Hilfe bei Prostatavergrößerung: So sieht die Behandlung aus

4. April 2019
15 Min.

Eines vorweg: Eine Prostatavergrößerung ist in der Regel gutartig! Die meisten Männer bemerken sie überhaupt nicht. Erst, wenn Beschwerden wie Schmerzen oder Probleme beim Wasserlassen auftreten, fragt Mann nach den Gründen. Dann handelt es sich womöglich um das benigne Prostata-Syndrom (BPS). Die Behandlung der Prostatavergrößerung erfolgt häufig in Form von Medikamenten.


Im Überblick:

  • Medikamente: Die Therapie mit Arzeimitteln reicht von pflanzlichen Mitteln bis hin zu Medikamente wie Alpha-Blockern oder Anticholinergika.
  • Hausmittel: Betroffene können die Genesung mit ihrer Ernährung, Blasentraining, Beckenbodenübungen und Sitzbädern positiv beeinflussen.
  • Homöopathie: Ergänzend zur schulmedizinischen Therapie kann Homöopathie eine Linderung der Symptome verschaffen.
  • Operation: Teile der vergößerten Prostata werden fallabhängig in unterschiedlichen Verfahren entfernt.
  • Diagnose: Um eine geeignete Therapie zu finden, erfolgt die ärztliche Diagnose über eine umfassende Anamnese, Tastuntersuchung sowie Blut- und Urintests.

Eine vergrößerte Prostata mit Medikamenten behandeln

Wenn die gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, kurz BPH) festgestellt wurde, richtet sich die Behandlung nach dem Grad der Beschwerden. Bei einer BPH, welche nur geringe Schmerzen verursacht, wird von einer Operation abgesehen — stattdessen kommen Medikamente zum Einsatz. Dem Urologen stehen dabei unterschiedliche Präparate zur Wahl.

Mann kauft in der Apotheke Medikamente zur Behandlung einer Prostatavergrößerung

Phytotherapie

Hier handelt es sich um eine pflanzliche Therapie. Bevor zu stärkeren Arzneimitteln gegriffen wird, kann Ihnen Ihr Arzt zunächst empfehlen, die Behandlung der Prostatavergrößerung mit Kürbiskernen, Extrakten aus Brennnesselwurzeln, Roggenpollen oder Sägezahnpalmenfrüchten zu versuchen. Bei einigen Betroffenen schlägt die Therapie mit pflanzlichen Arzneimitteln, sogenannten Phytopharmaka, gut an. Fragen Sie im Rahmen der Behandlung einer Prostatavergrößerung ruhig Ihren Arzt nach natürlichen Methoden.

Alpha-1- Rezeptorblocker

Diese Medikamente – kurz Alpha-Blocker – können dabei helfen, mäßige Beschwerden zu lindern. Die Wirkstoffe lassen die Muskulatur im Bereich der Prostata und des Blasenhalses erschlaffen, sodass beispielsweise der Urin wieder leichter abfließen kann. Die Symptome des Patienten verbessern sich daraufhin. Einige dieser Medikamente gegen die Beschwerden einer vergrößerten Prostata haben eine blutdrucksenkende Wirkung, was unter Umständen zu Schwindelanfällen führt.

5-Alpha-Reduktasehemmer

Der Grund der Prostatavergrößerung: Das im Blut befindliche Geschlechtshormon Testosteron wird in sein Stoffwechselprodukt Dihydrotestosteron umgewandelt. Dieses ist für die Zellteilung in der Prostata verantwortlich und somit auch für die Vergrößerung des Organs. Die 5-Alpha-Reduktasehemmer vermindern die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron. Dadurch wächst das Organ langsamer. Wenn die Behandlung der Prostatavergrößerung mit diesen Medikamenten erfolgt, tritt die Verbesserung der Beschwerden meist erst nach einigen Monaten auf. Wie andere Arzneimittel haben auch die 5-Alpha-Reduktasehemmer Nebenwirkungen, beispielsweise Erektionsstörung und Depressionen. Die Einnahme muss deshalb ausführlich mit dem Arzt abgesprochen werden.

Kombinationsmöglichkeit

Bei vielen Patienten erzielt die kombinierte Behandlung von Alpha-Blockern und 5-Alpha-Reduktasehemmern besonders gute Resultate. Die Prostatavergrößerung wird so längerfristig zwar nicht vollständig aufgehalten, aber stark verlangsamt.

Anticholinergika

Bei einigen Betroffenen tritt in Verbindung mit der Prostatavergrößerung verstärkter Harndrang und unkontrollierter Urinabgang (Inkontinenz) auf. Um diese Beschwerden zu behandeln, setzt der Urologe sogenannte Anticholinergika ein. Diese Medikamente wirken direkt auf die Blasenmuskulatur und behandeln deren Reizbarkeit.

Welche Hausmittel bei Prostatabeschwerden helfen können

Bei Symptomen einer gutartigen Prostatavergrößerung bringen häufig auch einfache Hausmittel Linderung. Das Interessante ist, dass sich die Tipps auch zur Vorbeugung eignen.

  • Warme Sitzbäder (bitte nur auf Körpertemperatur erhitzen) können helfen, die Muskulatur zu entspannen, die Durchblutung anzuregen und Beschwerden zu lindern.
  • Eine gesunde, ausgewogene, fettarme und vitamin- sowie ballaststoffreiche Ernährung soll sich auch positiv auf die Prostata auswirken. Außerdem unterstützen Sie auf diese Weise einen regelmäßigen und leichteren Stuhlgang, was den Druck auf Blase und die Harnwege reduziert.
  • Vermeiden Sie koffeinhaltige und alkoholische Getränke. Auch scharfe Gewürze und Kohlensäure sind zu reduzieren, da sie häufig die Symptome wie Schmerzen verstärken.
  • Das Trinken von Brennnesseltee ist zur Verbesserung der Harnausscheidung (Miktion) geeignet, denn Brennnessel wirkt harntreibend und kann so das Risiko von verbleibendem Restharn in der Blase reduzieren.
  • Generell sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Viele Betroffene neigen bei Prostata bedingten Blasenproblemen wie ständigem Harndrang dazu, weniger zu trinken. Empfohlen werden aber etwa eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit täglich.1
  • Es gibt verschiedene Beckenbodenübungen, die die Muskultur in der Blasengegend stärken und so Inkontinenz vorbeugen.

Des Weiteren kann Blasentraining bei Harndrang helfen, den Urinabgang weiter hinauszögern. Auf diese Weise vermeiden Sie, dass Sie zu häufig Wasser lassen, der Harn nur tröpfchenweise abgesetzt wird und Restharnmengen in der Blase zurückbleiben, welche dann zu Infektionen oder Blasensteinen führen können. Das Training ist relativ einfach umzusetzen: Sobald Sie Harndrang verspüren, geben Sie diesem nicht direkt nach, sondern halten den Druck so lange wie möglich aus. Erst wenn es gar nicht mehr geht, suchen Sie die Toilette auf. Am besten befinden Sie sich in der Nähe eines WCs. Die Dauer des „Aushaltens“ sollten Sie möglichst immer mehr steigern.

Mit diesen Hausmitteltipps können Sie die Behandlung von Prostata bedingten Beschwerden positiv beeinflussen. Ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung bietet sich auch Homöopathie an.

Homöopathische Prostatabehandlung

Die homöopathische Therapie von Prostatabeschwerden sollte bitte immer durch einen erfahrenen homöopathischen Arzt oder Heilpraktiker erfolgen. Eingenommen werden die jeweiligen Wirkstoffe vor allem als winzige Rohrzuckerkügelchen (Globuli), aber auch Tabletten, Tropfen oder Ampullen sind möglich.

Bei der Homöopathie wird der erkrankte Organismus einem starken, den Beschwerden ähnlichen Impuls ausgesetzt. Dieser soll dann die Selbstheilungsprozesse aktivieren. Die verwendeten Substanzen werden so stark verdünnt (potenziert), dass nur geringe Spuren in den Mittel aufzufinden sind. Dennoch sprechen homöopathische Experten sich für die Anwendung aus, da sich ihrer Ansicht nach selbst winzige Mengen positiv auf den Organismus auswirken sollen.

Verordnete Arzneien können sein:

  • Sabal serrulatum (Sägepalme): bei Gefühl einer zu vollen Blase und Entleerungsschmerzen
  • Selenium (Selen): bei unwillkürlichem Abgang von Harn, Samenflüssigkeit oder Prostatasekret, Harnnachtröpfeln, ziehenden Hodenschmerzen und sexueller Schwäche
  • Aurum metallicum (metallisches Gold): bei Schmerzen und ständigem Harndrang
  • Conium maculatum (gefleckter Schierling): bei harter, knotenartiger Prostatavergrößerung, Schwindelanfällen, Muskelkrämpfen und Nervenleiden
  • Digitalis (roter Fingerhut): bei Pulsieren der Prostata, häufigem nächtlichen Harndrang, tröpfelndem Wasserlassen und Restharngefühl

An dieser Stelle sei noch zu erwähnen, dass die Wirksamkeit von Homöopathie medizinisch nicht nachgewiesen ist. Dennoch erfreut sich der alternativmedizinische Ansatz einer großen Anhängerschaft, weswegen es sich auch durchaus lohnen kann, diese Variante der Behandlung zu testen.

Die Therapieansätze mit Hausmitteln und Homöopathie sind als unterstützende Maßnahmen zur schulmedizinischen Behandlung zu sehen und sollten mit dem Arzt abgeklärt werden. Denn den Ursprung der Beschwerden – die Hyperplasie der Prostata – können sie nicht beheben. Sie dienen lediglich zur Linderung der Symptome.

Wenn nichts anderes mehr hilft – Prostataoperation

Manchmal zeigt die Behandlung mit Medikamenten und Co. leider keine Wirkung. Das ist vor allem bei einer weit fortgeschrittenen Vergrößerung der Prostata mit starkem Leidensdruck für den Patienten oder großem Komplikationsrisiko der Fall. Eine Operation ist hier ratsam. Doch Operation ist nicht gleich Operation, denn es gibt verschiedene Verfahren.

Prostata-Arterien-Embolisation (PAE)

Der Eingriff erfolgt minimal-invasiv, das heißt, dass, nach einer örtlichen Betäubung, durch die Leiste ein besonders dünner Katheter in die Prostata-Arterie eingeführt wird. Kleinste Kügelchen aus Polyvinylalkohol verschließen die einzelnen Äste der Arterie. In der Folge wird die Blutzufuhr stark eingeschränkt und die Prostatazellen schrumpfen.

Entfernung von Prostatagewebe

Um den Druck auf die Harnröhre zu reduzieren, werden Teile der Prostata entfernt. Dem Operateur stehen unterschiedliche Vorgehensweisen zur Verfügung:

  • Offene Operation: Bei einer sehr stark vergrößerten Prostata kann unterhalb des Bauchs ein Schnitt gesetzt und das Organ freigelegt werden, um zu operieren. Dank Vorsorgeuntersuchungen ist diese invasive Variante nicht mehr so oft nötig, da eine stark vergrößerte Prostata vorzeitig erkannt wird.
  • Transurethrale Elektro-Resektion: Unter Vollnarkose gelangt ein dünnes Röhrchen (Resektoskop) durch die Harnröhre bis zur Prostata. Am Kopf des Instruments befindet sich eine winzige Kamera und eine elektrische Drahtschlinge. Das zu entfernende Gewebe wird umschlungen und mittels elektronischer Erhitzung abgetragen. Praktisch dabei: Die Hitze verschließt die Blutgefäße im gleichen Zuge, wodurch es zu keinen größeren Blutungen kommt.
  • Transurethrale Inzision: Bei diesem Eingriff werden über die Harnröhre Inzisionen (Einschnitte) am Übergang zwischen Blasenhals und Prostata vorgenommen und störendes Gewebe entfernt.

Gut zu wissen: Der Mediziner wird bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata immer nur Gewebeteile entfernen – nie die ganze Prostata. Dies geschieht lediglich im Krebsfall (Prostatakarzinom).

Vor der Behandlung der Prostatavergrößerung: Die Diagnostik

Damit der Arzt weiß, welche Behandlung in Ihrem Fall am besten geeignet ist, führt er vorab verschiedene Untersuchungen durch. Um eine gutartige Prostatavergrößerung zu diagnostizieren, stehen dem Urologen mehrere Methoden zur Verfügung:

  • Anamnese: Bei einer systematischen Patientenbefragung erfährt der Arzt die vorliegenden Symptome und eruiert weitere Beschwerden. Dem Mediziner liegt ein spezieller Fragebogen vor, die Internationale Prostata-Beschwerde-Skala, den der Arzt mithilfe des Patienten ausfüllt. Eventuell hat der Urologe den Betroffenen bereits vor dem Termin aufgefordert, ein Urinprotokoll zu führen, um die Stärke und Häufigkeit des Wasserlassens (Miktion) zu dokumentieren.
  • Körperliche Untersuchung: Davor fürchten sich die meisten Männer – dem Abtasten der Prostata. Dabei ist dieser Vorgang nicht weiter tragisch. Der Urologe führt seinen Finger durch den After ein und kontrolliert die Größe und Beschaffenheit der Prostata. Das ist möglich, weil die Prostata am Mastdarm anliegt. Eine gesunde beziehungsweise auch gutartig vergrößerte Prostata fühlt sich wie der Daumenballen bei geballter Faust an. Liegen bösartige Veränderungen vor, spürt der Urologe eine verhärtete Prostata – etwa so fest wie die Fingerknöchel. Der Experte kann zudem feststellen, ob die Blase übermäßig gefüllt ist, und erhält so einen Hinweis auf mögliche Probleme bei der Entleerung.
  • Urinuntersuchung: Durch eine Urinprobe wird festgestellt, ob dem Harn Blut beigemischt ist und ob Entzündungsanzeichen bestehen.
  • Ultraschall: Die Sonografie verrät dem Arzt mehr über Größe und Form der Prostata. Am besten funktioniert dies durch eine transrektale Sonografie, also eine Untersuchung der Prostata über den Enddarm mittels Ultraschall. Mit dieser Methode lassen sich auch Restharn, eine Veränderung der Blase oder Blasensteine ausfindig machen.
  • Blutuntersuchung: Auf diese Weise wird der Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) geprüft. Die Maßnahme ist erforderlich, wenn der Verdacht besteht, dass es sich womöglich um einen Tumor handelt.

Für gewöhnlich findet der Arzt mithilfe einer Kombination der genannten Untersuchungen heraus, ob eine Prostatavergrößerung vorliegt und wie stark sie fortgeschritten ist. Im Anschluss daran kann er eine passende Behandlung empfehlen. Manchmal entpuppt sich die Diagnostik allerdings als etwas schwieriger – dann stehen dem Arzt noch andere Untersuchungsmethoden zur Verfügung.

Prostatavergrößerung? Ein Experte klärt auf

Von der Diagnose über die Behandlung und das Leben danach – mit Prof. Dr. med. Thomas Ebert (Facharzt für Urologie) sprachen wir über die Prostatavergrößerung. Das Wichtigste zum Thema hören Sie im kanyo®-Gesundheitspodcast.

Wenn die Prostata Probleme bereitet: Weitere Diagnosemöglichkeiten

Kann der Arzt anhand der beschriebenen Methoden keine Behandlung der Prostatavergrößerung einleiten, greift er zur weiteren Klärung auf folgende Diagnosemaßnahmen zurück:

  • Uroflowmetrie Dabei handelt es sich um eine Harnstrahlmessung. Auf der Patiententoilette ist eine Apparatur unter einem Urin-Auffangtrichter montiert, mit welcher der Harnstrahl in Millilitern pro Sekunde gemessen wird. Die Auswertung gibt Aufschluss über die Stärke des Strahls und Hinweise auf eine mögliche Prostatavergrößerung.
  • Miktionsprotokoll: Der Patient wird aufgefordert, die Häufigkeit und Stärke des Strahls zu dokumentieren. Eventuell ist auch das Aufzeichnen der Menge der Urinausscheidungen nötig. Die genaue Dokumentation hilft dem Arzt dabei, die richtigen Medikamente gegen die vergrößerte Prostata zu verschreiben.
  • Druck-Fluss-Studien: Die Urodynamik kommt nur selten zum Einsatz und zwar dann, wenn sich durch die anderen Maßnahmen nichts finden lässt. Über einen Katheter misst der Fachmann unter anderem den Druck in Blase und Bauchraum.
  • Blasenspiegelung: Die Zystoskopie wird in der Regel bei Verdacht auf Tumorerkrankungen eingesetzt. Mit einem Endoskop prüft der Arzt Harnröhre sowie Harnblase und erhält weitere Hinweise auf eine bösartige Prostatavergrößerung.

Mithilfe dieser Diagnosemaßnahmen weiß der Urologe, wie die Behandlung der Prostatavergrößerung auszusehen hat und ist in der Lage, die geeigneten Medikamente gegen die vergrößerte Prostata zu verschreiben – oder gegebenenfalls eine operative Maßnahme in Erwägung zu ziehen.

Monika Hortig
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