Wenn sich der Verdacht bestätigt…


Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen, ist nicht unbedingt leicht, denn die Erkrankung verläuft zu Beginn meist unbemerkt. Symptome treten oft erst dann auf, wenn der Krebs weiter fortgeschritten ist und Einfluss auf andere Bereiche des Körpers nimmt. So kann es beispielsweise zu Problemen beim Wasserlassen kommen, wenn eine vergrößerte Prostata die Harnröhre einengt.

Um dennoch eine rechtzeitige Diagnose stellen zu können, ist die einmal im Jahr vorgesehene Vorsorgeuntersuchung wichtig. Diese steht Männern ab 45 Jahren kostenlos zur Verfügung.1 Hierbei erfolgt zunächst das Abtasten der Prostata. Stellt der Urologe hier Auffälligkeiten fest, folgen weitere Untersuchungen wie ein PSA-Test (Messung des Prostata-spezifischen Antigens im Blut) oder eine Biopsie (Gewebeentnahme), die den Verdacht entweder entkräften oder bestärken.

Tritt letzteres ein, stellt sich die Frage nach der geeigneten Therapie. Hier ist es die Aufgabe des Arztes, Sie genauestens über die Möglichkeiten aufzuklären: Was sind die Vor- und Nachteile einer operativen Behandlung? Wann sind andere Maßnahmen wie etwa eine Strahlen- oder Chemotherapie sinnvoll? Holen Sie sich bei Bedarf auch die Meinungen von unterschiedlichen Experten ein. Es empfiehlt sich zudem, einen Familienangehörigen oder Freund mit zum Gespräch zu nehmen. Bedingt durch die eigene Aufregung kann es passieren, dass man etwas Wichtiges überhört oder vergisst – ein zweites Paar Ohren ist dann oftmals hilfreich.

Tipp: Machen Sie sich während des Arztgespräches Notizen und stellen Sie viele Fragen. So können Sie die wichtigsten Informationen in Ruhe zu Hause nachlesen.

Bei der letztendlichen Therapie gibt es im Wesentlichen zwei Ziele: Während einige Behandlungsmethoden die dauerhafte Heilung durch das Entfernen des Karzinoms sowie potenzieller Tochtergeschwülste (Metastasen) anstreben, wird durch andere Therapieverfahren versucht, das Prostatakarzinom so gut es geht aufzuhalten und ein (weiteres) Streuen zu verhindern.

Abwarten und Beobachten


Nicht jedes Prostatakarzinom muss (sofort) behandelt werden. Das sogenannte „kontrollierte Zuwarten“ (auch „watchful waiting“ genannt), ist vor allem bei sehr langsam wachsenden und wenig aggressiven Karzinomen sinnvoll. Hierbei kontrolliert der Arzt regelmäßig den Gesundheitszustand des Patienten. Zudem sind die Betroffenen dazu angehalten, bei Beschwerden umgehend zum Arzt zu gehen. Es werden dann die auftretenden Symptome gezielt behandelt. Zum Einsatz kommt diese Methode in erster Linie bei Patienten in hohem Alter oder bei Menschen, die bereits unter anderen Erkrankungen leiden (beispielsweise Bluthochdruck oder Herzerkrankungen). Auf diese Weise wird eine weitere Belastung zusätzlich zu den Beschwerden des Alters oder der vorliegenden Krankheit vermieden.

Vergleichbar damit ist auch die sogenannte „active surveillance“ (aktive Überwachung), zu der – neben dem Abwarten und Begutachten – eine Reihe von Untersuchungsmethoden zugeschaltet werden. Beispielsweise überprüft der Arzt die Prostata regelmäßig per Tastuntersuchung, Kernspintomografie (MRT) oder auch mithilfe von Gewebeproben (Prostatabiopsie). Im Ernstfall kann er so schnell weiterführende Behandlungsmaßnahmen einleiten.

Informationen und Hilfe:

Benötigen Sie genauere Informationen zum Thema Prostatakrebs? Suchen Sie eine professionelle Beratungsstelle? Hierzu wenden Sie sich am besten an den Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. oder an die Deutsche Krebshilfe. Einerseits wird Ihnen dort über ein Beratungstelefon geholfen, andererseits finden Sie zahlreiche Adressen für Selbsthilfe-Gruppen.

Die Prostatektomie: Operative Entfernung des Prostatakrebs


Eine Behandlungsmethode, die das Ziel der Heilung verfolgt, ist die Prostatektomie. Für Prostatakrebs-Patienten bedeutet das entweder die teilweise oder vollständige Entfernung der Prostata. Bei letzterem werden meist auch der durch sie verlaufende Abschnitt der Harnröhre, die Samenbläschen und die Samenleiter entfernt. Zudem wird ein Teil des Blasenhalses, wenn nötig ebenfalls die benachbarten Lymphknoten und das angrenzende Gewebe, abgetragen, falls sich hier bereits Metastasen gebildet haben.

So können Nebenwirkungen und Spätfolgen wie Inkontinenz, Harnwegsinfektionen oder Erektionsstörungen nicht ausgeschlossen werden, die jedoch aufgrund der immer feineren Operationstechniken seltener auftreten.

Die Erfolgsaussichten der Operation hängen davon ab, ob das Prostatakarzinom schon metastasiert hat oder nicht. Beschränkt es sich lediglich auf das Gewebe der Prostata, ist nach dem Eingriff am ehesten mit einer Heilung zu rechnen.

Strahlentherapie – das sollten Sie wissen


Das Ziel einer Heilung verfolgt ebenfalls die Strahlentherapie (Radiotherapie), bei der ein späterer Rückfall allerding nicht ausgeschlossen werden kann. Bei dieser Methode werden die entarteten Zellen von einem speziell ausgebildeten Mediziner (Strahlentherapeut, Radioonkologe) mittels radioaktiver Strahlen zerstört.

Bei der Behandlung des Prostatakarzinoms mit Bestrahlung gibt es zwei Möglichkeiten: die Therapie von außen (perkutane Bestrahlung) oder von innen (Brachytherapie). Für die zweite Methode platzieren Ärzte kleine Stäbchen (Jod- beziehungsweise radioaktive Palladium-Seeds) direkt in die Vorsteherdrüse. In einigen Fällen wird aber auf eine Kombination beider Varianten zurückgegriffen

Achtung: Auch bei der Strahlentherapie sind Langzeitfolgen wie Inkontinenz oder Erektionsstörungen nicht auszuschließen.

Wissenswertes zur Hormontherapie


Eine Hormontherapie (genauer: Hormonentzugstherapie) ist bei Vorliegen von Prostatakrebs ebenfalls möglich. Diese wird meist angewandt, wenn der Krebs lokal fortgeschritten ist und bereits Metastasen gebildet hat. Es wird beabsichtigt, dem Karzinom die männlichen Geschlechtshormone (Androgene) – allen voran Testosteron – zu entziehen und dadurch einerseits das Wachstum zu bremsen und andererseits bestehende Beschwerden zu lindern. Eine Heilung ist mit der Hormontherapie jedoch nicht zu erreichen.

Die älteste Form der Hormontherapie ist die sogenannte chirurgische Kastration oder auch Orchiektomie, bei der die hormonproduzierenden Hoden entfernt werden. Weil dieser Eingriff aber nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, entscheiden sich viele Männer heutzutage vor allem für eine medikamentöse Hormonentzugstherapie.2 Dabei stehen verschiedene Wirkstoffgruppen wie LHRH-Analoga, LHRH-Antagonisten (auch GnRH-Antagonisten) oder Antiandrogene zur Auswahl.

Auch bei einer Hormontherapie kann es zu Nebenwirkungen kommen. Dazu gehören beispielsweise Stimmungsschwankungen, Muskelabbau, Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit oder Impotenz.

Tipp: Untersuchungen während der Hormonentzugstherapie protokollieren

Bringt die Therapie den gewünschten Erfolg? Welche Nebenwirkungen treten auf? Während einer Hormonentzugstherapie sind regelmäßige ärztliche Untersuchungen wichtig, um genau diese Fragen zu klären. Laden Sie sich hier den Patientenpass herunter und tragen Sie alle wichtigen Befunde und Untersuchungen ein.

 

Chemotherapie bei einem Prostatakarzinom


Spricht der Prostatakrebs nicht auf die Hormontherapie an, kann eine Chemotherapie in Betracht gezogen werden. Es handelt sich um eine systemische Therapie, die sich auf den gesamten Körper auswirkt und sich nicht örtlich begrenzen lässt. In der Regel werden hier über die Vene sogenannte Zytostatika zugeführt. Das sind spezifische Medikamente, die das Wachstum und die Teilung von Zellen verhindern oder verzögern. Insbesondere rapide wachsende Zellen von Tumoren reagieren empfindlich auf diese Art von Präparaten und können so bekämpft werden. Eine derartige Behandlung kommt jedoch nur dann infrage, wenn sich bereits Metastasen in anderen Regionen des Körpers gebildet haben. Vorher sind lokale Therapieansätze zu bevorzugen, die sich nicht auf den Gesamtorganismus auswirken. Häufig wird eine Chemotherapie in Kombination oder im Anschluss an eine Hormontherapie angewendet.

Der größte Nachteil der Zytostatika ist, dass sie auch gesunden Zellen Schaden zufügen und so zum Beispiel schnell wachsende Haar-, Haut- oder Blutzellen in Mitleidenschaft ziehen. Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind daher vielfältig und reichen von Haarausfall und Magen-Darm-Problemen bis hin zu Blutbildveränderungen.

Andere Möglichkeiten der Behandlung von Prostatakrebs


Für den Fall, dass sich das Karzinom noch nicht jenseits des Bindegewebes der Prostatakapsel verbreitet hat, haben Mediziner die Option der sogenannten Kryotherapie (Kältetherapie). Das Gewebe der Wucherung wird dabei gezielt vereist und stirbt ab. Die Expertenmeinungen gehen hinsichtlich der Wirksamkeit dieser Behandlung aber weit auseinander.

Eine weitere Variante der Bekämpfung von Prostatakrebs basiert auf einer speziellen Ultraschalltherapie – dem sogenannten hochintensiven fokussierten Ultraschall (HIFU) – wobei das Gewebe des Tumors durch Ultraschallwellen stark erhitzt und zerstört wird. Jene Wellen werden dabei entweder auf die gesamte Prostata (Ganzdrüsen-Therapie) oder nur auf die befallenen Partien gerichtet (fokale Therapie). Es handelt sich um ein sehr neues Verfahren, dass noch nicht als Standard eingesetzt und derzeit überwiegend im Rahmen von Studien beziehungsweise bei einem lokal wiederauftretenden Tumor nach perkutaner Bestrahlung (von außen) angewendet wird.3

Wie Sie zum Therapieerfolg beitragen können

Auch wenn die Diagnose Krebs für Betroffene zunächst ein Schock ist, sollten Sie sich nicht aufgeben. Es gibt viele Möglichkeiten, den Kampf gegen den Prostatakrebs zu unterstützen, beispielsweise durch eine ausgewogene Ernährung oder ausreichend Bewegung. Hier lesen Sie mehr zum Thema Leben mit Prostatakrebs.

 

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Miriam Müller Aufgewachsen in einer Familie aus Krankenschwestern und Journalisten, interessierte sich Miriam Müller bereits sehr früh für die Themen Medizin und Medien. Nach verschiedenen Praktika im journalistischen Bereich – unter anderem bei der Deutschen Welle in Washington D.C. – absolvierte sie erfolgreich ihr Masterstudium Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Seit 2017 arbeitet sie als Medizinredakteurin bei kanyo®, wo sie ihre beiden Leidenschaften optimal miteinander verknüpfen kann. Miriam Müller Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
Jan Zimmermann Egal ob Video, Foto oder Text – Hauptsache die Kreativität kommt nicht zu kurz. Noch während seines Masterstudiums der Medienwissenschaften und der Arbeit als Multimedia Content Creator in München, entwickelte Jan Zimmermann eine Passion für das Schreiben. Seit 2018 lebt er diese als Medizinredakteur bei kanyo® aus. Jan Zimmermann Medizinredakteur und Medienwissenschaftler kanyo® mehr erfahren
Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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