Harnleiterstein – Symptome, Entstehung und Behandlung des Harnleiterkonkrements

Ein Harnleiterstein ist ein kristallines Gebilde, dass sich im Harnleiter – also dem Verbindungskanal zwischen Nieren und Blase – befindet. Kleine Steine verursachen kaum Beschwerden und werden mit dem Urin von allein ausgeschieden. Größere Steine hingegen können starke, kolikartige Schmerzen auslösen. Erfahren Sie hier mehr zu Ursachen, Behandlung und Vorbeugung von Harnleitersteinen.


Im Überblick:


Symbolbild für Harnleitersteine (Harnleiterkonkremente)

Was genau ist ein Harnleiterstein?

Steine im Körper? Wie ist das denn möglich? Und dennoch ist es nicht auszuschließen, dass ein Arzt irgendwann im Laufe Ihres Lebens einen Harnleiterstein bei Ihnen findet.

Sämtliche Harnsteine im Körper – seien es Nieren-, Blasen- oder Harnleitersteine – bilden sich aus Mineralien oder Säuresalzen, die sich im Urin eines jeden Menschen auf ganz natürliche Art und Weise befinden. Diese Substanzen im Harn können kristallisieren, sprich, sich zu einem kristallähnlichen Gebilde formen. In den meisten Fällen bemerken Sie überhaupt nichts davon, wenn es bei Ihnen zur Kristallisierung gekommen ist. Denn oftmals sind die entstandenen Steine so klein, dass sie sich beim Wasserlassen problemlos aus Ihrem Körper spülen lassen.

Bei einem größeren Kristall ist ein Ausschwemmen jedoch nicht mehr so einfach möglich. Der Stein, der im Urin schwimmt, kann auf seinem Weg nach außen – über Nieren, Harnleiter, Blase und Harnröhre – stecken bleiben. Je nachdem, wo genau im Körper ein Stein festsitzt, erhält er eine andere Bezeichnung. So sprechen Ärzte von einem Harnleiterstein oder Harnleiterkonkrement, wenn Symptome wie Schmerzen die Folge von kristallisiertem Urin im Harnleiter sind.

Wissenswertes rund um das Harnleiterkonkrement

  • Die Wissenschaft geht davon aus, dass im Durchschnitt einer von zehn Menschen im Laufe seines Lebens einen Harnleiterstein bekommt.
  • Männer haben mit einer Quote von drei zu eins öfter als Frauen ein Harnleiterkonkrement.1
  • In den meisten Fällen bilden sich Harnleitersteine bei Personen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren.1
  • Patienten, die schon einmal ein Harnleiterkonkrement hatten, tragen ein höheres Risiko, dass es erneut zu einer Steinentwicklung kommt.1

Die häufigsten Harnleitersteine sind mit etwa 80 Prozent die Kalzium-Oxalatsteine und die Kalzium-Phosphatsteine.2 Andere Steinarten — zum Beispiel Harnsäure-, Struvit- und Zystinsteine — kommen deutlich seltener vor. Farbe und Form der Steine können sehr variieren. Möglich sind beispielsweise Braun-, Gelb- und Grautöne sowie eine raue, glatte oder gezackte Oberfläche.

Harnleitersteine: Diese Symptome sind möglich

Größere Konkremente (über 3 Millimeter), die nicht einfach so mit dem Harn ausgeschieden werden können, verursachen in der Regel früher oder später Beschwerden.2 Starke, krampfartige Schmerzen sind das charakteristischste Symptom von Harnleitersteinen. Mediziner beschreiben derartige Schmerzen auch mithilfe der Bezeichnung „Harnleiterkolik“.

Ein Arzt, der von seinem Patienten hört: „Ich habe starke Schmerzen. Sie sind plötzlich gekommen und fühlen sich so an, wie ich mir Wehen vorstelle. Ständig werden sie schwächer und dann wieder stärker – fast wellenartig würde ich sagen.“, geht vermutlich von einer Harnleiterkolik aus. Besonders dann, wenn sich das Zentrum der Krämpfe in der linken oder rechten Flankenregion (seitlicher Bauchbereich) befindet und die Schmerzen zum Unterbauch und den Leisten (Übergänge vom Bauch zum Oberschenkel) hin ausstrahlen.

Bei Harnleitersteinen sind jedoch noch weitere Beschwerden möglich, wie etwa:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • innere Unruhe

In der Regel handelt es sich bei diesen Symptomen um die Begleiterscheinungen einer Kolik.

Achtung:

Der Harnleiter ist ein dünner Muskelschlauch mit einem Durchmesser von etwa einem Millimeter.2 Manchmal blockiert ein Harnstein den Abfluss des Harns von der Niere in die Blase komplett und der Harn staut sich zurück. Bleibt dieser Zustand unbehandelt, können Infektionen wie eine Nierenbeckenentzündung oder sogar eine Schädigung der Niere entstehen.

Welche Ursachen haben Harnleitersteine (Harnleiterkonkremente)?

Vielfach löst eine zu hohe Salzkonzentration im Harn die Bildung eines Harnleiterkonkrements aus.

Herbeiführende Faktoren sind unter anderem:

  • Zu viel tierisches Eiweiß: Wenn Sie zu den Menschen gehören, die viel Fleisch essen, haben Sie eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit, einen Harnleiterstein und dessen Symptome zu bekommen. Der Grund dafür ist, dass ein erhöhter Fleischkonsum zur Bildung von mehr Harnsäure führt, die mitunter kristallisiert.
  • Zu wenig Flüssigkeit: Möglicherweise hat sich bei Ihnen ein Harnsteinkonkrement gebildet, weil Sie nicht ausreichend getrunken haben. Bei Menschen, die weniger als die täglich empfohlenen eineinhalb Liter (Wasser) aufnehmen, ist das Gleichgewicht zwischen Flüssigkeit, Mineralien und Salzen im Harn gestört.2 Die Gefahr besteht, dass Steine schneller entstehen.

Doch auch wenn Sie kaum Fleisch essen und genügend trinken, ist es nicht 100-prozentig auszuschließen, dass Sie einen Harnleiterstein bekommen.Denn unter anderem gehören auch

  • genetische Veranlagungen,
  • Harnleiterverengungen oder
  • Erkrankungen des Verdauungstrakts wie Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung)

zu den Ursachen, die manchmal hinter der Bildung eines Harnsteinkonkrements stecken.

Behandlungsmöglichkeiten – und warum Seilspringen bei einem Harnleiterstein helfen kann

Bei kleinen Harnsteinen (unter 3 Millimetern) und einem ansonsten gesunden Organismus wird in der Regel abgewartet, dass der Körper den Stein von allein hinausspült.2 Gegen die Beschwerden können Betroffene Medikamente einnehmen, die muskelentspannend und schmerzlindernd wirken. Auch harntreibende Mittel sind in einigen Fällen sinnvoll.

Unterstützend verordnen Mediziner häufig spezielle gymnastische Übungen, um den Abgang des Steins zu beschleunigen. Wenn Sie vom Wartezimmer einer Praxis aus beispielsweise einen Patienten beobachten, der wie von der Tarantel gestochen das Treppenhaus auf und ab läuft oder gar mit einem Seil springt, ist es gut möglich, dass sein behandelnder Arzt ihn dazu angewiesen hat. Denn Hüpfen oder ähnliche Bewegungen führen manchmal dazu, dass sich ein steckengebliebener Harnleiterstein löst. Mit dem Urin ist er dann hinausspülbar.

Bei Harnleiterkonkrementen, die nicht von allein abgehen, haben Ärzte die Möglichkeit, diese mithilfe einer sogenannten Ureterorenoskopie (URS) endoskopisch zu entfernen. Ein flexibles oder starres Gerät – ausgestattet mit einer Lichtquelle, Kamera und winzigen Zange – wird dabei über die Harnröhre bis zum Harnleiter befördert, um den Harnleiterstein zu greifen und schlussendlich zu entfernen.

Die Operation dauert etwa 30 bis 60 Minuten und erfolgt immer unter Vollnarkose.2 Im Anschluss an den Eingriff legt der Chirurg meist eine sogenannte Harnleiterschiene (dünnes Kunststoffröhrchen) in den Harnleiter ein, um eine störungsfreien Ablauf des Harns zu gewährleisten — diese kann der Urologe für gewöhnlich nach etwa einer Woche wieder entfernen.2 Die Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgt meist direkt am Tag nach dem Eingriff, der stationäre Aufenthalt beträgt also zwei Tage.5

Harnleitersteine zertrümmern?

Steine, die zu groß sind, um sie am Stück zu entfernen, können zuvor zertrümmert werden. Dies geschieht entweder im Rahmen einer URS endoskopisch per Laser oder mittels der Extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL).

Bei der ESWL richtet der Arzt mit einem speziellen Gerät von außerhalb des Körpers Stoßwellen gezielt auf den Stein. Der dabei entstehende Druck, führt Zug- und Scherkräfte herbei, die den Stein zertrümmern. Diese Behandlung kann, muss aber nicht in Vollnarkose erfolgen und beträgt je nach Steingröße etwa eine Stunde.2 Die Bruchstücke scheidet der Patient anschließend mit dem Urin aus.

So können Sie Harnleitersteinen vorbeugen

Um der Entstehung von Harnkonkrementen entgegenzuwirken, ist es äußerst wichtig, genügend Flüssigkeit aufzunehmen. Nur so wird der Urin ausreichend verdünnt und eine Konzentration der steinbildenden Substanzen verhindert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt etwa 1,5 Liter täglich.4 Besonders geeignet sind

  • mineralstoffarmes Wasser,
  • Nieren- und Blasentees sowie
  • verdünnte Fruchtsäfte,

da sie die Harnzusammensetzung nicht verändern. Kaffee und Schwarztee dürfen Sie nur in Maßen genießen, während auf Alkohol und stark gezuckerte Getränke komplett zu verzichten ist — sie fördern die Bildung von Harnsteinen.

Auch über die Ernährung ist es möglich, der Entstehung von Harnleitersteinen entgegenzuwirken. Achten Sie hierbei vor allem auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse und Vollkornprodukten. Forscher vermuten, dass dadurch weniger Harnsäure und Kalziumoxalat im Harntrakt anfallen. Jedoch sind nicht ausnahmslos alle Ballaststoffe geeignet — Kleie, Rhabarber und Spinat beispielsweise steigern die Oxalsäure-Ausscheidung, was wiederum die Bildung von Kalzium-Oxalatsteinen fördert.

Zudem raten Ernährungsexperten zur Aufnahme magnesiumhaltiger Lebensmittel. Hierzu zählen Hülsenfrüchte (zum Beispiel Erbsen, Linsen, weiße Bohnen) und Gemüse wie Grünkohl, Kartoffeln und Artischocken. Magnesium ist in der Lage, die Bildung von Kalzium-Oxalatsteinen zu hemmen.

Regina Lopes Bombinho Brandt
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Jana Welsner
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