegenwirken.
  • Harnwegsinfektion: Unter Umständen sorgen Fadenreste an der Verbindungsstelle zwischen Blase und Harnröhre für eine Infektion der Harnwege. Diese wird meist mit Antibiotika behandelt.
  • Erektionsstörungen: Hierbei ist weder das Lustempfinden noch der Orgasmus beeinträchtigt, sondern die Versteifung des Gliedes. Der Grund: Beim Eingriff ist es möglich, dass es zu einer Schädigung von Nervensträngen kommt, die relativ dicht an der Prostata entlanglaufen. In einem solchen Fall stehen Männern unterschiedliche Hilfsmittel wie Medikamente oder Implantate zur Verfügung.

Lassen Sie sich vor der Entscheidung für oder gegen eine Prostatektomie von Ihrem behandelnden Arzt ausführlich über die Risiken und Chancen beraten.

Strahlentherapie: Das sollten Sie wissen

Gegenüber einer Prostatektomie muss bei der Strahlentherapie (Radiotherapie) das männliche Geschlechtsorgan nicht entfernt, sondern lediglich die entarteten Zellen mittels radioaktiver Strahlen zerstört werden. Das Therapieverfahren wird von einem speziell ausgebildeten Arzt (Strahlentherapeut, Radioonkologe) durchgeführt. Die Strahlentherapie kann sowohl eigenständig zur Behandlung von Prostatakrebs zum Einsatz kommen als auch als ergänzende Methode zur Operation.

Achtung: Auch bei der Strahlentherapie sind Langzeitfolgen wie Inkontinenz oder Erektionsstörungen nicht auszuschließen.

In der Prostatakrebs-Behandlung gibt es zwei Möglichkeiten: die Therapie von außen (perkutane Bestrahlung) oder von innen (Brachytherapie). In einigen Fällen wird auf eine Kombination beider Varianten zurückgegriffen.

Perkutane Bestrahlung

Bei der perkutanen (durch die Haut wirkenden) Bestrahlung handelt es sich um die klassische Variante, die allerdings recht aufwendig ist. Im Vorfeld berechnet ein Computer Strahlendosis und Strahlenfeld, basierend auf Computertomografie-Aufnahmen, die vom behandelnden Arzt erstellt werden. Ziel ist es, sicherzustellen, dass nur das Karzinom bestrahlt wird und das gesunde Gewebe – soweit möglich – verschont bleibt. Die Vorgehensweise ist unter dem Fachbegriff dreidimensionaler Bestrahlungsplan bekannt.

Für die Strahlentherapie sind ambulant stattfindende Sitzungen notwendig: Diese finden in der Regel fünfmal pro Woche statt und das über einen Zeitraum von etwa sieben bis neun Wochen.1 Für die Behandlung nimmt der Patient unter einem sogenannten Linearbeschleuniger Platz, der die Strahlung aus verschiedenen Richtungen auf das Prostatakarzinom abgibt. Die Bestrahlung an sich spürt man nicht und ist nach wenigen Minuten vorüber.

Fraktionierung – was ist das?

Unter Fraktionierung versteht sich die Aufteilung der Strahlendosis in einzelne Portionen. Das hat den Vorteil, dass die eingesetzte Strahlung pro Behandlung sehr niedrig ist und Nebenwirkungen geringer ausfallen können.

Brachytherapie

Die Brachytherapie kann auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen – einer davon verläuft mit sogenannten Seeds. Bei der auch als Prostataspickung bezeichneten Methode werden kleine radioaktive Stifte, die Seeds, mittels eines operativen Eingriffs in die Prostata eingestochen. Eine spätere Entfernung der Seeds ist nicht vorgesehen. Sie geben ihre Strahlen so lange ab, bis diese aufgebraucht sind. Das kann bis zu drei Monate dauern.2 Das Verfahren eignet sich vor allem bei früh diagnostizierten Karzinomen.

Alternativ kann die Brachytherapie ergänzend zur externen Strahlentherapie zum Einsatz kommen – und zwar in Form der sogenannten Nachladetechnik (High-Dose-Rate-Brachytherapie). Dabei dringen vorübergehend Strahlenkörper wie Iridium 192 in die Prostata ein. Die Behandlungsmethode ist eher für fortgeschrittene Karzinome angedacht, bei denen keine operative Entfernung möglich ist, sich aber auch noch keine Metastasen gebildet haben. Die High-Dose-Rate-Brachytherapie erfordert den stationären Aufenthalt im Krankenhaus.

Alternativer Behandlungsweg: Wissenswertes zur Hormontherapie bei Prostatakrebs

Eine Hormontherapie ist bei Vorliegen von Prostatakrebs ebenfalls möglich. Ziel ist es, dem Karzinom die männlichen Geschlechtshormone (Androgene), allen voran Testosteron, zu entziehen und dadurch das Wachstum zu bremsen. Eine Heilung ist mit der Hormontherapie nicht zu erreichen. Um die Bildung beziehungsweise Wirkweise des männlichen Hormons zu hemmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel:

  • Orchiektomie: Hier kommt es zur chirurgischen Entfernung der hormonproduzierenden Drüsen (Hodengewebe).
  • Antiandrogene: Die Arzneistoffe sind in zwei Klassen verfügbar. Während die eine Gruppe die Prostatakrebszellen vor der wachstumssteigernden Wirkung der Hormone schützt, schirmt die andere die Krebszellen selbst ab und verhindert so die Hormonbildung im Hoden.
  • Östrogene: Die Hormontherapie bei Prostatakrebs sieht die Gabe von weiblichen Hormonen eher selten vor. Der Fokus der Behandlung mit Östrogenen liegt darauf, der Produktion des Testosterons in den Hoden entgegenzuwirken.

Auch bei einer Hormontherapie kann es zu Nebenwirkungen kommen. Diese sind am ehesten mit denen von Frauen in den Wechseljahren zu vergleichen: Stimmungsschwankungen und Hitzewallungen gehören beispielsweise dazu.
Wann die Hormontherapie bei Prostatakrebs zur Anwendung kommen sollte, ist noch nicht ausreichend geklärt.