Vergrößerte Prostata: Wann eine Operation nötig ist

5. April 2019
11 Min.

Muss eine vergrößerte Prostata behandelt werden, da sie sich auf das Urinieren auswirkt (benignes Prostata-Syndrom, kurz BPS), kann der Urologe zunächst eine medikamentöse Therapie einleiten. Schlägt diese nicht an oder sind die Beschwerden durch eine besonders stark vergrößerte Prostata zu ausgeprägt, wird sie durch eine Operation verkleinert.

Chirurgen bei der Operation einer Prostatavergrößerung


Alles zum Thema Prostata-Operation auf einen Blick:

  • Der Arzt stellt die Diagnose Prostatavergrößerung über verschiedene Verfahren (zum Beispiel Tastuntersuchung, Bluttest und Harnstrahlmessung).
  • Zunächst wird eine Behandlung mit Medikamenten angestrebt. Doch wann ist eine Operation dringend notwendig? – wenn die Beschwerden und der Leidensdruck des Patienten zu stark sind.
  • Mediziner bevorzugen meist eine minimalinvasive (gewebeschnittarme) Variante, die sich Embolisation nennt.
  • Es gibt weitere Operationsvarianten, die aber erst bei einer stark fortgeschrittenen Vergrößerung der Prostata angewandt werden.

Diagnostik – wie der Urologe eine Prostatavergrößerung feststellt

Bevor eine Behandlung der vergrößerten Prostata in Form einer Operation oder Medikamenten erfolgen kann, muss der Arzt zunächst die Diagnose der gutartigen Prostatavergrößerung stellen. Dem Urologen stehen dabei folgende Methoden zur Verfügung:

  • Anamnese (Patientenbefragung mit Fragebogen)
  • Urinuntersuchung (Urinprobe)
  • körperliche Untersuchung (Abtasten der Prostata)
  • Uroflowmetrie (Harnstrahlmessung)
  • transrektale Sonografie (Ultraschall)
  • Blutuntersuchung (zur Früherkennung von Tumoren)
  • Miktionsprotokoll (schriftliche Dokumentation der Urinausscheidungen)
  • Druck-Fluss-Studien (Messung des Drucks in Blase und Bauchraum)
  • Blasenendoskopie (Blasenspiegelung)

Normalerweise führt der Arzt mehrere dieser Diagnostikmethoden durch, um sicherzugehen, dass es sich um eine gutartige Prostatavergrößerung handelt. Je nach Größe des Organs und Beschwerdebild legt er fest, ob die vergrößerte Prostata durch eine Operation behandelt werden muss oder ob eine medikamentöse Therapie ausreicht.

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Vergrößerte Prostata: Wann ist eine Operation nötig?

Für gewöhnlich ist der Urologe in der Lage, die Prostatavergrößerung durch Medikamente in Schach zu halten. Unter gewissen Umständen wird er dem Patienten allerdings eine Operation der vergrößerten Prostata nahelegen. Dazu gehören:

  • zunehmende Beschwerden mit starkem Leidensdruck
  • hohe Restharnmengen (als Folge sind Entzündungen oder in die Nieren zurücklaufender Harn möglich)
  • frühere Harnprobleme (wie Harnsteine oder prostatabedingte Blutungen)
Vorsicht: Schädigung der Nieren

Wird eine Prostatavergrößerung nicht behandelt, kann sie zu einer chronischen Überlaufblase führen. Das bedeutet, dass die Blase – dadurch, dass sie sich nicht mehr vollständig entleeren lässt – irgendwann überläuft. Der Urin gelangt durch die Harnleiter zurück in die Nieren, was das Organ schädigen kann. Im schlimmsten Fall führt dies zu einem Nierenversagen.

Embolisation der Prostata: Minimalinvasive Behandlungsmöglichkeit

Neben der Option, eine vergrößerte Prostata durch eine Operation zu verkleinern, besteht die Alternative einer minimalinvasiven Behandlung – der Prostata-Arterien-Embolisation (PAE).

Und so funktioniert’s: Nach einer örtlichen Betäubung wird durch die Leiste ein besonders dünner Katheter in die innere Beckenarterie eingeführt. Winzige Kugeln (aus Polyvinylalkohol), die über den Schlauch eingeführt werden, verschließen die Äste der Arterie. Die Durchblutung der Prostata wird so dauerhaft und stark reduziert, was zur Folge hat, dass die Prostatazellen schrumpfen. Die Schmerzen bei diesem Eingriff sind sehr gering, eine Vollnarkose ist somit nicht nötig. Unter anderem ist das ein Grund, warum die Embolisation eine beliebte Alternative zu einer Operation der vergrößerten Prostata ist.

Weitere Vorteile der Embolisation der Prostata:

Während nach anderen operativen Eingriffen als Nebenwirkung der Samenerguss gelegentlich in die Harnblase austritt – weil sich der Schließmuskel am Blasenausgang verletzungsbedingt nicht mehr verschließt –, fällt das bei dieser Behandlungsmethode weg. Auch das Risiko einer Inkontinenz ist bei der Embolisation der Prostata sehr gering.

Im Allgemeinen gilt die Embolisation der Prostata als sicher und komplikationsarm. Männer, für die diese Behandlungsmethode nicht infrage kommt, haben bei einer vergrößerten Prostata die Wahl zwischen mehreren Operationen.

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Operative Eingriffe – so wird die Prostata behandelt

Ziel einer Operation bei vergrößerter Prostata ist es, das Organ durch Entfernung von Prostatagewebe zu verkleinern und damit den Druck auf die Harnröhre zu minimieren. Die Prostata wird nicht vollständig entfernt – dies geschieht nur bei einem bösartigen Tumor (Prostatakarzinom).

  • Offene Operation: Dabei erfolgt ein Schnitt unterhalb des Bauches, sodass der Arzt das Gewebe der Prostata entfernen kann. Diese Operation eignet sich vor allem bei einer stark vergrößerten Prostata, wird heutzutage aber nur noch selten durchgeführt. Die Gründe: Es gibt einerseits neue, weniger invasive Alternativen, andererseits kommt eine derart große Prostata dank der Vorsorgeuntersuchungen nicht mehr so häufig vor.
  • Transurethrale Elektro-Resektion: Bei dieser Methode trägt der Arzt mit einer elektrischen Schlinge, die er durch die Harnröhre einführt, das Gewebe der Prostata ab. Eine Kamera am Kopf des Instrumentes ermöglicht dem behandelnden Arzt eine bessere Übersicht.
  • Transurethrale Inzision: Diese Operation eignet sich für eine vergrößerte Prostata, die noch nicht so weit fortgeschritten ist. Dabei wird die Prostata durch den Blasenhals eingeschnitten und überschüssiges, im Weg liegendes Gewebe so entfernt, was den Harnfluss verbessert.
  • Laserverfahren: Der Mediziner schiebt Laserfasern durch die Harnröhre bis zur Prostata und schneidet dort überschüssiges Gewebe heraus (Resektion). Alternativ erhitzt der Laser das Gewebe und löst es auf diese Weise auf (Koagulation) oder lässt es verdampfen. (Vaporisation). Die Methode weist ein geringes Blutungsrisiko auf und lässt sich sogar als Alternative zur offenen Operation der vergrößerten Prostata anwenden.
  • Transurethrale Nadel-Ablation: Der Arzt sticht mit einer feinen Sonde in unterschiedliche Bereiche der Prostata. Gewebe wird etappenweise durch Radiofrequenzwellen erhitzt und zerstört.
  • Transurethrale Mikrowellenthermotherapie: Ein Katheter, den der Arzt in die Harnröhre einführt, strahlt Mikrowellen ab, die zu einer Überwärmung des Prostatagewebes führen.

Bei der Transurethralen Nadel-Ablation und der Transurethralen Mikrowellenthermotherapie tritt nach dem Eingriff durch die Schwellung der Prostata zunächst kurzzeitig eine Verschlechterung der Beschwerden beim Urinieren auf.

Ist die vergrößerte Prostata so weit fortgeschritten, dass der Allgemeinzustand des Patienten schlecht und der Harnverhalt akut ist, legt der Arzt vor der Operation einen Katheter. Auf diese Weise kann der Urin aus der Blase abfließen und die Schmerzen werden vorerst gelindert. Nach der Operation sind die meisten Männer beschwerdefrei.

Was sind die Risiken einer Prostataverkleinerung?

Wie jede Operation birgt auch die Verkleinerung einer Prostata die Gefahr von Komplikationen. Diese ist aber sehr gering, denn es wird nicht das ganze Organ entfernt, wie beispielsweise bei Prostatakrebs. Hier ist das Risiko, umliegende Gefäße, Nerven und Gewebe zu verletzten, viel höher.

Dennoch sind folgende Nebenwirkungen beziehungsweise Komplikationen einer Prostata-Operation zu nennen:

  • Harninkontinenz: Es kann nach der OP zu ungewolltem Harnabgang beim Heben schwerer Lasten oder Husten kommen, da Nerven und Muskeln angegriffen wurden.
  • Erektile Dysfunktion: Werden Nerven und Blutgefäßen während der Operation beschädigt, fällt es schwieriger, eine Erektion zu bekommen.
  • Trockener Orgasmus: Samenflüssigkeit fließt in die Harnblase und wird nicht nach außen abgegeben, wenn Muskeln, die den Blasenausgang beim Samenerguss verschließen, verletzt sind.
  • Herz-Kreislaufprobleme, Übelkeit und Verwirrtheit: Teile der Reinigungsflüssigkeit, mit welcher entferntes Prostatagewebe über die Harnröhre ausgespült wird, sind während des Eingriffs in den Blutkreislauf gelangt. Auf diese Weise kann es zu einer Veränderung des Elektrolythaushalts kommen, was wiederum Auswirkungen auf den Kreislauf hat.

Und was passiert nach der Prostata-Operation?

Auch nach der stationär durchgeführten Prostataverkleinerung bleiben einige Fragen für den Patienten noch unklar. Wie lange muss er sich schonen, was muss er nach der Operation beachten und was sollte er auf keinen Fall nach dem Eingriff tun? Diese und weitere wichtige Fragen haben wir zusammengetragen und für Sie beantwortet.

Wie lange ist der Krankenhausaufenthalt bei einer Prostataverkleinerung?

Einen Tag vor dem Eingriff erfolgt die stationäre Aufnahme des Patienten in der Klinik. Dann werden vorbereitende Maßnahmen sowie Untersuchungen durchgeführt, wie zum Beispiel Bluttests oder ein Ultraschall. Nach der Operation folgen auch noch einmal Tests, beispielsweise ein Urintest. In der Regel bleiben die Betroffenen bei einem minimal-invasiven Eingriff insgesamt etwa zwei Tage und Nächte im Krankenhaus.2 Bei einer aufwendigeren, vielleicht sogar offenen OP kann die Aufenthaltsdauer länger sein, je nach Genesungsverlauf.

Wie lange dauert die operative Verkleinerung der Prostata?

Die Dauer der Operation zur Prostataverkleinerung ist von verschiedenen Aspekten abhängig, vor allem aber vom Grad der Hyperplasie (Vergrößerung). In der Regel ist mit einer reinen Operationsdauer von 60 bis 90 Minuten zu rechnen.3

Was hilft gegen die Schmerzen?

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff kommt es bei der Prostata-Operation zu Verletzungen des umliegenden Gewebes und der Gefäße. Gegen die Schmerzen, die sich vor allem beim Sitzen bemerkbar machen, raten Mediziner schmerzstillende Medikamente — wie zum Beispiel Ibuprofen —einzunehmen.2 Die Anwendungsdauer ist dabei individuell mit dem Arzt abzusprechen. Um den Magen vor den Schmerzmitteln zu schützen, empfehlen Ärzte meist zusätzlich Pantoprazol.2 Die Arznei reduziert die Säureproduktion im Magen.

Müssen sonst irgendwelche Medikamente eingenommen werden?

Als präventive Maßnahme kann der behandelnde Arzt auch Antibiotika verschreiben, um eine bakterielle Infektion der Harnwege und Blase nach dem Eingriff zu verhindern.

Was darf Mann denn trinken?

Besonders in den Wochen nach einer Prostata-Operation, ist es ratsam, viel zu trinken. Möglichst zwei Liter, damit die Blase gut durchgespült wird.4 Am besten über den Tag verteilt. Abends sollte man dagegen weniger trinken, denn ansonsten müssen Betroffene nachts häufiger zum Wasserlassen auf Toilette. Die Wahl sollte auf Tee oder stilles Wasser fallen. Achten Sie darauf, keine zu kalten Getränke zu sich zu nehmen.5 Alkohol ist in kleinen Mengen erlaubt.

Sind die Harnbeschwerden nach der OP behoben?

Nach einem Prostataeingriff kann es noch eine Weile zu Harnproblemen kommen, wie zum Beispiel Missempfinden beim Wasserlassen oder Blut im Urin. Aber auch Inkontinenz ist möglich. Hier sei gesagt, dass der unwillkürliche Harnabgang nach einigen Wochen wieder verschwinden sollte. Über diese Zeit können Einlagen hinweghelfen, die es auch speziell für Männer gibt. Zu kaufen sind sie in der Apotheke, im Reformhaus oder auch in Drogerien. In der Regel sind aber die Beschwerden durch die Prostatavergrößerung mit Hilfe der Operation bald behoben. Ansonsten sollte der behandelnde Arzt aufgesucht werden.

Wie lange sollte Mann sich schonen?

Das Heben von mehr als fünf Kilo ist nach der OP für vier Wochen tabu. Das gleiche gilt für stärkere körperliche Belastung und Sport.3 Gönnen Sie Ihrem Körper in dieser Zeit Ruhe, um sich von dem Eingriff zu erholen. Desto schneller werden Sie die Beschwerden durch die Prostataverkleinerung los und sind bald wieder voll leistungsfähig.

Wie kann Mann seinen Körper bei der Genesung sonst noch unterstützen?

Beckenbodenübungen stärken die Muskulatur rund um die Harnwege und fördern die Kontinenz. Blasentraining hingegen dient dazu, die Zeiten zwischen den Toilettengängen zu verlängern. Dafür halten die Patienten den aufkommenden Harndrang immer länger aus, bis sie ihm nachgeben. Auf diese Weise werden ständiger Harndrang[/urogenitalbeschwerden/staendiger-harndrang/], Restharn und Blasensteine vermieden.

Abschließend sei noch einmal gesagt: Ja, eine Operation ist für die Betroffenen mit Aufwand, Missempfindungen und längerer Genesungszeit verbunden. Aber Sie müssen sich nicht mit den Schmerzen sowie Harnbeschwerden aufgrund einer Prostatahyperplasie abfinden. Und die OP zur Verkleinerung ist mittlerweile ein Standardeingriff, der Ihnen ein ganzes Stück Lebensqualität und Leichtigkeit zurückgeben kann. Wenn Ihr behandelnder Arzt Ihnen eine Operation empfiehlt, wird er Sie dahingehend gerne umfassend beraten.

Sie möchten gerne mehr zum Thema Prostataverkleinerung bei einer gutartigen Hyperplasie erfahren? Dann können Sie sich auf den Seiten von urologischen Kliniken und Praxen informieren, wie zum Beispiel auf der deutschlandweit ansässigen Alta-Klinik, des Universitätsklinikums in Erlangen oder des in Heidelberg.

Monika Hortig
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Medizinredakteurin
Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin