Testosteronmangel – Symptome und Behandlung

23. April 2019
9 Min.

Ab einem Alter von etwa 30 Jahren nimmt die Testosteronbildung beim Mann stetig ab.1 Soweit ist das ein normaler Vorgang, der in der Regel auch keine Beschwerden auslöst. Sinkt der Hormonspiegel jedoch sehr stark, kann ein Testosteronmangel entstehen. Erfahren Sie hier: Welche Symptome dadurch ausgelöst werden, was möglichen Ursachen sind und wie Betroffene handeln können.

Auf einen Blick:

  • Das Sexualhormon Testosteron ist beim Mann zuständig für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane, Spermienproduktion und sexuelles Verlangen.
  • Die Testosteronproduktion nimmt mit zunehmenden Alter stetig ab.
  • Ein niedriger Testosteronwert ist nur in Kombination mit Problemen, wie sexueller Unlust oder Erektionsstörungen, behandlungsbedürftig.
  • Erster Ansprechpartner bei Veränderungen ist der Hausarzt, er kann den Testosteronwert im Rahmen einer Blutuntersuchung ermitteln.
  • Hauptsächlich werden Testosterongels und -spritzen für die Therapie verwendet.


Zu den Themen:

Anzeichen eines Testosteronmangels

Mann berät sich mit seinem Arzt über die Behandlung seines Testosteronmangels.

Ein niedriger Testosteronspiegel beim Mann kann eine direkte Auswirkung auf das Sexualleben haben und zu folgenden typischen Symptomen führen:

Das Testosteron ist beim Mann zuständig für die Ausbildung der Geschlechtsteile (zum Beispiel Penis und Hoden), Entwicklung des Sexualtriebs und eine ausreichende Spermienproduktion.

Testosteron bei Frauen

Wer denkt, dass nur der männliche Körper Testosteron produziert, liegt falsch. Auch Frauen haben Testosteron im Blut. Das Testosteron wirkt sich beim weiblichen Geschlecht ebenfalls auf das Sexualverhalten aus. Außerdem beeinflusst es zum Beispiel den Eiweißstoffwechsel und fördert dadurch den Aufbau von Muskelmasse.

Testosteron ist darüber hinaus an vielen körperlichen Prozessen beteiligt. Folgende Beschwerden lassen sich unter Umständen auf einen Mangel des Hormons zurückführen:

  • Antriebslosigkeit
  • Hitzewallungen
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Verlust an Muskelkraft
  • abnehmende Knochendichte (Osteoporose)

Da diese Symptome jedoch sehr allgemein sind, müssen sie nicht immer durch einen Testosteronmangel ausgelöst werden. Um diesen zu belegen, ist in der Regel eine Blutanalyse im Labor nötig.

Verzögerte Pubertät durch zu wenig Testosteron

In seltenen Fällen leiden bereits junge Männer oder Jugendliche unter einem Testosteronmangel.1 Als Folge davon kann es passieren, dass die Geschlechtsreife (Pubertät) verspätet einsetzt oder geschlechtstypische Merkmale (zum Beispiel Bartwuchs) ausbleiben.

Im Zusammenhang mit einem Testosteronmangel stehen zudem häufig:


Ursachen für zu wenig Testosteron

Als Teil des natürlichen Alterungsprozesses nimmt der Testosteronspiegel beim Mann etwa beginnend mit dem 30. Lebensjahr langsam, aber stetig, ab.1 Dieser Vorgang ist genetisch bedingt. In welchem Umfang und über welchen Zeitraum die Hormonausschüttung sinkt, unterscheidet sich individuell.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Aspekte, die in der Lage sind, die Hormonproduktion – zum Teil schon bei jungen Männern – zu hemmen. Dazu zählen:

  • starker Gewichtsverlust
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • dauerhafter Stress
  • Einnahme von Medikamenten
  • Stoffwechselstörungen (zum Beispiel Diabetes mellitus)

In manchen Fällen bewirkt eine Schädigung des Hodens (zum Beispiel durch einen Unfall oder einen Tumor), dass eine ausreichende Testosteronbildung nicht mehr möglich ist. Das kommt zwar seltener vor, kann aber vor allem ein denkbarer Auslöser für Testosteronmangel bei jungen Männern sein.

Die Testosteronproduktion

90 Prozent des Testosterons beim Mann werden im Hoden produziert, die restlichen 10 Prozent in den Nebennieren.2 Von dort aus gelangt es in die Blutlaufbahn und in den gesamten Körper. Vor allem bei männlichen Jugendlichen ist der Testosteronspiegel im Blut am Morgen besonders hoch. Zum Abend hin nimmt er dagegen ab. Mit zunehmen Alter legt sich der morgendliche Spitzenwert allerdings.

Wie stellt der Arzt einen Testosteronmangel fest?

Die Menge des Testosterons im Körper kann der Mediziner zur Diagnose über eine Blutuntersuchung ermitteln. Der Wert wird in Nanomol pro Liter (nmol/l) angegeben. Es gibt keinen festgelegten Normalwert, da es individuell verschieden ist, wie sehr das Testosteron im fortgeschrittenen Alter abnimmt.

Als ungefähre Richtwerte dienen allerdings 10 bis 40 nmol/l.1 Allein aufgrund eines niedrigen Testosteronwerts leitet der Arzt jedoch keine Therapie ein. Dies geschieht lediglich, wenn mit dem Testosteronmangel Probleme, wie verminderte sexuelle Lust oder Erektionsstörungen, einhergehen.

Verdacht auf Testosteronmangel: Zu welchem Arzt soll ich gehen?

Der erste Ansprechpartner bei Libidoverlust oder allgemeinen Symptomen, wie Kraft- und Antriebslosigkeit, ist der Hausarzt. Dieser kann im Gespräch typische Beschwerden erfragen, Blutuntersuchungen durchführen und gegebenenfalls an einen Andrologen (Spezialist für geschlechtsspezifische Erkrankungen des Mannes) oder einen Endokrinologen (Spezialist für hormonelle Störungen) überweisen.

Bevor die Behandlung eines Testosteronmangels eingeleitet wird, muss der Mediziner zunächst bestimmte Krankheiten als Ursachen für die Symptome ausschließen. Denn selbst wenn der Testosteronwert im Blut gering ist, ist das nicht automatisch der Grund für Libidoverlust und Co.. Sexuelle Probleme können auch durch folgende Faktoren beeinflusst werden:

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Stress
  • Depressionen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (zum Beispiel Antidepressiva)
  • Diabetes mellitus

Niedriger Testosteronspiegel: Was hilft dagegen?

Spezielle Diät für mehr Testosteron?

Immer noch hält sich der Mythos, dass bestimmte Lebensmittel das Sexualhormon Testosteron im Blut ansteigen lassen und zu mehr Leistungsfähigkeit verhelfen. Das stimmt so nicht. Jedoch trägt eine ausgewogene, gesunde Ernährung dazu bei, dass die Hormonproduktion im Körper reibungslos funktioniert.

Um einen Testosteronmangel zu beheben, stehen beispielsweise folgende Mittel zur Verfügung:

  • Kapseln
  • Sprays
  • Spritzen
  • Gels
  • Pflaster

Häufig finden in der Praxis Testosterongels und -spritzen Verwendung. Das Gel muss der Betroffene jeden Morgen selbst auf Brust, Arme und Bauch aufgetragen. Die Haut absorbiert das im Gel enthaltene Testosteron und leitet es in den Blutkreislauf. Vormittags ist eine Spitzenkonzentration des Testosteronspiegels zu erwarten, im Lauf des Tages nimmt der Wert wieder ab, wodurch der natürlichen Testosteronausschüttung nachempfunden wird.

Wichtig dabei: Sie sollten die mit dem Gel eingecremten Stellen etwa zwei Stunden nach Auftragen trocken halten und auch Geschlechtsverkehr nach dem Eincremen meiden, damit die Haut die Möglichkeit hat, das im Gel enthaltene Testosteron vollständig aufzunehmen.3

Testosteronpflaster und Sprays wirken ähnlich wie das Gel. Mann klebt beziehungsweise sprüht sie jeden Tag auf die Haut, damit sie über diese das Hormon abgeben.

Testosteronspritzen werden dem Patienten vom behandelnden Arzt verabreicht. Dieser spritzt das Hormon direkt in die Gesäß- oder Armmuskulatur, wo der Körper es speichert und über einen längeren Zeitraum darauf zurückgreifen kann. Es ist von Patient zu Patient verschieden, wie oft und mit welcher Dosis er die Injektion verabreicht bekommt. Am häufigsten nutzen Mediziner jedoch die 3-Monatsspritze (Testosterongabe alle drei Monate).2

Testosteronkapseln nimmt der Betroffene meist täglich (je nach Ausprägung des Hormonmangels) ein. Diese lösen sich im Magen auf – das Testosteron gelangt dann direkt in den Blutkreislauf. Unabhängig davon, welche Therapieform Sie zur Behandlung eines Testosteronmangels anwenden, eine regelmäßige Kontrolluntersuchung durch den Arzt ist immer, auch bei rezeptfreien Mitteln, essenziell

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Keine Verjüngungskur!

Bei Testosteron-Präparaten handelt es sich nicht um Wundermittel oder Lifestyle-Medikamente. Zwar können sie oft Beschwerden lindern, jedoch wird Sie die Arznei weder verjüngen noch körperlich fitter machen. Bei Mitteln mit solchen Wirkversprechen sollten Sie skeptisch sein und mit Ihrem Arzt Rücksprache halten. Generell ist es empfehlenswert, nur vom Mediziner verschriebene Präparate anzuwenden, da Nebenwirkungen (zum Beispiel erhöhte Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen) existieren, die möglicherweise ein Risiko für die Gesundheit darstellen.

Pauline Zäh
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