Behandlung von Prostatakrebs: Welche Therapieansätze gibt es?

10. April 2019
16 Min.



Je früher, desto besser – wer an Prostatakrebs leidet und die Diagnose frühzeitig erhält, hat vergleichsweise hohe Heilungschancen. Deshalb ist es wichtig, dass Männer die Vorsorgeuntersuchung beim Urologen regelmäßig wahrnehmen und bei Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Bestätigt sich dann der Verdacht, kann der Arzt aus einer Reihe von Methoden wählen, um das Prostatakarzinom zu therapieren. Doch in welchem Fall bietet sich eine entsprechende Operation (Prostatektomie) an? Wann ist eine Hormon- oder Chemotherapie sinnvoll? Und welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Chemotherapie-Infusion zur Behandlung von Prostatakrebs

Wenn sich der Verdacht bestätigt…

Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen, ist nicht unbedingt leicht, denn die Erkrankung verläuft zu Beginn meist unbemerkt. Symptome treten erst dann auf, wenn der Krebs weiter fortgeschritten ist und Einfluss auf andere Bereiche des Körpers nimmt. So kann es beispielsweise zu Problemen beim Wasserlassen kommen, wenn eine vergrößerte Prostata die Harnröhre einengt.

Um dennoch eine rechtzeitige Diagnose stellen zu können, ist die einmal im Jahr vorgesehene Vorsorgeuntersuchung wichtig. Diese steht Männern ab 45 Jahren kostenlos zur Verfügung.1 Im Fokus steht zunächst das Abtasten der Prostata. Stellt der Urologe hier Auffälligkeiten fest, folgen weitere Untersuchungen wie ein PSA-Test (Messung des Prostata-spezifischen Antigens im Blut) oder eine Biopsie (Gewebeentnahme), die den Verdacht entweder entkräften oder bestärken.

Tritt letzteres ein, stellt sich die Frage nach der geeigneten Therapie. Hier ist es die Aufgabe des Arztes, Sie genauestens über die Möglichkeiten aufzuklären: Was sind die Vor- und Nachteile einer operativen Behandlung? Wann sind andere Maßnahmen wie etwa eine Strahlen- oder Chemotherapie sinnvoll? Holen Sie sich bei Bedarf auch die Meinung von unterschiedlichen Experten ein. Es empfiehlt sich zudem, einen Familienangehörigen oder Freund mit zum Gespräch zu nehmen. Bedingt durch die eigene Aufregung kann es passieren, dass man etwas Wichtiges überhört oder vergisst – ein zweites Paar Ohren ist dann oftmals hilfreich.

Tipp: Machen Sie sich während des Arztgespräches Notizen und stellen Sie viele Fragen. So können Sie die wichtigsten Informationen in Ruhe zu Hause nachlesen.

Bei der letztendlichen Therapie gibt es im Wesentlichen zwei Unterschiede: Einerseits ist das Ziel die dauerhafte Heilung durch das Entfernen des Karzinoms sowie potenzieller Tochtergeschwülste (Metastasen). Andererseits gilt es, das Prostatakarzinom so gut es geht aufzuhalten und ein weiteres Streuen zu verhindern.

Jedoch ist eine direkte Behandlung nicht immer sofort notwendig. Das sogenannte „kontrollierte Zuwarten“ (auch „watchful waiting“ genannt), ist vor allem bei sehr langsam wachsenden und wenig aggressiven Karzinomen sinnvoll. Hierbei untersucht der Arzt den Prostatakrebs nicht in regelmäßigen Abständen, vielmehr sind die Betroffenen dazu angehalten bei Beschwerden umgehend zum Arzt zu gehen. Es werden dann die auftretenden Symptome gezielt behandelt. Zum Einsatz kommt diese Methode in erster Linie bei Patienten in hohem Alter oder bei Menschen, die bereits unter anderen Erkrankungen leiden (beispielsweise Bluthochdruck oder Herzerkrankungen). Auf diese Weise wird eine weitere Belastung zusätzlich zu den Beschwerden des Alters oder der vorliegenden Krankheit vermieden.

Vergleichbar damit ist auch die sogenannte „active surveillance“ (aktive Überwachung), zu der – neben dem Abwarten und Begutachten – eine Reihe von Untersuchungsmethoden zugeschaltet werden. Beispielsweise überprüft der Arzt die entsprechende Region regelmäßig per Tastuntersuchung, Kernspintomografie (MRT) oder auch mithilfe von Gewebeproben (Prostatabiopsie). Im Ernstfall kann er so sehr schnell weiterführende Behandlungsmaßnahmen einleiten.

Informationen und Hilfe:

Brauchen Sie genauere Informationen zum Thema Prostatakrebs? Suchen Sie eine professionelle Beratungsstelle? Hierzu wenden Sie sich am besten an den Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. oder an die Deutsche Krebshilfe. Einerseits wird Ihnen dort über ein Beratungstelefon geholfen, andererseits finden sie zahlreiche Adressen für Selbsthilfe-Gruppen. Für aktuelle Entwicklungen sowie weiterführende Informationen besuchen Sie die Prostata-Hilfe-Deutschland.

Die Prostatektomie: Mithilfe einer Operation den Prostatakrebs entfernen

Das vollständige Beseitigen des kranken Gewebes gilt als sicherste Behandlungsmethode. Für Prostatakrebs-Patienten bedeutet das entweder die teilweise oder vollständige Entfernung der Prostata. Bei letzterem werden meist auch der durch sie verlaufende Abschnitt der Harnröhre, die Samenbläschen und die Samenleiter entfernt. Zudem wird ein Teil des Blasenhalses, wenn nötig auch die benachbarten Lymphknoten und das angrenzende Gewebe abgetragen, um diese auf Tumorzellen zu überprüfen und so das Risiko eines Rückfalls zu senken.

Die Erfolgsaussichten der Operation hängen davon ab, ob das Prostatakarzinom schon metastasiert hat oder nicht. Beschränkt es sich lediglich auf das Gewebe der Prostata, ist nach dem Eingriff am ehesten mit einer Heilung zu rechnen.

Drei mögliche Operationswege bei der Prostatektomie

Sind sich Arzt und Patient einig, dass ein operativer Eingriff die sinnvollste Behandlungsmethode ist, gibt es drei Zugangswege, um an der Prostata zu operieren:

  • retropubische radikale Prostatektomie: Unterbauchschnitt zwischen Schambein und Bauchnabel
  • laparoskopische/roboterunterstützte laparoskopische Prostatektomie: Entfernung der Prostata über mehrere kleine Zugänge über die Bauchdecke
  • perineale radikale Prostatektomie: Operation über einen Schnitt am Damm (Perineum), dem Bereich zwischen Hoden und Anus

Welches Operationsverfahren zum Einsatz kommt, hängt vom jeweiligen Prostatakrebs ab. So ist beispielsweise in einem späteren Stadium, in dem auch die regionalen Lymphknoten entfernt werden müssen, die perineale radikale Prostatektomie eher ungeeignet. Die Entnahme über einen Dammschnitt ist hier erschwert.

Schon gewusst?

Nach der Entfernung der Prostata und des betroffenen Bereichs der Harnröhre muss eine neue Verbindung zwischen Blase und restlicher Harnröhre geschaffen werden – und zwar durch eine Naht. Ein Dauerkatheter, der über einige Tage verbleibt, soll die problemlose Heilung der Verbindung sichern. Im Anschluss an seine Entnahme überprüft der Arzt mittels Ultraschall oder Röntgen die Dichtheit der neuen Verbindung.

Was ist vor der Operation zu bedenken?

Bei der Operation des Prostatakrebses sollte bedacht werden, dass im Anschluss Nebenwirkungen möglich sind. Zum Beispiel:

  • Inkontinenz: Durch die Prostatektomie kann der innere Schließmuskel am Blasenausgang beschädigt werden, was ein Harnträufeln zur Folge hat. Muskeltraining oder spezielle Therapiemaßnahmen, wie das Einsetzen eines künstlichen Schließmuskels, können dem entgegenwirken.
  • Harnwegsinfektion: Unter Umständen sorgen Fadenreste an der Verbindungsstelle zwischen Blase und Harnröhre für eine Infektion der Harnwege. Diese wird meist mit Antibiotika behandelt.
  • Erektionsstörungen: Hierbei ist nicht das Lustempfinden oder der Orgasmus, sondern die Versteifung des Gliedes beeinträchtigt. Der Grund: Beim Eingriff ist es möglich, dass es zu einer Schädigung von Nervensträngen kommt, die relativ dicht an der Prostata entlanglaufen. In einem solchen Fall stehen Männern unterschiedliche Hilfsmittel wie Medikamente oder Implantate zur Verfügung.

Lassen Sie sich vor der Entscheidung für oder gegen eine Prostatektomie von Ihrem behandelnden Arzt ausführlich über die möglichen Risiken und Chancen beraten.

Strahlentherapie: Das sollten Sie wissen

Anders als bei einer Prostatektomie entfernt der Arzt bei der Strahlentherapie (Radiotherapie) das innere männliche Geschlechtsorgan nicht. Die entarteten Zellen werden vielmehr von einem speziell ausgebildeten Mediziner (Strahlentherapeut, Radioonkologe) mittels radioaktiver Strahlen zerstört.

Achtung: Auch bei der Strahlentherapie sind Langzeitfolgen wie Inkontinenz oder Erektionsstörungen nicht auszuschließen.

In der Behandlung des Prostatakarzinoms mit Bestrahlung gibt es zwei Möglichkeiten: die Therapie von außen (perkutane Bestrahlung) oder von innen (Brachytherapie). In einigen Fällen wird auf eine Kombination beider Varianten zurückgegriffen.

Perkutane Bestrahlung

Bei der perkutanen (durch die Haut wirkenden) Bestrahlung handelt es sich um die klassische Variante der Strahlentherapie, die allerdings vergleichsweise aufwendig ist. Im Vorfeld berechnet ein Computer Strahlendosis und Strahlenfeld, basierend auf den Computertomografie-Aufnahmen, die vom behandelnden Arzt erstellt werden. Ziel ist es, sicherzustellen, dass nur das Karzinom getroffen wird und das gesunde Gewebe – soweit möglich – verschont bleibt. Die Vorgehensweise ist unter dem Fachbegriff dreidimensionaler Bestrahlungsplan bekannt.

Für die Strahlentherapie sind ambulante Sitzungen notwendig: Diese finden über einen Zeitraum von etwa sieben bis neun Wochen in der Regel fünfmal pro Woche statt.2 Für die Behandlung nimmt der Patient unter einem sogenannten Linearbeschleuniger Platz, der die Strahlung aus verschiedenen Richtungen auf das Prostatakarzinom abgibt. Die Bestrahlung an sich spürt man nicht und sie ist nach wenigen Minuten vorüber.

Fraktionierung – was ist das?

Unter Fraktionierung versteht sich die Aufteilung der Strahlendosis in einzelne Portionen, die täglich zur Anwendung kommen. Bei der sogenannten Hyperfraktionierung wird die ohnehin schon geringere Tagesdosis nochmals unterteilt. Das hat den Vorteil, dass die eingesetzte Strahlung pro Einzelbehandlung sehr niedrig ist und Nebenwirkungen für gewöhnlich geringer ausfallen.

Brachytherapie

Die Brachytherapie kann auf zwei verschiedene Arten erfolgen – eine davon verläuft mit sogenannten Seeds. Bei der auch als Prostataspickung bezeichneten Methode werden kleine radioaktive Stifte (Seeds) mittels eines operativen Eingriffs in die Prostata eingestochen. Eine spätere Entfernung ist nicht vorgesehen. Sie geben ihre Strahlen so lange ab, bis diese aufgebraucht sind. Das kann bis zu drei Monate dauern.3 Vor allem eignet sich dieses Verfahren bei früh diagnostizierten Karzinomen.

Alternativ kann die Brachytherapie als Ergänzung zur externen Strahlentherapie zum Einsatz kommen – und zwar in Form der sogenannten Nachladetechnik (High-Dose-Rate-Brachytherapie). Dabei wird ein zunächst leeres Röhrchen (Applikator) gezielt in das befallene Gewebe geschoben und dann mit dem sogenannten Nachladegerät über einen Schlauch verbunden. Dieses befördert stark radioaktives Material für wenige Minuten direkt an die entsprechende Stelle, um Krebsgewebe zu zerstören. Im Anschluss wird die radioaktive Quelle über den Schlauch wieder aus dem Körper entfernt, wodurch die Chance vergleichsweise groß ist, dass kein gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Verfahren lässt sich mehrmals wiederholen, der Applikator kann bei jedem Mal neu mit radioaktivem Material geladen werden. Die Behandlungsmethode ist eher für fortgeschrittene Karzinome angedacht, bei denen keine operative Entfernung möglich ist, sich aber auch noch keine Metastasen gebildet haben. Die High-Dose-Rate-Brachytherapie erfordert den stationären Aufenthalt im Krankenhaus.

Informieren Sie sich zur Behandlung eines Prostatakarzinoms mit Bestrahlung auf der Seite des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Wissenswertes zur Hormontherapie

Eine Hormontherapie ist bei Vorliegen von Prostatakrebs ebenfalls möglich. Diese wird meist angewandt, wenn der Krebs bereits Metastasen gebildet hat. Es wird beabsichtigt, dem Karzinom die männlichen Geschlechtshormone (Androgene) – allen voran Testosteron – zu entziehen und dadurch einerseits das Wachstum zu bremsen (chemisch-medikamentöse Kastration) und andererseits bestehende Beschwerden zu lindern. Eine Heilung ist mit der Hormontherapie jedoch nicht zu erreichen. Um die Bildung und Wirkweise des männlichen Hormons zu hemmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Orchiektomie: Hier kommt es zur chirurgischen Entfernung der hormonproduzierenden Drüsen (Hodengewebe).
  • Antiandrogene: Gemeint sind hier Arzneistoffe, die in zwei Klassen verfügbar sind. Während die eine Gruppe die Prostatakrebszellen vor der wachstumssteigernden Wirkung der Hormone (vor allem Testosteron) schützt, verhindert die andere deren Bildung im Hoden.
  • Östrogene: Die Hormontherapie bei Prostatakrebs sieht die Gabe von weiblichen Hormonen eher selten vor. Der Fokus der Behandlung mit Östrogenen liegt darauf, der Produktion des Testosterons in den Hoden entgegenzuwirken.

Auch bei einer Hormontherapie kann es zu Nebenwirkungen kommen. Diese sind am ehesten mit denen von Frauen in den Wechseljahren zu vergleichen: Stimmungsschwankungen und Hitzewallungen gehören beispielsweise dazu.

Weiterführende Informationen zur Hormontherapie erhalten Sie beim Deutschen Krebsinformationszentrum

Chemotherapie bei einem Prostatakarzinom

Genau wie die Hormontherapie wirkt auch eine Chemotherapie im gesamten Körper und lässt sich nicht örtlich begrenzen. Daher wird sie auch als systemische Therapie bezeichnet. In der Regel werden hier über die Vene sogenannte Zytostatika zugeführt. Dabei handelt es sich um spezifische Medikamente, die das Wachstum und die Teilung von Zellen verhindern. Insbesondere rapide wachsende Zellen von Tumoren reagieren empfindlich auf diese Art von Präparaten und können so bekämpft werden. Eine derartige Therapie kommt jedoch nur dann infrage, wenn sich bereits Metastasen (Tochtergeschwüre) in anderen Regionen des Körpers gebildet haben. Vorher sind lokale Therapieansätze zu bevorzugen, die sich nicht auf den Gesamtorganismus auswirken. Häufig wird eine Chemotherapie in Kombination oder im Anschluss an eine Hormontherapie angewendet.

Der größte Nachteil der Zytostatika ist, dass sie auch gesunden Zellen Schaden zufügen und so zum Beispiel schnell wachsende Haar-, Haut- oder Blutzellen in Mitleidenschaft ziehen. Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind daher vielfältig:

  • Haarausfall
  • Hautprobleme
  • Veränderungen der Fingernägel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blutbildveränderungen

Bevor zu dieser Form der Behandlung eines Prostatakarzinoms gegriffen wird, sollte der Arzt vorher jede andere, möglicherweise schonendere Methode abwägen. Sofern Sie noch Fragen zur Chemotherapie haben, finden Sie auf der Seite des Deutschen Krebsforschungszentrums detaillierte Informationen.

Andere Möglichkeiten der Behandlung von Prostatakrebs

Für den Fall, dass sich das Karzinom noch nicht jenseits des Bindegewebes der Prostatakapsel verbreitet hat, haben Mediziner die Möglichkeit der sogenannten Kryotherapie (Kältetherapie). Das Gewebe der Wucherung wird dabei gezielt vereist und stirbt ab. Die Expertenmeinungen gehen hinsichtlich der Wirksamkeit dieser Behandlung jedoch weit auseinander.

Eine weitere Variante der Bekämpfung von Prostatakrebs basiert auf einer speziellen Ultraschalltherapie – dem sogenannten hochintensiven fokussierten Ultraschall (HIFU) – wobei das Gewebe des Tumors durch Ultraschallwellen stark erhitzt und zerstört wird. Jene Wellen werden dabei entweder auf die gesamte Prostata (Ganzdrüsen-Therapie) oder nur auf die befallenen Partien gerichtet (fokale Therapie). Es handelt sich hier jedoch noch um ein weitestgehend experimentelles Verfahren, das zwar in einzelnen Studien Anwendung findet, jedoch im Moment nicht für den alltäglichen Klinikeinsatz geeignet ist.

Tanja Albert
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